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	<description>HIV 2011 das aktuelle Buch zur HIV-Medizin - frei verfügbar</description>
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		<title>Medizinische Präventionsstrategien neben der ART</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 12:05:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[6.12. Prävention, Compliance, Kosten]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 2 Antiretrovirale Therapie (ART)]]></category>
		<category><![CDATA[Herpesvirus 2]]></category>
		<category><![CDATA[HSV Erreger]]></category>
		<category><![CDATA[Mikrobizide]]></category>
		<category><![CDATA[Zirkumzision]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Zirkumzision Durch die Beschneidung der männlichen Vorhaut wird das Infektionsrisiko für diverse Erreger bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr reduziert (Übersicht: Weiss 2006). Mindestens drei große randomisierte Studien bei heterosexuellen Männern in Uganda, Kenia und Südafrika konnten dies in &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/05/08/medizinische-praventionsstrategien/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1131&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zirkumzision</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Durch die Beschneidung der männlichen Vorhaut wird das Infektionsrisiko für diverse Erreger bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr reduziert (Übersicht: Weiss 2006). Mindestens drei große randomisierte Studien bei heterosexuellen Männern in Uganda, Kenia und Südafrika konnten dies in den letzten Jahren auch für HIV zeigen. Sie kamen zu bemerkenswert ähnlichen Ergebnissen (siehe Tabelle 12.1).</p>
<h5 style="text-align:justify;"></h5>
<h5 style="text-align:justify;">Tabelle 12.1: Große randomisierte Studien zur Zirkumzision</h5>
<table width="490" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="84"><strong>Ort, Referenz</strong></td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center"><strong>n</strong></p>
</td>
<td valign="top" width="216"><strong>Wesentliche Resultate</strong></td>
<td valign="top" width="108">
<p align="center"><strong>Reduktion des TR*</strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Kenia<br />
(Bailey 2007)</td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center">2.784</p>
</td>
<td valign="top" width="216">Zwei-Jahres-HIV-Inzidenz 2.1%<br />
(95% CI 1.2-3.0) vs 4.2% (95% CI 3.0-5.4)</td>
<td valign="top" width="108">
<p align="center">53-60 %</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Uganda<br />
(Gray 2007)</td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center">4.996</p>
</td>
<td valign="top" width="216">Über 24 Monate HIV-Inzidenz<br />
0,66 vs 1,33/100 Personenjahre</td>
<td valign="top" width="108">
<p align="center">51-60 %</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Südafrika<br />
(Auvert 2005)</td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center">3.274</p>
</td>
<td valign="top" width="216">Über 18 Monate HIV-Inzidenz<br />
0,85 vs 2,10/100 Personenjahre</td>
<td valign="top" width="108">
<p align="center">60-61 %</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h5 style="text-align:justify;">TR = Transmissionsrisiko, teilweise unterschiedlich definiert/berechnet</h5>
<p style="text-align:justify;">Eine Metaanalyse dieser Studien ergab ein relatives Risiko von 0,44 für die Zirkumzision (Mills 2008). Die NNT (number needed to treat), also die Zahl der Behandlungen, die nötig sind, um ein Ereignis zu verhindern, lag bei 72 und war damit vergleichsweise noch günstig.</p>
<p style="text-align:justify;">Erklärt wird die Wirkung der Zirkumzision dadurch, dass in der männlichen Vorhaut CD4-positive Langerhans-Zellen und damit primäre Zielzellen von HIV vorhanden sind. Durch die Zirkumzision sinkt auch die Häufigkeit genitaler HSV-2-Infektionen (Tobian 2008), was aber wohl nicht der Grund für den protektiven Effekt ist (Gray 2009). Es wurde geschätzt, dass allein in Afrika durch die Zirkumzision rund 2 Millionen HIV-Infektionen in den nächsten Jahren verhindert werden könnten (Williams 2006). Die WHO empfiehlt daher die Zirkumzision auch als Präventionsmaßnahme für heterosexuelle Männer. Erfreulicher Nebeneffekt: auch HPV-Infektionen werden deutlich weniger übertragen (Serwadda 2010).</p>
<p style="text-align:justify;">Eine Zirkumzision ist allerdings nicht ohne Probleme. Chirurgische Komplikationen (Infektionen, Nachblutungen) treten in etwa 3-4 % auf (Gray 2007). Das Sexualverhalten nach Zirkumzision, ethische und logistische Probleme sind nur einige Aspekte (Lie 2006). Zu beachten ist auch, dass sich zwar das Risiko für beschnittene Männer reduziert, nicht aber für die Partnerinnen. In der randomisierten Studie in Uganda infizierten sich die Frauen der beschnittenen Männer sogar tendentiell häufiger (Waver 2008). Hauptgrund war wahrscheinlich, dass die Paare nach dem Eingriff früher als empfohlen Sex miteinander hatten. Nach dem Eingriff ist deshalb unbedingt eine mehrwöchige Karenzzeit einzuhalten.</p>
<p style="text-align:justify;">Gibt es einen protektiven Effekt der Zirkumzision auch bei homosexuellen Männern? Wenn es ihn gibt, so ist die Datenlage im Vergleich zu heterosexuellen Männern weniger eindeutig: eine Metaanalyse von 15 sehr unterschiedlichen Studien an insgesamt 53.567 MSM (52 % mit Zirkumzision) ergab jedenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen beschnittenen und unbeschnittenen Männern (Millet 2008). Auch in einer neueren Studie blieb die Zirkumzision bei MSM ohne Effekt (Sánchez 2011). Ob sich die Effekte der Zirkumzision auf diese Patientengruppe unbeschränkt übertragen lassen, ist somit nicht geklärt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Präventive Behandlung von HSV und anderen Erregern</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Genitale Infektionen erhöhen das Risiko deutlich, sich mit HIV zu infizieren. Dies gilt vor allem für das humane Herpesvirus 2 (HSV-2). Die HIV-Viruslast steigt sowohl in Plasma als auch in Vaginalflüssigkeit, wenn eine HSV-Infektion vorliegt (LeGoff 2007). Einer Metaanalyse zufolge erhöht sich das HIV-Risiko bei HSV-2-Seropositivität &#8211; also wenn Antikörper gegen HSV-2 im Blut nachweisbar sind &#8211; für Männer um 2,7, bei Frauen um 3,1 (Freeman 2006). Ein beachtlicher Teil der HIV-Neuinfektionen ist somit auf eine begleitende HSV-Infektion zurückzuführen, die Schätzungen liegen dabei bei Frauen bei 38-69 % und 8-49 % bei Männern.</p>
<p style="text-align:justify;">Kann man durch die medikamentöse Suppression von HSV-2 bei negativen Personen die HIV-Transmissionsrate reduzieren? HPTN 039, eine doppelblind randomisierte Phase-III-Studie, ging dieser Frage nach (Celum 2008). Insgesamt 1.871 homosexuelle Männer aus den USA und aus Peru sowie 1.380 Frauen aus Zimbabwe, Zambia und Südafrika erhielten zweimal täglich 400 mg Aciclovir oral oder Plazebo. Alle Teilnehmer waren bei Studienbeginn HIV-negativ und HSV-2-positiv. Obgleich weniger HSV-Ulzera im Verumarm beobachtet wurden, war die HIV-Inzidenz im Aciclovir-Arm mit 3,9/100 Personenjahre im Vergleich zu Plazebo (3,3/100) nicht reduziert. Die enttäuschenden Resultate wurden durch den Mwanza Trial bestätigt, der bei 821 Frauen in Tansania ebenfalls keine Reduktion fand (Watson-Jones 2008). Die Ursache dafür ist bislang unklar &#8211; Resistenzen gegen Aciclovir sind es wohl nicht (Watson-Jones 2010).</p>
<p style="text-align:justify;">Der Ansatz, mittels einer medikamentösen HSV-Therapie mit Aciclovir HIV zu verhindern, ist nach diesen Daten somit erst einmal hinfällig. Keinen protektiven Effekt hatte übrigens auch die prophylaktische Gabe von Azithromycin, die bakterielle Geschlechtskrankheiten verhindern kann (Kaul 2004).</p>
<p style="text-align:justify;">Lässt sich die Transmissionsrate verringern, wenn nicht die HIV-negativen, sondern die HIV-infizierten Partner mit Aciclovir behandelt werden? Eine riesige Studie an 3.408 diskordanten afrikanischen Paaren zeigte keinen Effekt auf die Transmissionsrate, trotz einer wie oben deutlich verminderten Rate an genitalen HSV-Ulcera (Celum 2010). Diese Studie zeigte allerdings als interessanten Nebeneffekt, dass es offenbar einen schwachen, aber doch messbaren Effekt von Aciclovir und seinen Derivaten auf die HI-Viruslast gibt. Er lag bei 0,25 Logstufen im Vergleich zu Plazebo und führte sogar zu einer gewissen Reduktion des HIV-Progressionsrisikos bei den unbehandelten Patienten (Lingappa 2010). Die Transmissionsrate wurde freilich auch durch die Senkung der Viruslast nicht beeinflusst. Resistenzen wurden durch Aciclovir nicht induziert (Baeten 2011). Antivirale Effekte wurden auch in zahllosen weiteren randomisierten Studien gesehen, in denen die Viruslast in Blut und zervikovaginaler Flüssigkeit durch Aciclovir oder Valaciclovir um 0,26 bis 0,53 Logstufen sank (Delany 2009, Nagot 2007, Zuckerman 2007, Baeten 2008, Dunne 2008, Paz-Bailey 2009). Möglicherweise werden neue Aciclovir-Derivate entwickelt werden können, deren antivirale Potenz bei guter Verträglichkeit hinsichtlich HIV besser ist (Vanpouille 2010).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Mikrobizide, Gleitcremes, Diaphragma</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Mikrobizide sind chemische Substanzen, die, meist topisch als vaginale Gels appliziert, HIV und andere Erreger abtöten oder immobilisieren. Es werden derzeit heterogene Mechanismen untersucht. Dazu gehören inaktivierende Stoffe, die virale Strukturen zerstören, aber auch Substanzen, die das Andocken an die Zielzelle hemmen oder antiretrovirale Medikamente. Wünschenswert wären Mikrobizide, die nicht nur billig, einfach anzuwenden und nicht toxisch sind, sondern möglichst auch gegen andere Geschlechtskrankheiten aktiv sind, da diese wie oben beschrieben das Risiko für die HIV-Transmission erhöhen. Der CAPRISA-Trial (siehe unten) hat in den letzten Monaten für eine sichtbare Belebung dieses Forschungsfelds geführt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Inaktivierende Mikrobizide:</strong> Bislang konnte kein Produkt in klinischen Studien einen überzeugenden protektiven Effekt zeigen, teilweise stieg HIV-Transmissionsrisiko sogar, wie zum Beispiel unter Nonoxynol-9 (Van Damme 2002) oder Zellulosesulfat (van Damme 2008). Auch PRO 2000, für das anfangs erst ermutigende Resultate publiziert worden worden, blieb wirkungslos (McCormack 2010). Die Anwendung von Diaphragmen und/oder Gleitcremes zusätzlich zu Kondomen hat übrigens keinen protektiven Effekt, wie eine randomisierte Studie zeigte (Padian 2007).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Antiretrovirale Mikrobizide:</strong> Einen Durchbruch in der Mikrobizid-Forschung brachten im September 2010 die Resultate des CAPRISA-Trials, in der ein 1%iges Tenofovir-Gel doppelblind an 889 HIV-negativen Frauen in Südafrika untersucht wurde (Abdool Karim 2010). Die HIV-Inzidenz wurde durch das Gel gegenüber Plazebo von 9,1 auf 5,6/100 Jahre reduziert. Bei Frauen, die das Gel regelmässig anwendeten, wurde sogar eine Reduktion des Transmissionsrisikos um 54 % erzielt. Nach diesem ersten Erfolg („proof of concept“) konzentriert man sich in der Mikrobizidforschung voll auf antiretrovirale Substanzen, darunter neben Tenofovir auch die experimentellen NNRTIs Dapivirin und MIV-150, aber auch Maraviroc und auch Raltegravir (Review: Mertenskötter 2011).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PrEP (Präexpositions-Prophylaxe)</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Unter einer PrEP wird im HIV-Bereich die prophylaktische Einnahme antiretroviraler Medikamente verstanden. Diese werden analog zur Malaria-Prophylaxe bereits vor und nicht erst nach einer Exposition eingenommen. PrEP-Ansätze in Hochrisikogruppen (vor allem Sexarbeiter) werden vor allem mit Tenofovir verfolgt, teilweise auch mit Tenofovir und FTC. Allerdings sind derartige Studien nicht ohne Kritik geblieben. Auf Druck von Aktivisten und diversen Organisationen wurde in 2004 eine Studie an kambodschanischen Prostituierten gestoppt, ebenso 2005 Studien in Kamerun und Nigeria (Cohen 2004, Sing 2005). Meist wurde den beteiligten Forschern und Firmen vorgeworfen, die Aufklärung der Studienteilnehmer zu vernachlässigen und den infizierten Patienten im Anschluss an die Studie keine medizinische Versorgung zukommen zu lassen.</p>
<p style="text-align:justify;">Ähnlich wie mit CAPRISA bei den Mikrobiziden gelang auf dem Gebiet der PrEP Ende 2010 der Durchbruch. In der iPrEx-Studie erhielten 2.499 MSM aus sechs Ländern entweder TDF+FTC oder Plazebo. Nach einem Median von 1,2 Jahren waren 36 versus 64 Infektionen aufgetreten, was eine Reduktion des Infektionsrisikos um 44 % entsprach. In der Verumgruppe etwas mehr Übelkeit und ungeplanter Gewichtsverlust, sonst keine Unterschiede. Nur in 3/34 Patienten mit einer neuen Infektion wurde Tenofovir oder FTC im Plasma gefunden. Mag man auch über den nur unvollständigen Schutz noch streiten: Auch hier ist der Wirkungsnachweis erbracht, der Damm gebrochen. Die PrEP wird nicht aufzuhalten sein. Schon angesichts der katastrophalen Zahl von 2,2 Millionen Neuinfektionen weltweit pro Jahr.</p>
<h5 style="text-align:justify;">Tabelle 12.2: Große randomisierte Studien zur PrEP, Stand März 2011</h5>
<table width="490" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="85"><strong>Ort </strong></td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center"><strong>n</strong></p>
</td>
<td valign="top" width="178"><strong>Risikogruppe, Art der PrEP</strong></td>
<td valign="top" width="150">
<p align="center"><strong>Status, erste Ergebnisse</strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="85">Thailand</td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center">2.400</p>
</td>
<td valign="top" width="178">IDU: Tenofovir</td>
<td valign="top" width="150">
<p align="center">Voll rekrutiert, 2012</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="85">Afrika, Partners PrEP Studie</td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center">4.758</p>
</td>
<td valign="top" width="178">Diskordante Paare: Tenofovir, Tenofovir+FTC</td>
<td valign="top" width="150">
<p align="center">Voll rekrutiert, 2012</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="85">Afrika, FEM PrEP</td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center">3.900</p>
</td>
<td valign="top" width="178">Frauen: Tenofovir+FTC</td>
<td valign="top" width="150">
<p align="center">49 % rekrutiert, 2013</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="85">Afrika,  VOICE/ MTN 003</td>
<td valign="top" width="36">
<p align="center">5.000</p>
</td>
<td valign="top" width="178">Frauen: Tenofovir, Tenofovir+FTC, vaginales Tenofovir-Gel</td>
<td valign="top" width="150">
<p align="center">65 % rekrutiert, 2013</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;">Ärzte werden sich also auf Fragen nach PrEP einstellen müssen. Dabei ist noch vieles ungeklärt und wird auch durch die obigen Studien nicht beantwortet werden. Nach welchem Modus soll wer eigentlich wann, wie oft und nicht zuletzt auf wessen Kosten zukünftig eine PrEP erhalten? Wer soll die PrEP verteilen (Ambulanzen, Ärzte, Apotheken?), wie bekommen Risikogruppen besseren Zugang? Was ist mit der Sicherheit bei Schwangeren, Adoleszenten, bei Hepatitis B? Der Langzeitverträglichkeit? Es gibt inzwischen Hinweise dafür, dass Tenofovir als PrEP die Knochendichte signifikant mindert (Liu 2011, Mulligan 2011). Was ist mit der Resistenzentwicklung (bei nicht bekannter HIV-Infektion)? Sinkt der Kondomgebrauch, ändert sich das Sexualverhalten? Werden PrEP-Medikamente zukünftig auf dem Schwarzmarkt gehandelt (und von Patienten nicht mehr regelmäßig eingenommen)? Dies sind nur einige Aspekte, die zu bedenken sind. In der Schweiz hat man hierfür eine Kommission gegründet, die sich diesen Fragen schon widmet, noch bevor der Nutzen der PrEP wissenschaftlich erwiesen ist.</p>
<p style="text-align:justify;">Fazit: Angesichts der weltweit weiterhin dramatischen Ansteckungszahlen muss die Prävention neue Wege gehen. Die sture Propagierung von Safer Sex allein reicht nicht. Unter den medizinischen Ansätzen ist die antiretrovirale Therapie die derzeit effektivste Strategie. Das EKAF-Papier wird weiter Wellen schlagen. Auch Mikrobizide und PrEP werden, ob man nun will oder nicht, die HIV-Prävention nachhaltig verändern. Patienten werden danach fragen.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-2-antiretrovirale-therapie-art/6-9-salvage-therapie/6-12-pravention-compliance-kosten/'>6.12. Prävention, Compliance, Kosten</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-2-antiretrovirale-therapie-art/'>Teil 2 Antiretrovirale Therapie (ART)</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/1131/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/1131/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/1131/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/1131/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/1131/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/1131/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/1131/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/1131/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/1131/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/1131/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/1131/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/1131/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/1131/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/1131/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1131&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>1. Einleitung</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/1-einleitung/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 15:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1. Einleitung]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1 Grundlagen]]></category>

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		<description><![CDATA[- von Jürgen Kurt Rockstroh - Die erworbene Immunschwäche AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) wurde erstmals 1981 als klinische Entität beschrieben. Die ersten Berichte  gingen dabei auf eine ungewöhnliche Häufung bis dahin seltener Erkrankungen wie Kaposi-Sarkomen (KS) und Pneumocystis-Pneumonien (PCP) &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/1-einleitung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=407&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p>- von Jürgen Kurt Rockstroh -</p>
<p style="text-align:justify;">Die erworbene Immunschwäche AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) wurde erstmals 1981 als klinische Entität beschrieben. Die ersten Berichte  gingen dabei auf eine ungewöhnliche Häufung bis dahin seltener Erkrankungen wie Kaposi-Sarkomen (KS) und Pneumocystis-Pneumonien (PCP) zurück. Obwohl diese Krankheitsbilder gelegentlich in verschiedenen Bevölkerungsgruppen vorkommen (so das KS bei älteren Männern aus dem Mittelmeerraum oder die PCP bei Leukämiepatienten nach intensiver Chemotherapie), war das Auftreten dieser Indikatorerkrankungen für einen Immundefekt bei bislang gesunden jungen Menschen noch nie beobachtet worden. Angesichts der anfangs betroffenen Patientengruppe, nämlich Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), wurden Erkrankung und Betroffene stark stigmatisiert. Nach dem man zunächst die Ursache in den spezifischen Lebensstilen vermutet hatte, konnte schließlich 1983 das Humane Immunschwäche Virus (HIV) als auslösender Erreger von AIDS identifiziert werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Bereits 1987 wurde mit AZT (Zidovudin, Retrovir<sup>®</sup>) die erste antiretrovirale Substanz eingeführt. Wenngleich diese &#8211; als Monotherapie &#8211; die HIV-Vermehrung nur ungenügend unterdrückte, gelang es so zumindest, Symptome der HIV-Infektion kurzfristig zu verbessern und das Auftreten von AIDS zeitlich etwas zu verzögern. Was dann folgte, bleibt in der Medizin einmalig: innerhalb weniger Jahre nach ihrer Entdeckung wurde aus einer unweigerlich tödlichen Erkrankung eine, die sich dauerhaft und effektiv behandeln ließ. Durch die rasche Einführung weiterer Medikamentenklassen und der so genannten hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART, ein Begriff, der in diesem Buch inzwischen durch ART ersetzt wurde), gelang und gelingt es dauerhaft, die Virusvermehrung zu unterdrücken und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern &#8211; vorausgesetzt, die Medikamente werden regelmäßig eingenommen und toleriert. Langzeittoxizitäten und Resistenzen bedingten die Suche und Identifizierung weiterer viel versprechender Substanzen mit anderem Wirkmechanismus oder günstigerem Resistenzprofil. Auch Einnahmebedingungen und Verträglichkeit wurden verbessert. So stehen im Jahr 2011 mehrere HIV-Therapien mit lediglich  1-3 Tabletten einmal täglich zur Verfügung, was vor allem durch Fixdosis-Kombinationen möglich geworden ist.</p>
<p style="text-align:justify;">Dies alles soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine lebenslange medikamentöse Behandlung erhebliche Probleme bereiten wird &#8211; sowohl was Therapietreue als auch mögliche Langzeittoxizitäten (bislang begrenzte Erfahrung über zehn Jahre) angeht. Eine Infektion mit HIV sollte weiter unbedingt vermieden werden. Daher müssen unsere Anstrengungen neben einer weiteren Verbesserung der ART und neuen Konzepten wie etwa der Eradikation vor allem der Prävention gelten, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.</p>
<h2>Die HIV-Epidemie</h2>
<p style="text-align:justify;">1981 erschienen in Morbity and Mortality Weekly Report und später im New England Journal of Medicine die ersten drei klinischen Beschreibungen von AIDS, die sowohl eine Epidemie ambulant erworbener Pneumocystis-Pneumonien meist zusammen mit oralem Soor bei zuvor gesunden homosexuellen Männern wie auch chronisch ulzerierende perianale Herpesinfektionen umfassten (Gottlieb 1981a, Gottlieb 1981b, Masur 1981, Siegal 1981).</p>
<p style="text-align:justify;">Wenig später, im Juni 1982, wurde eine Notiz der Centers for Disease Control (CDC) über drei PCP-Fälle bei Hämophilen veröffentlicht (CDC 1982a). Im selben Jahr wurden auch noch ein klinischer Fall einer Kryptosporidiose bei einem Hämophilen aus Pennsylvania (Eyster 1982) und eine AIDS-Erkrankung eines Kleinkindes nach einer Bluttransfusion publiziert (CDC 1982b). Das Auftreten von AIDS bei Hämophilen löste eine Diskussion aus, ob AIDS möglicherweise eine virusbedingte Erkrankung sei (Marx 1982). Vor allem die Ähnlichkeit der Risikopopulationen für AIDS und für Hepatitis B ließ eine virale Genese von AIDS vermuten.</p>
<p style="text-align:justify;">Untersuchungen der AIDS-Patienten aus verschiedenen Risikokollektiven konnten rasch Gemeinsamkeiten aufzeigen: So waren bei allen Patienten, verglichen mit gesunden Kontrollpersonen, die CD4-positiven T-Lymphozyten erniedrigt. Dagegen lagen ein relativer und absoluter Anstieg der CD8-positiven T-Lymphozyten und eine eingeschränkte, mitogen-induzierte Proliferationsfähigkeit der Lymphozyten vor (Gottlieb 1981, Masur 1981, Siegal 1981, Mildvan 1982, Stahl 1982). Schnell wurde deutlich, dass eine manifeste Erkrankung jedoch keine Bedingung für den Immundefekt war. Ein Defekt der zellulären Immunität, verbunden mit einer Lymphadenopathie, wurde bereits sehr früh bei ansonsten asymptomatischen Männern, die Sex mit Männern haben, beschrieben (Kornfeld 1982, Stahl 1982). Im Januar 1983 erschien eine Beschreibung zweier Hämophiler mit Lymphadenopathiesyndrom, die beide erhebliche Störungen der zellulären Immunität aufwiesen (Ragni 1983). Sie ließ vermuten, dass es sich bei der Lymphadenopathie und der Störung der zellulären Immunität um ein Vorstadium von AIDS handelte und dass eine Übertragung des AIDS-Erregers durch Blutprodukte wahrscheinlich war. Nachfolgend erschien eine Fülle von Arbeiten, die über Veränderungen der zellulären Immunität bei Hämophilen berichteten. Im Wesentlichen zeigte sich eine verminderte CD4/CD8-Ratio, die als Ergebnis einer relativen und/oder absoluten Verminderung CD4-T-Lymphozyten bei meist bereits erhöhten CD8-T-Lymphozyten angesehen wurde. Lediglich bei Patienten, die mit geringen Mengen an Faktor VIII behandelt werden mussten, oder aber deren Faktor VIII aus kleinen Donor-Pools bestanden, fanden sich regelrechte Lymphozytensubpopulationen (Luban 1983, Rasi 1984).</p>
<p style="text-align:justify;">Die immunologischen Befunde bei Hämophilen wurden zunächst kontrovers diskutiert. Zum Teil wurden sie mit der chronischen Antigenbelastung der Patienten durch die Faktor-VIII-Gabe erklärt. Andere Gruppen wiederum hielten diese Erklärung für unwahrscheinlich, da Hämophile bis zu dem Auftreten von AIDS kein erhöhtes Risiko für eine Infektion aufgewiesen hatten als andere Bevölkerungsgruppen (ausgenommen virale Infektionen, insbesondere Hepatitis B und Non-A-Non-B-Hepatitis über die Verabreichung von Blutprodukten). Insgesamt wurde zu diesem Zeitpunkt noch keine Veranlassung gesehen, das Konzept der Faktorenbehandlung bei Hämophilen infrage zu stellen (Anonymous 1983, Goldsmith 1983). Als mögliche alternative Erklärung für AIDS, vor allen Dingen innerhalb der Risikogruppe der Männer, die Sex mit Männern hatten, wurde die Koinfektion mit dem humanen Zytomegalievirus, Drogengebrauch, Inhalation von Amylnitrat (Poppers) und Exposition zu fremden Eiweißen (Spermatozoa) diskutiert (Essex 1997).</p>
<p style="text-align:justify;">Im Jahr 1983 wurde von verschiedenen Forschergruppen die Vermutung geäußert, dass der mögliche Auslöser von AIDS eine Variante des T-lymphotropen Retrovirus (HTLV-I) sein könnte, das 1980 von Gallo und Kollegen entdeckt worden war (Essex 1983, Gallo 1983). Mehrere Argumente sprachen für diese Hypothese. So war HTLV-I zu diesem Zeitpunkt das einzige bekannte humane Virus mit dem Potential, CD4-T-Lymphozyten zu infizieren (Poiesz 1980). Hinzu kam, dass HTLV-I über dieselben Transmissionswege übertragen wurde wie der mögliche Erreger von AIDS, nämlich über sexuelle Kontakte, über Blut und perinatal (Essex 1982).</p>
<p style="text-align:justify;">Erste Versuche, ein Virus zu isolieren, das mit HTLV-I oder -II verwandt war, waren nur zum Teil erfolgreich. Obwohl kreuzreagierende Antikörper mit HTLV-verwandten Genomsequenzen in einer kleinen Anzahl von AIDS-Patienten gefunden werden konnten, war die Reaktivität insgesamt doch sehr schwach und legte somit nur eine HTLV-Koinfektion nahe. Eher ließen diese Beobachtungen an die ätiologische Rolle eines weiter entfernten, schwach reaktiven Virus denken. In der Tat konnte dann wenig später durch die Isolation von HTLV-III, das später als humanes Immundefizienz-Virus Typ 1 (HIV-1) umbenannt wurde, der Erreger von AIDS identifiziert werden (Barre-Sinoussi 1983, Popovic 1984). Im Jahr 2008 wurde der französischen Forschergruppe um Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi für diese Arbeiten der Nobelpreis für Medizin verliehen.</p>
<h2>Übertragungswege</h2>
<p style="text-align:justify;">HIV wird im Wesentlichen übertragen durch</p>
<ol style="text-align:justify;">
<li>ungeschützten sexuellen Kontakt mit einem infizierten Partner (insbesondere bei nachweisbarer HI-Viruslast)</li>
<li>gemeinsamen Gebrauch von Spritzenutensilien, meist unter Drogenabhängigen</li>
<li>im Rahmen der Übertragung von einer HIV-infizierten Mutter auf das Neugeborene (vor der Geburt, unter der Geburt oder durch Stillen)</li>
</ol>
<p style="text-align:justify;">Alle anderen meist kasuistisch beschriebenen Infektionen sind ausgesprochen selten. Hierzu gehört die Übertragung im Rahmen von Transfusionen von Blut oder Blutprodukten in den Ländern, in denen Blutspenden nicht regelmäßig auf HIV untersucht werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Absolute Raritäten sind Kontakt von infiziertem Blut mit offenen Wunden oder Schleimhäuten, oder auch eine HIV-Transmission über eine Bisswunde (Bartholomew 2008). Kürzlich wurden drei Fälle publiziert, in denen Mütter ihre Neugeborenen vermutlich durch vorgekaute Nahrung infizierten (Gaur 2008). Dies sind aber allesamt eher kasuistische Mitteilungen. Große Sammelstatistiken, insbesondere des CDC, die sich mit anderen möglichen Übertragungswegen beschäftigt haben, konnten klar und deutlich zeigen, dass das normale tägliche Miteinander, einschließlich Benutzung einer gemeinsamen Toilette oder Trinken aus demselben Glas, zu keiner Übertragung führt. Auch im Gesundheitswesen konnte in einer Sammelstatistik über Speichelkontakte, Kontakte zu Urin, oder aber infektiösem Blut in Kontakt zu Haut allesamt keine einzige Ansteckung festgestellt werden (Henderson 1990).</p>
<p style="text-align:justify;">Nachfolgend sollen die verschiedenen Übertragungswege kurz vorgestellt und hinsichtlich begünstigender Faktoren und Risiken besprochen werden.</p>
<p><strong>Sex</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Der wichtigste Infektionsweg für HIV bleibt der Sexualkontakt. Voraussetzung für die sexuelle Übertragung ist der direkte Kontakt mit infizierten Körpersekreten bzw. -flüssigkeiten. Hierbei finden sich die höchsten Viruskonzentrationen im Blut und in der Samenflüssigkeit. In einer Untersuchung zur heterosexuellen Transmission bei Partnerinnen HIV-positiver Hämophiler in Bonn konnte eine Serokonversionsrate für HIV von 10 % festgestellt werden (Rockstroh 1995). Dabei war das Risiko der sexuellen Transmission deutlich erhöht, wenn beim Partner eine fortgeschrittene Immundefizienz bzw. ein fortgeschrittenes klinisches Stadium der HIV-Infektion vorlag. Es sei an dieser Stelle explizit darauf hingewiesen, dass für die individuelle Risikoexposition eine Berechnung des Transmissionsrisikos nicht möglich ist, da dieses durch viele Begleitumstände mit bestimmt wird, wie Sexualpraktiken, andere sexuell übertragbare Erkrankungen, Hautläsionen, Beschneidung und Schleimhautverletzung. Das durchschnittliche Transmissionsrisko für unterschiedliche Sexualpraktiken ist in der Tabelle 1 zusammengefasst.</p>
<table width="450" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="445">
<h5>Tabelle 1: Risikowahrscheinlichkeit für die HIV-Übertragung (modifiziert nach den Leitlinien der Deutschen und Österreichischen AIDS-Gesellschaft siehe auch www.daignet.de)</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="204"><strong>Art des Kontaktes/Partners</strong></td>
<td valign="top" width="240">
<p align="center"><strong>Infektionswahrscheinlichkeit je Kontakt</strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="204">Ungeschützter rezeptiver Analverkehrmit bekannt HIV-positivem Partner</td>
<td valign="top" width="240">
<p align="center">0,82 % (95 % KI 0,24 – 2,76)</p>
<p align="center">Range 0,1 – 7,5 %*</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="204">Ungeschützter rezeptiver Analverkehr mit Partner von <strong>unbekanntem</strong> HIV-Serostatus</td>
<td valign="top" width="240">
<p align="center">0,27 % (95 % KI 0,06 – 0,49)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="204">Ungeschützter insertiver Analverkehr mit Partner von unbekanntem HIV-Serostatus</td>
<td valign="top" width="240">
<p align="center">0,06 % (95 % KI 0,02 – 0,19)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="204">Ungeschützter rezeptiver Vaginalverkehr</td>
<td valign="top" width="240">
<p align="center">0,05 – 0,15 %</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="204">Ungeschützter insertiver Vaginalverkehr</td>
<td valign="top" width="240">
<p align="center">0,03 – 5,6 %</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="204">Oraler Sex</td>
<td valign="top" width="240">
<p align="center">keine Wahrscheinlichkeit bekannt, jedoch sind Einzelfälle, insbesondere bei Aufnahme von Sperma in den Mund, beschrieben (Lifson 1990)</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h6>Anmerkung: 95 % KI = Konfidenzintervall nach einer großen HIV-Serokonverterstudie (Vittinghoff 1999). *Schätzungen der Infektionswahrscheinlichkeit im Rahmen weiterer Studien – siehe auch Leitlinien zur HIV-Therapie, DMW 2009, 134:S16-S33</h6>
<h6></h6>
<h6></h6>
<p>Die Abhängigkeit des Transmissionsrisikos von der vorliegenden Virusmenge hat wichtige epidemiologische Konsequenzen. Dort, wo Körperflüssigkeiten wie Blut und Sperma innerhalb von Tagen und Wochen mit vielen Personen ausgetauscht werden, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, Menschen zu begegnen, die erst seit kurzer Zeit infiziert und daher hoch infektiös sind. Ebenso erhöht ist die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der wenigen Wochen zwischen der eigenen Neuinfektion und dem Auftreten von Antikörpern andere Menschen zu infizieren. Besonders infektiös ist dann wieder das Stadium, wenn ohne Kenntnis der Diagnose die Infektion fortschreitet und kurz vor Ausbruch von AIDS erneut hohe Viruslasten zu beobachten sind. Geschlechtskrankheiten und Entzündungen öffnen physiologische Haut- und Schleimhautbarrieren und steigern so das Risiko einer HIV-Infektion. Dies gilt insbesondere in den Endemiegebieten mit hoher Prävalenz anderer Geschlechtskrankheiten. So sind vor allem genitale Herpesinfektionen ein möglicher Kofaktor für die Verbreitung von HIV in Endemiegebieten (Mahiane 2009).</p>
<p style="text-align:justify;">Die Beobachtung, dass die Höhe der Viruslast offensichtlich entscheidend für die Infektiosität einer infizierten Person ist, hat eine zum Teil sehr kontroverse Diskussion über die Möglichkeit ungeschützter Sexualkontakte ausgelöst. So hat die Eidgenössische Kommission für AIDS-Fragen (EKAF) vorgeschlagen, HIV-infizierte Personen, deren Viruslast unter ART unter Nachweisgrenze ist und die seit mindestens sechs Monaten antiretroviral behandelt werden, die Behandlung konsequent und zuverlässig durchführen und sich regelmäßig in ärztliche Kontrolle begeben sowie keine Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern aufweisen, als Personen zu betrachten, die HIV über Sexualkontakte vermutlich nicht weitergeben und entsprechend auch ungeschützt Sex haben dürfen (Vernazza 2008).</p>
<p style="text-align:justify;">Ziel der EKAF-Empfehlung ist es, Menschen mit und ohne HIV-Infektion Ängste zu nehmen und dadurch ein weitgehend normales Sexualleben zu ermöglichen. Diese Meinung wird jedoch nicht von allen im HIV-Bereich Tätigen geteilt. Jüngst sorgte ein Fall aus Frankfurt für Aufsehen (Stürmer 2008), bei dem HIV trotz nicht nachweisbarer Viruslast unter ART übertragen worden war (siehe auch ART-Kapitel <em>Prävention</em>).</p>
<p><strong>Spritzentausch</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Die gemeinsame Nutzung von Spritzen und Kanülen ist der wichtigste Übertragungsweg für HIV bei Menschen, die intravenös drogenabhängig sind. Aufgrund der meist recht großen Blutmenge, die übertragen wird, ist das Risiko hoch. Durch die Aspiration zur Überprüfung der Nadellage wird Blut in die Spritze eingebracht und stellt so das Reservoir für eine Übertragung dar.</p>
<p style="text-align:justify;">Mit Einführung der Nadelaustauschprogramme, Aufstellen von Spritzenautomaten, Methadon-Substitution und durch viele andere präventive Maßnahmen sowie soziale Programme hat sich die HIV-Transmissionsrate bei intravenös Drogenabhängigen in Westeuropa erfreulicherweise dramatisch reduziert. In osteuropäischen Ländern, wo Drogengebrauch als kriminelle Tat verfolgt wird und keine sauberen Spritzbestecke zur Verfügung gestellt werden, findet sich ungebrochen eine weitere Zunahme der HIV-Transmissionen. Es bleibt zu hoffen, dass die Erfolge in Westeuropa zu einer liberalen Handhabung und Bereitstellung solcher Präventionsprogramme in Osteuropa führen werden.</p>
<p><strong>Mutter-Kind-Übertragung</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Ohne jede Maßnahme werden bis zu 40 % der Kinder HIV-1-positiver Mütter mit HIV-1 infiziert. Der wichtigste Risikofaktor ist die Viruslast zum Zeitpunkt der Geburt. Seit 1995 konnte in Deutschland bei Schwangeren mit bekannter HIV-1-Infektion die Mutter-Kind-Transmissionsrate auf 1 bis 2 % reduziert werden. Diese niedrige Übertragungsrate wurde erreicht durch die Kombination einer antiretroviralen Behandlung bzw. Prophylaxe der Schwangeren, einer elektiven Sectio vor Beginn der Wehen, der antiretroviralen Postexpositionsprophylaxe des Neugeborenen und Stillverzicht.</p>
<p style="text-align:justify;">Zu Details siehe das Kapitel <em>HIV und Schwangerschaft</em> sowie die Deutsch-Österreichischen Empfehlungen zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft bei HIV-exponierten Neugeborenen (DMW 2009; 134: S 40-S 54).</p>
<p><strong>Blut</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Die Übertragung von HIV über Blut und Blutprodukte bleibt weltweit ein zwar immer geringer werdendes, aber dennoch nicht vollständig eliminiertes Infektionsrisiko. In Deutschland gelten Blut und Blutprodukte als sicher. Seit 1985 werden alle Blutspenden auf Antikörper gegen HIV-1 getestet, seit 1989 auch auf HIV-2. Seit einigen Jahren werden jetzt auch Sammel-PCR durchgeführt, um auch Spender zu identifizieren, die in der Serokonversion sind und bei denen der HIV-ELISA noch nicht positiv ist. Weiterhin werden Menschen mit so genanntem Risikoverhalten, also aktiv drogenabhängige oder promiskuitive Männer und Frauen, sowie Einwanderer aus Hochendemiegebieten von einer Blutspende ausgeschlossen.</p>
<p><strong>Beruflich erworbene HIV-Infektion</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Das Risiko, sich nach einer Nadelstichverletzung mit HIV-infiziertem Material zu infizieren, liegt insgesamt bei 0,3 %. Dabei ist das Risiko bei einer Hohlnadel – z.B. bei der Blutentnahme &#8211; deutlich höher als bei einer chirurgischen Nadel. Zur Postexpositionsprophylaxe siehe das entsprechende Kapitel in diesem Buch. Die Gefahr, die von HIV-infiziertem Medizinpersonal selber ausgeht, ist hingegen als sehr gering einzustufen. 1993 wurden 19.036 Patienten von 57 HIV-infizierten Ärzten, Zahnärzten und Medizinstudenten untersucht (CDC 1993a). Zwar waren 92 Patienten HIV-positiv, doch war keiner von seinem Behandler infiziert worden.</p>
<p><strong>Nicht taugliche Übertragungswege</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Im Allgemeinen ist HIV durch Alltagskontakte zwischen Familienangehörigen unwahrscheinlich. Wichtig ist es, Blut-Blut-Kontakte zu vermeiden. Daher sollten keine Rasierklingen oder Zahnbürsten gemeinsam benutzt werden. Im Falle von Kanülenbenutzung sollten die Kanülen direkt in den Abwurfbehälter gelangen und nicht in die Plastikspritze zurückgesteckt werden.</p>
<p><strong>Insekten</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Alle Studien, die eine mögliche Übertragung von HIV durch Insekten untersucht haben, sind zu dem gleichen Ergebnis gekommen, nämlich dass dies nicht möglich ist. Dies gilt auch für Studien, die in Afrika mit hoher AIDS-Prävalenz und großen Insektenpopulationen, wie z.B. Mücken, durchgeführt worden sind (Castro 1988).</p>
<h2 style="text-align:justify;"></h2>
<h2>Der natürliche Verlauf der HIV-Infektion</h2>
<p style="text-align:justify;">Der natürliche Verlauf &#8211; also ohne antiretrovirale Therapie &#8211; ist in der Abbildung 1 dargestellt. Kurze Zeit nach der Erstinfektion wird bei einigen Patienten ein so genanntes akutes retrovirales Syndrom beobachtet, das selten länger als vier Wochen andauert. Leitsymptome sind Lymphknotenschwellung, Fieber, ein makulopapulöses Exanthem und Myalgien (siehe auch das Kapitel <em>Akute HIV-Infektion</em>). Die Symptome sind dabei unspezifisch und variabel, so dass die HIV-Diagnose kaum ohne einen konkreten Verdacht gestellt wird. Eine Periode von mehreren Jahren folgt, in denen die meisten Patienten klinisch asymptomatisch sind.</p>
<p style="text-align:justify;">Danach können Beschwerden oder Erkrankungen auftreten, die nach der CDC-Klassifikation (siehe Tabelle 2) der klinischen Kategorie B zugeordnet werden. Hier sind insbesondere oraler Soor, die orale Haarleukoplakie und der Herpes Zoster zu erwähnen, welche differentialdiagnostisch immer an eine HIV-Infektion denken lassen sollten. Diese Erkrankungen sind zwar nicht AIDS-definierend, jedoch ursächlich auf die HIV-Infektion zurückzuführen und weisen auf eine Störung der zellulären Immunabwehr hin.</p>
<p style="text-align:justify;">Noch später treten AIDS-definierende Erkrankungen auf &#8211; im Median 8 bis 10 Jahre nach der Erstinfektion. Sie führen ohne hochaktive antiretrovirale Therapie nach individuell unterschiedlich langer Zeit schließlich zum Tod.</p>
<h6></h6>
<h6><a href="http://hivbuch.files.wordpress.com/2012/01/einleitung-22.jpg"><img class="aligncenter  wp-image-419" title="Einleitung 2" src="http://hivbuch.files.wordpress.com/2012/01/einleitung-22.jpg?w=500&h=325" alt="" width="500" height="325" /></a>Abbildung 1: Der natürliche Verlauf der HIV-Infektion</h6>
<p style="text-align:justify;">Die HI-Viruslast, die kurz nach der Primärinfektion extrem hohe Werte erreicht, sinkt zeitgleich mit dem Auftreten von HIV-Antikörpern meist auf weniger als 1 % des initialen Wertes ab und bleibt dann zunächst relativ stabil. Dieser Wert wird als viraler Setpoint bezeichnet. Seine Höhe bestimmt entscheidend die Geschwindigkeit der Krankheitsprogression. Während Patienten mit weniger als 1.000 HIV-RNA-Kopien/ml auch nach 12 Jahren so gut wie gar nicht an AIDS erkrankt sind, haben mehr als 80 % der Patienten, die zwei Jahre nach Serokonversion eine Viruslast von mehr als 100.000 Viruskopien aufweisen, bereits eine manifeste AIDS-Erkrankung entwickelt (O’Brien 1996).</p>
<p style="text-align:justify;">Je höher der virale Setpoint ist, desto schneller kommt es zu einem Abfall der CD4-Zellen. Diese sinken meist schon deutlich während der akuten Infektion, um sich dann nach einigen Monaten zunächst wieder oberhalb der Normwerte, allerdings selten wieder auf die Werte vor Infektion, zu bewegen. Die Normwerte sind je nach Labor unterschiedlich und liegen für Erwachsene meist etwa „absolut“ bei 435 – 1600/µl bzw. „relativ“ bei 31 – 60 % der Lymphozyten. Für Kinder gelten andere Normwerte (siehe Kapitel Pädiatrie).</p>
<p style="text-align:justify;">Im weiteren Verlauf kommt es dann zu einem allmählichen Abfall der CD4-Zellen. Ab einer CD4-Zellzahl von unter 200/µl muss dann mit zunehmender Zeit vermehrt mit dem Auftreten AIDS-definierender Erkrankungen gerechnet werden. Zu Abschätzung des Grades der Immundefizienz sollte dabei sollte immer auch der relative Anteil der CD4-Zellen mit berücksichtig werden, da unter bestimmten Umständen (z.B. unter myelosuppressiver Interferontherapie) niedrige absolute Helferzellen im Rahmen der Leuko- und Lymphopenie beobachtet werden, obwohl prozentual noch ein guter Immunstatus vorliegt. 200 CD4-Zellen/µl entsprechen dabei etwa 15 % CD4-positiver Lymphozyten. Umgekehrt kann die absolute Zahl auch falsch hohe Werte suggerieren, zum Beispiel nach Splenektomie.</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="444">Tabelle 2: Klinische Kategorien der CDC-Klassifikation</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="217">Kategorie AAsymptomatische HIV‑Infektion</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<ul>
<li>Akute, symptomatische (primä­re) HIV-­In­fek­tion
<ul>
<li>Persistierende generalisierte Lymphade­nopa­thie (LAS)</li>
</ul>
</li>
</ul>
<p>Kategorie B</p>
<p>Krankheitssymptome oder Erkran­kungen, die nicht in die Kate­go­rie C fallen, dennoch aber der HIV‑­Infek­tion ursäch­lich zuzuordnen sind oder auf eine Störung der zellulären Immunab­wehr hinweisen. Hierzu zählen:</p>
<ul>
<li>Bazilläre Angiomatose</li>
<li>Entzündungen des kleinen Bec­kens, be­son­ders bei Komplika­tionen eines Tu­ben‑ oder Ovaria­labs­zesses</li>
<li>Herpes zoster bei Befall mehre­rer Der­m­a­tome oder nach Rezi­diven in einem Der­m­atom</li>
<li>Idiopathische thrombozytopene Pur­pura</li>
<li>Konstitutionelle Symptome wie Fieber über 38,5 Grad oder eine &gt; 1 Monat beste­hende Diarrhoe</li>
<li>Listeriose</li>
<li>Orale Haarleukoplakie (OHL)</li>
<li>Oropharyngeale Candidose</li>
<li>Vulvovaginale Candidose, die entweder chronisch (&gt; 1 Mo­nat) oder nur schlecht therapierbar ist</li>
<li>Zervikale Dysplasien oder Car­cinoma in situ</li>
<li>Periphere Neuropathie</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;">Kategorie CAIDS‑definierende Erkrankun­gen</p>
<ul>
<li>Candidose von Bronchien, Trachea oder Lungen</li>
<li>Candidose, ösophageal</li>
<li>CMV-Infektionen (außer Leber, Milz, Lymphknoten)</li>
<li>CMV-Retinitis (mit Visusverlust)</li>
<li>Enzephalopathie, HIV-bedingt</li>
<li>Herpes simplex-Infektionen: chronische Ulzera (&gt; 1 Monat bestehend; oder Bronchitis, Pneumonie, Ösophagitis</li>
<li>Histoplasmose, disseminiert oder extrapulmonal</li>
<li>Isosporiasis, chronisch, intestinal, &gt; 1 Monat bestehend</li>
<li>Kaposi-Sarkom</li>
<li>Kokzidioidomykose, disseminiert oder extrapulmonal</li>
<li>Kryptokokkose, extrapulmonal</li>
<li>Kryptosporidiose, chronisch, intestinal, &gt; 1 Monat bestehend</li>
<li>Lymphom, Burkitt</li>
<li>Lymphom, immunoblastisches</li>
<li>Lymphom, primär zerebral</li>
<li>Mycobacterium avium complex oder M. kansasii, disseminiert oder extrapulmonal</li>
<li>Mycobacterium, andere oder nicht identifizierte Spezies disseminiert oder extrapulmonal</li>
<li>Pneumocystis-Pneumonie</li>
<li>Pneumonien, bakteriell rezidivierend (&gt; 2 innerhalb eines Jahres)</li>
<li>Progressive multifokale Leukoenzephalopathie</li>
<li>Salmonellen-Septikämie, rezidivierend</li>
<li>Tuberkulose</li>
<li>Toxoplasmose, zerebral</li>
<li>Wasting-Syndrom</li>
<li>Zervixkarzinom, invasiv</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;">Je nach Geschwindigkeit des CD4-Zell-Abfalls unterscheidet man (nach Stein 1997) Patienten mit einem hohem Risiko der Krankheitsprogression (Abfall über 100/µl innerhalb von 6 Monaten), Patienten mit moderatem Risiko (Abfall 20-50/µl pro Jahr) und niedrigem Risiko (Abfall unter 20/µl pro Jahr). Während das AIDS-Risiko insgesamt unterhalb 200 CD4-Zellen/µl deutlich ansteigt, bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen AIDS-definierenden Erkrankungen (siehe auch Kapitel <em>AIDS</em>). So treten opportunistische Infektionen häufig bei deutlich niedrigeren CD4-Zellzahlen auf als AIDS-assoziierte Malignome (Schwartländer 1992). Neben der CD4-Zellzahl und der Höhe der Viruslast ist aber auch das Alter des Patienten ein wichtiger Risikofaktor an AIDS zu erkranken (Abbildung 2). So hat ein 55-jähriger Patient bei 50 CD4-Zellen/µl und einer HIV-RNA von 300.000 Kopien/ml ein fast doppelt so hohes AIDS-Risiko wie ein 25-jähriger Patient. In den aktualisierten HIV-Therapieleitlinien wird der empfohlene Therapiebeginn daher auch durch individuelle Faktoren wie Alter und Höhe der Viruslast mit bestimmt.</p>
<p style="text-align:justify;">Zwischen der ersten AIDS-Komplikation und dem Tod vergingen in der „prä-HAART-Ära“ in der Regel zwischen zwei und vier Jahre. Ohne Therapie der Erkrankung sterben vermutlich mehr als 90 % aller HIV-Patienten an AIDS. Mit der Verfügbarkeit der ART lässt sich heute jedoch ein Voranschreiten der Erkrankung bis hin zum Stadium AIDS verhindern. Mit Erreichen der maximalen Suppression der HIV-RNA kommt es in aller Regel auch zu einer Erholung der CD4-Zellzahlen und zu einer fast normalen Lebenserwartung. Die Höhe der Viruslast bzw. des viralen Setpoints wird bestimmt durch eine Reihe von wirtsspezifischen Faktoren, wie Chemokinrezeptormutationen, HLA-Besatz und weiteren, zum Teil noch nicht identifizierten Faktoren. Hinzu kommen auch viruseigene Faktoren, die mit für die Progression entscheidend sein dürften. Hierzu sei auf das Kapitel <em>Grundlagen</em> verwiesen. Wichtig ist es, sich vorzustellen, dass es sich bei der messbaren Virusaktivität um ein Gleichgewicht zwischen entstehenden und abgetöteten Viren handelt.</p>
<p style="text-align:center;"> <a href="http://hivbuch.files.wordpress.com/2012/01/einleitung-13.jpg"><img class="wp-image-410 aligncenter" title="Einleitung 1" src="http://hivbuch.files.wordpress.com/2012/01/einleitung-13.jpg?w=500&h=375" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<h2></h2>
<h2>Stadieneinteilung der HIV-Infektion</h2>
<p style="text-align:justify;">Zur Stadien-Einteilung wird meist noch die CDC-Klassifikation von 1993 benutzt, die als Kriterien sowohl die CD4-Zellzahl als auch die Klinik des individuellen Patienten verwendet (siehe Tabelle 3). Für beide Kriterien gibt es jeweils drei Stadien.</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="4" valign="top" width="432">Tabelle 3: Einteilung der HIV-Erkrankung nach der CDC-Klassifikation von 1993</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="132">Klinik /CD4-Zellen</td>
<td valign="top" width="108">
<p align="center">asymptomatisch oder akute HIV-Krankheit</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">Symptomatisch aber nicht A oder C</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">AIDS-Erkrankung*</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="132">&gt; 500/µl</td>
<td valign="top" width="108">
<p align="center">A1</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">B1</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">C1</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="132">200 – 499/µl</td>
<td valign="top" width="108">
<p align="center">A2</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">B2</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">C2</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="132">&lt; 200/µl</td>
<td valign="top" width="108">
<p align="center">A3</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">B3</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">C3</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h6>*zu den AIDS-Erkrankungen bzw. Klinik siehe Tabelle 2.</h6>
<p style="text-align:justify;">In 2008 wurde eine überarbeitete Version des CDC zur Stadien-Einteilung von HIV/AIDS vorgelegt. Diese gilt für Jugendliche über 13 Jahre und Erwachsene gleichermaßen und ist in der Tabelle 4 zusammengefasst. Ziel der Überarbeitung war es, eine vereinfachte Einteilung zum epidemiologischen Monitoring von HIV und AIDS anzubieten, die zudem der verbesserten Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten Rechnung tragen sollte. Neben den unten neu eingeführten drei Stadien der HIV-Infektion wurde auch eine vierte Kategorie (HIV-Infektion, Stadium unbekannt) eingeführt in den Patienten ohne Kenntnis von CD4-Zellzahl oder Krankheitsvorgeschichte aufgeführt werden können.</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="3" valign="top" width="432">
<h5>Tabelle 4: Einteilung der HIV-Erkrankung nach der CDC-Klassifikation von 2008</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Stadium</td>
<td valign="top" width="180">
<p align="center">AIDS-Erkrankungen*</p>
</td>
<td valign="top" width="168">
<p align="center">CD4-Zellen</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">1</td>
<td valign="top" width="180">
<p align="center">keine</p>
</td>
<td valign="top" width="168">
<p align="center">&gt; 500/µl oder ≥ 29 %</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">2</td>
<td valign="top" width="180">
<p align="center">keine</p>
</td>
<td valign="top" width="168">
<p align="center">200 – 499/µl oder 14-28 %</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">3</td>
<td valign="top" width="180">
<p align="center">Dokumentierte AIDS -Erkrankung</p>
</td>
<td valign="top" width="168">
<p align="center"><em>oder</em> &lt; 200/µl oder &lt;14 %</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">unbekannt</td>
<td valign="top" width="180">
<p align="center">Keine Information vorhanden</p>
</td>
<td valign="top" width="168">
<p align="center">Keine Information vorhanden</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h6>*zu den AIDS-Erkrankungen siehe Tabelle 2, hier hat es keine Änderungen gegeben.</h6>
<p style="text-align:justify;">Grundsätzlich gilt, dass ein Patient bei Progression der Erkrankung neu klassifiziert wird, aber keine Rückstufung möglich ist. Ein Beispiel: So erhält ein zuvor asymptomatischer Patient mit 530 CD4-Zellen/µl (Kategorie A1, neue Klassifikation: Stadium 1) bei einem oralen Soor und einem Abfall der CD4-Zellen auf 320/µl die Kategorie B2 (neu: Stadium 2). Wenn derselbe Patient nach erfolgreicher Soor-Therapie und Einleitung der ART erneut eine CD4-Zellzahl von 550/µl aufweist, so bleibt die Kategorie B2 (neu: Stadium 2) bestehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Die CDC-Klassifikation ermöglicht eine rasche erste Orientierung zum (bislang schlechtesten) Zustand eines HIV-Patienten. Über die aktuelle Situation sagt sie allerdings nichts aus. Anders als in Europa, wo der Begriff AIDS nur angewendet wird, wenn eine AIDS-definierende Erkrankung aufgetreten ist, wird in den USA auch ein Abfall der CD4-Zellen auf unter 200/µl als AIDS gewertet. Alte Staging-Systeme wie Walter-Reed oder die Frankfurter Klassifikation werden nicht mehr verwendet.</p>
<h2></h2>
<h2>Epidemiologie</h2>
<p style="text-align:justify;">Das HI-Virus ist wahrscheinlich in den 20–30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden, als in Westafrika das Simian Immunodeficiency Virus (SIV) vom Schimpansen auf den Menschen übertrat (Worobey 2008). Die älteste HIV-positive Probe eines Menschen stammt aus dem Jahr 1959 und wurde in Kinshasa (Zaire, Demokratische Republik Kongo) gefunden (Zhu 1998). Nach der Erstbeschreibung von AIDS 1981 gibt es inzwischen kein Land mehr, das nicht betroffen ist.</p>
<p style="text-align:justify;">Meist erkranken zunächst Personen aus so genannten Hochrisikogruppen (i.v. Drogengebraucher/-innen, Menschen in der Prostitution und Männer, die Sex mit Männern haben), wobei sich anschließend auch andere Personengruppen durch ungeschützten Sex anstecken. In den meisten Industrienationen ist homosexueller Geschlechtsverkehr der häufigste Übertragungsmodus, in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sind dies intravenöser Drogengebrauch und Austausch von Spritzen. In Subsahara/Afrika infizieren sich die meisten Menschen durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr. Die Prävalenzen in verschiedenen Ländern und die Auswirkungen der Epidemie auf Gesellschaften unterscheiden sich somit deutlich. Während HIV/AIDS in den Industriestaaten Westeuropas ein eher marginales Gesundheitsproblem darstellt, ist AIDS in Subsahara/Afrika zur häufigsten Todesursache überhaupt geworden. Jeder 5. Todesfall in Afrika ist inzwischen auf HIV/AIDS zurückzuführen. Die Lebenserwartung ist in einigen afrikanischen Staaten um über 20 Jahre gesunken. Weit über 10 Millionen Kinder wurden bereits zu Waisen. Die Wirtschaft der hauptbetroffenen Staaten erlitt und erleidet massive Einbrüche. Laut UNAIDS lebten Ende 2008 weltweit 33,4 Millionen Menschen mit HIV/AIDS (davon 31,3 Millionen Erwachsene, 15,7 Millionen Frauen über 15 Jahre und 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahre). Etwa 2,0 Millionen Menschen starben an AIDS (siehe Tabelle 4).</p>
<table width="450" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="5" valign="top" width="450">
<h5>Tabelle 5: Die AIDS-Epidemie nach Daten von UNAIDS, 2010 (www.unaids.org)</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95"></td>
<td valign="top" width="85">
<p align="center">HIV-infizierte Erwachsene und Kinder</p>
</td>
<td valign="top" width="105">
<p align="center">HIV-Prävalenz unter Erwachsenen in 2009</p>
</td>
<td valign="top" width="75">
<p align="center">Neuinfektionen in 2009</p>
</td>
<td valign="top" width="90">
<p align="center">Jährliche Todesfälle durch AIDS in 2009</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Subsahara-Afrika</td>
<td width="85">
<p align="right">22.500.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">5,0 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">1.800.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">1.300.000</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Naher Osten und Nordafrika</td>
<td width="85">
<p align="right">460.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,2 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">75.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">24.000</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Süd- und Südostasien</td>
<td width="85">
<p align="right">4.100.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,3 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">270.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">260.000</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Ostasien</td>
<td width="85">
<p align="right">770.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,1 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">82.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">36.000</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Ozeanien</td>
<td width="85">
<p align="right">57.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,3 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">4.500</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">1400</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Lateinamerika</td>
<td width="85">
<p align="right">1.400.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,5 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">92.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">58.000</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Karibik</td>
<td width="85">
<p align="right">240.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">1,0 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">17.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">12.000</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Nordamerika</td>
<td width="85">
<p align="right">1.500.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,5 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">70.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">26.000</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Osteuropa und Zentralasien</td>
<td width="85">
<p align="right">1.400.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,8 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">130.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">76.000</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">West- und<br />
Zentraleuropa</td>
<td width="85">
<p align="right">820.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,2 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">31.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">8.500</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">Gesamt</td>
<td width="85">
<p align="right">33.300.000</p>
</td>
<td width="105">
<p align="center">0,8 %</p>
</td>
<td width="75">
<p align="right">2.600.000</p>
</td>
<td width="90">
<p align="right">1.800.000</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;">Am schwersten betroffen sind die Regionen Subsahara/Afrika, wo ca. 22 Millionen HIV-infizierter Menschen leben. Die größte Ausbreitungsgeschwindigkeit zeigt sich derzeit in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, vor allem in Estland, Lettland, Russland und der Ukraine sowie in Süd- und Südostasien.</p>
<p style="text-align:justify;">In Deutschland lebten Ende 2010 laut Robert-Koch-Institut 63.500 Menschen mit HIV/AIDS, darunter 11.700 Frauen, siehe dazu die folgende Tabelle 5.</p>
<table width="456" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="456">
<h5>Tabelle 6: Epidemiologische Eckdaten zu HIV/AIDS in Deutschland (modifiziert nach rki.de)</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240"><strong>Population</strong></td>
<td valign="top" width="216"><strong>Infektionen (unterer &#8211; oberer Schätzwert)</strong></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Menschen, die Ende 2010 mit HIV/AIDS leben</td>
<td valign="top" width="216">ca. 70.000 (60.000 – 83.000)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Männer</td>
<td valign="top" width="216">ca. 57.000 (49.000 – 68.000)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Frauen</td>
<td valign="top" width="216">ca. 13.000 (11.000 – 16.000)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Darunter Kinder</td>
<td valign="top" width="216">ca. 200</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240"></td>
<td valign="top" width="216"></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240"><strong>Verteilung nach Infektionsrisiko        </strong></td>
<td valign="top" width="216"></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Männer, die Sex mit Männern haben</td>
<td valign="top" width="216">ca. 42.000 (36.000 – 49.000)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Personen, die sich über heterosexuelle Kontakte infiziert haben</td>
<td valign="top" width="216">ca. 10.000 (8.700 – 12.000)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Personen aus sog. Hochprävalenzregionen</td>
<td valign="top" width="216">ca. 7.300 (6.900 – 9.200)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">i.v. Drogengebraucher</td>
<td valign="top" width="216">ca. 10.000 (8.500 – 12.000)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Hämophile und Bluttransfusionsempfänger</td>
<td valign="top" width="216">ca. 500</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="240">Mutter-Kind-Transmission</td>
<td valign="top" width="216">ca. 430</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h2></h2>
<h2></h2>
<h2>Zusammenfassung</h2>
<p style="text-align:justify;">Erste serologische Hinweise auf HIV-Antikörper finden sich in alten Seren aus Zaire von 1959, aus Uganda von 1972 und aus Malawi von 1974 &#8211; Beweise, dass HIV bereits um diese Zeit in Zentralafrika zirkulierte. Die ersten AIDS-Fälle sind dann 1981 in den USA beschrieben worden. 1983 folgte die Entdeckung von HIV als Ursache von AIDS. Seitdem ist es zu einer weltweiten Epidemie gekommen, die sich auch jetzt, 30 Jahre später, mit 2,6 Millionen Neuinfektionen pro Jahr ungebrochen weiter verbreitet. Insbesondere die hohen Neuinfektionsraten in Osteuropa und Asien deuten auf die vielfachen Herausforderungen im Bereich der Prävention hin, die es aktuell und in der nahen Zukunft zu meistern gilt. Wenngleich die Erfolge der antiretroviralen Behandlung der HIV-Infektion an eine fast normale Lebenserwartung von HIV-infizierten Menschen glauben lassen, so bleibt doch das Wissen um den natürlichen Verlauf der HIV-Infektion substantiell &#8211; und zwar nicht nur, um den richtigen Zeitpunkt für den Beginn einer ART zu bestimmen, sondern um auch bei Menschen mit ersten Symptomen der HIV-Erkrankung die Diagnose vor Ausbruch von AIDS zu stellen. Angesichts von einem Anteil von 50 % aller infizierten Menschen in Europa, die von ihrer HIV-Infektion noch nichts wissen, bleiben auch in der Diagnosestellung erhebliche Herausforderungen. Diese werden in Europa momentan gemeinsam angegangen (www.HIVeurope.eu) werden, nicht nur um Patienten rechtzeitig antiretroviral behandeln zu können, sondern auch um durch entsprechende Behandlung und Aufklärung die Neuinfektionszahlen zu reduzieren.</p>
<h2></h2>
<h2>Literatur</h2>
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</div>
<h1></h1>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-1-grundlagen/1-einleitung/'>1. Einleitung</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-1-grundlagen/'>Teil 1 Grundlagen</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/407/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/407/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/407/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/407/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/407/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/407/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/407/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/407/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/407/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/407/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/407/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/407/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/407/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/407/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=407&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Antiretrovirale und wichtige Medikamente</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 13:08:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antiretrovirale und wichtige Medikamente]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 7 Medikamente]]></category>
		<category><![CDATA[Abacavir]]></category>
		<category><![CDATA[Aciclovir]]></category>
		<category><![CDATA[Amphotericin B]]></category>
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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - 3TC  (Lamivudin) Hersteller sämtlicher Präparate: ViiV Healthcare (Glaxo Smith Kline). Zulassung und Indikation: Als Teil einer Kombinationstherapie für unbehandelte oder vorbehandelte HIV-Patienten. Die bei HBV zugelassene niedrigere Dosierung in Zeffix® ist bei HIV zu vermeiden. 3TC ist &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/40-antiretrovirale-und-wichtige-medikamente/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=373&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>- Christian Hoffmann -</p>
<div>
<h2>3TC  (Lamivudin)</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller sämtlicher Präparate:</strong> ViiV Healthcare (Glaxo Smith Kline).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Als Teil einer Kombinationstherapie für unbehandelte oder vorbehandelte HIV-Patienten. Die bei HBV zugelassene niedrigere Dosierung in Zeffix<sup>®</sup> ist bei HIV zu vermeiden. 3TC ist Bestandteil folgender Präparate:</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Epivir<sup>®</sup>-Filmtabletten: 150 mg 3TC (N3:60) oder 300 mg 3TC (N2:30).</li>
<li>Epivir<sup>®</sup>-Lösung: 10 mg 3TC pro ml (N1:240 ml).</li>
<li>Combivir<sup>®</sup>-Filmtabletten: 150 mg 3TC + 300 mg AZT.</li>
<li>Trizivir<sup>®</sup>-Filmtabletten: 150 mg 3TC +<strong> </strong>300 mg AZT +<strong> </strong>300 mg Abacavir.</li>
<li>Kivexa<sup>®</sup>-Filmtabletten (USA: Epzicom<sup>®</sup>): 300 mg 3TC + 600 mg Abacavir.</li>
<li>Zeffix<sup>®</sup>-Filmtabletten: 100 mg 3TC. Nur für HBV, <strong>nicht bei</strong> HIV!!</li>
<li>Zeffix<sup>®</sup>-Lösung: 5 mg pro ml (N1:240 ml). Nur für HBV, <strong>nicht be</strong><strong>i</strong> HIV!!</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 1 x 300 mg oder 2 x 150 mg. Kinder erhalten 4 mg/kg, maximal 2 x 150 mg. Wichtig ist die Dosisreduktion bei eingeschränkter Kreatinin-Clearance: Unterhalb 30 ml/min nur die Lösung verwenden:</p>
<table width="495" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="154">
<p align="center"><strong>Kreatinin-Clearance </strong>(ml/min)</p>
</td>
<td valign="top" width="107">
<p align="center"><strong>Erste Dosis</strong></p>
</td>
<td valign="top" width="189">
<p align="center"><strong>Erhaltungsdosis</strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="154">
<p align="center">&gt; 50, 30-49</p>
</td>
<td valign="top" width="107">
<p align="center">150 mg (15 ml)</p>
</td>
<td valign="top" width="189">
<p align="center">1 x 150 mg (15 ml)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="154">
<p align="center">15–29</p>
</td>
<td valign="top" width="107">
<p align="center">150 mg (15 ml)</p>
</td>
<td valign="top" width="189">
<p align="center">1 x 100 mg (10 ml)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="154">
<p align="center">5–14</p>
</td>
<td valign="top" width="107">
<p align="center">150 mg (15 ml)</p>
</td>
<td valign="top" width="189">
<p align="center">1 x 50 mg (5 ml)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="154">
<p align="center">&lt;5</p>
</td>
<td valign="top" width="107">
<p align="center">50 mg (5 ml)</p>
</td>
<td valign="top" width="189">
<p align="center">1 x 25 mg (2,5 ml</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Bei der Einzelsubstanz selten. Beschwerden wie Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit oder Muskelschmerzen sind meist auf AZT und Abacavir zurückzuführen. Selten Polyneuropathien, sehr selten Pankreatitiden und Laktatazidosen, Anämien.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Gut verträglicher und 15 Jahre nach der Zulassung noch immer viel verschriebener NRTI (Cytidin-Analogon). In diversen Kombinationspräparaten und Dosierungen erhältlich. Rasche Resistenzentwicklung. Eine Punktmutation (M184V) genügt, die allerdings die Empfindlichkeit AZT-resistenter Viren erhöht und die virale Fitness reduziert. Wirkt auch gegen HBV (Cave: Auch rasche Resistenzentwicklung, zudem Gefahr des HBV-Rebounds beim Absetzen).</p>
<h2 style="text-align:justify;"><strong></strong>Abacavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller sämtlicher Präparate:</strong> ViiV Healthcare (früher Glaxo Smith Kline).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation</strong>: Als Teil einer Kombination sowohl unbehandelte als auch vorbehandelte HIV-Patienten. Abacavir ist Bestandteil folgender Präparate:</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Ziagen<sup>®</sup>-Filmtabletten: 300 mg Abacavir (N3:60).</li>
<li>Ziagen<sup>®</sup>-Lösung: 20 mg Abacavir pro ml (N1:240 ml).</li>
<li>Kivexa<sup>®</sup>-Filmtabletten: 600 mg Abacavir<strong> +</strong> 300 mg 3TC.</li>
<li>Trizivir<sup>®</sup>-Filmtabletten: 300 mg Abacavir <strong>+</strong> 150 mg 3TC <strong>+</strong> 300 mg AZT.</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 2 x 300 mg oder 1 x 600 mg, mit oder ohne Nahrung. Obwohl Abacavir überwiegend hepatisch metabolisiert wird, sollte es bei schwerer Niereninsuffizienz (GFR &lt; 20 ml) vermieden werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> In 2-8 % Hypersensitivitätsreaktionen (HSR), meist in den ersten sechs Wochen. Juckreiz und Hautausschlag sind häufig, können aber fehlen. Die HSR kann sich nur durch Fieber und langsam progredientes Krankheitsgefühl bemerkbar machen. Auch gastrointestinale Beschwerden und Müdigkeit sind möglich. Selten sind erhöhte Transaminasen, Schwindel, Kurzatmigkeit, Halsschmerzen oder Husten. Ein leicht erhöhtes Risiko für Myokardinfarkte unter Abacavir wird kontrovers diskutiert, der Mechanismus ist noch ungeklärt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise: </strong>Ein vorheriger Test auf das Vorhandensein des HLA-B*5701 Allels ist dringend zu empfehlen; er reduziert das HSR-Risiko deutlich, aber nicht vollständig. Abacavir ist kontraindiziert nach Therapieunterbrechung, wenn eine HSR retrospektiv nicht ausgeschlossen werden kann. Die HSR bei Reexposition ist potentiell lebensbedrohlich!</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>NRTI bzw. Guanosin-Analogon mit guter ZNS-Penetration. Wesentliches Problem ist die HSR (s. o.). Bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko ist Abacavir nach Auffassung einiger Experten zu vermeiden, sofern es Alternativen gibt.<strong> </strong>Sonst ist Abacavir allgemein gut verträglich und wenig mitochondrial toxisch.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Aciclovir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller: </strong>Diverse, daher zahlreiche Handelsnamen wie z. B. Aciclobeta<sup>®</sup>, Aciclostad<sup>®</sup>, Aciclovir<sup>®</sup>, Zovirax<sup>®</sup>.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation</strong>: Herpes Zoster. Zusätzlich zur Vorbeugung schwerer Herpes-simplex-Infektionen bei stark immunsupprimierten erwachsenen Patienten.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Bei monosegmentalem Herpes zoster eine Woche lang täglich 5 x 800 mg oral. Bei multisegmentalem oder kompliziertem Herpes zoster besser 3 x 10 mg/kg i.v. Bei Niereninsuffizienz niedriger dosieren: bei einer Kreatinin-Clearance von 25-10 ml/min 3 x 800 mg, bei &lt; 10 ml/min 2 x 800 mg.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei genitaler HSV-Infektion: Täglich 5 x 400 mg. In schweren Fällen (ulzerierender Genitalherpes) intravenöse Behandlung mit täglich 3 x 5-10 mg/kg i.v. Bei HSV-Enzephalitis oder HSV-Ösophagitis 3 x 10 mg/kg i.v.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Selten. Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreatinin-Erhöhungen kommen vor. Bei intravenöser Gabe Phlebitis.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Bewährtes, gut verträgliches HZV/HSV-Medikament. Generika sind billiger als das Erstpräparat Zovirax<sup>®</sup>. Therapiebeginn bei HSV möglichst innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten der Symptome, bei VZV innerhalb der ersten 4 Tage. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Neuere Berichten weisen auf eine moderate antiretrovirale Wirkung der Substanz hin &#8211; die Weiterentwicklung von Aciclovir-Derivaten scheint wahrscheinlich.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Agenerase<sup>®</sup></strong> siehe Amprenavir (vom Markt genommen)</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Ambisome</strong><strong><sup>®</sup></strong> und <strong>Ampho-Moronal</strong><strong><sup>®</sup></strong> siehe Amphotericin B</p>
<h2 style="text-align:justify;">Amphotericin B</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Bristol-Myers Squibb (Amphotericin B<sup>®</sup>), Gilead Sciences (Ambisome<sup>®</sup>), Der- mapharm (Ampho-Moronal<sup>®</sup>).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation</strong>: Unterschiedlich für die Präparate. Amphotericin B bei Organmykosen und generalisierten Mykosen, vor allem Candidosen, Aspergillose, Kryptokokkose, Histoplasmose. AmBisome<sup>®</sup> (mehr als doppelt so teuer) ist bei Mykosen nur zugelassen, wenn konventionelles Amphotericin B aufgrund Nierenschädigung oder Unverträglichkeit kontraindiziert ist, die Zulassung gilt auch für viszerale Leishmaniosen. Suspension und Tabletten sind nur zur Keimreduktion bei oralem Mundsoor zugelassen. Amphotericin ist Bestandteil folgender Präparate:</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Amphotericin B<sup>®</sup> Durchstechflaschen mit 50 mg Pulver.</li>
<li>AmBisome<sup>®</sup> Durchstechflaschen mit 50 mg Trockensubstanz.</li>
<li>Ampho-Moronal<sup>®</sup> Suspension mit 100 mg/ml (N1:30 mg; N2:50 ml).</li>
<li>Ampho-Moronal<sup>®</sup> Lutschtabletten zu 10 mg (N1:20, N2:50, N3:100).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung (pro Tag): </strong>Bei Amphotericin B<sup>®</sup> immer erst Testdosis (siehe unten). Bei Aspergillose 1,0-1,5 mg/kg, bei den übrigen Mykosen reichen meist 0,5-1 mg/kg. Unter keinen Umständen mehr als 1,5 mg/kg, bei Überdosierung kann es zu fatalen Atem- und Herzstillständen kommen! Bei AmBisome<sup>®</sup> anfänglich Tagesdosis von 1 mg/kg, die schrittweise bis auf 3 mg/kg gesteigert werden kann.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Nephrotoxizität! Hypokaliämie! Gastrointestinale Beschwerden. Häufig Fieber, Schüttelfrost, Kreislaufprobleme 10-20 min nach Infusionsbeginn. Thrombophlebitis (nicht-liposomales Amphotericin B nur über zentralen Venenzugang!). Nebenwirkungen bei Ambisome<strong><sup>®</sup> </strong>deutlich geringer ausgeprägt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise: </strong>Täglich Elektrolyte (wegen Hypokaliämie und meist notwendiger Substitution immer ZVK! Natrium hochnormal halten), Kreatinin, Harnstoff, GPT, Blutbild. Nicht mit nephrotoxischen Substanzen kombinieren.</p>
<p style="text-align:justify;">Stets Vorwässerung mit 1000 ml NaCl 0,9 %, bei Erstgabe immer Testdosis 5 mg in 250 ml Glukose 5 % über 30-60 min infundieren, dabei in der ersten Stunde Blutdruck, Puls messen. Nach tolerierter Testdosis am gleichen Tag die Hälfte der geplanten Dosis geben.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei Fieber/Schüttelfrost (kann eindrucksvoll sein!): Pethidin (z. B. Dolantin<strong><sup>®</sup></strong>) eine halbe Ampulle i.v. (50 mg) plus 1 Ampulle Clemastin (z. B. Tavegil<strong><sup>®</sup></strong>), ggf. nach 30 min wiederholen, nur bei Persistenz zusätzlich Steroide (Prednisolon 1 mg/kg). Bei schweren Nebenwirkungen auf Ambisome<strong><sup>®</sup></strong> umsteigen, das wahrscheinlich nicht effektiver (Fieberfreiheit, Überleben) als Amphotericin B, aber besser verträglich und weniger nephrotoxisch ist (keine Testdosis, keine Vorwässerung, kein ZVK erforderlich). Amphotericin-Infusionen niemals mischen, immer abdunkeln. Langsam infundieren! Je langsamer (&gt; 3 Std.), desto besser wird es vertragen! Als Lösung immer Glukose 5 %!</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Amprenavir (Agenerase<sup>®</sup></strong>) 2008 eingestellt, durch Fosamprenavir ersetzt</p>
<h2 style="text-align:justify;">Atazanavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Bristol-Myers Squibb.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation</strong>: Bei HIV-infizierten Erwachsenen als Teil einer Kombination, und zwar sowohl vorbehandelte als auch (seit 2008) unbehandelte HIV-Patienten. Atazanavir ist Bestandteil folgender Präparate:</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Reyataz<sup>®</sup> Hartkapseln mit 150 mg (N1:60), 200 mg (N1:60), 300 mg (N1:30, auch als 3-Monatspackung mit N1:90)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 1 x 300 mg kombiniert mit 100 mg Ritonavir, zusammen mit einer Mahlzeit. Bei Ritonavir-Unverträglichkeit evtl. auch ungeboostert 1 x 400 mg (keine offizielle Zulassung! Dann Tenofovir vermeiden!). Bei Kombination mit Efavirenz und wohl auch Nevirapin sollte die Atazanavir-Dosis auch bei Ritonavir-Boosterung auf 400 mg erhöht werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Sehr häufig Bilirubinerhöhung (bis 50 %!), auch mit Ikterus, seltener Transaminasenanstieg. Relativ selten Diarrhoen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Abdominalschmerzen. Im Gegensatz zu anderen PIs wohl weniger Dyslipidämien. Effekt auf Lipodys­trophie unklar.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise: </strong>Die Kapseln sollten unzerkaut zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Kombination mit Indinavir vermeiden. Vorsicht bei Leberzirrhose (Child B, C).</p>
<p style="text-align:justify;">Cave Protonenpumpenhemmer, Antazida (siehe Interaktionen)!</p>
<p style="text-align:justify;">Kontraindiziert sind Kombinationen mit Cisaprid, Midazolam, Triazolam, Simvastatin, Lovastatin, Ergotamin, Kalziumantagonisten. Lebensbedrohliche Interaktionen möglich bei Amiodaron, Lidocain (systemische Gabe), trizyklischen Antidepressiva und Chinidin (Spiegelbestimmung!). Clarithromycin: Keine Kombination mit geboostertem Atazanavir.</p>
<p style="text-align:justify;">Keine gleichzeitige Gabe von Rifampicin (reduziert Plasmaspiegel von Atazanavir um 90 %). Dosisreduktion von Rifabutin um 75 % (statt 300 mg/Tag nur noch 150 mg jeden zweiten Tag oder dreimal pro Woche).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> PI mit vergleichsweise günstigem Lipidprofil, der einmal täglich gegeben werden kann. Sollte mit Ritonavir geboostert werden. Wichtigste Nebenwirkung sind Bilirubin-Erhöhungen, die sich nicht selten als Ikterus manifestieren. Einige relevante Interaktionen, vor allem mit Protonenpumpenhemmern und Antazida, aber auch mit Tenofovir, Efavirenz, Nevirapin und DDI.</p>
<h2 style="text-align:justify;"> <strong></strong>Atovaquon</h2>
</div>
<div style="text-align:justify;">
<p><strong>Hersteller:</strong> GlaxoSmithKline.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Akutbehandlung milder bis mäßig schwerer PCP-Fälle bei Unverträglichkeit für Cotrimoxazol. In Kombination mit Proguanil auch zur Behandlung und Prophylaxe der Malaria. Off Label, aber auch geeignet: PCP-Prophylaxe (als Reserve), Akutbehandlung einer zerebralen Toxoplasmose. Atovaquone ist Bestandteil folgender Präparate:</p>
<ul>
<li>Wellvone<sup>®</sup>  Suspension mit 750 mg Atovaquon/5 ml (N2:210 ml).</li>
<li>Malarone<sup>®</sup> Filmtabletten mit 250 mg Atovaquon und 100 mg Proguanil</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> Als PCP-(oder Toxo)-Therapie täglich 2 x 750-1500 mg (2 x 1-2 Messlöffel zu 5 ml) über 21 Tage. Zur Prophylaxe täglich 2 x 750 mg (2 x 1 Messlöffel zu 5 ml) oder täglich 1 x 1500 mg. Zur Malaria-Therapie siehe FS.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Häufig gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe (oft aber milde), Hautexantheme in etwa 20 %. Seltener Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit. Erhöhte Leberenzyme, Amylase. Anämie, Leukopenie (selten).</p>
<p><strong>Hinweise:</strong> Zu fettreicher Mahlzeit einnehmen, da so die Resorption verbessert wird.</p>
<p>Rifampicin, eventuell auch Rifabutin reduzieren die Plasmaspiegel von Atovaquon um etwa 50 %. Durch Fluconazol werden die Spiegel wahrscheinlich erhöht.</p>
<p><strong>Bewertung:</strong> Wird heute nur noch selten angewendet. Atovaquon ist erheblich teurer als andere Medikamente zur PCP-Prophylaxe (Kosten von ca. 1.000 Euro/Monat, gute Begründung notwendig)!!</p>
<h2>Atripla<sup>®</sup></h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> Koproduktion von Gilead Sciences, Bristol-Myers Squibb und MSD.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Erwachsene HIV-Patienten, die unter der derzeitigen ART seit mehr als 3 Monaten eine Viruslast unter 50 Kopien/ml haben und bei denen weder ein früheres virologisches Versagen noch Resistenzen vorliegen. Es muss außerdem laut Fachinfo „bekannt sein, dass…keine Mutationen vorhanden waren, die zu signifikanten Resistenzen…führen“ (also Resistenztest erforderlich).</p>
<ul>
<li>Atripla<sup>®</sup>  Filmtabletten mit 600 mg Efavirenz, 200 mg FTC, 245 mg Tenofovir.</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung: </strong>Eine Tablette täglich abends, unzerkaut, auf nüchternen Magen.</p>
<p><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Die erste komplette ART in einer einzigen Tablette pro Tag; somit eine erfreuliche Vereinfachung, für die allerdings, ob sie nun wirklich sinnvoll ist oder nicht, die o.g. Indikations-Beschränkung gilt. Zu Nebenwirkungen siehe unbedingt die Abschnitte zu Tenofovir (cave Niere!), Efavirenz und Emtricitabin (FTC). Im Dezember 2010 wurde die Packungsbeilage geändert, wonach Atripla<sup>®</sup> bei älteren Patienten „mit Vorsicht“ angewandt werden sollte. Bei „mittelschwerer“ Leberfunktionsstörung ebenfalls nicht empfohlen.</p>
<h2>Azithromycin</h2>
<p><strong>Hersteller: </strong>Diverse, daher zahlreiche Handelsnamen wie z. B. Azithromycin<sup>®</sup>, Zithromax<sup> ®</sup>, Ultreon<sup>®</sup>.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Behandlung und Prophylaxe der MAC-Infektion. Infektionen der oberen und unteren Atem­wege, Otitis media. Unkomplizierte Gonorrhoe, unkomplizierte Genitalinfektionen durch Chlamydia trachomatis, Ulcus molle. Azithromycin ist Bestandteil folgender Präparate (Auswahl):</p>
<ul>
<li>Ultreon<sup>®</sup>  Filmtabletten mit 600 mg (N1:8; N2:24).</li>
<li>Zithromax<sup>®</sup> Filmtabletten mit 250 mg (N1:6) und 500 mg (N1:3)</li>
<li>Zithromax<sup>®</sup> Trockensaft mit 200 mg pro 5 ml (N1:15 ml; N2:30 ml)</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> Primär-Prophylaxe der MAC-Infektion: Wöchentlich 1200 mg (1 x 2 Tabletten Ultreon<sup>®</sup> 600 mg pro Woche). MAC-Therapie: Täglich 1 x 1 Tablette Ultreon<sup>®</sup> 600 mg, nur in Kombination mit Ethambutol und Rifabutin.</p>
<p>Atemwegsinfektionen: Gesamtdosis 1500 mg, verteilt auf 3 Tage (je 1 x 500 mg)</p>
<p>Unkomplizierte Gonorrhoe, Ulcus molle oder unkomplizierte Genitalinfektionen durch Chlamydia trachomatis: 1000 mg Azithromycin Einzeldosis.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Am ehesten gastrointestinal mit Magenkrämpfen, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoen. Selten Transaminasenanstiege, cholestatischer Ikterus. Reversible Ototoxizität in hohen Dosen. Selten Geschmacksirritation, Verfärbung der Zunge. Allergien!</p>
<p><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Makrolid-Antibiotikum mit langer Halbwertszeit und guter Gewebepenetration. Bei vielen genitalen Infektionen reicht die Einmalgabe, bei Atemwegsinfektionen reichen 3-5 Tage. In der HIV-Medizin früher häufig bei MAC-Infektionen verwendet, dann auch als Dauertherapie.</p>
<h2>AZT (Zidovudin)</h2>
<p><strong>Hersteller sämtlicher Präparate:</strong> ViiV Healthcare (früher GSK).</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation</strong>: Bei HIV-Infektion als Teil einer Kombinationstherapie sowohl bei unbehandelten als auch bei vorbehandelten Patienten. Auch zur maternofetalen Transmissionsprophylaxe. AZT ist Bestandteil folgender Präparate:</p>
<ul>
<li>Retrovir<sup>®</sup>-Hartkapseln: 100 mg AZT (N3:100) und 250 mg AZT (N2:40)</li>
<li>Retrovir<sup>®</sup>-Filmtabletten: 300 mg AZT (N3:60)</li>
<li>Retrovir<sup>®</sup>-Lösung: 100 mg AZT pro 10 ml (N1:200 ml).</li>
<li>Retrovir<sup>®</sup>-Konzentrat: 10 mg AZT pro ml (5 Durchstechflaschen je 200 mg).</li>
<li>Combivir<sup>®</sup>-Filmtabletten: 300 mg AZT + 300 mg 3TC (N2:60)</li>
<li>Trizivir<sup>®</sup>-Filmtabletten: 300 mg AZT<strong>+</strong>150 mg 3TC<strong>+</strong>300 mg Abacavir (N3:60)</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung: </strong>Täglich<strong> </strong>2 x 250 mg. In Combivir<sup>® </sup>und Trizivir<sup>® </sup>täglich<strong> </strong>2 x 300 mg.</p>
<p>Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 20 ml/min, Hämodialyse): täglich 300 mg. Leberinsuffizienz: Täglich 3 x 100 mg.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Kopf- und Muskelschmerzen und Schwindel. Makrozytäre Anämie (MCV fast immer erhöht), selten Neutropenie. Auch LDH-, CK-Anstiege, erhöhte Transaminasen. Selten Laktatazidose.</p>
<p><strong>Hinweise</strong>: Keine Kombination mit D4T! Verstärkte Myelotoxizität bei gleichzeitiger Gabe anderer myelosuppressiver Medikamente, vor allem Ganciclovir, aber auch Cotrimoxazol, Dapson, Pyrimethamin, Interferon, Sulfadiazin, Amphotericin B, Ribavirin und diverser Chemotherapeutika.</p>
<p>Ribavirin antagonisiert die antivirale Aktivität von AZT in vitro. Die gleichzeitige Anwendung von AZT mit Ribavirin sollte deshalb möglichst vermieden werden.</p>
<p>Anfangs<strong> </strong>monatliche Kontrollen von Blutbild, Transaminasen, CK und Bilirubin. Die gastrointestinalen Beschwerden sind symptomatisch behandelbar und klingen meist nach einigen Wochen ab. Die Anämie kann sich erst nach Monaten ausbilden.</p>
<p>AZT sollte möglichst immer Bestandteil von Transmissionsprophylaxen sein!</p>
<p><strong>Bewertung:</strong> Der erste NRTI (Thymidin-Analogon) und das älteste HIV-Medikament überhaupt (Zulassung 1987). Noch immer Kombinationspartner einiger ART-Regime, allerdings aufgrund zahlreicher Toxizitäten (Myelotoxizität, mitochondriale Toxizität) deutlich seltener eingesetzt als früher. Wichtig noch immer in der Transmissionsprophylaxe. Umfassende Datenlage, gute Liquorgängigkeit. Eine Einmalgabe ist nicht möglich.</p>
<p><strong>Caelyx<sup>®</sup></strong> siehe Doxorubicin, liposomal</p>
<h2>Cidofovir</h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> Gilead Sciences.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation:</strong> CMV-Retinitis bei HIV-Patienten ohne renale Dysfunktion, auch bei Resistenzen oder Kontraindikationen gegen Ganciclovir bzw. Foscarnet. Als klinischer Heilversuch (Off Label) bei PML ohne sicheren Effekt. Cidofovir ist Bestandteil folgenden Präparates:</p>
<ul>
<li>Vistide<sup>®</sup> Durchstechflaschen mit 375 mg in 5 ml (= 75 mg/ml, N1:1).</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> Wöchentlich 5 mg/kg i.v. als Induktion, ab Tag 21 Erhaltung mit 5 mg/kg i.v. alle zwei Wochen. Plan (Komedikation, Hydratation, s.u.) erforderlich!</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Niereninsuffizienz! Einzelfälle von akutem Nierenversagen nach einer Gabe. Seltener auch Neutropenie, Dyspnoe, Alopezie, verminderter Augeninnendruck, Iritis, Uveitis.</p>
<p>Fieber, Schüttelforst, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Übelkeit/Erbrechen sind eher durch Probenecid bedingt, sistieren meist innerhalb von 12 Stunden und werden durch Nahrungsaufnahme, Antipyretika, Antiemetika gelindert.</p>
<p><strong>Hinweise:</strong> Vor <strong>jeder</strong> Gabe Nierenfunktion (Serumkreatinin, Elektrolyte, Proteinurie) kontrollieren. Bei Anstieg des Serumkreatinins um mehr als 0,3 mg/dl: Dosisreduktion auf 3 mg/kg. Bei Anstieg des Serumkreatinins um mehr als 0,5 mg/dl über den Vortherapiewert: Absetzen. Cidofovir ist kontraindiziert bei Serumkreatinin &gt; 1,5 mg/dl oder Kreatinin-Clearance &lt; 55 ml/min oder Proteinurie &gt; 100 mg/dl. Immer auf ausreichende Hydratation achten!</p>
<p>Bei normaler Nierenfunktion ist folgendes Schema empfehlenswert (Protokoll!):</p>
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="96">Std –3</td>
<td valign="top" width="360">2 g Probenecid (4 Tbl. zu 500 mg), evtl. vorher 20 Trpf. Novaminsulfon plus 50 mg Prednisolon</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="96">Std –3 bis –1</td>
<td valign="top" width="360">1000-2000 ml NaCl 0,9 %</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="96">Std 0 bis + 2</td>
<td valign="top" width="360">Cidofovir in 500 ml NaCl 0,9 % über 1-2 Std. Parallel 1000 ml NaCl 0,9 %</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="96">Std +4</td>
<td valign="top" width="360">1 g Probenecid (2 Tbl. zu 500 mg), evtl. vorher 20 Trpf. Novaminsulfon</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="96">Std +10</td>
<td valign="top" width="360">1 g Probenecid (2 Tbl. zu 500 mg), evtl. vorher 20 Trpf. Novaminsulfon</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Nephrotoxische Medikamente wie Aminoglykoside, Amphotericin B, Foscarnet, intravenöses Pentamidin oder Vancomycin mindestens 7 Tage vorher absetzen.</p>
<p>Probenecid ist nötig, um die Nephrotoxizität zu reduzieren &#8211; cave Interaktionen mit Paracetamol, Aciclovir, ACE-Hemmern, ASS, Barbituraten, Benzodiazepinen, Bumetanid, Clofibrat, Methotrexat, Famotidin, Furosemid, Theophyllin.</p>
<p><strong>Bewertung: </strong>Reserve-Medikament bei CMV-Erkrankungen, aufgrund der Nephrotoxität nur noch sehr selten verwendet. Der Effekt bei PML ist mehr als fraglich.</p>
<h2>Clarithromycin</h2>
<p><strong>Hersteller: </strong>Diverse, daher zahlreiche Handelsnamen wie z. B. Clarithromycin-CT<sup>®</sup> Klacid<sup>®</sup>, Mavid<sup>®</sup>.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Prophylaxe und Behandlung der MAC-Infektion. Infektionen des Respirationstraktes, HNO-Bereiches und der Haut. Clarithromycin ist Bestandteil folgender Präparate (Auswahl):</p>
<ul>
<li>Mavid<sup>®</sup> Filmtabletten mit 500 mg (N2:50; N3:100)</li>
<li>Klacid<sup>®</sup> Filmtabletten mit 250 mg (N1:10; N2:20).</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> Bei MAC täglich 2 x 500 mg, sowohl in Primär-Prophylaxe als auch Erhaltungstherapie. Ab Kreatinin-Clearance &lt; 30 ml/min Dosisreduktion um 50 %. Bei Atemwegsinfektionen reichen 2 x 250 mg.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Vor allem gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Druckgefühl, selten auch Tenesmen, Diarrhoen). Al­lergische Reak­tio­nen, Kopf­schmerzen, Erhöhungen von Trans­aminasen, alkalischer Phosphatase und Bilirubin.</p>
<p><strong>Hinweise:</strong> Zahlreiche Interaktionen. Keine gleichzeitige Gabe von Rifampicin, Carbamazepin, Cisaprid, Terfenadin, Pimozid und anderen Makroliden. Lopinavir und Ritonavir erhöhen die Clarithromycin-Spiegel. Bei gleichzeitiger oraler Therapie mit Clarithromycin und AZT sollten die Medikamente im Abstand von mindestens 1 bis 2 Stunden eingenommen werden.</p>
<p><strong>Bewertung: </strong>Makrolid-Antibiotikum mit kürzerer Halbwertszeit als Azithromycin. Die tägliche Dosis sollte 2 x 500 mg nicht überschreiten.</p>
<h2>Clindamycin</h2>
<p><strong>Hersteller: </strong>Diverse, daher zahlreiche Handelsnamen wie z. B. Aclinda<sup>®</sup>, Clindabeta<sup>®</sup>, Clindamycin-ratiopharm<sup>®</sup>, Sobelin<sup>®</sup>.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Bei HIV-Patienten vor allem bei zerebraler Toxoplasmose. Sonst auch bei schweren Infektionen durch Anaerobier, Staphylokokken (bei guter Penetration in Gewebe und Knochen auch in der Zahnmedizin).</p>
<p><strong>Dosierung:</strong> Täglich 4 x 1 Amp. à 600 mg i.v. oder 4 x 1 Tbl. à 600 mg (immer plus Daraprim<sup>®</sup> und Leukovorin<sup>®</sup>). Als Erhaltungstherapie (oral) mit halber Dosis. Bei Niereninsuffizienz Reduzierung auf ein Viertel bis ein Drittel der Normaldo­sis.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Diarrhoe bei 10-30 % der Patienten. Allergien sind ebenfalls häufig und erfordern häufig ein Absetzen. Bei Clostridium difficile-Infektion pseudomembranöse Kolitis: Das Spektrum reicht von leichter bis zu schwerer, schleimig-blutiger Diarrhoe, Leukozytose, Fieber, schweren Bauchkrämpfen, die bei Fortschreiten Peritonitis, Schock und toxisches Megakolon hervorrufen können.</p>
<p><strong>Hinweise:</strong> Clindamycin ist kontraindiziert bei entzündlichen Darmkrankheiten und bei Antibiotika‑induzierter Kolitis. Vorsicht bei einge­schränk­ter Leber‑ oder Nierenfunktion, Asthma. Cave gleichzeitige Gabe von Antiperistaltika! Bei Diarrhoen unter Clindamycin: Absetzen und Vancomycingabe.</p>
<p><strong>Bewertung</strong>: Bei Toxoplasmose oft heute noch unverzichtbar, wegen der Kolitis aber mit Vorsicht einzusetzen.</p>
<h2>Combivir<sup>®</sup></h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> ViiV Healthcare (früher GlaxoSmithKline).</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Bei HIV-Infektion als Teil einer Kombinationstherapie sowohl bei unbehandelten als auch bei vorbehandelten Patienten.</p>
<ul>
<li>Combivir<sup>®</sup>-Filmtabletten: 300 mg AZT + 300 mg 3TC (N2:60)</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> Täglich 2 x 1 Tablette.</p>
<p>Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min) oder auch Anämie sollten statt Combivir<sup>®</sup> die Einzelsubstanzen gegeben werden, um die Dosierung von 3TC und AZT anzupassen.</p>
<p><strong>Bewertung: </strong>Im Jahr 1998 das erste Kombinationspräparat in der HIV-Medizin. Lange Zeit eines der meistverwendeten Präparate, inzwischen in die zweite Reihe gerutscht, gilt aber immer noch als Alternative. Zu Nebenwirkungen siehe vor allem unter AZT.</p>
<h2>Cotrimoxazol</h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> Diverse, daher zahlreiche Handelsnamen<strong> </strong>wie zum Beispiel Cotrimratiopharm<sup>®</sup>, Cotrimstada<sup>®</sup>, Eusaprim<sup>®</sup>.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Prophylaxe und Therapie der Pneumocystis-Pneumonie. Prophylaxe und Therapiereserve bei der zerebralen Toxoplasmose. Auch bei anderen Infektionen, zum Beispiel bei Harnwegsinfekten.</p>
<ul>
<li>Cotrim 960<sup>® </sup>Tabl. mit 160/800 mg Trimethoprim/Sulfamethoxazol (N3:50)</li>
<li>Cotrim forte<sup>® </sup> Tabl. mit 160/800 mg Trimethoprim/Sulfamethoxazol (N2:20)</li>
<li>Cotrim 480<sup>®</sup> Tabl. mit 80/400 mg Trimethoprim/Sulfamethoxazol (N3:50)</li>
<li>Eusaprim Saft<sup>®</sup> Erwachsene (= 16/80 mg/ml), Kinder (8/40 mg/ml) (N1:100 ml)</li>
<li>Cotrim ratiopharm Ampullen<sup>®</sup> mit 80/400 mg (N2:5)</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> PCP-<strong>Prophylaxe:</strong> täglich 80/400 mg oder dreimal pro Woche 160/800 mg Trimethoprim/Sulfamethoxazol. PCP-<strong>Therapie</strong>: 5 mg/kg (bezogen auf Trimethoprim) oral oder i.v. alle 8 Stunden für 21 Tage, also meist 3 x 5 bis 6 Amp. à 80/400 mg. Toxoplasmose-Prophylaxe: täglich 160/800 mg. Bei Nierenfunktionseinschränkung: Halbierung der Dosis bei Kreatinin-Clearance von 15 bis 50 ml/min. Unter 15 ml/min ist Cotrimoxazol kontraindiziert.<strong> </strong></p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Allergien. In hohen Dosen Myelotoxizität (Anämie, Neutropenie!), Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Transaminasenerhöhungen. Bei leichten Allergien kann oft weiter behandelt werden.</p>
<p><strong>Hinweise, Bewertung:</strong>  Vorsicht bei Sulfonamid-Allergie! Mit dem Saft bzw. Suspension für Kinder kann zur Desensibilisierung innerhalb von sechs Tagen langsam von 12.5, 25, 37.5, 50 und 75 auf 100 % der Dosis der 480 mg Tablette gesteigert werden. Cotrimoxazol kann die Wirkung von Antikoagulantien und Phenytoin verstärken und die oraler Kontrazeptiva reduzieren.</p>
<p><strong>Crixivan<sup>®</sup></strong> siehe Indinavir</p>
<p><strong>Cymeven<sup>®</sup></strong> siehe Ganciclovir</p>
<h2>D4T (Stavudin)</h2>
<p><strong>Hersteller: </strong>Bristol-Myers Squibb.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation: </strong>HIV-Infektion. Seit März 2011 deutlich beschränkt! Einsatz nur, „wenn andere antiretrovirale Arzneimittel nicht angewendet werden können. Die Dauer der Behandlung sollte auf den kürzest möglichen Zeitraum begrenzt werden“, Patienten sollten „wann immer möglich auf eine geeignete Therapiealternative umgestellt werden“.</p>
<ul>
<li>Zerit<sup>®</sup> Hartkapseln zu 20, 30 und 40 mg D4T (N3=56)</li>
<li>Zerit<sup>®</sup> Pulver zu Bereitung einer oralen Lösung 1 mg D4T/ml (N1:200 mg)</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung: </strong>Täglich 2 x 40 mg bei Körpergewicht &gt; 60 kg (2 x 30 mg bei &lt; 60 kg). Nüchtern oder mit einer leichten Mahlzeit. Bei eingeschränkter Nierenfunktion:</p>
<table width="494" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="90"><strong>Körpergewicht</strong></td>
<td valign="top" width="126"><strong>Kreatinin-Clearance 26-50 ml/Min</strong></td>
<td valign="top" width="180"><strong>Kreatinin-Clearance unter 26 ml/Min (inkl. Dialysepatienten)*</strong></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="90">&lt; 60 kg</td>
<td valign="top" width="126">2 x 15 mg täglich</td>
<td valign="top" width="180">1 x 15 mg täglich</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="90">&gt; 60 kg</td>
<td valign="top" width="126">2 x 20 mg täglich</td>
<td valign="top" width="180">1 x 20 mg täglich</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>*Hämodialyse: D4T nach Dialyse und zur gleichen Zeit an den dialysefreien Tagen einnehmen</p>
<p><strong>Nebenwirkungen: </strong>Mehr als andere NRTIs mitochondrial toxisch, Lipoatrophie. Periphere Neuropathien (PNP), vor allem in Kombination mit DDI (bis 24 %) und anderen neurotoxischen Medikamenten (Ethambutol, Cisplatin, INH, Vincristin etc.). Selten Diarrhoe, Übelkeit, Kopfschmerzen. Steatosis hepatis, Pankreatitis. Selten, aber potentiell fatal: Laktatazidose (v.a. mit DDI, auch bei Schwangeren!).</p>
<p><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Thymidin-Analogon, subjektiv anfangs gut verträglich und lange eine Alternative zu AZT. Aufgrund der mitochondrialen Toxizität (Lipoatrophie, Laktatazidosen, periphere Neuropathie) seit 2011 mit deutlicher Anwendungsbeschränkung (s.o.). Wird komplett vom Markt verschwinden.</p>
<h2>Dapson</h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> Fatol.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Reservemedikament zur Prophylaxe von PCP und Toxoplasmose. Sonstige (seltene) Anwendungsgebiete in Dermatologie (bullöses Pemphigoid), Rheumatologie und bei Lepra.</p>
<ul>
<li>Dapson-Fatol<sup>®</sup> Tabletten mit 50 mg (N2:25; N2:50; N3:100).</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> täglich 100 mg. Alternative: 1 x 1 Tbl. à 50 mg <strong>plus</strong> Pyrimethamin 1 x 2 Tbl. à 25 mg/Woche <strong>plus</strong> Folinsäure 1 x 2 Tbl. à 15 mg/Woche.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Allergien (Juckreiz, Hautausschlag), Fieber. Häufig auch hämolytische Anämie (LDH-Erhöhung fast obligat!), Hepatitis.</p>
<p><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Dapson ist kontraindiziert bei schwerer Anämie und mit Vorsicht anzuwenden bei G6PD-Mangel. Mediterraner G6PD-Mangel gilt als Kontraindikation. Keine gleichzeitige Gabe von DDI, Ant­azida und H2-Blockern (Abstand von mindestens zwei Stunden). Eine LDH unter Dapson ist diagnostisch nicht verwertbar. Rifabutin, Rifampicin senken die Dapson-Spiegel.</p>
<p><strong>Daraprim</strong><sup>®</sup><strong> </strong>siehe Pyrimethamin</p>
<h2>Darunavir</h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> Tibotec (Janssen-Cilag).</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Unbehandelte und vorbehandelte HIV-Patienten.</p>
<ul>
<li>Prezista<sup>®</sup> Filmtabletten mit 400 und 600 mg (N1:120)</li>
<li>Prezista<sup>®</sup> Filmtabletten mit 75 mg (N1:480) und 150 mg (N1:240) für Kinder</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> Je nach Vortherapie einmal oder zweimal täglich</p>
<p>Therapienaiv:  Täglich 1 x 800 mg (je 2 Tbl. zu 400 mg) + 1 x 100 mg Ritonavir</p>
<p>Vortherapie:    Täglich 2 x 600 mg (je 1 Tbl. zu 600 mg) + 2 x 100 mg Ritonavir</p>
<p>Seit 2009 auch für Jugendliche ab 6 Jahre/20 kg: Dosis nach Körpergewicht. 20-30 kg 375 mg/50 mg RTV BID, 30-40 kg 450/60 mg, &gt; 40 kg 600 mg/100 mg BID.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Moderate gastrointestinale Beschwerden. Dyslipiämie evtl. nicht so ausgeprägt wie bei anderen PIs, Daten zur Lipodystrophie fehlen. Hautausschlag (bis zu 7 %) in den ersten 2 Wochen, meist milde.</p>
<p><strong>Hinweise:</strong> Darunavir sollte zu oder kurz nach den Mahlzeiten eingenommen werden. Vorsicht bei Sulfonamidallergie.</p>
<p>Da Darunavir über das Cytochrom P450-System abgebaut wird, sind einige Interaktionen zu beachten. Lopinavir und Saquinavir senken die Plasmaspiegel von Darunavir, die Kombination sollte vermieden werden. Nicht kombiniert werden dürfen: Johanniskraut, Astemizol, Terfenadin, Cisaprid, Pimozid, Midazolam, Triazolam, Ergotaminderivate, Rifampicin, Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin. Statt Pravastatin ist Atorvastatin in der niedrigsten Dosis (10 mg) zu verwenden.</p>
<p>Dosisanpassungen sind teilweise erforderlich bei Efavirenz (erniedrigte Darunavir- und erhöhte Efavirenz-Spiegel), Rifabutin (auf 150 mg alle zwei Tage reduzieren), Kalziumantagonisten (erhöhte Spiegel), Methadon (erniedrigt). Interaktionen mit empfängnisverhütenden Pillen. Maximaldosen von PDE5-Inhibitoren in Kombination mit Darunavir: 10 mg Cialis<sup>®</sup> in 72 Stunden; 2.5 mg Levitra<sup>®</sup> in 72 Stunden; 25 mg Viagra<sup>®</sup> in 48 Stunden. Für weitere Informationen (Azole, Cyclosporin, SSRIs u.a.) siehe Produktinfo.</p>
<p><strong>Bewertung:</strong> Gut verträglicher und breit einsetzbarer PI mit beachtlicher Aktivität auch gegen PI-resistente Viren. Mit Ritonavir zu boostern. Verschiedene Dosierungen sowie Interaktionen sind zu beachten!</p>
<h2>DDC (Zalcitabin)</h2>
<p>Der Vertrieb von DDC (HIVID<sup>®</sup>) wurde in 2006 eingestellt.</p>
<h2>DDI (Didanosin)</h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> Bristol-Myers Squibb.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion.</p>
<ul>
<li>Videx<sup>®</sup> Hartkapseln zu 125, 200, 250 und 400 mg (N3=60).</li>
<li>Videx<sup>®</sup> Pulver Flaschen mit 2 g</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung: </strong>Täglich 1 x 400 mg (Körpergewicht &gt; 60 kg) bzw. 1 x 250 mg (Körpergewicht &lt; 60 kg). DDI muss nüchtern, das heißt frühestens 2 Stunden nach oder spätestens 1 Stunde vor einer Mahlzeit eingenommen werden.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Diarrhoe, Übelkeit, Kopfschmerzen. DDI-spezifisch: Pankreatitis, auch bei längerer Gabe! Periphere Polyneuropathie. Selten Laktatazidose, vor allem bei Kombination mit D4T und Ribavirin.</p>
<p><strong>Hinweise:</strong> Akute und chronische Pankreatitis sind Kontraindikationen, ebenso Therapie mit Ribavirin! Vorsicht bei D4T, Ethambutol, Cisplatin, Disulfiram, INH, Vincristin etc. (PNP).</p>
<p>Die Kombination mit Tenofovir ist möglichst zu vermeiden (Cmax und AUC von DDI steigen um 28 % bzw. 44 % an), bei fehlenden Alternativen muss die DDI-Dosis auf 250 mg reduziert und Tenofovir zwei Stunden vor oder eine Stunde nach DDI eingenommen werden. Auch mit Indinavir, Dapson, Ketoconazol, Itraconazol, Tetrazyklinen sollte ein zeitlicher Abstand von zwei Stunden eingehalten werden.</p>
<p>Anfangs monatlich Kontrollen von Amyla­se, Blutbild, Transaminasen, Bilirubin. Patienten über die Symptome einer Pankreatitis aufklären. DDI bei klinischem Verdacht absetzen, Reexposition vermeiden.</p>
<p><strong>Bewertung: </strong>Einer der ersten NRTIs, der heute aufgrund der Nebenwirkungen (Pankreatitis!) und der mitochondrialen Toxizität kaum noch eingesetzt wird. Die Dosis ist an das Körpergewicht anzupassen, Kombinationen mit Tenofovir und D4T sollten vermieden werden.</p>
<p><strong>Diflucan<sup>®</sup></strong> siehe Fluconazol</p>
<h2>Delavirdin</h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> ViiV Healthcare.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation: </strong>HIV-Infektion. In Europa nicht zugelassen.</p>
<ul>
<li>Rescriptor<sup>®</sup> Tabletten mit 100 mg und 200 mg</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> Täglich 3 x 400 mg.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> Exanthem, das meist in den ersten sechs Wochen auftritt.  In leichten Fällen Antihistaminika, bei systemischen Symptomen (Fieber, Konjunkti-vitis, Muskelschmerzen) DLV absetzen. Übelkeit, Transaminasenerhöhungen.</p>
<p><strong>Hinweise:</strong> Die Tabletten können in Wasser aufgelöst werden.</p>
<p>Kontraindiziert ist die gleichzeitige Behandlung mit Rifabutin, Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Alprazolam, Astemizol, Phenobarbital, Cisaprid, Midazolam, Terfenadin und Triazolam.</p>
<p>Delavirdin interagiert durch eine Reduktion der CYP3A-Aktivität mit zahlreichen Medikamenten. Es erhöht die AUC von einigen PIs (Saquinavir, Nelfinavir), Sildenafil, Dapson, Clarithromycin, Quinidin und Warfarin. Delavirdinspiegel werden erniedrigt durch DDI, H<sub>2</sub>-Blocker, Carbamazepin, Phenytoin und Antazida.</p>
<p><strong>Bewertung: </strong>Wegen ungünstiger Einnahmemodalitäten, hoher Pillenzahl und Interaktionen kaum noch eingesetzter NNRTI, in Europa ohnehin nicht zugelassen.</p>
<h2>Doxorubicin (liposomal)</h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> Janssen-Cilag.</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation:</strong> AIDS-assoziiertes Kaposi-Sarkom mit &lt;200 CD4-Zellen/µl und ausgedehnter mukokutaner oder viszeraler Beteiligung.</p>
<ul>
<li>Caelyx<sup>®</sup> Durchstechflaschen mit 10 ml (20 mg) und 25 ml (50 mg).</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung:</strong> 20 mg/m² i.v. in 250 ml 5 % Glukose über 30 min, alle 2-3 Wochen.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen: </strong>Kardiomyopathie. Myelosuppression und Stomatitis (selten schwer), Hand-Fuß-Syndrom (schmerzhafte Rötungen). Therapie: Kühlung der betroffenen Stellen. Cave Paravasate (nie s.c. oder i.m., niemals Bolusgabe!)</p>
<p><strong>Hinweise, Bewertung: </strong>Kontraindiziert bei Kardiomyopathie, schwerer Knochenmarksdepression (Neutrophile &lt; 1.000/µl, Thrombozyten &lt; 50.000/µl).</p>
<p>Kontraindiziert bei Kardiomyopathie, Vortherapie mit Anthrazyklindosen oberhalb der Kumulativdosis. EKG und Herzecho (linksventrikuläre Ejektionsfraktion?) vor und während Therapie, ab Kumulativdosis von 450 mg/m² vor jedem Zyklus.</p>
<p>Hand-Fuss-Syndrom wird durch Schwitzen, Druck, Reibung gefördert – keine engen Handschuhe, Sonne, langes Duschen. Gekühlte Getränke sind günstig!</p>
<p>Die Substanz ist teuer (40 mg kosten laut Roter Liste zusammen rund 1.500 Euro).</p>
<h2>Efavirenz</h2>
<p><strong>Hersteller:</strong> BMS (Sustiva<sup>®</sup>); MSD (Stocrin<sup>®</sup>); Gilead/BMS/MSD (Atripla<sup>®</sup>).</p>
<p><strong>Zulassung und Indikation: </strong>HIV-Infektion.</p>
<ul>
<li>Sustiva<sup>®</sup> Filmtabletten zu 600 mg (N2:30), in einigen Ländern auch Stocrin<sup>®</sup></li>
<li>Sustiva<sup>®</sup> Hartkapseln zu 50 mg (N3:30), 100 mg (N:30), 200 mg (N3:90)</li>
<li>Sustiva<sup>®</sup> Lösung zum Einnehmen (30 mg/ml, N1:180 ml = 5,4 g).</li>
<li>Atripla<sup>®</sup>  Filmtabletten : 600 mg Efavirenz plus 200 mg FTC + 300 mg Tenofovir (N2:30, auch 3-Monatspackung mit 3 x 30 Filmtabletten)</li>
</ul>
<p><strong>Dosierung</strong>: täglich 600 mg kurz vor dem Schlafengehen, auf leeren Magen. Dosisanpassung bei Kindern/Jugendlichen unter 40 kg siehe Pädiatrie Kapitel.</p>
<p><strong>Nebenwirkungen:</strong> ZNS-Symptome in den ersten Wochen häufig: Alpträume, Verwirrtheit, Schwindel, Benommenheit, Depression, Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit, Depersonalisationsgefühle. Auch Exanthem (15 %) in den ersten Wochen, meist milde, meist Weiterbehandlung möglich. Erhöhung der Leber- und Gallenwerte (yGT). Dyslipidämie, gelegentlich schmerzhafte Gynäkomastie.</p>
<p><strong>Hinweise:</strong> Kontraindiziert in der Schwangerschaft. Vorsicht deshalb bei Frauen in gebärfähigem Alter, etwaigen Kinderwunsch ansprechen! Keine Einnahme zu fettreichen Mahlzeiten (evtl. höhere Absorption und Nebenwirkungen).</p>
<p>Kontraindiziert sind die gleichzeitige Gabe von Ergotaminen, Astemizol, Cisaprid, Midazolam, Terfenadin und Triazolam. Keine Kombination mit der Pille.</p>
<p>Bei Kombination Dosiserhöhungen von Lopinavir/r (2 x 3 Tbl/Tag = TDM!), Atazanavir/r (400/100 mg), Rifabutin (450 mg), Methadon (20-30 %) und Maraviroc (2 x 600 mg, wenn kein geboosterter PI gegeben wird).</p>
<p><strong>Bewertung: </strong>Viel verwendeter und gut wirksamer NNRTI, dessen wesentliches Problem die vielfältigen ZNS-Nebenwirkungen sind. Weitere Nachteile sind die für alle NNRTIs geltende Anfälligkeit für Kreuzresistenzen.</p>
</div>
<div>
<h2 style="text-align:justify;">Emtricitabin (FTC)</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Gilead (Emtriva<sup>®</sup> und Truvada<sup>®</sup>); Gilead+BMS+MSD (Atripla<sup>®</sup>).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>HIV-Infektion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Emtriva<sup>®</sup> Hartkapseln: 200 mg FTC (N2:30).</li>
<li>Emtriva<sup>®</sup> Lösung: 10 mg FTC pro ml (N2:170 ml)</li>
<li>Truvada<sup>®</sup> Filmtabletten: 200 mg FTC + 300 mg Tenofovir (N2:30)</li>
<li>Atripla<sup>®</sup> Filmtbl.: 200 mg FTC + 300 mg Tenofovir + 600 mg Efavirenz (N2:30).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> täglich 1 x 200 mg (Lösung 240 mg = 24 ml empfohlen). Bei verminderter Kreatinin-Clearance statt Kombinationspräparate Einzelpräparate verwenden (Dosis siehe dort). Emtricitabin wird wie folgt angepasst:</p>
<table width="495" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="156"><strong>Kreatinin-Clearance </strong>(ml/min)</td>
<td valign="top" width="204"><strong>Dosierung</strong></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="156">30–49</td>
<td valign="top" width="204">200 mg alle 2 Tage</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="156">15–29</td>
<td valign="top" width="204">200 mg alle 3 Tage</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="156">unter 14 oder Dialyse</td>
<td valign="top" width="204">200 mg alle 4 Tage</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Selten, am ehesten Kopfschmerzen, Übelkeit, Diarrhoe, Hautausschlag. Möglicherweise auch Hyperpigmentationen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Gut verträgliches Cytidin-Analogon, das biochemisch und im Resistenzspektrum 3TC ähnelt, allerdings eine längere Halbwertszeit hat. Als Kombinationspartner in Truvada<sup>®</sup> und Atripla<sup>®</sup> viel verwendet. Bei HBV-Koinfektion Gefahr des Rebounds der Hepatitis nach Absetzen von FTC. Möglichst nicht absetzen, oder Leberwerte kontrollieren.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Ausführliche Diskussion in diesem Buch:</strong> Seite xxx13</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Emtriva<sup>®</sup></strong> siehe Emtricitabin</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Enfuvirtide</strong> siehe T-20</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Epivir<sup>®</sup></strong> siehe 3TC (am Anfang des Medikamententeils)</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Eremfat<sup>®</sup></strong> siehe Rifampicin</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Erypro<sup>®</sup></strong> siehe Erythropoetin</p>
<h2 style="text-align:justify;">Erythropoetin</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Janssen-Cilag.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Anämie bei chronischem Nierenversagen, Reduktion des Transfusionsbedarfs von Tumor-Patienten, die eine Chemotherapie erhalten und bei denen das Risiko einer Transfusion besteht.  Asymptomatisch frühestens bei Hb unter 10-11 g/dl, falls der endogene Erythropoetin-Spiegel unter 500 mU/ml liegt).</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Erypo<sup>®</sup> Fertigspritzen (0,5 ml mit 1000 I.E oder 2000 I.E., 0,3 ml mit 3000 I.E., 0,4 ml mit 4000 I.E.</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Je nach Indikation 3 x 50-100 I.E./kg/Woche s.c. bis Hämatokrit von 30-35 %. Bei fehlendem Ansprechen Dosissteigerung, falls kein Ansprechen nach weiteren 6 Wochen: Absetzen. Bei Ansprechen reicht Erhaltungsdosis von 100-200 I.E./kg/Woche. Ab Hämatokrit &gt; 40 % oder Hb &gt; 13 g/dl: Absetzen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen: </strong>Insbesondere anfangs grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Schwächegefühl, Benommenheit, Müdigkeit.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise: </strong>Erythropoetin ist kontraindiziert bei unkontrolliertem Bluthochdruck. Es ist teuer und sollte sehr sparsam eingesetzt werden. Vor Beginn der Behandlung sind andere Ursachen der Anämie auszuschließen. Hierzu zählen Vitamin-B12-Mangel, Folsäure-Mangel, Eisenmangel, okkulter Blutverlust, hämatologische Krankheiten wie Thalassämie und Myelodysplasien. Zudem AIDS-Erkrankungen mit Knochenmarkbeteiligung wie MAC-Infektion, Tuberkulose, CMV-Infektion, maligne Lymphome, Kaposi-Sarkom. Anfangs engmaschige Blutdruckkontrollen!</p>
<p style="text-align:justify;">Kontraindiziert ist die subkutane Verabreichung von Erypo<sup>®</sup> bei chronisch-niereninsuffizienten Patienten wegen des Risikos einer Antikörper-vermittelten Ery-throblastopenie (Pure Red Cell Aplasia). Erypro<sup>® </sup>bei 2-8° Celsius in der Originalverpackung lagern. Nicht einfrieren!</p>
<p style="text-align:justify;">Wechselwirkungen: Erythropoetin kann die Wirkung gleichzeitig verabreichter Antihypertensiva vermindern. Bei gleichzeitiger antikonvulsiver Therapie ist eine Erhöhung der Krampfneigung möglich.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Filgrastim</strong> siehe G-CSF</p>
<h2 style="text-align:justify;">Ethambutol</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> u.a. Riemser, Fatol.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Tuberkulose, MAC-Infektionen.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>EMB-Fatol<sup>®</sup> Tabletten mit 100 mg (N2:50; N3:100).</li>
<li>EMB-Fatol<sup>®</sup> Filmtabletten mit 250 mg, 400 mg und 500 mg (N2:50; N3:100).</li>
<li>EMB-Fatol<sup>®</sup> Injektionslösung mit 1 g in 10 ml (N2:10).</li>
<li>Myambutol<sup>®</sup> Filmtabletten mit 400 mg (N2:50; N3:100).</li>
<li>Myambutol<sup>®</sup> Injektionslsg. mit 400 mg/4 ml (N2:10) und 1000 mg/10 ml (N2:5)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 15 bis 25 mg/kg (maximal 2 g), meist täglich 1 x 3 Tabletten zu 400 mg. Ethambutol sollte nur in einer Kombinationstherapie eingesetzt werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Dosisreduktion bei Nierenfunktionseinschränkung:</p>
<table width="493" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="142"><strong>Kreatinin-Clearance</strong></td>
<td valign="top" width="230"><strong>Dosierung</strong></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="142">über 75 ml/min</td>
<td valign="top" width="230">25 mg/kg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="142">  40-75 ml/min</td>
<td valign="top" width="230">15 mg/kg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="142">  30-40 ml/min</td>
<td valign="top" width="230">15 mg/kg jeden zweiten Tag</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="142"> &lt;30 ml/min</td>
<td valign="top" width="230">Serumspiegelbestimmung  erforderlich*</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="372">Die Serumspiegel sollten nach 2-4 Stunden im Bereich der minimalen Hemmkonzentrationen 2-5 µg/ml liegen</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Ethambutol kann eine Optikusneuritis mit Visusstörungen (Abnahme der Sehkraft, Gesichtsfeldeinschränkungen und Ausfall des Farbsinnes im Rot-Grün-Bereich) verursachen. Sie ist reversibel, wenn Ethambutol sofort abgesetzt wird.  Weitere Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel. Pruritus, Gelenkschmerzen, erhöhte Serum-Harnsäurespiegel (akute Gichtanfälle möglich!), abnorme Leberfunktionstests.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Ethambutol ist kontraindiziert bei vorbestehender Schädigung des Nervus opti­cus. Augenärztliche Untersuchung vor Therapiebeginn und danach in 4-wöchigen Abständen (Farbsehen, Gesichtsfeld, Sehschärfe). Bei Auftreten medikamentös bedingter Sehstörungen ist das Präparat sofort abzusetzen, um eine Optikusatrophie zu vermeiden.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Patienten sind vor Beginn der Behandlung daher auf die Möglichkeit des Auftretens von Sehstörungen hinzuweisen und aufzufordern, diese sofort dem behandelnden Arzt zu melden.</p>
<p style="text-align:justify;">Aluminiumhydroxyd reduziert die Absorption von Ethambutol; daher sollte letzteres mindestens 1 Stunde vor einem Antazidum eingenommen werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Leberwerte, Harnsäure monatlich kontrollieren.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Etravirin (TMC-125)</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Tibotec (Janssen-Cilag).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Vorbehandelte erwachsene Patienten. Nur in ART-Kombinationen, die einen geboosterten PI enthalten.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Intelence<sup>®</sup> Tabletten zu 100 mg (N2:120)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> 2 x 200 mg (2 x 2 Pillen) nach einer Mahlzeit.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Meist milder Hautausschlag („Rash“) in der zweiten Woche, selten Übelkeit. Bei einem milden Exanthem kann meist weiterbehandelt werden. Einzelfälle von Toxischer Epidermaler Nekrolyse und DRESS-Syndrom. Bei schwerem Exanthem sofort absetzen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise: </strong>Die Tabletten sind in Wasser auflösbar. <strong></strong></p>
<p style="text-align:justify;">Etravirin ist ein Substrat des CYP P450-Enzymsystems, gleichzeitig aber auch ein Induktor von CYP3A4 und ein Inhibitor von CYP2C9 &#8211; somit sind zahlreiche Interaktionen zu erwarten. So verringert Etravirin die Serumkonzentrationen von Atazanavir, Maraviroc und Raltegravir und erhöht die von Fosamprenavir. Andererseits werden die Etravirin-Spiegel deutlich verringert durch Tipranavir, Efavirenz und Nevirapin, nur mäßig hingegen durch Darunavir, Saquinavir und Tenofovir. Lopinavir und Delavirdin erhöhen die Etravirin-Spiegel.</p>
<p style="text-align:justify;">Fazit: Etravirin sollte nicht mit den folgenden Medikamenten eingesetzt werden: Atazanavir, Fosamprenavir, Tipranavir, ungeboosterten PIs oder anderen NNRTIs. Vermeiden auch Rifampicin, Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Johanneskraut. Weitere Einzelheiten in der Fachinformation.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>Etravirin ist der erste Zweitgenerations-NNRTI, der 2008 für vorbehandelte Patienten zugelassen wurde. Er ist gut verträglich und wirksam gegen NNRTI-resistente HIV-Stämme mit klassischen NNRTI-Mutationen wie K103N. Sollte immer mit geboostertem PI (Darunavir!) kombiniert werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Fortovase<sup>®</sup></strong> siehe Saquinavir</p>
<h2 style="text-align:justify;">Fosamprenavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> ViiV Healthcare (früher GlaxoSmithKline).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>HIV-Infektion, sowohl therapienaive als auch vorbehandelte Patienten, zu den Indikationsbeschränkungen siehe unten.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Telzir<sup>® </sup>Filmtabletten mit 700 mg (N3:60) (USA: Lexiva<sup>®</sup>)</li>
<li>Telzir<sup>®</sup> Suspension mit 50 mg/ml (225 ml Flasche = N1)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> ist für <strong>therapienaive </strong>Patienten variabel:</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>2 x 700 mg + 2 x 100 mg Ritonavir (2 x 2 Pillen, übliche Dosis)</li>
<li>2 x 1400 mg (ohne Ritonavir, in Europa nicht zugelassen!).</li>
<li>1 x 1400 mg + 1 x 200 mg Ritonavir (1 x 4 Pillen; nicht in Europa).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;">Für <strong>PI-vorbehandelte </strong>Patienten kommt nur die folgende Dosierung in Frage:</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>2 x 700 mg + 2 x 100 mg Ritonavir (2 x 2 Pillen)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen: </strong>am häufigsten<strong> </strong>Diarrhoen. Seltener Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag (bis 20 %). Selten Stevens-Johnson-Syndrom (&lt;1 %).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung: </strong>Fosamprenavir kann nüchtern oder zum Essen eingenommen werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Kontraindiziert sind Cisaprid, Pimozid, Midazolam, Triazolam, Ergotamin. Bei Boosterung mit Ritonavir sind Flecainid und Propafenon kontraindiziert. Lebensbedrohliche Interaktionen möglich bei Amiodaron, Lidocain (systemisch), trizyklischen Antidepressiva und Chinidin. Keine gleichzeitige Gabe von Rifampicin (reduziert die Plasmaspiegel von Amprenavir um 90 %), Delavirdin oder Johanniskraut; Zurückhaltung mit Simvastatin, Lovastatin, Sildenafil, Vardenafil. Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Dexamethason können die Plasmaspiegel von Amprenavir senken. Dosisreduktion von Rifabutin um 50 %, bei Fosamprenavir-Boosterung sogar um 75 % (statt 300 mg pro Tag nur 150 mg jeden zweiten Tag oder 150 mg 3 x/Woche). Methadondosis evtl. erhöhen.</p>
<p style="text-align:justify;">Efavirenz kann die Plasmaspiegel deutlich (wahrscheinlich klinisch relevant) senken. Dies gilt nicht, wenn Fosamprenavir geboostert wird. Allerdings: Bei Once Daily Fosamprenavir/r sollte die Ritonavirdosis auf <strong>1 x 300 mg</strong> erhöht werden: Cave Kombination mit Lopinavir (Plasmaspiegel beider Substanzen sinken). Ketoconazol, Itraconazol: Bei Gabe von &gt;400 mg/Tag eventuell Dosisreduktion des Azols. Bei Ritonavir-Boosterung maximal 200 mg/Tag. Vorsicht bei Sulfonamidallergie, reduzierter Leberfunktion. Ungeboostert nicht mit Posaconazol.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Ist als ein Kalzium-Phophatester von Amprenavir besser löslich und resorbierbar, die Pillenzahl ist daher deutlich reduziert. Abgesehen von Diarrhoen recht gut verträglich, variable Einnahmemöglichkeiten.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Foscarnet</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> AstraZeneca.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Reservemittel für die Induktions- und Erhaltungstherapie der CMV-Retinitis. Schwere, Aciclovir-resistente Herpes- oder Varizella-Zoster-Infektionen.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Foscavir<sup>®</sup> Infusionsflaschen zu 250 ml mit 24 mg/ml (N1:3, N3:10)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Während der Induktionstherapie (2-3 Wochen) der CMV-Retinitis täglich 2 x 90 mg/kg i.v. über mindestens 2 Stunden. Erhaltungstherapie: täglich 1 x 90-120 mg/kg über 2 Stunden. HSV- und VZV: 2 x 60 mg/kg i.v. für 2 Wochen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Nephrotoxizität! Meist reversibel nach Absetzen. Elektrolytverschiebungen (Hypokalzämie, Hypokaliämie) ebenfalls häufig. Seltener Anämie, Neutropenie, Fieber, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe. Oft schmerzhafte Penis-Ulzera (Waschen nach jedem Wasserlassen!)</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Hydratation! Mindestens 2,5 Liter Flüssigkeit täglich. Um Hypokalzämien zu vermeiden, unmittelbar vor der Foscarnet-Infusion eine Ampulle 10%ige Kalzium-Lösung in 100 ml 5%iger Glukose infundieren. Vor oder nach der Foscarnet-Gabe 500-1000 ml 5%ige Glukose geben. Infusionen nicht mischen. Anfangs 3 x/Woche Kontrolle von Na, K, Ca, Kreatinin, Blutbild.</p>
<p style="text-align:justify;">Keine gleichzeitige Therapie mit anderen nephrotoxischen Medikamenten. Bei Nierenfunktionseinschränkung Dosis anpassen.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Fluconazol</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Pfizer, diverse andere Firmen, daher viele Handelsnamen, darunter Diflucan<sup>®</sup>, Fluconazol CT<sup>®</sup>/Stada, oder Flucobeta<sup>®</sup>.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Candida-Infektionen, Kryptokokkose, einige seltene Mykosen.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Fluconazol Kapseln<sup>®</sup> mit 50 mg, 100 mg, 200 mg (N1:20; N2:50; N3:100).</li>
<li>Diflucan Saft<sup>®</sup> mit 50 mg pro 10 ml (N1:150 ml). Trockensaft mit 50 mg in 5 ml.</li>
<li>Fluconazol ratiopharm<sup>®</sup> Infusionsfl. mit 100, 200 und 400 mg (jeweils: N1:5).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Bei oropharyngealer Candidose täglich oral 1 x 100 mg, bei Soor-Ösophagitis 1 x 200 mg für 7-10 Tage. Am ersten Tag die doppelte Dosis. Bei Persistenz nach 10 Tagen Versuch mit höherer Dosis (bis 800 mg täglich) möglich.</p>
<p style="text-align:justify;">Kryptokokken-Meningitis: Initial täglich 400-800 mg, möglichst kombiniert mit Flucytosin und Amphotericin B. Nach Ende der Akutbehandlung – in der Regel nach 6 Wochen – Suppressionstherapie mit täglich 200 mg Fluconazol. Nierenfunktionsstörung: Dosis halbieren bei Kreatinin-Clearance von 50 bis 10 ml/min; Dosis auf 25 % reduzieren bei Werten &lt;10 ml/min.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> selten gastrointestinale Beschwerden und Transaminasen-erhöhungen. Reversible Alopezie bei etwa 10 % bei Dosierungen über 400 mg/Tag.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Bei Langzeitanwendung Azol-resistente Candida-Stämme. Keine Wirkung gegen C. krusei, Aspergillen. Bei C. glabrata höher dosieren. Reduzierte Fluconazolspiegel bei gleichzeitiger Gabe von Rifabutin/Rifampicin. Fluconazol erhöht Serumkonzentrationen von Rifabutin, Atovaquon, Clarithromycin, Theophyllin, Opiaten, Marcumar, Benzodiazepinen, Cyclosporin, Tacrolimus, Phenytoin, Antikonvulsiva sowie von AZT.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Mittel der Wahl bei Candidosen bei HIV-Infektion und zur Sekundärprophylaxe der Kryptokokkose (auch Bestandteil der Akuttherapie). Die Tabletten werden gut resorbiert, Infusionen (2-3 mal teurer) sind nur bei mangelnder Adhärenz, schwerer Mukositis bzw. Resorptionsproblemen sinnvoll.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Fuzeon<sup>®</sup></strong> siehe T-20</p>
<h2 style="text-align:justify;">Ganciclovir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Hoffmann-La Roche.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>CMV-Retinitis.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Cymeven<sup>®</sup> Injektionsflaschen mit 500 mg (N1:1).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Akuttherapie bei normaler Nierenfunktion: Täglich 2 x 5 mg/kg als i.v. Infusion über eine Stunde. Therapiedauer: 14 bis 21 Tage. Erhaltungstherapie: Täglich 1 x 6 mg/kg i.v. an 5 Tagen der Woche.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Leukopenie, Anämie, Thrombozytopenie sind dosislimitierend. Seltener Übelkeit, Erbrechen. Zentralner­vöse Beschwerden wie Verwirrtheit.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Alle zwei Tage Blutbildkontrolle. Absetzen bei Neutrophilenwerten unter 500/µl (ggf. G-CSF). Kontraindikation bei Neutropenie &lt; 500/µl, Thrombozytope­nie &lt; 25.000/ml sowie gleichzeitiger Chemotherapie (KS, NHL). Vorsicht mit AZT und DDI (erhöhte Toxizität!). Ganciclovir ist potenziell teratogen. Bei Nierenfunktionseinschränkung Dosis anpassen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Wird von einigen Experten bei akut den Visus bedrohenden Läsionen dem oralen Valganciclovir vorgezogen, Einsatz sonst nur noch in Ausnahmefällen.</p>
<h2 style="text-align:justify;">G-CSF</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Amgen, Chugai. Neuerdings diverse, billigere Generika, Biosimilars!</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Neutropenie, v. a. medikamentös-induziert (AZT, Ganciclovir, Interferon; myelosuppressive Chemotherapie), seltener HIV-bedingt.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Neupogen<sup>® </sup>Fertigspritzen mit 300 µg Filgastrim (30 Mio. IE) in 0.5 ml (N2:5)</li>
<li>Neupogen<sup>® </sup>Fertigspritzen mit 480 µg Filgastrim (48 Mio. IE) in 0.5 ml (N2:5)</li>
<li>Neulasta<sup>®</sup> Fertigspritzen mit 6 mg Pegfilgastrim (Mio. IE) in 0.6 ml (N1:1)</li>
<li>Granocyte<sup>®</sup> Durchstechfl. mit 13,4 und 33,6 Mio. IE Lenogastrim (N1:1; N2:5)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Bei Chemotherapien meist zu festgelegten Tagen ca. 5 µg/kg Neupogen<sup>® </sup>täglich. Außerhalb von Chemotherapieprotokollen 1-3 x/Woche 1-5 µg/kg Neupogen<sup>®</sup>, Dosis austitrieren. Angestrebt werden 1.000 Neutrophile/µl. Dosierung Granocyte<sup>® </sup>siehe Produktinformation.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Knochen-, Rücken- oder Muskelschmerzen in 10 bis 20 %,  gelegentlich schwer (großzügige Analgesie). Reizungen an der Einstichstelle.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> G-CSF ist teuer. Eine Dauermedikation ist möglichst zu vermeiden (Neutropenie-auslösende Medikation möglichst wechseln). Reste einer Ampulle sollten daher im Kühlschrank in einer Spritze aufbewahrt werden. Blutbild zweimal wöchentlich. Biosimilars und Generika sind billiger (Apotheke!).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>HIVID<sup>®</sup></strong> siehe DDC – nicht mehr auf dem Markt</p>
<h2 style="text-align:justify;">Indinavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> MSD.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Crixivan<sup>®</sup> Hartkapseln zu 200 mg (N2:360) und 400 mg (N1:180)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Zwei gängige Dosierungen, geboostert:</p>
<p style="text-align:justify;">2 x 800 mg (2 x 2 Kps. à 400 mg) plus 2 x 100 mg Ritonavir (2 x 1 Kps. à 100 mg). 2 x 400 mg (2 x 1 Kps. à 400 mg) plus 2 x 400 mg Ritonavir (2 x 4 Kps. à 100 mg). Unter TDM oft Dosisreduktion möglich. Ungeboosterte Dosierung (unüblich!): 3 x 800 mg (3 x 2 Kps. à 400 mg) eine Stunde vor/zwei Stunden nach dem Essen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Nierensteine (bis 25 %), seltener Nephrotoxizität mit erhöhtem Serum-Kreatinin. Diarrhoe, Übelkeit/Erbrechen. Hyperbilirubinämie.</p>
<p style="text-align:justify;">Häufig Sicca-Syndrom (trockene Haut, Mund und Augenschleimhäute), Alopezie, Einwachsen der Zehennägel und Nagelbett-Entzündungen, selten Haarausfall.</p>
<p style="text-align:justify;">Lipodystrophie („Crixbelly“), Dyslipidämie, Störungen des Glukose-Metabolismus.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeitsaufnahme, um Nierensteinen vorzubeugen. Nierensteine und wahrscheinlich auch Hautprobleme korrelieren mit Plasmaspiegeln. Keine gleichzeitige Gabe von DDI.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei Kombination mit Ritonavir kann Indinavir zweimal täglich und zu den Mahlzeiten eingenommen werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Kontraindiziert sind Rifampicin, Astemizol, Terfenadin, Cisaprid, Triazolam, Ergotamin, Sim-/Lovastatin, Johanniskraut. Dosisanpassungen sind notwendig bei:</p>
<p style="text-align:justify;">Rifabutin: Bei Boosterung mit Ritonavir: 150 mg Rifabutin alle zwei Tage oder dreimal pro Woche. Ketoconazol und Itraconazol: Täglich 3 x 600 mg Indinavir.</p>
<p style="text-align:justify;">Sildenafil: maximal 25 mg Sildenafil alle 48 Stunden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>War 1996 einer der ersten PIs, wird inzwischen aufgrund von Nebenwirkungen kaum noch eingesetzt. Sollte mit Ritonavir geboostert werden.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Interferon alpha 2a/2b</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Essex (Interferon <strong>α-2b</strong> als Intron A<sup>®</sup>, pegyliert auch als PegIntron<sup>®</sup>) und Roche (Interferon <strong>α-2a</strong> als Roferon<sup>®</sup>, pegyliert auch als Pegasys<sup>®</sup>).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation</strong>: Chronische Hepatitis C (IFN α-2b und IFN α-2a), chronische Hepatitis B (nur α-2a). Kaposi-Sarkom (KS) bei &gt; 250 CD4-Zellen/µl (nur α-2a). Pegylierte Interferone sind beim KS offiziell nicht zugelassen.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>PegIntron<sup>®</sup>: Injektoren mit 50, 80, 100, 120, 150 µg in 0,5 ml (N1:4, N2:12)</li>
<li>Pegasys<sup>®</sup>: Fertigspritzen mit 135, 180 µg (N1:4, N2:12)</li>
<li>Roferon-A<sup>®</sup>: Fertigspritzen zu 3, 4.5, 9, 18 Mio. IE (N1:6, N3:6/30)</li>
<li>Intron A<sup>®</sup>: Pens mit 18, 30, 60 Mio. IE (N1:2, N2:8)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> PegIntron<sup>®</sup> 1,5 µg/kg 1 x pro Woche. Pegasys<sup>®</sup> 180 µg 1 x pro Woche.</p>
<p style="text-align:justify;">Standard-Interferone: 6 Millionen Einheiten 3 x pro Woche.</p>
<p style="text-align:justify;">Dauer bei KS je nach Erfolg, bei HCV in Abhängigkeit von HCV-Genotyp und Therapieerfolg. Interferon wird subkutan gespritzt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen: </strong>Häufig grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskelschmerzen. Depression (bis hin zu Suizidalität), Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Persönlichkeitsveränderungen. Anämie, Thrombopenie und Leukopenie. Autoimmunthyreoiditis. Reversibler Haarausfall. Evtl. auch Visusstörungen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung: </strong>Die grippeähnlichen Symptome treten meist einige Stunden nach der Gabe auf und können durch Paracetamol (vorweg 1.000 mg!) gemildert werden. Alle Nebenwirkungen sind in der Regel reversibel.</p>
<p style="text-align:justify;">Kontraindikationen sind schwere Herz-, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, Knochenmarkschädigung, ZNS-Erkrankungen (z. B. Anfallsleiden, schwere Depressionen), nicht kompensierte Schilddrüsen-Funktionsstörungen.</p>
<p style="text-align:justify;">Blutbild zunächst alle zwei Wochen kontrollieren, später monatlich. TSH alle drei Monate. Interferone müssen im Kühlschrank gelagert werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei Hepatitiden sollten nur die pegylierten Interferone verwendet werden. Die teilweise beschränkten Indikationsbereiche beim KS sollten beachtet werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Intelence<sup>®</sup></strong> siehe Etravirin</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Intron A<sup>®</sup></strong> siehe Interferon</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Invirase<sup>®</sup></strong> siehe Saquinavir</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Isentress<sup>®</sup></strong> siehe Raltegravir</p>
<h2 style="text-align:justify;">Isoniazid</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> diverse, deshalb viele Handelsnamen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Kombinationsbehandlung der Tuberkulose. Prophylaktische Behandlung bei Tuberkulinkonversion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Isozid comp<sup>®</sup> Filmtabletten mit 200, 300, 400 mg INH und 40, 60, 80 mg Vitamin B6 (Pyridoxin-HCl) (N2:50, N3:100)</li>
<li>Auch in diversen Kombinationspräparaten (siehe Rifampicin)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 1 x 200 bis 300 mg (4 bis 5 mg/kg, maximal 300 mg) oral, nur in schweren Fällen i.v. während der ersten beiden Therapiewochen. Zur Prophylaxe von peripheren Neuropathien einmal täglich 100 mg Pyridoxin oral. In Isozid comp<sup>®</sup> ist Pyridoxin in der Dosierung von 20 mg pro 100 mg Isoniazid enthalten.</p>
<p style="text-align:justify;">Dosierung bei Kindern: Täglich 1 x 6 (bis 10) mg/kg, maxi­mal 300 mg.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Toxische Hepatitis, häufiger bei älteren Patienten, bei Lebererkrankungen und bei Alkoholabusus. Cave periphere Neuropathie! Isoniazid dann absetzen und mehrere Wochen Pyrido­xin und Vitamin B12. Psychosen, ZNS-Symptome. Fieber, Ausschlag, Übelkeit, Erbrechen, Anämie, Leukope­nie, Thrombozyto­penie.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Kontraindikationen sind akute Hepati­tis sowie die Anamnese einer INH-induzierten Hepa­topathie bzw. ausgeprägter fieberhafter Reaktionen, ferner periphere Neuropathie, Makro­hämaturie. Immer kombinieren mit Vitamin B6.</p>
<p style="text-align:justify;">Diverse Interaktionen mit Barbituraten, Cycloserin, Theophyllin, Phenytoin und Rifampicin, deren Dosis wegen ZNS-Störungen gegebenenfalls reduziert werden muss. Herabgesetzte Absorption bei gleichzeitiger Gabe Aluminium-haltiger Antazida. Keine Kombination mit D4T, DDI (PNP-Risiko), Vorsicht mit Alkohol.</p>
<p style="text-align:justify;">Zunächst zweiwöchentlich Blutbild, Transaminasen (TA), Bilirubin, Nierenfunktion kontrollieren. Isoniazid absetzen bei TA-Anstieg auf über das 3-fache des Ausgangswertes und Symptomen; bei Anstiegen um das 5-fache auch ohne Symptome.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Itraconazol</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Diverse, deswegen diverse Handelsnamen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>Histoplasmose, Asper­gillose, resistente Candida-Infektionen (2. Wahl). Auch bei Derma/Nagelmykosen.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Sempera<sup> </sup>Kapseln<sup>®</sup> à 100 mg (N1:15; N2:30)</li>
<li>Sempera 7 Kapseln<sup>®</sup> à 100 mg (N1:14; N2:28).</li>
<li>Sempera Liquid<sup>®</sup> Saft à 10 mg/ml (150 ml).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Fluconazolresistente Candidosen: 1-2 x 100 mg (bis 2 x 200 mg) täglich, am besten als Saft. Histoplasmose, Aspergillose täglich 2 x 200 mg/Tag.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Übelkeit, Erbrechen, Exanthem, Schwindel. Toxische Hepatitis.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Um die Resorption zu erhöhen, sind die Kapseln unmittelbar nach einer vollen Mahlzeit einzunehmen. Saure Getränke wie Cola und Apfelsinensaft fördern die Resorption.</p>
<p style="text-align:justify;">Keine gleichzeitige Gabe der Kapseln mit DDI, H2-Blockern, Omeprazol, Antazida. Keine gleichzeitige Gabe (egal ob Kapseln oder Saft) von Rifampicin, Rifabutin, Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Simvastatin, Lovastatin und Isoniazid (senken die Bioverfügbarkeit von Itraconazol).</p>
<p style="text-align:justify;">Itraconazol erhöht die Serumspiegel von Cyclosporin, Kalzium-Antagonisten, Digoxin, Lovastatin, Simvastatin und Indinavir. Itraconazol hat einen negativ inotropen Effekt und sollte bei herzinsuffizienten Patienten nicht eingesetzt werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Wegen zahlreicher Interaktionen und unsicherer Plasmaspiegel ist die Gabe von Itraconazol problematisch. Im Gegensatz zu Fluconazol wirkt es jedoch bei vielen Non-Albicans-Stämmen, Aspergillen, Histoplasmose.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Kaletra<sup>®</sup></strong> siehe Lopinavir</p>
<h2 style="text-align:justify;">Kivexa<sup>®</sup> (USA: Epzicom<sup>®</sup>)</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> ViiV Healthcare (früher GlaxoSmithKline).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation: </strong>HIV-Infektion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Kivexa<sup>®</sup> Filmtabletten mit 600 mg Abacavir und 300 mg 3TC (N2:30, N3:3&#215;30)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 1 Tablette.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min) sollten statt Kivexa<sup>®</sup> die Einzelsubstanzen gegeben werden, um die Dosis von 3TC anzupassen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Hypersensitivitätsreaktion (HSR) auf Abacavir (siehe dort!). Fraglich leicht erhöhtes Myokardinfarktrisiko (wird kontrovers diskutiert).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Relativ viel verwendetes Kombinationspräparat, bei hoher Viruslast möglicherweise etwas weniger potent, dafür weniger renale und ossäre Probleme als unter der Konkurrenz Truvada<sup>®</sup>. Bei Abacavir (auch in Ziagen<sup>®</sup>) ist die Hypersensitivitätsreaktion zu beachten, die mit einer vorherigen HLA-Testung relativ sicher vermieden werden kann. Siehe sonst auch unter 3TC und Abacavir.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Ausführliche Diskussion in diesem Buch:</strong> Seite xxx17</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Klacid<sup>®</sup></strong> siehe Clarithromycin</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Lamivudin<sup>®</sup></strong> siehe 3TC (am Anfang des Medikamententeils)</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Lexiva<sup>®</sup></strong> siehe Fosamprenavir</p>
<h2 style="text-align:justify;">Lopinavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Abbott.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong><strong> </strong>HIV-Infektion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Kaletra<sup>®</sup> Filmtabletten mit 200 mg Lopinavir + 50 mg Ritonavir (N1:120)</li>
<li>Kaletra<sup>®</sup> Filmtabletten mit 100 mg Lopinavir + 25 mg Ritonavir (N1:60)</li>
<li>Kaletra<sup>®</sup> Lösung mit 80 mg Lopinavir + 20 mg Ritonavir pro ml (N2:300 ml)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung: </strong>2 x 2 Tabletten (400 mg Lopinavir/100 mg Ritonavir) oder 2 x 5 ml Lösung. In den USA auch 1 x 4 Tabletten. Die Tabletten mit der niedrigeren Dosis wurden für Kinder entwickelt (in anderen Ländern als Aluvia<sup>®</sup>)</p>
<p style="text-align:justify;">In Kombination mit Efavirenz (möglicherweise auch Nevirapin) muss die Dosis wahrscheinlich auf 2 x 3 Tabletten oder 2 x 6,5 ml Lösung erhöht werden. Spiegelmessungen!</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen: </strong>Vor allem Diarrhoen, Übelkeit, Dyslipidämien. Seltener Kopfschmerzen, Erhöhungen von Transaminasen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise: </strong>Die Lösung sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden. Bei den Tabletten ist dies nicht erforderlich. Die Lösung enthält Ethanol. Die Einnahme ist unabhängig von der Nahrungsaufnahme.</p>
<p style="text-align:justify;">Zahlreiche Interaktionen sind zu beachten. Kontraindiziert sind Medikamente, die CYP3A- oder CYP2D6-vermittelt metabolisiert werden: u.a. Flecainid, Propafenon, Terfenadin, Ergotamine, Cisaprid, Midazolam, Triazolam.</p>
<p style="text-align:justify;">Rifampicin und Johanniskraut reduzieren die Wirksamkeit von Lopinavir.</p>
<p style="text-align:justify;">Cave Lovastatin, Simvastatin (Rhabdomyolyse), Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin oder Sildenafil (Blutdruckabfall), Amiodaron, Marcumar, Lidocain, trizyklische Antidepressiva, Quinidin, Cyclosporin, Tacrolimus. Spiegelbestimmungen bei eingeschränkter Leberfunktion, Transaminasenerhöhungen.</p>
<p style="text-align:justify;">Wenn Lopinavir mit DDI kombiniert wird, sollte DDI eine Stunde vor oder zwei Stunden nach Lopinavir eingenommen werden. Die Lopinavir-Lösung enthält Alkohol, daher keine gleichzeitige Gabe von Disulfiram oder Metroconazol. Cave Pille (Kontrazeption unsicher). Evtl. Erhöhung der Methadondosis erforderlich.</p>
<p style="text-align:justify;">Rifabutin-Dosis reduzieren um 75 %, also 1 x 150 mg alle zwei Tage.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Gut wirksamer PI sowohl bei therapienaiven als auch bei vorbehandelten Patienten und noch immer eines der meistverwendeten Medikamente in der HIV-Therapie. Nachteile sind die Diarrhoen und oft erheblichen Dyslipidämien, die möglicherweise ausgeprägter sind als unter einigen anderen PIs.</p>
<p style="text-align:justify;">Wie bei allen PIs sind Lipodystrophie und diverse Interaktionen zu beachten.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Maraviroc</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> ViiV Healthcare (früher Pfizer).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Vorbehandelte erwachsene Patienten mit CCR5-tropen HIV-Stämmen. In den USA Zulassung auch für therapienaive Patienten.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Celsentri<sup>®</sup> Tabletten mit 150 mg (N1:60) und 300 mg (N1:60)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Zweimal täglich 300 mg unabhängig von Nahrungsaufnahme. Je nach begleitender ART sind Dosierungsanpassungen von Maraviroc zu empfehlen:</p>
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="336"><strong>Medikament</strong></td>
<td valign="top" width="108"><strong>Maraviroc-Dosis</strong></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="336">Nevirapin, Tenofovir, andere NRTIs</td>
<td valign="top" width="108">keine</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="336">Efavirenz <strong>ohne </strong>gleichzeitigen PI oder anderen starken CYP3A4-Hemmer</td>
<td valign="top" width="108">2 x 600 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="336">Rifampicin <strong>ohne </strong>gleichzeitigen CYP3A4-Hemmer</td>
<td valign="top" width="108">2 x 600 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="336">Geboosterte PIs (Ausnahme: Tipranavir/r und Fosamprenavir/r → Standarddosierung)</td>
<td valign="top" width="108">2 x 150 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="336">Efavirenz <strong>plus </strong>gleichzeitigen PI (Ausnahme: Fosamprenavir/r)</td>
<td valign="top" width="108">2 x 150 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="336">Rifabutin + gleichzeitige Gabe von PIs (Ausnahme: Tipranavir/r oder Fosamprenavir/r → Standarddosierung)</td>
<td valign="top" width="108">2 x 150 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="336">Itraconazol, Ketoconazol, Clarithromycin, Telithromycin</td>
<td valign="top" width="108">2 x 150 mg</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;">Wichtigste Merksätze: In der Kombination richtet sich die Dosierung immer nach dem PI, bei Kombination aus Inhibitor und Induktor dominiert der Inhibitor.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei eingeschränkter Kreatinin-Clearance werden folgende Anpassungen empfohlen:</p>
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="48">Krea-<br />
Clear.<br />
(ml/min)</td>
<td valign="top" width="120">
<p align="center">Ohne Komedikation mit starken CYP3A4-Hemmern oder zusam-men mit Tipranavir/r</p>
</td>
<td valign="top" width="180">
<p align="center">Bei Komedikation mit starken CYP3A4-Hemmern, z.B.<br />
Lopinavir/r, Darunavir/r,<br />
Atazanavir/r, Ketoconazol</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">Bei<br />
Komedikation mit Saquinavir/r</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="48">50-80</td>
<td rowspan="3" valign="top" width="120">
<p align="center">keine Anpassung des Dosierungsintervalls</p>
</td>
<td rowspan="3" valign="top" width="180">
<p align="center">alle 24 Stunden</p>
</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">alle 24 Stunden</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="48">30-49</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">alle 48 Stunden</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="48">&lt;30</td>
<td valign="top" width="96">
<p align="center">alle 72 Stunden</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Gut verträglich, selten Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit. In hohen Dosen orthostatische Hypotonie. Vereinzelt Berichte zu CK-Er-höhungen, Mykositiden. Langzeitdaten über mehr als 48 Wochen liegen nicht vor.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise: </strong>Die gleichzeitige Gabe von Maraviroc mit Rifampicin <em>plus</em> Efavirenz wird nicht empfohlen. Vorsicht ist bei gleichzeitiger Gabe von INH <em>plus</em> Cotrimoxazol geboten (Hepatotoxizität). Johanniskraut kann den Maraviroc-Spiegel senken, die Kombination ist zu vermeiden.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein Tropismus-Test ist vor dem Einsatz obligat! Derzeit unklare Finanzierung, Anträge an Krankenkassen u.U. erforderlich.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Der erste CCR5-Antagonist bzw. der erste orale Entry-Inhibitor, der für die HIV-Therapie zugelassen wurde. Da Maraviroc nur CCR5-trope Viren hemmt, muss vor einer Therapie der Korezeptortropismus bestimmt werden. Sehr gut verträglich, nicht ganz unkomplizierte Dosisvorschriften.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Mycobutin<sup>®</sup></strong> siehe Rifabutin</p>
<h2 style="text-align:justify;">Nelfinavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Hoffmann-La Roche (Deutschland), Pfizer (USA).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Viracept<sup>®</sup> Filmtabletten<sup>®</sup> mit 250 mg (N2:300), außerhalb Europas auch als Filmtabletten mit 625 mg</li>
<li>Viracept Pulver<sup>®</sup>  mit 50 mg/g (N1: 144 g).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 2 x 1250 mg (2 x 5 Tabletten) oder 3 x 750 mg (3 x 3) zu den Mahlzeiten. Eine Boosterung mit Ritonavir ist nicht sinnvoll.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Diarrhoen sehr häufig! Auch Meteorismus, seltener Übelkeit. Lipodystrophie, Dyslipidämie, verminderte Glukosetoleranz.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Kontraindiziert sind gleichzeitig u.a. Rifampicin, „Pille“, Astemizol, Terfenadin, Cisaprid, Triazolam, Ergotamin, Simvastatin, Lovastatin, Johanniskraut. Rifabutin: Rifabutin 1 x 150 mg/Tag und Erhöhung der Nelfinavir-Dosis auf 2 x 1.250 mg oder 3 x 1.000 mg.</p>
<p style="text-align:justify;">Methadon: eventuell Dosiserhöhung. Sildenafil: maximal 25 mg alle 48 Stunden.</p>
<p style="text-align:justify;">Diarrhoen oft durch Loperamid (maximal 16 mg/Tag) beherrschbar.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>Abgesehen von häufigen Diarrhoen gut verträglicher PI, der allerdings schwächer ist als geboosterte PIs oder NNRTIs. Auch die hohe Tablettenzahl limitiert den Einsatz. Eine wirkliche Begründung für den Einsatz gibt es kaum noch, u.U. noch in der Pädiatrie, evtl. auch in der Schwangerschaft.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Neupogen<sup>®</sup></strong> siehe G-CSF</p>
<h2 style="text-align:justify;">Nevirapin</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Boehringer-Ingelheim.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion. Therapienaive Patienten mit gutem Immunstatus (Frauen &gt; 250, Männer &gt; 400 CD4-Zellen/µl) sollten wegen eines erhöhten Risikos für Hepatotoxizität (siehe unten) Nevirapin eher vermeiden.</p>
<p style="text-align:justify;">Viramune Tabletten<sup>®</sup> zu 200 mg (N2:60, N3:120).</p>
<p style="text-align:justify;">Viramune Suspension<sup>®</sup> (N1:240 ml) mit 10 mg/ml.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 2 x 1 Tablette nüchtern oder zu den Mahlzeiten. Eine zweiwöchige Einschleichphase (1 x 1 Tablette/Tag) reduziert die Exanthemrate.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Hepatotoxizität (Transaminasenerhöhung 10-15 %), Arzneiexanthem &#8211; Vorsicht insbesondere bei gleichzeitigem Auftreten (s.u.). Selten Fieber, Übelkeit, Schläfrigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Diese können mit und ohne Hepatotoxizität und/oder Exanthem auftreten. Moderate γGT-Erhöhungen.</p>
<p style="text-align:justify;">Wegen der möglichen <strong>Hepatotoxizität</strong> (mindestens dreifacher Transaminasen-anstieg) sollten die Leberwerte in den ersten zwei Monaten zweiwöchentlich kontrolliert werden &#8211; danach zunächst monatlich, da mehr als die Hälfte der hepatotoxischen Episoden nach den ersten 3 Monaten auftreten. Bei Hepatotoxizität ist die Therapie zu unterbrechen, bis die Leberwerte wieder die Ausgangswerte erreicht haben. Wiederbeginn mit 1 x 200 mg. Dosiserhöhung auf 2 x 200 mg erst nach ausgedehnter Beobachtungszeit. Bei erneutem Wiederanstieg definitiv absetzen. Das Risiko ist bei therapienaiven Patienten mit guten CD4-Zellen erhöht (Frauen &gt; 250/µl: 12-fach, Männer &gt; 400/µl: 5-fach). Kein erhöhtes Risiko bei vorbehandelten Patienten.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein oft juckendes <strong>Exanthem</strong> tritt meist in den ersten sechs Wochen auf. Es  kann – bei fehlender Schleimhautbeteiligung und normalen Transaminasen – meist mit Antihistaminika beherrscht werden. Bei schweren Exanthemen Nevirapin absetzen und Steroide geben (zum Beispiel 1 mg/kg Decortin<sup>®</sup> für 3-5 Tage), ebenso bei zusätzlichen Symptomen wie Fieber, Konjunktivitis, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Unwohlsein. Wenn das Exanthem während der ersten zwei Wochen auftritt, sollte die Dosis bis zur vollständigen Rückbildung nicht erhöht werden. Eine Steroid- oder Antihistaminika-Prophylaxe ist nicht sinnvoll.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Vorsicht bei Leberfunktionsstörungen (Spiegelmessungen). Möglichst keine Kombination mit Rifampicin, Ketoconazol, Johanniskraut und der „Pille“. Dosisanpassung bei Kombination mit Azolen (am ehesten Fluconazol, cave Anstieg des NVP-Plasmaspiegels), Methadon (bei Entzugssymptomatik eventuell Dosiserhöhung von Methadon), Lopinavir (evtl. Dosiserhöhung Kaletra<sup>®</sup> auf 2 x 4), Atazanavir. Günstiges Langzeitprofil. Insbesondere die Lipide werden meist günstig beeinflusst. Bei längerer Gabe ist die γGT fast immer erhöht (Werte bis 150 U/l können toleriert werden). Nevirapin sollte nicht in der Postexpositionsprophylaxe eingesetzt werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Häufig verwendeter NNRTI, der auch erfolgreich in der Prophylaxe der Mutter-Kind-Übertragung eingesetzt wird. Wie bei allen NNRTIs rasche Resistenz-entwicklung. Anfangs durch Allergien und Hepatotoxizität (Dosis einschleichen) etwas belastet, ist die Langzeitverträglichkeit hervorragend (günstiges Lipidprofil!). In 2011 wird mit einer Retard-Formulierung gerechnet.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Norvir<sup>®</sup></strong> siehe Ritonavir</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Pegasys<sup>®</sup></strong> siehe Interferon</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PegIntron<sup>®</sup></strong> siehe Interferon</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Pentacarinat<sup>®</sup></strong> siehe Pentamidin</p>
<h2 style="text-align:justify;">Pentamidin</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Sanofi Aventis/GlaxoSmithKline.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Therapie und Sekundärprophylaxe der Pneumocystis-Pneumonie bei Kontraindikation für Cotrimoxazol (Überempfindlichkeit, Therapieresistenz). Auch bei viszeraler Leishmaniose.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Pentacarinat<sup>®</sup> Durchstechflaschen mit 300 mg (N1:5; N2:20).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung: </strong>Therapie: Täglich Pentacarinat<sup>®</sup> 200-300 mg i.v. 5 Tage (4 mg/kg), dann halbe Dosis. In sehr leichten Fällen tägliche Inhalationen mit 300 mg. Bei Nierenfunktionsstörung mit Kreatinin-Clearance von 50 bis 10 ml/min: 4 mg/kg alle 24 bis 36 Stunden; unter 10 ml/min: 4 mg/kg alle zwei Tage.</p>
<p style="text-align:justify;">Prophylaxe: Inhalationen von 300 mg 1-2 x / Monat.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Bei intravenöser Gabe häufig! Übelkeit, Erbrechen, metallischer Geschmack; Nephrotoxizität (Kreatininanstieg in der 2. Therapiewoche) bis zum Nie­renversagen. Hypo- oder Hyperglykä­mien (noch Monate nach Therapieende möglich), Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Pankreatitis. Leukopenie, Thrombozytopenie. Bei Inhalation gelegentlich Hustenreiz, selten Asthma-Anfall.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> <em>Inhalation:</em> Pentamidin ist als Aerosol kontraindiziert bei Asthma bronchiale und Therapie mit Betablockern. Bei diversen Lungenerkrankungen ist die Inhalation ineffektiv. Vorher 2 Hübe mit einem ß-Mimetikum (z. B. Berotec<sup>®</sup>).</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Infusionen</em>: Vorsicht bei Leber- oder Niereninsuffizienz, Hyper- oder Hypotonie, Hyperglykämie, Zytopenie. Auf ausreichende Elektrolyt- und Flüssigkeitszufuhr achten. Cave nephrotoxische Medikamente (Aminoglykoside, Amphotericin B, Foscarnet). Vor, während und nach Infusion von Pentamidin sollte der Patient liegen (Blutdruckabfall!). Pentamidin langsam über 2 Stunden infundieren! Täglich Kontrolle von Harnstoff, Kreatinin, Blutbild, Nüchtern-Blutzucker, Urinstatus und Serumelektrolyte, wöchentlich Bilirubin, alkalische Phosphatase, Transaminasen.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Pyrimethamin</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> GlaxoSmithKline.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Prophylaxe und Behandlung der zerebralen Toxoplasmose. Prophylaxe der Pneumocystis-Pneumonie.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Daraprim<sup>®</sup> Tabletten mit 25 mg (N2:30)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Toxoplasmosebehandlung: Daraprim<sup>® </sup>2 x 2 Tbl. à 25 mg (für 3 Tage, dann Dosis halbieren) <strong>plus</strong> Leucovorin<sup>®</sup> 3 x 1 Tbl. à 15 mg/Wo <strong>plus entweder</strong> Sulfadiazin, Clindamycin oder Atovaquon (zweite Wahl).</p>
<p style="text-align:justify;">In der PCP-Prophylaxe zusammen mit Dapson: Daraprim<sup>® </sup>1 x 2 Tbl. à 25 mg/Wo <strong>plus</strong> Dapson-Fatol<sup>® </sup>1 x 1 Tbl. à 50 mg <strong>plus</strong> Leucovorin<sup>®</sup> 1 x 2 Tbl. à 15 mg/Wo.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Übelkeit, Koliken, Erbrechen, Diarrhoe; Leukopenie, Anämie oder Thrombozytopenie. Selten Krampfanfälle, Tre­mor oder Ataxie.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Pyrimethamin ist kontraindiziert bei einer megaloblastären Anämie nach Folsäuremangel. Vorsicht bei Patienten mit Krampfanfällen, Niereninsuffizienz, Asthma bronchiale oder G6PD-Mangel. Alle Patienten, die Pyrimethamin erhalten, sollten mit Folinsäure substituiert werden, um das Risiko einer Knochenmarksuppression zu verringern. Folsäure bringt nichts, da es in Gegenwart von Pyrimethamin nicht umgewandelt werden kann.</p>
<p style="text-align:justify;">Blutbild anfangs wöchentlich kontrollieren.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Raltegravir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> MSD.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Vorbehandelte und unbehandelte HIV-Patienten.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Isentress<sup>®</sup> Filmtabletten zu 400 mg (N1:60).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> 2 x 1 Tablette zu 400 mg täglich, mit oder ohne Mahlzeiten. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder mäßig eingeschränkter Leberfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen: </strong>Raltegravir ist sehr gut verträglich. In einer Häufigkeit von 1 % bis 10 % beschrieben: Schwindel, Bauchschmerzen, Flatulenz, Obstipation, Hyperhidrose, Arthralgie, Müdigkeit, Schwäche (in den Studien keine Unterschiede versus Plazebo). Wegen des Schwindels kann die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigt sein (bislang so nicht gesehen, d. Autor). Rash (mild, selten den Abbruch erfordernd, ebenfalls bislang nicht gesehen). Neuere Fallberichte zu CK-Erhöhungen, Rhadomyolyse, Hepatitis, Schlafstörungen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Raltegravir wird im Wesentlichen über UGT1A1-vermittelte Glukuronidierung eliminiert, so dass relevante Interaktionen mit anderen antiretroviralen Substanzen unwahrscheinlich sind. Vorsicht bei starken Induktoren der UGT1A1 –  Rifampicin erniedrigt die Plasmaspiegel von Raltegravir; wenn eine Kombination unvermeidlich sein, eventuell Verdoppelung der Raltegravir-Dosis. Omeprazol oder andere magensäurehemmende Medikamente erhöhen die Plasmaspiegel von Raltegravir. Nur kombinieren, wenn unvermeidlich.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Der erste Integraseinhibitor in der HIV-Therapie; beeindruckend gut verträglich, erstaunliche Wirksamkeit auch bei multiplen Resistenzen. Seit Ende 2009 für therapienaive Patienten zugelassen, dort in bisherigen Studien hocheffektiv. Kommt bei fehlenden Langzeitdaten und der notwendigen BID-Gabe täglich in dieser Patientengruppe aber noch eher zögerlich zum Einsatz.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Rebetol<sup>®</sup></strong> siehe Ribavirin</p>
<h2 style="text-align:justify;">Ribavirin</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Roche und Essex.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Chronische Hepatitis C, nur in Kombination mit Interferon. Die Zulassung für HIV/HCV-Patienten gilt explizit nur für Copegus<sup>®</sup>.<strong> </strong></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 800 mg bei einem Körpergewicht &lt;65 kg, 1000 mg bei 65-85 kg, 1200 mg bei &gt;85 kg. Die Kapseln werden auf 2 Tagesgaben verteilt und zum Essen eingenommen. Therapiedauer abhängig von Genotyp und Therapieerfolg.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Copegus Filmtabletten<sup>®</sup> zu 200 mg (N1:28/42, N2:112/168), 400 mg (N1:14/56)</li>
<li>Rebetol Hartkapseln<sup>®</sup> zu 200 mg (N1:84; N2:168)</li>
<li>Rebetol Lösung<sup>®</sup> mit 40 mg/ml (N1:100 ml)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Am häufigsten ist eine hämolytische Anämie (Hb-Abfall um mindestens 2 g/dl obligat), daneben gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit. In Kombination mit NRTIs selten Laktatazidosen, Pankreatitiden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung: </strong>Ribavirin ist kontraindiziert bei schwerer Herz­erkran­kung, Niereninsuffizienz, dekompensierter Leberzirrhose, Hämoglobinopathien. Potentiell teratogen, kein Einsatz während der Schwangerschaft.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei Hämoglobin-Werten &lt; 10 g/dl oder Abfall von deutlich mehr als 2 g/dl: Dosis auf 600-800 mg/Tag reduzieren. Bei &lt; 8,5 g/dl absetzen. Vor Reduktion/Abbruch immer Erythropoetin, Transfusionen erwägen: Dosisreduktionen bei Ribavirin gefährden den Therapieerfolg.</p>
<p style="text-align:justify;">Gleichzeitige Gabe anderer myelosuppressiver Medikamente (AZT!) vermeiden.</p>
<p style="text-align:justify;">Ribavirin erhöht in Kombination mit anderen NRTIs das Risiko einer Laktatazidose. Kontraindikation DDI, aber auch bei D4T und anderen NRTIs Vorsicht! Möglicherweise Antagonismus mit Abacavir (kontrovers).</p>
<p style="text-align:justify;">Eine unter Efavirenz auftretende Depression kann durch Ribavirin verstärkt werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Blutkontrollen (Blutbild, OT, PT, Amylase, Lipase) zunächst alle zwei Wochen, später monatlich. Bei unspezifischer Symptomatik Laktat bestimmen!<strong><br />
</strong></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Rescriptor<sup>®</sup></strong> siehe Delavirdin</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Retrovir<sup>®</sup></strong> siehe AZT</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Reyataz<sup>®</sup></strong> siehe Atazanavir</p>
<h2 style="text-align:justify;">Rifabutin</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Pharmacia.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Infektionen mit Mycobacterium avium complex (MAC) in Kombination mit anderen Substanzen (meist Ethambutol und Azithromycin). Evtl. auch bei Tuberkulose.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Mycobutin<sup>®</sup>, früher Alfacid<sup>®</sup> (seit 2007 aus dem Handel) Kapseln mit 150 mg  (N2:30; N3:90).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 300 mg Rifabutin (+ Azithromycin + Ethambutol).</p>
<p style="text-align:justify;">Nieren­funk­tionsstörung: Dosisreduktion um 50 % bei Kreatinin-Clearance &lt; 30 ml/min. Dosisanpassungen bei gleichzeitiger Gabe antiretroviraler Medikamente:</p>
<table width="493" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="192"><strong>Medikament</strong></td>
<td valign="top" width="252"><strong>Empfehlung</strong></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="192">Atazanavir/r*, Darunavir/r, Fosampre-navir/r, Indinavir/r, Lopinavir/r, Saquinavir/r, Tipranavir/r</td>
<td valign="top" width="252">Rifabutin: 150 mg alle zwei Tage oder dreimal pro Woche (siehe Produktinformation)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="192">Nelfinavir</td>
<td valign="top" width="252">Nelfinavir 2 x 1250 mg + Rifabutin 150 mg/Tag</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="192">Delavirdin</td>
<td valign="top" width="252">Rifabutin ist kontraindiziert</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="192">Efavirenz</td>
<td valign="top" width="252">Rifabutin: 450 mg/Tag oder 2-3 x 600 mg/Woche</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="192">Nevirapin</td>
<td valign="top" width="252">Standarddosierung</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;">* /r = geboostert mit Ritonavir</p>
<p style="text-align:justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Übelkeit, Erbrechen, Anstieg der Leberenzyme, Ikterus. Uveitis meist nur bei Tagesdosis &gt; 300 mg und gleichzeitiger Therapie mit Clarithromycin oder Fluconazol. Rotfärbung von Urin, Haut- und Körpersekreten (Patienten sollten darüber informiert werden!).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen Rifabutin und Rifampicin; ferner bei Throm­bozytopenie und schweren Leberfunktionsstörungen. Anfangs zweiwöchentlich, später monatlich Kontrollen von Blutbild und Leberenzymen. Rifabutin kann u.a. die Wirksamkeit folgender Medikamente herabsetzen: Analgetika, Antikoagulantien, Kortikosteroide, Cyclosporine, Digitalis (mit Ausnahme von Digoxin), Dapson, orale Antidiabetika, orale Kontrazeptiva, narkotische Analgetika, Phenytoin und Chinidin. Erythromycin, Ketoconazol, Itraconazol, Fluconazol und Clarithromycin können die Plasmaspiegel von Rifabutin erhöhen. Antazida frühestens drei Stunden nach Rifabutin einnehmen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Problematische Substanz mit zahlreichen Interaktionen, die in die Hände erfahrener Ärzte gehört.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Rifampicin</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Diverse, daher zahlreiche Handelsnamen, auch in Kombinationen (s.u.).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Tuberkulose. Nur in Kombinationstherapien!</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Rifa<sup>®</sup> Tabletten mit 150, 300, 450, 600 mg Rifampicin (N2:50; N3:100)</li>
<li>Eremfat<sup>®</sup> Sirup mit 20 mg Rifampicin pro ml (N1:60 ml)</li>
<li>Eremfat<sup>®</sup> Injektionsflaschen mit 300 mg und 600 mg (N1:1).</li>
<li>Rifinah<sup>®</sup> oder Tebesium duo<sup>®</sup>: Filmtabletten mit jeweils 300 mg Rifampicin und 150 mg Isoniazid (N2:50, N3:100)</li>
<li>Rifater<sup>®</sup> oder Tebesium trio<sup>®</sup>: Dragee bzw. Filmtablette mit jeweils 120 mg Rifampicin, 50 mg Isoniazid, 300 mg Pyrazinamid (N2:50, N3:100)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 600 mg (Körpergewicht &gt; 50 kg) bzw. 450 mg (Körpergewicht &lt; 50 kg). Am besten morgens und nüchtern nehmen!</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Toxische Hepatitis (bis zu 20 %), Cholestase. Rotfärbung von Urin und anderen Körperflüssigkeiten (Patienten informieren!). Weiche Kontaktlinsen können sich permanent rötlich färben. Häufig sind Allergien. Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Vorsicht bei chronischen Lebererkrankungen. Rifampicin absetzen bei GPT &gt; 100 U/l oder Bilirubin-Erhöhungen (vorsichtige, einschleichende Reexposition nach Normalisierung möglich), ferner bei schweren und an­haltenden Diarrhoen (cave: pseudomem­branöse Kolitis!).</p>
<p style="text-align:justify;">Rifampicin sollte möglichst nicht mit NNRTIs oder PIs kombiniert werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Rifampicin beschleunigt den Metabolismus zahlreicher Pharmaka, wodurch deren Wirksamkeit herabgesetzt wird. Dies gilt für Atovaquon, Marcumar, Barbiturate, Benzodiazepine, Beta-Blocker, Clarithromycin, Kontrazeptiva, Steroide, orale Antidiabetika, Cyclosporin, Dapson, Digitalis, Doxycyclin, Erythromycin, Haloperidol, Ketoconazol, Methadon, Phenytoin, Theophyllin, Trimethoprim, Verapamil.  Die Kombination mit Ketoconazol oder Voriconazol ist kontraindiziert.</p>
<p style="text-align:justify;">Antazida, Opiate und Anticholinergika reduzieren die Bioverfügbarkeit von gleichzeitig oral verabreichtem Rifampicin. Um diese Interaktion zu vermeiden, muss Rifampicin einige Stunden vor diesen Präparaten verabreicht werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Kein Einsatz in der Schwangerschaft. Blutbild und Leberwerte sollten alle zwei Wochen kontrolliert werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>Siehe Rifabutin. Nicht mit PIs und NNRTIs kombinieren.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Ritonavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Abbott.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion. Als Bestandteil a. in Kaletra<sup>®</sup> (s. dort).</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Norvir<sup>®</sup> Tabletten zu 100 mg (N1:30)</li>
<li>Norvir<sup>®</sup> Saft mit 80 mg pro ml (7,5 ml = 600 mg, N2:450 ml).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Als alleiniger PI nur noch in Ausnahmen: Dann täglich 2 x 600 mg (steigern: 2 x 300 mg Tag 1-2, 2 x 400 mg Tag 3-5; 2 x 500 mg Tag 6-13).             Möglichst nur als Boosterung anderer PIs verwenden. Tägliche Dosierungen:</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Atazanavir (Reyataz<sup>®</sup>, 1 x 300 mg): 1 x 100 mg Ritonavir</li>
<li>Darunavir (Prezista<sup>®</sup>, 2 x 600 mg): 2 x 100 mg Ritonavir</li>
<li>Darunavir (Prezista<sup>®</sup>, 1 x 800 mg): 1 x 100 mg Ritonavir
<ul>
<li>Fosamprenavir (Telzir<sup>®</sup>, 2 x 700 mg): 2 x 100 mg Ritonavir, evtl. auch 1 x 200 mg + 1 x 1400 mg Fosamprenavir (nur unvorbehandelte, nur in USA)</li>
<li>Indinavir (Crixivan<sup>®</sup>, 2 x 800 mg): 2 x 100 mg Ritonavir, evtl. auch 2 x 400 mg Ritonavir + 2 x 400 mg Indinavir.</li>
<li>Lopinavir (Kaletra<sup>®</sup>): Feste Kombination, siehe unter Lopinavir.</li>
<li>Saquinavir (Invirase<sup>®</sup>, 2 x 1000 mg): 2 x 100 mg Ritonavir</li>
<li>Tipranavir (Aptivus<sup>®</sup>): 2 x 200 mg Ritonavir</li>
</ul>
</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Dosisabhängig häufig Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, periorale Parästhesien (Kribbeln), elektrisierende Gefühle an Armen/Beinen. Erhöhte Transaminasen/γGT, Dyslipidämie, Lipodystrophie, selten Diabetes mellitus.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Auch bei den niedrigen Booster-Dosen zahlreiche Interaktionen! Kontraindiziert sind Rifampicin, Amiodaron, Astemizol, Bepridil, Terfenadin, Encainid, Flecainid, Cisaprid, Triazolam, Ergotamin, Simvastatin, Lovastatin, Quinidin, Johanniskraut. Auch Sildenafil sollte vermieden werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Vorsicht bzw. möglichst Spiegelmessung bei: Methadon, Immunsuppressiva (Cyclosporin, Tacrolimus), Makroliden (Erythromycin, Clarithromycin), Steroiden, Kalziumantagonisten, trizyklischen und anderen Antidepressiva, Neuroleptika (Haloperidol, Risperidon, Thioridazin), Antimykotika (Ketoconazol, Itraconazol), Carbamazepin, Tolbutamid, Rifabutin, Theophyllin, Marcumar.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Einer der ersten PIs, der in der therapeutischen Dosis wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen vermieden werden sollte. In niedrigeren Dosen dagegen als „Boosterung“ für fast alle anderen PIs unverzichtbar, dann auch besser verträglich. Zahlreiche Interaktionen. Die 2010 eingeführten Tabletten müssen nicht mehr gekühlt gelagert werden.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Saquinavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Hoffmann-La Roche.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Invirase 500<sup>®</sup> Filmtabletten mit 500 mg Saquinavir (N1:120).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Die Kombination mit Ritonavir ist der Standard: 2 x 1000 mg Saquinavir + 2 x 100 mg Ritonavir.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Vor allem gastrointestinal: Diarrhoe, Übelkeit, Völlegefühl, Meteorismus. Sonst gut verträglich. Selten Transaminasen- und γGT-Erhöhungen, Kopfschmerzen. Wie bei allen PIs bei längerer Einnahme Lipodystrophie, Dyslipidämie, verminderte Glukosetoleranz.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Kontraindiziert ist die gleichzeitige Behandlung mit Rifampicin, Astemizol, Terfenadin, Cisaprid, Triazolam, Ergotamin, Simvastatin, Lovastatin, Johanniskraut. Wenn Saquinavir nicht mit anderen Proteaseinhibitoren kombiniert wird, muss es zu den Mahlzeiten eingenommen werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>Saquinavir war 1995 der erste PI, der für die HIV-Therapie zugelassen wurde. Abgesehen von Magen-Darm-Problemen gut verträglich. Aufgrund der Pillenzahl in den Hintergrund gerutscht.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Sempera</strong><sup>®</sup> siehe Itraconazol</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Sobelin</strong><sup>®</sup> siehe Clindamycin</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Stavudin</strong><sup>®</sup><strong> </strong>siehe D4T</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Stocrin</strong><sup>®</sup><strong> </strong>siehe Efavirenz</p>
<h2 style="text-align:justify;">Sulfadiazin</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Heyl.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Therapie und Prophylaxe der zerebralen Toxoplasmose, nur in Kombination mit Pyrimethamin.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Sulfadiazin-Heyl<sup>®</sup> Tabletten mit 500 mg (N2:30; N3:100).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Als Therapie täglich 4 x 2-3 Tabletten zu 500 mg (Tagesdosis 4-6 g). Als Prophylaxe halbe Dosis (4 x 1 Tablette zu 500 mg) verwenden!</p>
<p style="text-align:justify;">Nierenfunktionseinschränkung: Bei Kreatinin-Clearance von 50 bis 10 ml/min: halbe Dosis. Bei Werten unter 10 ml/min: ein Drittel der Dosis.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Sehr häufig Allergien mit Pruritus, Fieber und Urtikaria, oft therapielimitierend. Selten Stevens-Johnson-Syndrom. Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoen. Renale Probleme mit Niereninsuffizienz, Kristallurie, Nephrolithiasis in bis zu 7 %. Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Erhöhung der Leberwerte.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Sulfadiazin ist kontraindiziert bei Sulfonamid-Überempfindlichkeit und bei Allergie auf Antidiabetika vom Sulfonyl-Harnstofftyp, Acetazolamid oder Thiazid-Diuretika; ferner bei G6PD-Mangel, Niereninsuffizienz und schweren Leberschäden oder Leberfunktionsstörungen (z. B. akute Hepatitis); und während Schwan­ger­schaft und Still­periode.</p>
<p style="text-align:justify;">Sulfadiazin kann die Wirkung von Sulfonylharnstoffen (orale Antidiabetika), Antikoagulantien, Diphenylhydantoin verstärken.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei gleichzeitiger Gabe eines Antazidums wird Sulfadiazin in geringerem Ausmaß resorbiert (getrennte Verabreichung im Abstand von 1-2 Stunden).</p>
<p style="text-align:justify;">Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten (mindestens 2 l pro Tag).</p>
<p style="text-align:justify;">Anfangs mindestens wöchentlich Blutbild, GPT, Kreatinin, Harnstoff kontrollieren. Auch Urinkontrollen! Bei Kristallurie Harn alkalisieren.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Sustiva<sup>®</sup> siehe Efavirenz</strong></p>
<h2 style="text-align:justify;">T-20 (Enfuvirtide)</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Hoffmann-La Roche.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Vorbehandelte HIV-Patienten mit Therapieversagen/Unverträglichkeit unter ART-Regimen, die zumindest je einen PI, NRTI oder NNRTI enthielten.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Fuzeon<sup>®</sup>  90 mg/ml Pulver und Lösungsmittel (N2:60)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 2 x 90 mg subkutan.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Allgemein gut verträglich. Fast alle Patienten haben aber zum Teil schmerzhafte Haut­reaktionen an der Injektionsstelle: Rötung, Entzündung, Verhärtung, Exanthem. In den Zulassungsstudien benötigten etwa 10 % der Patienten zeitweilig Analgetika oder waren kurzfristig in ihren normalen Aktivitäten eingeschränkt. Möglicherweise besteht unter T-20 ein erhöhtes Risiko für bakterielle Pneumonien. Bei Patienten mit Risikofaktoren (geringe CD4-Zahl, hohe Viruslast, Drogenabhängige, Raucher, Lungenerkrankungen in der Anamnese) ist daher erhöhte Wachsamkeit geboten.</p>
<p style="text-align:justify;">Hypersensitivitätsreaktionen mit Hautausschlag, Fieber, Übelkeit, Schüttelfrost, Hypotension oder Transaminasenerhöhungen sind selten (unter 1 %).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Wechselwirkungen nicht bekannt. Injektionsorte: Oberarm, vorderer Hüfte, Abdomen. Injektionsstellen wechseln! Am Rücken möglicherweise weniger Reizungen. Keine Injektion an Stellen mit Entzündungszeichen von früheren Injektionen, in Naevi, Narben oder Hautabschürfungen.</p>
<p style="text-align:justify;">T-20 ist sehr teuer. Nach Roter Liste (Stand Februar 2011) kosten 60 Durchstechflaschen (Pulver + Lösungsmittel) 2371 Euro.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> T-20 ist ein Entry-Inhibitor, der nur noch selten bei intensiv vorbehandelten Patienten eingesetzt wird. T-20 muss zweimal täglich subkutan gespritzt werden, ist aber abgesehen von lokalen Hautreizungen sonst gut verträglich. Einsatz wird vor allem limitiert durch die Applikationsform und durch die lokalen Hauterscheinungen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Ausführliche Diskussion in diesem Buch:</strong> Seite xxx25</p>
<h2 style="text-align:justify;">Tenofovir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Gilead Sciences.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion. Chronische Hepatitis B.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Viread<sup>®</sup> Filmtabletten:300 mg Tenofovir Disoproxilfumarat (N2: 30, N3:3&#215;30)</li>
<li>Truvada<sup>®</sup> Filmtabletten: 300 mg Tenofovir + 200 mg FTC  (N2:30, N3:3&#215;30)</li>
<li>Atripla<sup>®</sup> Filmtbl.: 300 mg Tenofovir + 200 mg FTC + 600 mg Efavirenz (N2:30).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 1 x 300 mg zu einer Mahlzeit.</p>
<p style="text-align:justify;">Vorsicht Niere: Bei mittelgradiger Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 30-49 ml/min) Dosisintervall verdoppeln (alle 48 Stunden). Bei schwerer Nierenfunktionsstörung (&lt; 30 ml/min) Tenofovir generell vermeiden (nur in Ausnahmen, bei fehlenden Alternativen: alle 72-96 Stunden), bei Hämodialyse alle 7 Tage im Anschluss an eine Hämodialyse.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen: </strong>Meist sehr gut verträglich. Renale Nebenwirkungen eher selten (Nierenversagen, Tubulopathien einschließlich Fanconi-Syndrom, nephrogener Diabetes insipidus). Möglicherweise Knochenveränderungen (im Tierversuch beobachtet), zunehmend Hinweise auf eine Osteomalazie. Selten Erhöhungen der Leberenzyme. Typisch sind CK-Erhöhungen, die in bis zu 48 % beobachtet werden (Makro-CK, Krankheitswert unklar).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Patienten mit Nierenschäden sollten generell kein Tenofovir erhalten. Dosisreduktion nur bei fehlenden Alternativen. Kontrollen (Kreatinin-Clearance und Serumphosphat): vor Therapiebeginn, dann alle vier Wochen im ersten Behandlungsjahr und danach alle drei Monate.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei Serumphosphatspiegel von &lt; 1,5 mg/dl (0,48 mmol/l) oder Kreatinin-Clearance &lt; 50 ml/min: Nierenfunktion innerhalb einer Woche kontrollieren. Gleichzeitig Bestimmung von Glukose und Kalium im Blut sowie Glukose im Urin. Eventuell Therapieunterbrechung bei Kreatinin-Clearance &lt; 50 ml/min oder Serumphosphat-Konzentration &lt; 1,0 mg/dl (0,32 mmol/l).</p>
<p style="text-align:justify;">Die Kreatinin-Clearance – ausgedrückt in ml/min – berechnet sich wie folgt:</p>
<p style="text-align:justify;">Frauen: (1,04 x (140-Alter) x kg) / Kreatinin (µmol/l)</p>
<p style="text-align:justify;">Männer: (1,23 x (140-Alter) x kg) / Kreatinin (µmol/l)</p>
<p style="text-align:justify;">Die gleichzeitige Gabe mit Medikamenten, die ebenfalls durch aktive tubuläre Sekretion ausgeschieden werden, kann zu erhöhten Serumkonzentrationen beider Substanzen führen: Cidofovir, Aciclovir, Valaciclovir, Ganciclovir, Valganciclovir.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Kombination mit DDI sollte generell vermieden werden (bei gleichzeitiger Gabe steigen die Cmax und AUC von DDI um 28 % bzw. 44 % an). Wenn unvermeidbar: DDI-Dosis auf 250 mg reduzieren und zeitlichen Abstand von 2 Stunden einhalten). Atazanavir und Lopinavir erhöhen die Tenofovir-Spiegel. Tenofovir senkt die Plasmaspiegel von Atazanavir (immer mit 100 mg Ritonavir boostern).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>Tenofovir DF ist die oral bioverfügbare Prodrug von Tenofovir, einem azyklischen Nukleotidanalogon. Insgesamt gut verträglich, gering mitochondrial toxisch. Zu beachten sind allerdings die potentielle Nephrotoxizität und einige Interaktionen (DDI, Atazanavir). Hervorragend wirksam gegen Hepatitis-B-Viren, seit April 2008 auch offiziell für die Therapie der Hepatitis B zugelassen.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Tipranavir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Boehringer-Ingelheim.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion bei erwachsenen Patienten, die entweder mehrfach vorbehandelt sind und Resistenzen gegen mehrere PIs haben.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Aptivus<sup>®</sup> Weichkapseln mit 250 mg (N1:120).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> 2 x 500 mg Tipranavir plus 2 x 200 mg Ritonavir zu den Mahlzeiten.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen: </strong>vor allem gastrointestinal: Diarrhoe, Übelkeit. Transaminasen-erhöhungen werden bei mindestens 6 % der Patienten beobachtet, in seltenen Fällen klinische Hepatitis bis zum Leberversagen. Häufiger als bei anderen PIs Dyslipidämien (20 %). Selten Hautausschlag (urtikariell oder makulopapulös). Vereinzelte Berichte zu intrakraniellen Blutungen bei Risikopatienten (Kausalität unklar).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise: </strong>Tipranavir ist Substrat, Aktivator und Hemmstoff von Cytochrom CYP3A und sowohl Substrat als auch Hemmstoff des P-Glykoproteins. Es muss daher mit diversen Interaktionen gerechnet werden (siehe Tabelle). Tipranavir senkt die Serumspiegel anderer PIs deutlich (keine Kombination!). Fluconazol und Clarithromycin erhöhen die Serumspiegel von Tipranavir (TDM!), Antazida reduzieren sie um 30 %: zeitlich versetzt dosieren. Rifampicin reduziert die Tipranavir-Spiegel um 80 %: kontraindiziert. Tipranavir/r erhöht die Serumspiegel von Atorvastatin um das 8-10 fache (andere Statine wie Pravastatin oder Fluvastatin verwenden). Dosisreduktion um mindestens 75 % auch für Rifabutin: 150 mg alle zwei Tage oder dreimal pro Woche. Tipranavir senkt die Plasmaspiegel von Abacavir und AZT um 40 bzw. 35 % (Relevanz unklar). DDI nur in zweistündigem Abstand einnehmen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong> </strong></p>
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="454">Medikamente, die unter Tipranavir-Behandlung kontraindiziert sind*</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="180">Antiarrhythmika</td>
<td valign="top" width="274">Amiodaron, Bepridil, Flecainid, Propafenon, Quinidin</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="180">Antihistaminika</td>
<td valign="top" width="274">Astemizol, Terfenadin</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="180">Ergotamin-Derivate</td>
<td valign="top" width="274">(Dihydro)-Ergotamin, (Methyl)-Ergonovin</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="180">Prokinetika</td>
<td valign="top" width="274">Cisaprid</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="180">Neuroleptika</td>
<td valign="top" width="274">Pimozid</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="180">Sedativa/Hypnotika</td>
<td valign="top" width="274">Midazolam oral, Triazolam</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;">Kontraindiziert bei Leberzirrhose (Child-Pugh B and C). Cave chronische Hepatitis B- oder Hepatitis C. Vor und während der Therapie Transaminasen (in den ersten 6 Monaten monatlich!), Cholesterin und Triglyzeride bestimmen. Bei Verhütungsmitteln auf Östrogen-Basis scheint ein Hautausschlag häufiger zu sein.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>Der erste nicht-peptidische PI, der in zwei großen Studien an intensiv vorbehandelten Patienten anderen geboosterten PIs überlegen war. Wichtige Salvage-Substanz, moderat hepatotoxisch, muss mit erhöhten Ritonavir-Dosen geboostert werden. Zahlreiche Interaktionen sind zu beachten.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Trizivir<sup>®</sup></h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> ViiV Healthcare (früher GlaxoSmithKline).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Trizivir Filmtabl.<sup>®</sup> mit 150 mg 3TC <strong>+ </strong>300 mg AZT <strong>+</strong> 300 mg Abacavir (N3: 60).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Täglich 2 x 1 Tablette. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min) sollten statt Trizivir<sup>®</sup> die Einzelsubstanzen gegeben werden, um die Dosierung von 3TC und AZT anzupassen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Vor allem gastrointestinal, siehe auch die Einzelsubstanzen. Hinsichtlich mitochondrialer Toxizität bestehen möglicherweise additive Effekte.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise, Bewertung:</strong> Hypersensitivitätsreaktion beachten (siehe Abacavir, Einzelsubstanzen. Trizivir<sup>®</sup> ist nicht so effektiv wie „divergente“ Kombinationen. Weitere Nachteile: Mitochondriale Toxizität, Abacavir-HSR, einmal tägliche Gabe nicht möglich. Deswegen ist Trizivir<sup>®</sup> heute nur noch Option bei Compliance-Problemen und interaktionsträchtiger Komedikation (Tuberkulostase). Wegen Abacavir evtl. Vorsicht bei kardiovaskulären Risikoprofil.</p>
<h2 style="text-align:justify;">Truvada<sup>®</sup></h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Gilead Sciences.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> HIV-Infektion.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Truvada<sup>®</sup> Filmtabletten: 300 mg Tenofovir + 200 mg FTC  (N2:30, N3:3&#215;30)</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Truvada<sup>®</sup>: Täglich 1 x 1 Tablette.</p>
<p style="text-align:justify;">Vorsicht bei Nierenfunktionsstörungen, hier Truvada<sup>®</sup> generell vermeiden. Wenn keine Alternativen möglich sind: bei einer Kreatinin-Clearance von 30-49 ml/min Dosisreduktion auf 1 Tablette alle zwei Tage, darunter Truvada<strong><sup>®</sup></strong> nicht einsetzen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Monitoring der Nierenwerte, siehe Tenofovir.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Siehe Tenofovir. Bei koinfizierten Patienten mit chronischer Hepatitis B ist Truvada<sup>®</sup> vorzugsweise zu verwenden, da sowohl Tenofovir und FTC eine HBV-Wirkung besitzen &#8211; bei Absetzen ist eine Exazerbation der Hepatitis möglich. Die Nahrungsaufnahme beeinflusst die Resorption von Truvada<strong><sup>®</sup></strong> nicht.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung</strong>: Gilt als Standard-Backbone jeder Therapie. Insgesamt subjektiv sehr gut verträglich und momentan wohl das meistverschriebene HIV-Präparat überhaupt. Allerdings sind renale und ossäre Funktionsstörungen zu beachten (siehe Tenofovir).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Valcyte<sup>®</sup></strong> siehe Valganciclovir</p>
<h2 style="text-align:justify;">Valganciclovir</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Hoffmann-La Roche.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Orale Induktions- und Erhaltungstherapie der CMV-Retinitis.</p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Valcyte<sup>®</sup> Tabletten mit 450 mg (N1:60).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung:</strong> Als Induktion täglich 2 x 900 mg über 3 Wochen (oder bis zur Vernarbung der CMV-Läsionen), danach Suppressionstherapie 1 x 900 mg täglich. Sollte zu den Mahlzeiten eingenommen werden!</p>
<p style="text-align:justify;">Bei Nierenfunktionseinschränkung gelten folgende Dosierungen:</p>
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="95"><strong>KrCl (mL/min)</strong></td>
<td valign="top" width="142"><strong>Induktionstherapie</strong></td>
<td valign="top" width="151"><strong>Suppressionstherapie</strong></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95"><span style="text-decoration:underline;">≥</span> 60</td>
<td valign="top" width="142">900 mg zweimal täglich</td>
<td valign="top" width="151">900 mg einmal täglich</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">40 – 59</td>
<td valign="top" width="142">450 mg zweimal täglich</td>
<td valign="top" width="151">450 mg einmal täglich</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">25 – 39</td>
<td valign="top" width="142">450 mg einmal täglich</td>
<td valign="top" width="151">450 mg jeden zweiten Tag</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="95">10 – 24</td>
<td valign="top" width="142">450 mg jeden zweiten Tag</td>
<td valign="top" width="151">450 mg zweimal pro Woche</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> häufig Leukopenie, aber auch Thrombozytopenie, Anämie. Gastrointestinale Beschwerden mit Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe sind häufiger als bei intravenöser Therapie mit Ganciclovir.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Während der Induktion mindestens 2-3 x/Woche Blutbildkontrolle. Absetzen bei Neutrophilen unter 500/µl (ggf. G-CSF!). Kontraindikation bei Neutropenie &lt; 500/µl, Thrombopenie &lt; 25.000/µl sowie gleichzeitiger Chemotherapie (Kaposi-Sarkom, NHL). Vorsicht bei DDI, da Valganciclovir die DDI-Spiegel verdoppelt (Toxizität!). Valganciclovir ist potenziell teratogen und karzinogen; eine sichere Empfängnisverhütung ist daher notwendig.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Substanz ist sehr teuer! Sie sollte bei ausreichender Immunrekonstitution abgesetzt werden (siehe Kapitel <em>AIDS</em>).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung:</strong> Das erste oral gut wirksame CMV-Medikament, hat alle anderen CMV-Therapien weitgehend verdrängt. Als Prodrug von Ganciclovir ähnliches Nebenwirkungsprofil: Neutropenie, Anämie und Thrombozytopenie.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Vfend<sup>®</sup></strong> siehe Voriconazol</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Videx<sup>®</sup></strong> siehe DDI</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Viracept<sup>®</sup></strong> siehe Nelfinavir</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Viramune<sup>®</sup></strong> siehe Nevirapin</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Viread<sup>®</sup></strong> siehe Tenofovir</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Vistide<sup>®</sup></strong> siehe Cidofovir</p>
<h2 style="text-align:justify;">Voriconazol</h2>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hersteller:</strong> Pfizer.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zulassung und Indikation:</strong> Invasive Aspergillosen; Candidämie bei nicht-neutropenischen Patienten; Fluconazol-resistente, schwere invasive Candida-Infektionen (auch mit <em>C. krusei</em>); Behandlung schwerer Infektionen durch <em>Scedosporium spp. </em>und<em> Fusarium spp.</em></p>
<ul style="text-align:justify;">
<li>Vfend<sup>®</sup> Tabletten mit 50 mg und 200 mg (N1:30, N3:100)</li>
<li>Vfend<sup>®</sup> Trockensaft mit 40 mg/ml (N1:1).</li>
<li>Vfend<sup>®</sup> Injektionsflaschen mit 200 mg (N1:1 Flasche).</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;"><strong>Dosierung –</strong> Intravenöse Gabe: Initialdosis am Tag 1: 6 mg/kg alle 12 h; dann 4 mg/kg alle 12 h. Orale Gabe: Initialdosis am Tag 1: 400 mg alle 12 h; dann 200 mg alle 12 h. Unter 40 kg orale Dosierungen halbieren.</p>
<p style="text-align:justify;">Kinder (2 bis &lt;12 Jahre): 7 mg/kg 2x/d intravenös; 200 mg 2x/d oral.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nebenwirkungen:</strong> Am ehesten erhöhte Transaminasen, Hautausschlag und Sehstörungen (zu helle Bilder, verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit oder Veränderungen des Farbsehens) in ca. 30 %, treten meist 30 Minuten nach Einnahme von Voriconazol auf und dauern etwa 30 Minuten an.</p>
<p style="text-align:justify;">Eher selten bestehen Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Kopfschmerzen, abdominale Schmerzen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Hinweise:</strong> Voriconazol wird durch Cytochrom 450-Enzyme metabolisiert. Die Serumspiegel von Voriconazol werden durch einige Medikamente so stark reduziert, dass die gleichzeitige Gabe kontraindiziert ist: Rifampicin, Rifabutin, Carbamazepin, lang wirkende Barbiturate.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Serumspiegel einiger Medikamente werden durch Voriconazol so stark erhöht, dass eine Komedikation kontraindiziert ist: Sirolimus, Ergotamin-Derivate, Terfenadin, Astemizol, Cisaprid, Pimozid and Chinidin.</p>
<p style="text-align:justify;">Kontraindiziert ist ferner die gleichzeitige Gabe von Rifabutin.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei gleichzeitiger Gabe von NNRTIs oder PIs (Ausnahme: Indinavir) oder  einer Reihe weiterer Substanzen (Cyclosporin, Tacrolimus, Antikoagulantien, Digoxin, Statine, Kalzium-Antagonisten, Vincristin, Vinblastin, Phenytoin, Omeprazol) sind eventuell Dosismodifikationen notwendig. Näheres siehe Produktinformation.</p>
<p style="text-align:justify;">Voriconazol-Tabletten sollten eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit eingenommen werden. Starke Sonnenexposition der Haut vermeiden. Nachts nicht Autofahren (wegen potentieller Sehstörungen).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Bewertung: </strong>Oral verfügbares Azol-Antimykotikum, das bei invasiver Aspergillose Mittel der Wahl ist. Wirksam auch bei invasiven Candida-Infektionen und verschiedenen Hyphomyceten.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zerit<sup>®</sup></strong> siehe D4T</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Ziagen<sup>®</sup></strong> siehe Abacavir</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zidovudin<sup>®</sup></strong> siehe Retrovir</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Zovirax<sup>®</sup></strong> siehe Aciclovir</p>
</div>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-7-medikamente/antiretrovirale-und-wichtige-medikamente/'>Antiretrovirale und wichtige Medikamente</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-7-medikamente/'>Teil 7 Medikamente</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/373/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/373/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/373/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/373/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/373/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/373/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/373/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/373/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/373/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/373/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/373/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/373/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/373/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/373/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=373&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>11. Opportunistische Infektionen (OI)</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/opportunistische-infektionen-oi/</link>
		<comments>http://hivbuch.de/2012/01/11/opportunistische-infektionen-oi/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 11:14:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[CD4-Schwellenwerte]]></category>
		<category><![CDATA[OI]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://hivbuch.de/?p=344</guid>
		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - In den westlichen Industrieländern sind viele opportunistische Infektionen (OI) heute selten geworden. Die Inzidenz der Infektionen, die mit einer massiven Immunschwäche assoziiert sind, wie zum Beispiel CMV- und MAC-Erkrankungen, ist heute, verglichen mit Mitte der 90er Jahre, &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/opportunistische-infektionen-oi/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=344&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In den westlichen Industrieländern sind viele opportunistische Infektionen (OI) heute selten geworden. Die Inzidenz der Infektionen, die mit einer massiven Immunschwäche assoziiert sind, wie zum Beispiel CMV- und MAC-Erkrankungen, ist heute, verglichen mit Mitte der 90er Jahre, auf weniger als ein Zehntel zurückgegangen (Brooks 2009, Buchacz 2010). Doch die antiretrovirale Therapie hat nicht nur die Inzidenzen deutlich gesenkt, sondern verändert auch den Verlauf der OI erheblich. Während früher die Überlebenszeit nach der ersten AIDS-Erkrankung selten mehr als drei Jahre betrug, gibt es inzwischen Patienten, die zehn Jahre und länger mit AIDS leben. Eine eigene Studie verdeutlicht dies: Betrug die 5-Jahres-Überlebensrate nach einer zerebralen Toxoplasmose in den Jahren 1990-1993 noch 7 %, lag sie 1994-1996 bereits bei 29 %. Seit 1997 ist sie auf 78 % gestiegen (Hoffmann 2007).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bis zu 90 % der Patienten, die heute noch an AIDS erkranken, wissen nichts von ihrer HIV-Infektion. Die übrigen wurden, von Ausnahmen abgesehen, aus verschiedenen Gründen bis zur AIDS-Diagnose nicht antiretroviral behandelt. Oft kommen diese Patienten sehr spät zum Arzt, später noch als früher und meist in einem bedrohlichen Zustand. AIDS bleibt schon deswegen lebensgefährlich, und eine schwere PCP wird nicht weniger bedrohlich dadurch, dass sich die langfristige Prognose der Patienten gebessert hat. Die akute Gefahr bleibt. Jeder HIV-Arzt sollte sich deswegen auch heute gut mit Diagnostik und Therapie der OI auskennen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Hier hat sich in den letzten Jahren zwar einiges verbessert, doch sind längst nicht alle Probleme gelöst. So sind einige Infektionen wie PML oder Kryptosporidiose immer noch unzureichend behandelbar, bei anderen werden Resistenzprobleme zunehmen. Auch heute noch besitzen OI wie die PML eine Mortalität, die in etwa mit der eines Non-Hodgkin-Lymphoms vergleichbar ist (ART-CC 2009). Durch ART wird nicht immer alles sofort besser, manches durch Immunrekonstitution und atypische Verläufe sogar noch komplizierter. Dem Immunrekonstitutionssyndrom (IRIS) wurde deswegen ein Unterkapitel gewidmet. Zu Prophylaxen existieren hierzulande noch immer keine Leitlinien (sie sind allerdings in Arbeit und werden in 2011 veröffentlicht), und die zuletzt 2008 aktualisierten US-Empfehlungen (http://aidsinfo.nih.gov/contentfiles/Adult_OI.pdf) können schon angesichts unterschiedlicher Seroprävalenzen nicht auf hiesige Verhältnisse übertragen werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei vielen OI gibt es zudem immer wieder diagnostische Probleme. Wer den Keim nicht kennt, sieht ihn nicht! Man kann nur empfehlen, Untersuchungsmaterial an die Referenzlabore zu schicken (Listen mit Ansprechpartnern usw. findet man in der Sektion Service auf der Website des Robert-Koch-Instituts: http://www.rki.de) und sich Rat bei einem Schwerpunktarzt oder in einem HIV-Zentrum zu holen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Als erste Regel gilt auch heute bei fast allen OI: Je schlechter der Immunstatus, desto früher invasive Diagnostik! Man sollte nicht der Versuchung erliegen, dem Patienten unangenehme Untersuchungen ersparen zu wollen. Wenn man nichts findet, muss die Diagnostik wiederholt werden. Die Therapie muss rasch beginnen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die zweite Regel lautet: Viele OI können meist ausgeschlossen werden, wenn der Immunstatus bekannt sind. Tabelle 1 zeigt Richtwerte für CD4-Zellen.</p>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:337.35pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="450">
<h5 class="Tabellenkopf">Tabelle 1: CD4-Schwellenwerte, oberhalb derer bestimmte AIDS-Erkrankungen unwahrscheinlich sind. Die CD4-Zellen geben nur Richtwerte an, Ausnahmen sind möglich.</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-right:medium none;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="margin-top:2pt;">Ohne Grenze</p>
</td>
<td style="width:274.35pt;border-right:medium none;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="366">
<p class="Tabelle" style="margin-top:2pt;">Kaposi-Sarkom, Lungen-TBC, HZV, bakterielle Pneumonie, Lymphom</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="margin-top:3pt;">Ab &lt; 250/<span style="font-family:Symbol;" lang="DE">m</span>l</p>
</td>
<td style="width:274.35pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="366">
<p class="Tabelle" style="margin-top:3pt;">PCP, Soor-Ösophagitis, PML, HSV</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="margin-top:3pt;">Ab &lt; 100/<span style="font-family:Symbol;" lang="DE">m</span>l</p>
</td>
<td style="width:274.35pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="366">
<p class="Tabelle" style="margin-top:3pt;">Zerebrale Toxoplasmose, HIV-Enzephalopathie, Kryptokokkose, Miliar-Tbc</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="margin-top:3pt;">Ab &lt; 50/<span style="font-family:Symbol;" lang="DE">m</span>l</p>
</td>
<td style="width:274.35pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="366">
<p class="Tabelle" style="margin-top:3pt;">CMV-Retinitis, atypische Mykobakteriose</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die dritte Regel: Bei einer OI sollte so schnell wie möglich, wenn noch nicht geschehen, mit ART begonnen werden. Eine Immunrekonstitution ist der beste Schutz vor Rezidiven. Bei Infektionen wie der PML oder Kryptosporidien, für die keine spezifische Therapie existiert, ist die ART die einzige Hoffnung. Hier darf keine Zeit verschenkt werden. Aber auch bei PCP oder Toxoplasmose ist ein rascher Beginn wichtig. Obwohl die OI-Therapie nicht ohne Toxizitäts- und Interaktionsprobleme ist – die Auswahl an antiretroviralen Substanzen ist größer geworden, auf Nebenwirkungen kann reagiert werden. In ACTG A5164 wurden 282 Patienten mit einer akuten OI (63 % PCP) randomisiert, entweder sofort oder nach Beendigung der OI-Therapie mit der ART zu beginnen (Zolopa 2009). Nach 48 Wochen waren in der sofort behandelten Gruppe signifikant weniger Todes- und neue AIDS-Fälle aufgetreten. Das Risiko, die ART umstellen zu müssen, war unter Sofort-ART zwar etwas erhöht, nicht jedoch die Zahl schwerer unerwünschter Ereignisse, Krankenhausaufenthalte oder IRIS-Fälle. ACTG A5164 liefert somit klare Argumente für den sofortigen ART-Beginn bei PCP. Aber gilt dies auch für andere OIs? Wahrscheinlich nicht für alle (Lawn 2011): die Ergebnisse zweier randomisierter Studien, die bei Kryptokokkenmeningitis (Makadzange 2010) und bei der tuberkulösen Meningitis (Torok 2009) ungünstige Effekte durch eine frühe ART ergeben hatten, sprechen jedenfalls dagegen &#8211; siehe auch ART-Kapitel zu den Late Presentern.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Im Folgenden soll eine praktisch relevante Übersicht gegeben werden, bei der auf &#8220;Kolibris&#8221; verzichtet wird. Die Literaturangaben beschränken sich meist auf interessante Reviews und randomisierte Studien.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur, Übersichten zu OI</strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Antiretroviral Therapy Cohort Collaboration (ART-CC). Variable impact on mortality of AIDS-defining events diagnosed during combination antiretroviral therapy: not all AIDS-defining conditions are created equal. Clin Infect Dis 2009, 48:1138-51</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Brodt HR, Kamps BS, Gute P, Knupp B, Staszewski S, Helm EB. Changing incidence of AIDS-defining illnesses in the era of antiretroviral combination therapy. AIDS 1997, 11:1731-8.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Brooks JT, Kaplan JE, Holmes KK, et al. HIV<span style="font-family:'MS Gothic';" lang="EN-GB">-</span>associated opportunistic infections—going, going, but not gone: the continued need for prevention and treatment guidelines. Clin Inf Dis 2009, 48:609–611</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Buchacz K, Baker RK, Palella FJ Jr, et al. AIDS-defining opportunistic illnesses in US patients, 1994-2007: a cohort study. AIDS 2010, 24:1549-59.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Hoffmann C, Ernst E, Meyer P, et al. Evolving characteristics of toxoplasmosis in patients infected with human immunodeficiency virus-1: clinical course and Toxoplasma gondii-specific immune responses. Clin Microbiol Infect 2007, 13:510-5.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Kirk O, Reiss P, Uberti-Foppa C, et al. Safe interruption of maintenance therapy against previous infection with four common HIV-associated opportunistic pathogens during potent antiretroviral therapy. Ann Intern Med 2002, 137:239-50.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Lawn SD, Török ME, Wood R. Optimum time to start antiretroviral therapy during HIV-associated opportunistic infections. Curr Opin Infect Dis 2011, 24:34-42.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Ledergerber B, Egger M, Erard V, et al. AIDS-related opportunistic illnesses occurring after initiation of potent antiretroviral therapy: the Swiss HIV Cohort Study. JAMA 1999, 282: 2220-6.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Makadzange AT, Ndhlovu CE, Takarinda K, et al. Early versus delayed initiation of antiretroviral therapy for concurrent HIV infection and cryptococcal meningitis in sub-saharan Africa. Clin Infect Dis 2010, 50:1532-8.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">McNaghten AD, Hanson DL, Jones JL, Dworkin MS, Ward JW. Effects of antiretroviral therapy and opportunistic illness primary chemoprophylaxis on survival after AIDS diagnosis. AIDS 1999, 13:1687-95.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Sepkowitz KA. Effect of HAART on natural history of AIDS-related opportunistic disorders. Lancet 1998, 351: 228-230.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Torok ME. Randomized controlled trial of immediate versus deferred antiretroviral therapy in HIV-associated tuberculous meningitis. Abstract H-1224, 49th ICAAC 2009, San Francisco.</p>
<div style="text-align:justify;">
<p>Zolopa A, Andersen J, Powderly W, et al. Early antiretroviral therapy reduces AIDS progression/death in individuals with acute opportunistic infections: a multicenter randomized strategy trial. PLoS 2009, 4:e5575.</p>
</div>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:'Times New Roman', serif;" lang="DE"><br />
<br style="font-size:10pt;font-family:'Times New Roman', serif;" /></span></p>
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	</item>
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		<title>Pneumocystis-Pneumonie (PCP)</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/pneumocystis-pneumonie-pcp/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 11:12:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Pneumocystis-Pneumonie (PCP)]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Diagnostik der PCP]]></category>
		<category><![CDATA[interstitielle Pneumonie]]></category>
		<category><![CDATA[PCP-Akuttherapie]]></category>
		<category><![CDATA[PCP-Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Pneumocysten]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der PCP]]></category>
		<category><![CDATA[Symptome der PCP]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Diese interstitielle Pneumonie, an der in den dunklen Anfangsjahren der HIV-Epidemie ein Großteil der Patienten starb, wird durch Pneumocysten verursacht. In den letzten 20 Jahren hat das Wissen um diesen Erreger vor allem durch DNA-Analysen deutliche &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/pneumocystis-pneumonie-pcp/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=939&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Diese interstitielle Pneumonie, an der in den dunklen Anfangsjahren der HIV-Epidemie ein Großteil der Patienten starb, wird durch Pneumocysten verursacht. In den letzten 20 Jahren hat das Wissen um diesen Erreger vor allem durch DNA-Analysen deutliche Fortschritte gemacht (Review: Thomas 2004). Lange als Protozoen gehandelt, werden Pneumocysten heute den Pilzen zugeordnet (Edman 1988). In den 90er Jahren wurde deutlich, dass jeder Wirt, ob Ratte, Affe oder Mensch, seine eigenen spezifischen Pneumocysten besitzt. Klar wurde auch, dass die Spezies <em>Pneumocystis carinii</em>, 1910 erstmals von dem Italiener Antonio Carini beschrieben, beim Menschen gar nicht vorkommt, sondern nur bei Ratten. Die den Menschen befallende Spezies wurde daher von <em>P. carinii</em> in <em>P. jiroveci</em> umbenannt (nach dem tschechischen Parasitologen Otto Jirovec). Bei der Pneumonie wurde dementsprechend das &#8220;carinii&#8221; gestrichen, dafür blieb die Abkürzung PCP (Stringer 2002).</p>
<p style="text-align:justify;">An einer PCP erkranken heutzutage vor allem Patienten, die nichts von ihrer HIV-Infektion wissen (oder wissen wollen). Kaum einer ist antiretroviral behandelt. Unter 760 Fällen solcher „Late-Presenter“, bei denen in Europa in den Jahren 1997-2004 HIV und AIDS-Diagnose gleichzeitig gestellt wurden, war die PCP mit 35 % die bei weitem häufigste OI (Mussini 2008).</p>
<p style="text-align:justify;">Die PCP ist eine sehr gefährliche Erkrankung, die in die Hände eines HIV-Spezialisten gehört. Sie erfordert nicht selten eine maschinelle Beatmung und besitzt auch heute noch eine Letalität von etwa 10 % (Morris 2008, Walzer 2008). Ältere Patienten haben ein erhöhtes Mortalitätsrisiko, ebenso Patienten mit schlechter BGA und niedrigem Hämoglobin (Walzer 2008, Miller 2010). Die früher häufigen Rezidive sind heute dank ART und Prophylaxe selten geworden. Durch Narbenbildung kann eine Neigung zu rezidivierenden Pneumothoraces zurückbleiben. Selten kann eine PCP auch im Rahmen eines Immunrekonstitutionssyndroms auftreten (siehe unten). Extrapulmonale Pneumocystis-Infektionen kommen sehr selten vor. Sie betreffen am ehesten die Leber, können jedoch überall lokalisiert sein (Niere, Abdomen, Milz, Meningen, Knochen, Mittelohr, Schilddrüse). Auch disseminierte Fälle sind möglich, sie werden jedoch meist erst post mortem diagnostiziert.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p style="text-align:justify;">Die klassische Symptomen-Trias der PCP besteht aus trockenem Reizhusten, subfebrilen Temperaturen und einer langsam progredienten Belastungsdyspnoe (Patienten gezielt fragen! Atemfrequenz?). Ein subakuter Verlauf ist typisch. Oft ist so schon die Abgrenzung bakterieller Pneumonien (produktiver Husten und eher keine Luftnot, akut hohes Fieber und Schmerzen!) möglich. Oft besteht ein Mundsoor. Ein Gewichtsverlust von mehreren Kilogramm in den Wochen zuvor ist ebenfalls häufig. Bei insuffizienten Prophylaxen (selten) kann die Symptomatik noch subtiler sein. Oft vergehen Wochen, manchmal sogar Monate, bis die Diagnose einer PCP gestellt wird. Wichtig ist, dass die Dekompensation – wie bei allen interstitiellen Pneumonien – meist rascher als erwartet eintritt. Nicht selten wird der Patient nach wochenlanger, hausärztlicher Antibiotikatherapie (auch Breitbandantibiotika helfen nicht!) abrupt beatmungspflichtig. Ein Patient mit deutlicher Belastungsdyspnoe oder Ruhedyspnoe gehört sofort ins Krankenhaus.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p style="text-align:justify;">Beim klinischen Verdacht sollten nach der körperlichen Untersuchung (Atemfrequenz? Unauffällige Auskultation? Mundsoor?) unverzüglich ein Röntgen-Thorax sowie, wenn möglich, ein HR-CT der Lunge veranlasst werden. Im Röntgenbild findet sich oft ein relativ charakteristisches Bild mit schmetterlingsförmiger (sich beidseits von hilär ausbreitend), interstitieller Zeichnungsvermehrung. In den Frühstadien sind Mittel- und Unterfelder betont. Die unscharfen, diffusen Veränderungen sind im HR-CT besser zu sehen als im Röntgen-Thorax. Mit den CT lassen sich zudem andere pulmonale Infektionen relativ sicher abgrenzen (Hidalgo 2003).</p>
<p style="text-align:justify;">Doch auch wenn im CT nichts Pathologisches zu sehen ist (Erfahrung des Radiologen?), ist ein rascher Therapiebeginn auch ohne sichere Diagnose gerechtfertigt – vor allem bei der klassischen Symptom-Trias, niedrigen CD4-Zellen und fehlender Prophylaxe. Fast immer besteht schon früh eine respiratorische Partialinsuffizienz, die durch eine BGA objektiviert werden sollte. Die LDH ist oft erhöht und eignet sich bedingt als Verlaufsparameter. Eine hohe LDH ist ein ungünstiges Zeichen und reflektiert, wenn auch unscharf, die Schwere der PCP. Das CRP bleibt dagegen meist normal, sofern nicht begleitende Infektionen bestehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Sputumproben als Nachweis (Review: Cruciani 2002) helfen meist nicht weiter, so dass fast immer eine bronchoalveoläre Lavage (BAL) erforderlich ist. Für eine zügige BAL spricht auch, dass man so Koinfektionen (CMV, Pneumokokken) rechtzeitig diagnostiziert. Zu beachten ist, dass sich eine respiratorische Insuffizienz durch die BAL verschlechtern kann. Die Erreger werden heute meist mit Immunfloureszenz-Tests nachgewiesen. Möglicherweise werden diese Tests bald von der sehr sensitiven PCR abgelöst, die allerdings derzeit noch nicht Routine ist (Fillaux 2008). Meist bleiben Pneumocysten noch Tage nach Therapiebeginn nachweisbar, weshalb mit der Therapie nicht auf die BAL gewartet werden sollte. Es empfiehlt sich, Material nur an erfahrene Labors zu schicken und diesen den Verdacht explizit mitzuteilen, weil Pneumocysten leicht übersehen werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein neuer Ansatz ist die Messung von S-Adenosylmethionin im Blut, einem Stoff, den Pneumocysten zwar brauchen, aber nicht selbst herstellen können. S-Adenosylmethionin-Spiegel sind bei PCP erniedrigt, der Test scheint in der Lage zu sein, PCP-Patienten zuverlässig zu identifizieren (Skelly 2008). Ob er sich als Routinediagnostik durchsetzen wird, ist allerdings noch nicht abzusehen. Dies gilt auch für andere Serummarker wie Beta-D-Glucan oder Antikörper-Tests (Desmnet 2009, Watanabe 2009, Djawe 2010, Gingo 2011).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;"><strong>Allgemeines</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Bei klinischem Verdacht sollte die PCP-Therapie sofort begonnen werden. Bei leichter PCP (BGA: PO2 &gt; 70-80 mm Hg) kann ein ambulant behandelt werden, in sehr leichten Fällen auch mit oraler Medikation. In Zusammenarbeit mit einem kompetenten HIV-Pflegedienst ist dies oft möglich. Wenn eine solche Überwachung nicht möglich ist, bei respiratorischer Verschlechterung und bei jeder PCP mit Ruhedyspnoe ist jedoch eine sofortige stationäre Einweisung ratsam. Falls eine Beatmung erforderlich wird, haben die Patienten auch heute noch eine schlechte Prognose (Crothers 2005, Walzer 2008). Möglicherweise sind nichtinvasive Techniken (CPAP), wenn früh eingesetzt, günstiger. Insbesondere Pneumothoraces können so verhindert werden (Confalonieri 2002).</p>
<p style="text-align:justify;">Während bei ART-naiven Patienten bislang meist mit der ART gewartet wurde, bis die PCP auskuriert war, zeigte unlängst eine randomisierte Studie Vorteile eines zügigen Beginns (Zolopa 2009, siehe oben). Auch eine retrospektive Studie zeigte ein verbessertes Überleben bei Patienten, die noch während der Hospitalisierung mit ART begonnen hatten (Morris 2003). Mögliche kumulative Toxizitäten und Allergien, die zum Absetzen sowohl der PCP-Therapie als auch der ART führen können (Watson 2002), können heute meist vermieden werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Medikamente</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Die PCP-Akuttherapie sollte 21 Tage dauern. Mittel der Wahl ist Cotrimoxazol. Die Dosierung von 3 x 3 Tabletten zu 960 mg ist nur bei leichten Fällen sinnvoll. Gastrointestinal werden diese hohen oralen Dosen allerdings oft nur schlecht vertragen. Zu niedrigeren Dosen gibt es ermutigende Fallberichte, allerdings keine kontrollierten Studien (Thomas 2009). In allen schweren Fällen sollte stationär und intravenös therapiert werden. Wegen einer möglichen Verschlechterung, die wahrscheinlich durch das schaumige Zerplatzen der Pneumocysten in den Alveolen entsteht, sollte zeitgleich mit der PCP-Therapie immer adjuvant 1 mg/KG Prednison (täglich, verteilt auf 1-2 Gaben) über 5-10 Tage zusätzlich gegeben werden. Keine Angst vor Steroiden, vor allem bei schlechter BGA! Bei schwerer PCP halbiert sich dadurch das Mortalitätsrisiko, zudem werden deutlich weniger Patienten beatmungspflichtig (Briel 2006). Eine klinische Verschlechterung während der ersten Therapie-Woche ist trotzdem nicht ungewöhnlich. Die Initialtherapie sollte frühestens nach einer Woche und erst nach Ausschluss von Koinfektionen mit zum Beispiel CMV überdacht werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Unter den hohen Cotrimoxazol-Dosen werden mindestens dreimal wöchentlich Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte und Transaminasen kontrolliert. Wesentliches Problem neben der Myelotoxizität sowie Leber- und Nierenproblemen ist vor allem ein meist in der zweiten Therapiewoche auftretendes Arzneimittelexanthem, das oft von Drug-Fever begleitet wird. Die Häufigkeit liegt bei bis zu 30 % (Fisk 2009) &#8211; Patienten täglich auf Hautveränderungen untersuchen! Man kann bei einem solchen Exanthem versuchen, einen oder zwei Tage zu pausieren, um dann unter Antihistaminika und Steroiden mit der halben Dosis weiterzumachen. Andernfalls muss Cotrimoxazol beendet und durch die Alternativtherapien ersetzt werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Alle Alternativen zum Cotrimoxazol sind weniger wirksam. Bei Unverträglichkeit oder bekannter Sulfonamid-Allergie wird als zweite Wahl Pentamidin intravenös empfohlen, das zunächst während der ersten Tage in einer Art Induktionstherapie (200-300 mg in 500 ml 5 % Glukose oder 0.9 % NaCl), ab Tag 6 dann in der halben Dosis gegeben wird. Diese Therapie ist sehr toxisch, weshalb wir sie seit Jahren nicht mehr benutzt haben. Schwere Entgleisungen der Elektrolyte und des Blutzuckers (sowohl Hyper- als auch Hypoglykämien) sind möglich, ebenso Pankreatitis, Herzrhythmusstörungen sowie Nierenversagen. Anfänglich sollten Blutzucker, Elektrolyte und Nierenwerte täglich kontrolliert werden.</p>
<p style="text-align:justify;">In sehr leichten Fällen einer PCP kann eine rein inhalative Therapie mit täglichen Inhalationen von Pentamidin (täglich 300-600 mg über drei Wochen) versucht werden (Arasteh 1990, Montogomery 1995). Allerdings sind die Erfahrungen nicht immer positiv (Conte 1990, Soo 1990), und die US-Guidelines raten von der inhalativen Akuttherapie sogar ab (Benson 2004). Statt Pentamidin ist auch eine Therapie mit Atovaquon-Suspension (besser als die früher gebräuchlichen Tabletten) oder einer Kombination aus Clindamycin und Primaquin möglich. Daten gibt es allerdings nur für leichte bis mittelschwere PCP-Fälle (Hughes 1993, Dohn 1994, Toma 1998). Primaquin ist in Deutschland nicht mehr zugelassen, aber über internationale Apotheken erhältlich. Einer Metaanalyse zufolge hat Clindamycin plus Primaquin nach Versagen von Cotrimoxazol die besten Erfolgsaussichten (Benfield 2008). Es scheint dabei besser zu sein als Pentamidin (Helweg-Larsen 2009). Es besteht allerdings die Gefahr einer hämolytischen Anämie (G6PD-Mangel ausschliessen).</p>
<p style="text-align:justify;">In den letzten Jahren haben wir alternative Substanzen nur noch in Ausnahmefällen benutzt. Wir sind stattdessen dazu übergegangen, wenn irgend und solange wie möglich mit hochdosiertem Cotrimoxazol zu behandeln (Motto: jeder Tag Cotrimoxazol ist ein guter Tag!). Zehn Tage Initialtherapie schafft man bei fast allen Patienten, und den meisten geht es dann schon deutlich besser. Wenn dann zwischen dem 10. und 14. Tag ein Exanthem oder Toxizität ein Absetzen von Cotrimoxazol erzwingen, wird die dritte und letzte Woche der Akuttherapie mit täglichen Pentamidin-Inhalationen bestritten. Eine Studie zu dieser Strategie ist allerdings bislang nicht veröffentlicht worden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Prophylaxe</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Patienten mit weniger als 200 CD4-Zellen/µl (oder &lt; 14 % der Gesamtlymphozytenzahl) sind gefährdet und brauchen eine Prophylaxe, im Idealfall Cotrimoxazol. Die tägliche Gabe ist möglicherweise etwas wirksamer als die dreimal wöchentliche (El Sadr 1999). Ein Einschleichen über 14 Tage soll Allergien verhindern, ist allerdings umständlich (Para 2000). Bei moderater Allergie auf Cotrimoxazol ist eine Desensibilisierung möglich (Leoung 2001), und sollte durchaus versucht werden. Zwar sind Dapson und Pentamidin-Inhalation fast gleich effektiv (Bozzette 1995, Bucher 1997), doch verhindert eine Cotrimoxazol-Prophylaxe besser bakterielle Infektionen wie Enteritiden und Pneumonien (DiRienzo 2002). Wichtiger noch: Cotrimoxazol schützt auch sicher vor einer Toxoplasmose. Mit der Cotrimoxazol-Suspension für Kinder kann zur Desensibilisierung innerhalb von sechs Tagen langsam von 12.5, 25, 37.5, 50 und 75 auf 100 % der Dosis der 480 mg Tablette gesteigert werden. In einer Studie an fast 200 Patienten kam es so zu keiner schweren Allergie, wohl aber zu einer Reduktion von Fieber und Kopfschmerzen. Rund drei Viertel aller Patienten können sich so an Cotrimoxazol wieder „gewöhnen“. Es sollte jedoch acht Wochen bis zur Reexposition gewartet werden (Leoung 2001).</p>
<p style="text-align:justify;">Monatliche Pentamidin-Inhalationen sind eine gut verträgliche Alternative. Gelegentlich besteht Husten, selten kann ein Asthma-Anfall, sehr selten ein Pneumothorax entstehen. Inhaliert werden sollte mit einem geeigneten Inhalationssystem (z. B. Respirgard II<sup>®</sup>, kein Pariboy<sup>®</sup>!) und nach Gabe eines die Bronchien erweiternden ß-Sympathomimetikums (Berotec Spray<sup>®</sup>). Die früher übliche Loading-Dosis (3 x 300 mg in den ersten 5 Tagen) wird heute nicht mehr überall angewendet. Bei Patienten mit Lungenerkrankungen sind Inhalationen wahrscheinlich weniger wirksam.</p>
<p style="text-align:justify;">Alle weiteren Optionen sind problematisch. Dapson wird gastrointestinal eher schlecht vertragen, ist relativ myelotoxisch und führt überdies häufig zu LDH-Erhöhungen. Die LDH, ein wichtiger diagnostischer Parameter, ist dann nicht verwertbar (Ioannidis 1996). Atovaquon war in zwei Multicenterstudien ähnlich effektiv wie Cotrimoxazol, Dapson und Pentamidin (El-Sadr 1998, Chan 1999) und gilt seither als gute Alternative. Der Saft ist besser verträglich als die Tabletten (Rosenberg 2001). Wesentlicher Nachteil ist der hohe Preis (rund 1.000 Euro/Monat).</p>
<p style="text-align:justify;">PCP-Prophylaxen können unter ART meist abgesetzt werden. Aktuell wird eine Immunrekonstitution von mindestens 200 CD4-Zellen/µl über wenigstens drei Monate empfohlen (Schneider 1999, Weverling 1999, Lopez 2001). Nur vereinzelt wurden PCP-Fälle nach Absetzen bei mehr als 200 CD4-Zellen/μl beschrieben (Degen 2002, Mussini 2003). Wenn die Viruslast gut supprimiert ist, sind 200 CD4-Zellen/µl wahrscheinlich gar nicht nötig. In einer Analyse von 12 Kohorten (&gt; 100.000 Patientenjahre) war das PCP-Risiko bei 100-200 CD4-Zellen/μl und supprimierter Viruslast sehr niedrig (COHERE 2010), so dass diese Patienten ihre Prophylaxe wohl auch absetzen können. Kontrollierte Studien gibt es freilich nicht.</p>
<p style="text-align:justify;">Durch das Absetzen werden nicht nur Nebenwirkungen und Kosten reduziert, sondern auch Resistenzen verhindert: So steigt der Anteil Cotrimoxazol-resistenter Bakterien unter HIV-Patienten stetig (Martin 1999).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Therapie/Prophylaxe der PCP<br />
</strong>(soweit nicht anders angegeben, Tagesdosierungen)</p>
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="84"><strong>Akuttherapie</strong></td>
<td valign="top" width="96"></td>
<td valign="top" width="264">Dauer: Immer mindestens drei Wochen</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Schwere bis mittelschwere PCP</td>
<td valign="top" width="96">Cotrimoxazol</td>
<td valign="top" width="264">Cotrim-ratiopharm<sup>®</sup> 3 x 5-6 Amp. à 480 mg <strong>plus</strong>Decortin H<sup>®</sup> 2 – 2 – 0 Tbl. à 20 mg   (5-10 Tage, Dosierung 1 mg/KG)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Leichte PCP</td>
<td valign="top" width="96">Cotrimoxazol</td>
<td valign="top" width="264">Cotrim forte<sup>®</sup>3 x 3 Tbl. à 960 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Alternativen</td>
<td valign="top" width="96">Pentamidin</td>
<td valign="top" width="264">Pentacarinat<sup>®</sup>200-300 mg i.v. 5 Tage (4 mg/kg), dann halbe DosisIn sehr leichten Fällen: tägliche Inhalation mit 300 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"></td>
<td valign="top" width="96">Atovaquon</td>
<td valign="top" width="264">Wellvone<sup>®</sup>-Suspension 2 x 5-10 ml             (2 x 750 – 1500 mg)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"></td>
<td valign="top" width="96">Clindamycin + Primaquin</td>
<td valign="top" width="264">Sobelin<sup>®</sup> 3-4 x 1 Amp. à 600 mg i.v. plus Primaquin 1 Tbl à 30 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"><strong>Prophylaxe</strong></td>
<td valign="top" width="96"></td>
<td valign="top" width="264">Ab &lt; 200 CD4-Zellen/µl, nach PCP-Episode</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Mittel der Wahl</td>
<td valign="top" width="96">Cotrimoxazol</td>
<td valign="top" width="264">Cotrim<sup>®</sup>1 x 1 Tbl. à 480 mg oder         Cotrim forte<sup>®</sup> 3 x 1 Tbl. à 960 mg/Wo</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Alternativen</td>
<td valign="top" width="96">Pentamidin</td>
<td valign="top" width="264">Pentacarinat<sup>®</sup>-Inhalation 300 mg                1-2 x / Monat</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"></td>
<td valign="top" width="96">Dapson</td>
<td valign="top" width="264">Dapson-Fatol<sup>®</sup> 1 x 2 Tbl. à 50 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"></td>
<td valign="top" width="96">Dapson + Pyrimethamin</td>
<td valign="top" width="264">Dapson-Fatol<sup>®</sup> 1 x 1 Tbl. à 50 mg <strong>plus</strong> Daraprim<sup>®</sup> 1 x 2 Tbl. à 25 mg/Wo <strong>plus</strong> Leucovorin<sup>®</sup> 1 x 2 Tbl. à 15 mg/Wo</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"></td>
<td valign="top" width="96">Atovaquon</td>
<td valign="top" width="264">Wellvone<sup>®</sup>-Suspension 2 x 5 ml (2 x 750 mg)</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h3 style="text-align:justify;">Resistenzproblematik, aktuelle Kontroversen</h3>
<p style="text-align:justify;">Auch an Pneumocysten ist der weltweite Cotrimoxazol-Einsatz nicht spurlos vorübergegangen. Waren Resistenzanalysen lange dadurch erschwert, dass sich dieser Keim auch fast 100 Jahre nach seiner Entdeckung noch immer nicht ohne weiteres anzüchten lässt, so ist es heute möglich, den Genomabschnitt der Dihydropterat-Synthetase (DHPS) zu sequenzieren. Die DHPS ist ein wichtiges Enzym im Folsäure-Metabolismus vieler Erreger und Angriffspunkt für Sulfonamide wie SMX oder Dapson. 1997 wurden erstmals Mutationen im DHPS-Gen bei Pneumocysten entdeckt. Eine größere Untersuchung fand in 43 % DHPS-Mutationen, dagegen in der Genregion der Dihydrofolatreduktase (DHFR), dem Angriffspunkt für Trimethoprim, keine einzige Mutation. Dieser mangelnde Selektionsdruck wurde zunächst als Indiz gewertet, dass Trimethoprim gegen Pneumocysten gar nicht effektiv ist (Ma 1999); inzwischen wurden allerdings auch DHFR-Mutationen nachgewiesen (Nahimana 2004). Insgesamt hat die Häufigkeit von Sulfa-Resistenzen zugenommen, und sie korrelieren signifikant mit der Dauer der vorangegangenen Prophylaxe und ihrem Versagen (Helweg-Larsen 1999). Ob DHPS-Mutationen auch einen negativen Effekt auf die PCP-Therapie haben, ist allerdings bis heute unklar (aktueller Review: Matos 2010).</p>
<p style="text-align:justify;">Die Sequenzierung des Genoms förderte noch andere, möglicherweise relevante Erkenntnisse zutage: So spricht vieles dafür, dass bei der PCP, anders als früher vermutet, eine Neuinfektion wahrscheinlicher ist als die Reaktivierung (Wakefield 2003). Als Reservoire kommen asymptomatische HIV-Patienten in Frage, bei denen häufig Pneumocysten nachgewiesen werden (Wakefield 2003), aber auch HIV-negative Patienten unter Steroiden (Maskell 2003) und manifest an einer PCP Erkrankte. Es gibt inzwischen Berichte nosokomialer Infektionen mit Pneumocysten (Schmoldt 2008). Von anderen Autoren wird die Transmission von Patient zu Patient jedoch bezweifelt (Wohl 2002), und bis heute wird die Isolierung von PCP-Patienten nicht allgemein empfohlen (Thomas 2004).</p>
<p style="text-align:justify;">Pneumocysten verursachen nicht immer manifeste Pneumonien: bei vielen immungesunden Patienten liegt lediglich eine Kolonisation vor (Ponce 2010, Vargas 2010), der mittlerweile auch eine Rolle bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen zugeschrieben wird (Morris 2008).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Arasteh K, Heise W, L&#8217;age M. Treatment of mild to moderately severe pneumocystis carinii pneumonia with cotrimoxazole versus pentamidine aerosol. Med Klin 1990, 85 Suppl 2:260-3.</p>
<p style="text-align:justify;">Benfield T, Atzori C, Miller RF, Helweg-Larsen J. Second-Line Salvage Treatment of AIDS-Associated Pneumocystis jirovecii Pneumonia: A Case Series and Systematic Review. J AIDS 2008.</p>
<p style="text-align:justify;">Benson CA, Kaplan JE, Masur H, et al. Treating opportunistic infections among HIV-exposed and infected children: recommendations from CDC, the NIH, and the IDSA. MMWR Recomm Rep 2004, 53(RR-15):1-112.</p>
<p style="text-align:justify;">Bozzette SA, Finkelstein DM, Spector SA, et al. A randomized trial of three antipneumocystis agents in patients with advanced HIV. N Engl J Med 1995, 332:693-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Briel M, Bucher HC, Boscacci R, Furrer H. Adjunctive corticosteroids for Pneumocystis jiroveci pneumonia in patients with HIV-infection. Cochrane Database Syst Rev 2006, 19;3:CD006150. Review.</p>
<p style="text-align:justify;">Bucher HC, Griffith L, Guyatt GH, Opravil M. Meta-analysis of prophylactic treatments against Pneumocystis carinii pneumonia and toxoplasma encephalitis in HIV-infected patients. J AIDS Hum Retrovirol 1997, 15:104-14.</p>
<p style="text-align:justify;">Chan C, Montaner J, Lefebvre EA, et al. Atovaquone suspension compared with aero-solized pentamidine for prevention of PCP in HIV-infected subjects intolerant of trimethoprim or sulfonamides. J Infect Dis 1999, 180:369-76.</p>
<p style="text-align:justify;">COHERE. Is it safe to discontinue primary Pneumocystis jiroveci pneumonia prophylaxis in patients with virologically suppressed HIV infection and a CD4 cell count &lt;200 cells/microL? Clin Infect Dis 2010, 51:611-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Confalonieri M, Calderini E, Terraciano S, et al. Noninvasive ventilation for treating acute respiratory failure in AIDS patients with Pneumocystis carinii pneumonia. Intensive Care Med 2002, 28:1233-8.</p>
<p style="text-align:justify;">Conte JE Jr., Chernoff D, Feigal DW Jr., Joseph P, McDonald C, Golden JA. Intravenous or inhaled pentamidine for treating PCP in AIDS. A randomized trial. Ann Intern Med 1990, 113:203-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Crothers K, Beard CB, Turner J, et al. Severity and outcome of HIV-associated Pneumocystis pneumonia containing Pneumocystis jirovecii dihydropteroate synthase gene mutations. AIDS 2005, 19:801-5.</p>
<p style="text-align:justify;">Cruciani M, Marcati P, Malena M, et al. Meta-analysis of diagnostic procedures for Pneumocystis carinii pneumonia in HIV-1-infected patients. Eur Respir J 2002, 20:982-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Degen O, van Lunzen J, Horstkotte MA, Sobottka I, Stellbrink HJ. Pneumocystis carinii pneumonia after the discontinuation of secondary prophylaxis. AIDS 2002, 16:1433-4.</p>
<p style="text-align:justify;">Desmet S, Van Wijngaerden E, Maertens J, et al. Serum (1-3)-beta-D-glucan as a tool for diagnosis of Pneumocystis jirovecii pneumonia in patients with human immunodeficiency virus infection or hematological malignancy. J Clin Microbiol 2009, 47:3871-4.</p>
<p style="text-align:justify;">DiRienzo AG, van Der Horst C, Finkelstein DM, et al. Efficacy of trimethoprim-sulfamethoxazole for the prevention of bacterial infections in a randomized prophylaxis trial of patients with advanced HIV infection. AIDS Res Hum Retroviruses 2002, 18:89-94.</p>
<p style="text-align:justify;">Djawe K, Huang L, Daly KR, et al. Serum antibody levels to the Pneumocystis jirovecii major surface glycoprotein in the diagnosis of P. jirovecii pneumonia in HIV+ patients. PLoS One 2010, 5:e14259.</p>
<p style="text-align:justify;">Dohn MN, Weinberg WG, Torres RA, et al. Oral atovaquone compared with intravenous pentamidine for Pneumocystis carinii pneumonia in patients with AIDS. Ann Intern Med 1994;121:174-80.</p>
<p style="text-align:justify;">Edman JC, Kovacs JA, Masur H, et al. Ribosomal RNA sequence shows Pneumocystis carinii to be a member of the fungi. Nature 1988, 334:519-522.</p>
<p style="text-align:justify;">El-Sadr WM, Luskin-Hawk R, Yurik TM, et al. A randomized trial of daily and thrice-weekly trimethoprim-sulfamethoxazole for the prevention of PCP in HIV-infected persons. Clin Infect Dis 1999, 29:775-783.</p>
<p style="text-align:justify;">El-Sadr WM, Murphy RL, Yurik TM, et al. Atovaquone compared with dapsone for the prevention of Pneumocystis carinii pneumonia in patients with HIV infection who cannot tolerate trimethoprim, sulfonamides, or both. N Engl J Med 1998, 339:1889-95.</p>
<p style="text-align:justify;">Fillaux J, Malvy S, Alvarez M, et al. Accuracy of a routine real-time PCR assay for the diagnosis of Pneumocystis jirovecii pneumonia. J Microbiol Methods 2008, 75:258-61.</p>
<p style="text-align:justify;">Fisk M, Sage EK, Edwards SG, Cartledge JD, Miller RF. Outcome from treatment of Pneumocystis jirovecii pneumonia with co-trimoxazole. Int J STD AIDS 2009, 20:652-3.</p>
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<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/pneumocystis-pneumonie-pcp/'>Pneumocystis-Pneumonie (PCP)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/939/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/939/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/939/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/939/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/939/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/939/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/939/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/939/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/939/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/939/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/939/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/939/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/939/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/939/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=939&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Zerebrale Toxoplasmose</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 11:10:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Zerebrale Toxoplasmose]]></category>
		<category><![CDATA[Klinik der zerebralen Toxoplasmose]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der zerebralen Toxoplasmose]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der zerebralen Toxoplasmose]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Wenngleich die Inzidenz im Vergleich zu den 90er Jahren auf weniger als ein Viertel gefallen ist (Abgrall 2001), bleibt die zerebrale Toxoplasmose auch heute noch die wichtigste neurologische OI bei HIV-Patienten. Sie ist fast immer eine Reaktivierung &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/zerebrale-toxoplasmose/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=951&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Wenngleich die Inzidenz im Vergleich zu den 90er Jahren auf weniger als ein Viertel gefallen ist (Abgrall 2001), bleibt die zerebrale Toxoplasmose auch heute noch die wichtigste neurologische OI bei HIV-Patienten. Sie ist fast immer eine Reaktivierung einer latenten Infektion mit <em>Toxoplasma gondii</em>, einem intrazellulären Parasiten, der Vögel, Säugetiere und den Menschen befällt. Weltweit variieren die Prävalenzen erheblich (Porter 1992). Während sie in den USA eher niedrig sind, bestehen in Regionen Mitteleuropas Durchseuchungsraten von bis zu 90 %. Toxoplasmen haben eine Affinität zum ZNS. Extrazerebrale Manifestationen (Herz, Muskulatur, Leber, Darm, Lunge) sind dagegen selten und werden oft erst autoptisch nachgewiesen.</p>
<p style="text-align:justify;">Die zerebrale Toxoplasmose ist potentiell lebensbedrohlich, und die Therapie ist kompliziert. Neurologische Residualsyndrome mit Behinderungen (Hemiparesen!) oder Krampfneigung können zurückbleiben. In einer eigenen Kohorte war dies bei 37 % der Fall (Hoffmann 2007). Zu beachten ist außerdem, dass Rezidive wegen der intrazerebralen Persistenz auch noch nach langer Zeit vorkommen können.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Patienten, die heute erkranken, sind andere als früher. Oft ist die HIV-Infektion bei Diagnose nicht bekannt, oder eine regelmäßige Betreuung fand nicht statt. In einer eigenen Analyse von 140 Fällen zwischen 1990 und 2004 hatten im Zeitraum 1990-1996 noch 62 % der Patienten vorher bereits andere AIDS-Erkrankungen erlitten, 1997-2004 waren es nur noch 26 %. Der Anteil der Patienten mit gleichzeitiger Diagnose HIV und Toxoplasmose stieg von 20 auf 49 %. Mit ART hat sich die Prognose deutlich verbessert. Betrug die 5-Jahres-Überlebensrate in den Jahren 1990-1993 noch 7 % bzw. 29 % zwischen 1994 und 1996, ist sie seit 1997 auf 78 % gestiegen (Hoffmann 2007). Gerade in den letzten Jahren ist jedoch keine weitere Verbesserung der Prognose zu beobachten – die Toxoplasmose bleibt gefährlich, insbesondere in den ersten Monaten.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Klinik richtet sich nach der Lokalisation der Herde und beginnt meist akut. Innerhalb weniger Tage können sich fokale neurologische Defizite wie Paresen, Sprachprobleme oder Sensibilitätsstörungen entwickeln (Porter 1992). Auch ein fieberhaftes Psychosyndrom mit Verwirrtheit als erstes Zeichen ist häufig. Nicht selten ist ein epileptischer Krampfanfall ohne Begleitsymptome die Erstmanifestation. Kopfschmerzen und gleichzeitig Fieber oder subfebrile Temperaturen sind verdächtig, untypisch dagegen sind meningitische Zeichen. Atypische Manifestationen im Rahmen eines IRIS sind beschrieben, aber im Vergleich zur PML eher selten (Ghosn 2003).</p>
<p style="text-align:justify;">Eine relativ seltene, aber wichtige Manifestation ist die Toxoplasma-Chorioretinitis. Sie verursacht Visusstörungen, ist eine wichtige Differentialdiagnose zur CMV-Retinitis und kommt auch isoliert vor (Rodgers 1996). Die Toxoplasma-Chorioretinitis sollte genauso behandelt werden wie die zerebrale Toxoplasmose.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p style="text-align:justify;">Oberhalb von 100 CD4-Zellen/µl ist eine zerebrale Toxoplasmose selten, über 200 CD4-Zellen/µl eine Rarität (Bossi 1998). Unter 100 CD4-Zellen/µl ist dagegen immer mit ihr zu rechnen. Bei jedem fokalen neurologischen Defizit, aber auch bei zerebralen Krampfanfällen eines deutlich immungeschwächten Patienten sollte sofort ein CCT oder ein MRT des Kopfes veranlasst werden. Das MRT ist besser und macht fast immer mehr Herde sichtbar als das CCT. Zu je einem Drittel finden sich entweder solitäre, mehrere (2-5) oder zahlreiche Herde. In etwa neun von zehn Fällen besteht ein ringförmiges Kontrastmittel-Enhancement um die Herde, oft auch ein begleitendes Ödem. Gelegentlich kann es zu Einblutungen kommen.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei allen radiologischen Herdbefunden gilt die Regel, dass die wahrscheinlichste Diagnose eine zerebrale Toxoplasmose ist. Und: vor allen Differentialdiagnosen kommt immer noch eine &#8220;untypische&#8221; zerebrale Toxoplasmose. Je mehr Herde, desto wahrscheinlicher wird die Toxoplasmose. Allerdings ist die radiologische Abgrenzung von einem bakteriellen Abszess oder einem zerebralen Lymphom nicht immer einfach. Seltene Differentialdiagnosen sind PML, Infarkte, Tuberkulome und Kryptokokkome. Auch &#8220;HIV-unabhängige&#8221; Erkrankungen wie Hirn-Tumore oder Gefäßerkrankungen kommen in Frage.</p>
<p style="text-align:justify;">Eine Hirnbiopsie ist nicht obligat. Vorher ist bei Verdacht auf Toxoplasmose ein probatorischer Therapieversuch gerechtfertigt. Ein Ansprechen sichert dann die Diagnose. Wenn sich die Patienten klinisch nicht innerhalb von einer Woche bessern oder sich sogar verschlechtern, ist die stereotaktische Hirnbiopsie allerdings nicht zu vermeiden. Sie sollte in diesen Fällen nicht aufgeschoben werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Im Liquor, der bei eindeutigen radiologischen Befunden (mehrere Herde mit Kontrastmittel-Enhancement) ebenfalls nicht zwingend untersucht werden muss, findet sich meist eine mäßige Pleozytose und ein leicht erhöhtes Gesamt-Eiweiss. Mit der Toxoplasma-PCR aus dem Liquor haben wir eher schlechte Erfahrungen gemacht. Ein negativer Befund (häufig!) schließt die Toxoplasmose keinesfalls aus.</p>
<p style="text-align:justify;">Von jedem Patienten sollte eine aktuelle Serologie vorliegen. Da bis zu 97 % der Patienten mit zerebraler Toxoplasmose IgG-Antikörper haben, macht ein negativer Befund, der bei Zweifeln in einem anderen Labor wiederholt werden sollte, die Toxoplasmose unwahrscheinlich. Ob die IgG-Titerhöhe eine diagnostische Hilfe ist (Derouin 1996), ist nicht validiert. Das IgM ist selten positiv, hilft also meist auch nicht weiter, ebenso wenig wie die PCR im Blut (Review: Bretagne 2003).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Therapie der zerebralen Toxoplasmose ist nicht einfach. Die gängigen Kombinationen wirken in der Regel zwar recht gut (Resistenzen sind bislang nicht überzeugend beschrieben), müssen jedoch bei etwa der Hälfte der Patienten wegen Nebenwirkungen – vor allem Allergien – umgestellt werden. In Kombination mit Pyrimethamin sind Sulfadiazin und Clindamycin wohl gleichwertig (Dannemann 1992). Eine große europäische Studie ergab allerdings einen nicht-signifikanten Trend zugunsten von Sulfadiazin (Katlama 1996). Auch Cotrimoxazol kommt in Frage. Es gibt gegenwärtig keinen Hinweis für die Überlegenheit eines bestimmten Regimes (Dedicoat 2006).</p>
<p style="text-align:justify;">Wir empfehlen einen oralen Therapie-Versuch mit Sulfadiazin und Pyrimethamin. Argumente für Clindamycin (statt Sulfadiazin) sind Sulfonamidallergie und schwerkranke Patienten, bei denen die Pilleneinnahme unsicher ist. Wegen der hohen Allergierate bei Sulfadiazin gibt es Behandler, die die Substanz ganz ablehnen. Wir teilen diese Auffassung nicht, schließlich ist Clindamycin ebenfalls allergen und auch sonst nicht ohne Probleme (pseudomembranöse Kolitis).</p>
<p style="text-align:justify;">Für Pyrimethamin wird seit der ersten Studie (Leport 1988) während der ersten Tage eine so genannte „loading dose“ propagiert. Ob sie notwendig ist, ist nicht bewiesen. Auch die verwendeten Dosen sind unterschiedlich: In den USA werden am ersten Tag 200 mg empfohlen (gefolgt von 50-75 mg je nach Körpergewicht), hierzulande werden oft 100 mg über drei Tage gegeben, gefolgt von 50 mg. Zu beachten ist, dass Pyrimethamin im Gegensatz zu Clindamycin auch bei intakter Bluthirnschranke wirkt, also unter Umständen die einzige wirksame Substanz ist. Wegen der Myelotoxizität von Pyrimethamin, das die Umwandlung von Folsäure zu Folinsäure hemmt, sollte von Anfang an mit Folinsäure (leider teuer) substituiert werden. Folsäure (billig) selbst bringt nichts, da es in Gegenwart von Pyrimethamin nicht umgewandelt werden kann (Luft 2000).</p>
<p style="text-align:justify;">Gute Erfahrungen werden auch von Cotrimoxazol intravenös berichtet, das wie bei der PCP dosiert wird (Canessa 1992, Béraud 2009). In zwei randomisierten Studien bei Patienten mit okulärer bzw. zerebraler Toxoplasmose war Cotrimoxazol jedenfalls genauso wirksam wie Sulfadiazin/Pyrimethamin (Torre 1998, Soheilian 2005).</p>
<p style="text-align:justify;">Bestehen Allergien oder Unverträglichkeiten sowohl gegen Sulfonamide als auch gegen Clindamycin, ist die Kombination aus Atovaquon plus Pyrimethamin eine Alternative (Chirgwin 2002). Dies gilt auch für Azithromycin plus Pyrimethamin (Bosch-Driessen 2002), allerdings ist die Datenlage dazu vage.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Akuttherapie dauert vier bis (besser) sechs Wochen, bei den Alternativ-Therapien eventuell noch länger. Der Erfolg kann in den ersten 14 Tagen klinisch beurteilt werden. Oft ist innerhalb weniger Tage eine Besserung zu beobachten. Ein Patient, der sich klinisch nach zwei Wochen adäquater Therapie (hat er seine Pillen genommen?) nicht wenigstens ein bißchen verbessert oder sogar verschlechtert hat, hat wahrscheinlich keine Toxoplasmose. Hier muss die Diagnostik reevaluiert und rasch eine Hirnbiopsie organisiert werden. Eine Umstellung der Toxoplasmose-Therapie macht in diesen Fällen wenig Sinn und kostet nur Zeit.</p>
<p style="text-align:justify;">Mit der ART sollte rasch begonnen werden. Allergene Substanzen (Abacavir ohne HLA-Typisierung, NNRTIs, Fosamprenavir, Darunavir) sollten vermieden werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein Kontroll-MRT ist bei stabilen Patienten frühestens nach zwei Wochen sinnvoll. Deutliche Rückbildungen sind oft erst nach vier Wochen erkennbar. Bei erhöhtem Hirndruck oder ausgeprägten Ödemen werden Steroide eingesetzt (3-4 x 8 mg Fortecortin). Die Steroid-Gabe sollte zeitlich begrenzt sein (Cave Aspergillosen!). Bei allen Therapie-Kombinationen ist anfänglich mindestens drei Mal pro Woche die Kontrolle von Blutbild, Glukose, Transaminasen und Nierenparametern erforderlich. Die dosisreduzierte Erhaltungstherapie sollte erst begonnen werden, wenn sich die Läsionen um mindestens 75 % zurückgebildet haben.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p style="text-align:justify;"><strong>Expositionsprophylaxe:</strong> IgG-negative Patienten können sich vor einer Erstinfektion schützen – sie sollten auf den Genuss rohen oder nur kurz gebratenen Fleisches (Lamm, Rind, Schwein, Wild) verzichten. Entgegen weitläufiger Meinung ist dagegen nicht bewiesen, dass man sich schon durch den bloßen Kontakt mit Katzen, dem Endwirt von <em>Toxoplasma gondii</em>, anstecken können. Die einzige Studie, die dies ernsthaft prüfte, konnte eine Gefährdung durch Katzen nicht belegen (Wallace 1993). Dennoch sollte auf Hygiene geachtet werden (Handschuhe im Katzenklo!).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Primärprophylaxe:</strong> Alle IgG-positiven Patienten mit weniger als 100 CD4-Zellen/µl benötigen eine Primär-Prophylaxe. Mittel der Wahl ist Cotrimoxazol. Bei einer Allergie ist eine Desensibilisierung zu erwägen (siehe PCP). Alternativen sind Dapson plus Pyrimethamin oder Dapson hoch dosiert (mindestens 200 mg/Woche), sie sind vergleichbar effektiv, führen aber häufiger zu einem Abbruch. Primärprophylaxen können wieder abgesetzt werden, wenn die CD4-Zellen unter ART mindestens drei Monate über 200/µl liegen.</p>
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="3" valign="top" width="444">
<h5><strong>Therapie/Prophylaxe der zerebralen Toxoplasmose<br />
</strong>(soweit nicht anderes angegeben, Tagesdosierungen)</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"><strong>Akuttherapie</strong></td>
<td valign="top" width="96"></td>
<td valign="top" width="264">Dauer: Immer mindestens vier Wochen</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Therapie der Wahl</td>
<td valign="top" width="96">Sulfadiazin +</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>PyrimethaminSulfadiazin-Heyl<sup>®</sup> 4 x 2-3 Tbl. à 500 mg <strong>plus</strong></p>
<p>Daraprim<sup>® </sup>2 x 2 Tbl. à 25 mg (für 3 Tage, dann Dosis halbieren) <strong>plus</strong> Leucovorin<sup>®</sup>        3 x 1 Tbl. à 15 mg/WoTherapie der WahlClindamycin +</p>
<p>PyrimethaminClinda-saar<sup>®</sup> 4 x 1 Amp. à 600 mg i.v. oder  4 x 1 Tbl. à 600 mg <strong>plus</strong></p>
<p>Daraprim<sup>® </sup>2 x 2 Tbl. à 25 mg (für 3 Tage, dann Dosis halbieren) <strong>plus</strong> Leucovorin<sup>®</sup>        3 x 1 Tbl. à 15 mg/WoAlternativeAtovaquon +</p>
<p>PyrimethaminWellvone<sup>®</sup>-Suspension 2 x 10 ml (2 x 1500 mg) <strong>plus</strong></p>
<p>Daraprim<sup>®</sup>2 x 2 Tbl. à 25 mg (für 3 Tage, dann Dosis halbieren) <strong>plus</strong> Leucovorin<sup>®</sup>        3 x 1 Tbl. à 15 mg/Wo<strong>Erhaltungstherapie</strong><strong> </strong>Wie AkuttherapieWie Akuttherapie, aber halbe Dosierungen</p>
<p>Absetzen ab &gt; 200 CD4-Zellen/µl &gt; 6 Monate (wenn MRT o.B. bzw. kein KM-Enhancement)evtl. möglichCotrimoxazolCotrim forte<sup>®</sup> 1 x 1 Tbl. à 960 mg<strong>Primär-Prophylaxe</strong> StandardCotrimoxazolCotrim<sup>®</sup> 1 x 1 Tbl. à 480 mgAlternativeDapsonDapson-Fatol<sup>®</sup> 1 x 2 Tbl. à 50 mgAlternativeDapson + PyrimethaminDapson-Fatol<sup>®</sup>1 x 1 Tbl. à 50 mg <strong>plus</strong> Daraprim<sup>®</sup>1 x 2 Tbl. à 25 mg/Wo <strong>plus</strong> Leucovorin<sup>®</sup>1 x 2 Tbl. à 15 mg/Wo</p>
<h6 style="text-align:justify;"></h6>
<p style="text-align:justify;"><strong>Sekundärprophylaxe:</strong> Ohne Immunrekonstitution ist eine lebenslange Erhaltungstherapie erforderlich, da andernfalls fast immer ein Rezidiv auftritt. Sie besteht meist aus den halbierten Dosen der Akuttherapie (Podzamczer 2000). Allerdings ist Clindamycin, das die intakte Bluthirnschranke nicht passiert, vermutlich weniger geeignet (Luft 2000). Auch Cotrim­oxazol scheint als Sekundärprophylaxe nicht so effektiv zu sein, ist aber wegen der Einfachheit zu erwägen. Es sollten auf jeden Fall höhere Dosen als bei der PCP verwendet werden (Ribera 1999, Duval 2004). Sekundärprophylaxen können bei ausreichender Immunrekonstitution (mindestens drei Monate mehr als 200 CD4-Zellen/µl) abgesetzt werden (Benson 2004, Miro 2006).  Allerdings sollte ein aktuelles MRT vorliegen. Bei Enhancement können die Herde auch nach Jahren noch aktiv sein – es besteht die Gefahr eines Rezidivs. Wir haben ein Rezidiv noch nach fünf Jahren gesehen, und zwar trotz CD4-Zellen um 200/µl.</p>
<p style="text-align:justify;">Dieser Fall und andere (Stout 2002, Ghosn 2003) zeigen, dass die CD4-Zellzahlen unter ART nicht immer die Qualität der Toxoplasma-spezifischen Immunantwort reflektieren. Diese bleibt bei etwa 10-30 % schlecht – trotz steigender CD4-Zellen (Fournier 2001, Miro 2003, Furco 2008). Solche qualitative Tests sind allerdings bislang nicht validiert. Eine therapeutische Konsequenz haben sie daher noch nicht.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Abgrall S, Rabaud C, Costagliola D. Incidence and risk factors for toxoplasmic encephalitis in HIV-infected patients before and during the HAART era. Clin Infect Dis 2001, 33: 1747-55.</p>
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<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/zerebrale-toxoplasmose/'>Zerebrale Toxoplasmose</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/951/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/951/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/951/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/951/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/951/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/951/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/951/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/951/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/951/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/951/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/951/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/951/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/951/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/951/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=951&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>CMV-Retinitis</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 11:05:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[CMV-Retinitis]]></category>
		<category><![CDATA[CMV-Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Diagnose der Retinitis]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der CMV-Retinitis]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der CMV-Retinitis]]></category>
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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Infektionen mit Zytomegalie-Viren (CMV) sind weit verbreitet. In Deutschland liegen die Durchseuchungsraten um 50-70 %, bei homosexuellen Männern sogar über 90 %. Bei deutlichem Immundefekt (unter 50 CD4-Zellen/µl) kann eine Reaktivierung der CMV-Infektion zu einer Entzündung der Netzhaut (Retinitis) führen. &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/cmv-retinitis/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=958&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Infektionen mit Zytomegalie-Viren (CMV) sind weit verbreitet. In Deutschland liegen die Durchseuchungsraten um 50-70 %, bei homosexuellen Männern sogar über 90 %. Bei deutlichem Immundefekt (unter 50 CD4-Zellen/µl) kann eine Reaktivierung der CMV-Infektion zu einer Entzündung der Netzhaut (Retinitis) führen. Die CMV-Retinitis war früher eine häufige AIDS-Erkrankung, an der bis zu 30 % der Patienten erblindeten. Sie tritt vor allem bei unbehandelten Patienten auf, die oftmals erst zu diesem Zeitpunkt als HIV-infiziert diagnostiziert werden (Jacobson 2000). Auch eine inflammatorische CMV-Retinitis mit schwerer Vitritis im Rahmen eines IRIS ist möglich (s. dort). Wenn die CMV-Retinitis nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird, ist immer der Visus bedroht. Bei Visusstörungen liegen fast immer bereits Läsionen vor, die auch bei adäquater Therapie nicht mehr reversibel sind. Die CMV-Retinitis bleibt damit auch heute eine gefährliche Erkrankung, obgleich sich die Prognose durch ART deutlich verbessert hat (Goldberg 2003, Salzberger 2005, Thorne 2006).</p>
<p style="text-align:justify;">Andere Manifestationen einer disseminierten CMV-Infektion sind eher selten (etwa 15 %). Sie können jedes Organ betreffen. Pneumonien, Ösophagulzera, Colitiden und Enzephalitiden sind am häufigsten, aber auch Sinusitiden kommen vor (Jutte 2000). Die Klinik richtet sich nach dem betroffenen Organ, die Diagnose ist nur histologisch zu stellen (Goodgame 1993). Mangels Studien werden meist systemische Therapien analog zur CMV-Retinitis gewählt (Whitley 1998).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p style="text-align:justify;">Jede perakut oder akut auftretende Visusstörung wie Verschwommensehen (&#8220;Schneetreiben&#8221;), Schatten oder Flecken – vor allem unilateral – sollte Anlass sein, den Patienten unverzüglich zum Ophthalmologen zu schicken. Heute noch, nicht morgen! Die bereits symptomatische CMV-Retinitis ist ein Notfall – wo einmal ein schwarzer Fleck im Gesichtsfeld ist, bleibt ein schwarzer Fleck. Meist sind es Netzhautablösungen und Makulaödem, seltener kataraktartige Veränderungen, die die Visusstörungen verursachen (Thorne 2006). CMV-Therapien können meist nur das Fortschreiten stoppen und nichts mehr rückgängig machen. Schmerzen im Auge, Brennen, vermehrter Tränenfluss und konjunktivale Reizzustände sind nicht typisch. Viele Patienten leiden an systemischen Symptomen wie Fieber und Gewichtsverlust.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Diagnose der Retinitis wird durch die Funduskopie gestellt. Entscheidend bei der Beurteilung der meist peripher gelegenen, weißlichen Exsudate ist die Erfahrung des Ophthalmologen. Fehldiagnosen, durch die kostbare Zeit (und Netzhaut) verschenkt wird, sind leider keine Ausnahme. Deshalb gilt, wenn sich der Ophthalmologe nicht festlegen mag: Zur Not mit oralem Valganciclovir anfangen und den Patienten in ein Zentrum mit mehr Erfahrung transportieren!</p>
<p style="text-align:justify;">Bei CD4-Zellen unter 100/µl ist die Chorioretinitis durch <em>Toxoplasma gondii</em> die wichtigste Differentialdiagnose. Bei CD4-Zellen über 100/µl ist eine CMV-Retinitis fast ausgeschlossen und andere virale Infektionen (HSV, VZV) oder auch eine Neurolues wahrscheinlicher. Mitunter werden CMV-Läsionen mit Cotton-Wool-Herden verwechselt, die bei hoher HI-Viruslast nicht selten sind. Viele kleine Herde ohne Blutungen oder Exsudate sind fast immer Cotton-Wool-Herde und so gut wie nie eine CMV-Retinitis. Auch beidseitiger Befall ist eher die Ausnahme. Eine Vitritis abseits eines Immunrekonstitutionssyndroms ist ebenfalls selten.</p>
<p style="text-align:justify;">CMV-Serologien (IgG fast immer positiv, IgM wechselnd) helfen diagnostisch nicht weiter. Eine CMV-PCR oder, wenn sie nicht vorhanden ist, die Bestimmung von pp65-Antigen im Blut, können dagegen wertvolle Hinweise geben: Eine CMV-Retinitis ist bei negativer PCR oder negativem pp65 unwahrscheinlich. Je höher die CMV-Virämie, desto höher ist das Risiko einer CMV-Erkrankung. Eine positive PCR erhöht das Mortalitätsrisiko 3-5-fach (Casado 1999, Nokta 2002) und ist mit einer ungünstigen Prognose assoziiert (Deayton 2004, Jabs 2005, Wohl 2005). Wie bei Toxoplasma gondii wird auch für CMV versucht, die antigenspezifische Immunantwort besser zu charakterisieren (Jacobsen 2004). Derartige Testverfahren sind derzeit jedoch noch nicht Routine.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;">Jede CMV-Therapie sollte zügig begonnen und sehr engmaschig funduskopisch überwacht werden (am Anfang einmal pro Woche, eine Fotodokumentation ist sinnvoll). Am Anfang steht eine zwei- bis dreiwöchige intensive Induktionstherapie, in der Regel mit Valganciclovir (siehe unten), bis die Läsionen vernarbt sind. HIV-Kliniker und Augenarzt sollten während dieser Induktionstherapie mindestens einmal pro Woche Kontakt halten. Auf die Induktionstherapie folgt eine dosisreduzierte Erhaltungstherapie.</p>
<p style="text-align:justify;">Alle Patienten sollten außerdem zügig, sofern noch nicht geschehen, mit ART beginnen. Die spezifische CMV-Immunantwort ist so restaurierbar (Komanduri 1998), so dass eine CMV-Virämie auch ohne spezifische Therapie nach einigen Wochen meist verschwindet (Deayton 1999, O’Sullivan 1999). Ohne Symptome würden wir eine isolierte CMV-Virämie zunächst nicht spezifisch behandeln. ART reicht in diesen Fällen meistens. Bei einer Retinitis ist das anders, da die Immunrekonstitution mehrere Monate auf sich warten lassen kann. Nur eine positive IgM-Serologie (ohne weitere Diagnostik oder Klinik) zu behandeln, ist nicht nur teuer, sondern meistens auch ein unnötiges Risiko.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Systemische Therapie</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Mittel der Wahl ist Valganciclovir, eine oral gut resorbierbare Prodrug von Ganciclovir. In einer randomisierten Studie war es genauso effektiv wie intravenöses Ganciclovir, allerdings auch genauso myelotoxisch (Martin 2002). Regelmäßige Blutbildkontrollen sind daher wichtig. Ganciclovir-Resistenzen sind bis heute selten (Martin 2007).</p>
<p style="text-align:justify;">Bei akut visus-bedrohenden Läsionen favorisieren viele Experten allerdings auch heute noch die intravenöse Therapie. Dabei kommt neben Ganciclovir intravenös auch Foscarnet in Frage, das auch zum Einsatz kommen sollte, wenn Valganciclovir nicht vertragen wird oder doch Ganciclovir-Resistenzen vorliegen. Foscarnet ist allerdings nephrotoxisch und kann sehr schmerzhafte Penisulzera verursachen. Eine intensive Hydratation ist notwendig. Für das gelegentlich noch eingesetzte Cidofovir gibt es keine vergleichenden Studien. Der Vorteil der langen Halbwertszeit (Gabe einmal pro Woche möglich) wird durch die erhebliche Nephrotoxizität aufgehoben (Plosker 1999). Wir sahen trotz Beachtung eines genauen Infusionsschematas (siehe <em>Medikamenten-Teil</em>) bei jedem zweiten Patienten Kreatinin-Anstiege.</p>
<p style="text-align:justify;">Neue Medikamente sind derzeit kaum in Sicht. Maribavir, die am weitesten entwickelte Substanz mit Wirkung auf Ganciclovir-resistente Viren, scheiterte unlängst in Phase III (Marty 2011, Snydman 2011). Monoklonale Antikörper (MSL-109) oder Substanzen wie Cyclopropavir oder BAY 38-4766 stehen erst am Anfang der klinischen Entwicklung.</p>
<p style="text-align:justify;">In einer Analyse dreier großer Studien hatten Patienten mit CMV-Retinitis 1990-1997 einen Überlebensvorteil durch die zusätzliche Gabe von G-CSF (Filgrastim). Vor allem bakterielle Infektionen wurden reduziert. Der Grund für den positiven Effekt blieb unklar. Zum jetzigen Zeitpunkt kann die Gabe von Filgrastim jedenfalls nicht allgemein empfohlen werden (Davidson 2002).</p>
<p><strong>Lokale Therapie</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Verschiedene Lokaltherapien sind bei der CMV-Retinitis getestet worden (Smith 1998). Obwohl ihre Anwendung durch erfahrene Ophthalmologen selten Komplikationen verursacht (Infektionen, Blutungen), bleiben doch einige Nachteile. So schützt die intravitreale, wöchentliche Injektion von Ganciclovir bzw. Foscarnet oder die Implantation von Pellets (Vitrasert<sup>®</sup>, Wechsel alle 6-9 Monate erforderlich) nicht vor einer Infektion am kontralateralen Auge oder extraokulären Manifestationen (Martin 1999). Dies gilt auch für Fomivirsen (Vitravene<sup>®</sup>), ein intravitreal zu injizierendes Antisense-Oligonukleotid, das auch bei multiresistenten CMV-Stämmen wirkt (Perry 1999). Lokaltherapien spielen heute, bedingt durch die Effekte von ART und Valganciclovir, kaum noch eine Rolle.</p>
<p style="text-align:justify;">
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="3" valign="top" width="444">
<h5><strong>Therapie/Prophylaxe der CMV-Retinitis </strong><br />
(soweit nicht anders angegeben, Tagesdosierungen)</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"><strong>Akuttherapie</strong></td>
<td valign="top" width="96">&nbsp;</td>
<td valign="top" width="264">Dauer: Immer mindestens drei Wochen</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Therapie der Wahl</td>
<td valign="top" width="96">Valganciclovir</td>
<td valign="top" width="264">Valcyte<sup>®</sup> 2 x 2 Tbl. à 450 mg (bei akut visusbedrohenden Läsionen eher intravenöse Alternativen wählen)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Alternative</td>
<td valign="top" width="96">Ganciclovir</td>
<td valign="top" width="264">Cymeven<sup>®</sup> 2 x 5 mg/kg i.v.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Alternative</td>
<td valign="top" width="96">Foscarnet</td>
<td valign="top" width="264">Foscavir<sup>®</sup> 2 x 90 mg/kg i.v.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Alternative</td>
<td valign="top" width="96">Ganciclovir +</p>
<p>Foscavir</td>
<td valign="top" width="264">Jeweils halbe Dosierungen wie oben</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="180"><strong>Erhaltungstherapie</strong></td>
<td valign="top" width="264">Absetzen ab &gt; 100-150 CD4-Zellen/µl &gt; 6 Monate</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Therapie der Wahl</td>
<td valign="top" width="96">Valganciclovir</td>
<td valign="top" width="264">Valcyte<sup>®</sup> 2 x 1 Tbl. à 450 mg</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Alternative</td>
<td valign="top" width="96">Foscarnet</td>
<td valign="top" width="264">Foscavir<sup>®</sup> 1 x 120 mg/kg i.v. an 5 Tagen/Woche</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Alternative</td>
<td valign="top" width="96">Cidofovir</td>
<td valign="top" width="264">Vistide<sup>®</sup> 1 x 5 mg/kg i.v. alle 14 Tage (plus Probenecid und Hydratation nach Plan, siehe auch Medikamententeil, Seite 699)</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="180"><strong>Primär-Prophylaxe</strong></td>
<td valign="top" width="264">Nicht empfohlen</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;">
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p style="text-align:justify;"><strong>Primärprophylaxe:</strong> In prospektiven Studien hat bislang keine Primärprophylaxe überzeugen können. Auch eine wirksame Impfung gibt es nicht. Die wichtigste Vorbeugung bei HIV-Patienten mit weniger als 200 CD4-Zellen/µl bleibt deshalb die dreimonatliche Funduskopie. Bei guter Immunrekonstitution können die Intervalle für die Augenarztbesuche durchaus ausgedehnt werden. Patienten mit schlechtem Immunstatus sollten vor ART-Beginn funduskopiert werden. Kleinere Läsionen, die sich dann im Zuge der Immunrekonstitution als sehr ausgeprägt inflammatorisch präsentieren können, werden so rechtzeitig entdeckt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Sekundärprophylaxe:</strong> Nach etwa drei Wochen Akuttherapie, frühestens aber bei der Vernarbung der Läsionen, sollte eine dosisreduzierte Sekundärprophylaxe (Erhaltungstherapie) beginnen, am besten mit oralem Valganciclovir (Lalezari 2002). Allerdings ist Valganciclovir nicht nur teuer (zwei Tabletten pro Tag kosten monatlich rund 2.000 Euro), sondern auch ebenso myelotoxisch wie Ganciclovir-Infusionen. Ein Absetzen der Sekundärprophylaxe so schnell wie möglich ist daher wünschenswert und praktikabel (Macdonald 1998, Tural 1998, Jouan 2001). Es ist nach den US-Richtlinien frühestens nach sechs Monaten Erhaltungstherapie und einer Immunrekonstitution auf über 100-150 CD4-Zellen/µl zu empfehlen. Wir haben Valganciclovir allerdings auch schon bei weniger CD4-Zellen/µl erfolgreich abgesetzt, sofern sowohl die HIV- als auch die CMV-PCR im Blut unter der Nachweisgrenze lagen. Eine Studie zeigte, dass das Absetzen nach 18 Monaten ART/Erhaltungstherapie schon ab 75 CD4-Zellen/µl sicher ist (Jouan 2001). Nach dem Absetzen sollten die Patienten in der ersten Zeit mindestens ein Mal pro Monat ophthalmologisch kontrolliert werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Die früher via Port, Pumpen und Pflegedienst lebenslangen täglichen Infusionen mit Ganciclovir oder Foscarnet sind damit zum Glück Geschichte. Sollten unter oralem Valganciclovir Rezidive auftreten, würden wir eine Re-Induktion und Erhaltungstherapie mit Foscarnet, evtl. auch mit Cidofovir empfehlen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Casado JL, Arrizabalaga J, Montes M, et al. Incidence and risk factors for developing cytomegalovirus retinitis in HIV-infected patients receiving protease inhibitor therapy. AIDS 1999, 13:1497-1502.</p>
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<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/cmv-retinitis/'>CMV-Retinitis</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/958/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/958/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/958/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/958/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/958/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/958/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/958/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/958/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/958/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/958/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/958/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/958/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/958/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/958/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=958&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Candidosen</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 11:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Candidosen]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Diagnostik der Candidosen]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der Candidosen]]></category>
		<category><![CDATA[Soor-Ösophagitis]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der Candidosen]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Candidosen sind Infektionen mit hefebildenden Pilzen. Von den bislang bekannten 150 Candida-Spezies machen nur etwa 20 krank. Der mit Abstand häufigste Stamm ist C. albicans. Stämme wie C. tropicalis, C. glabrata und C. krusei sind selten, &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/candidosen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=960&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Candidosen sind Infektionen mit hefebildenden Pilzen. Von den bislang bekannten 150 Candida-Spezies machen nur etwa 20 krank. Der mit Abstand häufigste Stamm ist <em>C. albicans</em>. Stämme wie <em>C. tropicalis</em>, <em>C. glabrata</em> und <em>C. krusei </em>sind selten, sprechen aber teilweise auf Azole schlechter an. Entgegen landläufiger Meinung sind Azol-Resistenzen bei Albicans-Stämmen bislang selten (Sanglard 2002).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Eine Candidose ist ein wichtiger Indikator einer Immunschwäche und tritt oft im Gefolge anderer OI auf &#8211; gerade bei Fieber, das nicht zu den klassischen Symptomen gehört, sollte man sehr wachsam sein. Candidosen sollten auch bei gutem Immunstatus Anlass sein, den Beginn einer ART zu erwägen. Die Soor-Ösophagitis ist AIDS-definierend. Bei gutem Immunstatus ist zu bedenken, dass es auch andere Gründe für einen Soor gibt – Alkoholismus und Steroidtherapie sind nur zwei von vielen. Neben der Candidose des Oropharynx und des Ösophagus sind bei Frauen Vaginitiden (die allerdings auch durchaus bei gesunden vorkommen) ein häufiges Problem. Candidämien kommen dagegen bei HIV-Infizierten, auch bei massiver Immunschwäche, nur selten vor.</p>
<h3>Klinik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Meist ist der Oropharynx betroffen. Geschmacksstörungen, bisweilen ein Brennen, dazu weißliche, abstreifbare Belege auf Wangenschleimhaut, Rachenring und Zunge erlauben die Blickdiagnose. Die Zunge alleine ist eher selten betroffen. Gelegentlich besteht eine atrophische Candidose mit nur geröteter Schleimhaut.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Soor-Ösophagitis tritt meistens mit oropharyngealer Beteiligung, in etwa 30 % aber auch ohne Mundsoor auf. Ein unauffälliger Rachen schliesst die Ösophagitis also nicht unbefingt aus. Sie macht sich oft durch Dysphagien (&#8220;das Essen rutscht nicht runter&#8221;) und retrosternale Schmerzen bemerkbar. Gelegentlich geben die Patienten auch Übelkeit an, Erbrechen tritt dagegen nur selten auf.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Im Rachenraum genügt die Blickdiagnose. Ein Abstrich ist meist nicht erforderlich, die Bestimmung von Antikörpern oder Antigen im Serum fast immer überflüssig. Auch die Typisierung mit Kultur oder gar eine Resistenzbestimmung (cave Labor-Unsicherheiten!) verursachen nur unnötige Kosten und machen erst Sinn, wenn ein Therapieversuch mit jeweils Fluconazol und Itraconazol fehlgeschlagen ist.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die orale Candidose ist nicht mit einer oralen Haarleukoplakie (OHL) zu verwechseln. Diese weisslichen, haarigen Beläge an den seitlichen Zungenrändern sind im Gegensatz zur Candidose nicht abstreifbar. Die OHL wird nicht durch Mykosen, sondern durch EBV induziert und ist, wenn auch harmlos und selbst nicht therapiebedürftig, eine wichtige Marker-Erkrankung für HIV.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Auch die Soor-Ösophagitis kann meist klinisch diagnostiziert werden. Dysphagie, retrosternale Schmerzen und ein Mundsoor machen sie sehr wahrscheinlich. Eine empirische Fluconazol-Therapie spart Kosten (Wilcox 1996). Eine Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) wird erst notwendig, wenn die Beschwerden unter Fluconazol persistieren. Um in diesen Fällen eine Fluconazol-refraktäre Soor-Ösophagitis von einer Herpes- oder CMV-Ösophagitis abzugrenzen, sollten dann immer Proben entnommen werden.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei noch gutem Immunstatus und einer ersten Episode kann man es zunächst topisch mit Suspensionen oder Lutschtabletten (Nystatin, Amphomoronal) versuchen. Diese sind jedoch meist nicht besonders angenehm, eine systemische Therapie ist zudem effektiver und schützt länger vor Rezidiven (Pons 1997).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Fluconazol ist Mittel der Wahl, beim Mundsoor reicht eine einwöchige orale Therapie (Sangeorzan 1994), evtl. sogar die Einmalgabe von 750 mg (Hamza 2008). Wenn der Soor dann persistiert, sollte ein Abstrich gemacht und die Fluconazol-Dosis in einem zweiten Versuch auf bis zu 800 mg erhöht werden. Bei einer Soor-Ösophagitis sollte gleich 14 Tage behandelt werden. Erst bei erneutem Fehlversuch und bei Nachweis von Non-Albicans-Stämmen sollte man Itraconazol versuchen, das in rund zwei Drittel der Fälle noch wirkt (Saag 1999). Itraconazol-Suspension ist so gut wirksam wie Fluconazol (Graybill 1998), allerdings durch unzuverlässige Plasmaspiegel und zahlreiche Interaktionen belastet. Itraconazol wird deshalb von uns nicht primär eingesetzt.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In den letzten Jahren wurden viele neue Antimykotika entwickelt. Sie sollten jedoch nur bei offensichtlicher Fluconazol-Resistenz eingesetzt werden. Es gibt keinen Beweis für die Überlegenheit eines speziellen Antimykotikums (Pienaar 2006). Voriconazol dürfte in etwa so effektiv sein wie Fluconazol, wird jedoch möglicherweise nicht so gut vertragen (Ruhnke 1997, Ally 2001). Auch Posaconazol ist in etwa so effektiv wie Fluconazol (Vaszquez 2006). Diese neuen Azole kommen wie auch Amphotericin B vor allem für multi-azolresistente Mykosen in Betracht.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Eine neue Alternative sind schleimhautadhäsive Miconazol-Tabletten (Loramyc<sup><span style="font-family:'(Asiatische Schriftart verwende', serif;" lang="DE">®</span></sup>), die kürzlich auch in Deutschland zugelassen wurden (Lalla 2011). Auch bei HIV-Patienten mit oraler Candidiasis scheinen die Daten gut zu sein, allerdings gibt es keine Studie zum Vergleich mit Fluconazol (Vazquez 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Auch die neue antimykotische Klasse der Echinocandine ist gegen die meisten Candida-Stämme wirksam. Substanzen wie Caspofungin, Micafungin oder Anidulafungin haben sich als effektiv erwiesen (Keating 2001, Villanueva 2001, Arathoon 2002, de Wet 2004, Reboli 2007). Echinocandine, die nur intravenös gegeben werden können, waren in randomisierten Studien bei Soor-Ösophagitiden oder invasiven Candidosen so wirksam und verträglich wie Fluconazol (Villanueva 2001, de Wet 2004, Reboli 2007). Angesichts der umständlichen Applikation ist ihr Einsatz jedoch auf Azol-resistente Stämme beschränkt.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei Vorliegen einer Mykose, spätestens aber bei Resistenzproblemen, sollte eine ART begonnen werden, da bei ausreichender Immunrekonstitution in der Regel auch multiresistente Stämme verschwinden (Ruhnke 2000).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Ein Überlebensvorteil konnte bislang für keine Candida-Prophylaxe gezeigt werden (McKinsey 1999, Rex 2000, Goldman 2005). In der größten randomisierten Studie reduzierte eine Dauer-Prophylaxe allerdings sowohl Mundsoor-Episoden als auch invasive Candidosen (Goldman 2005). Die Hypothese, wonach durch eine Dauertherapie resistente Non-Albicans-Stämme selektiert werden (Vazquez 2001), wurde übrigens in dieser Studie nicht bestätigt. Azolresistente Candidosen waren jedenfalls im Dauertherapie-Arm nicht häufiger. Aber: Jedem immunsupprimierten Patienten sollte bei jeder Vorstellung in den Mund geguckt werden!</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Der Patient sollte angehalten werden, seine Zahnbürste oft zu wechseln und etwaige Zahnprothesen sorgfältig zu reinigen. Auch desinfizierende Mundspüllösungen mit Chlorhexidine 0,12% 1-2 x tgl. können sinnvoll sein.</p>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:351pt;padding:0 3.5pt;" colspan="3" valign="top" width="468">
<h5 class="Tabellenkopf" style="page-break-after:avoid;">Therapie/Prophylaxe der Candidosen (Tagesdosierungen)</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Akuttherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:1in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96"></td>
<td style="width:3in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Dauer: 5-10 Tage</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">In leichten Fällen</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Topisch</p>
</td>
<td style="width:3in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;" lang="DE">z.B. Ampho-Moronal</span><sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup><span style="color:black;" lang="DE"> Lutschtabletten 4 x 1 oder</span></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;" lang="EN-GB">Nystaderm</span><sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup><span style="color:black;" lang="EN-GB"> Suspension 4 x 1 ml (4 x 1 Pip) </span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Therapie der Wahl</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Fluconazol</p>
</td>
<td style="width:3in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;" lang="DE">Diflucan</span><sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup><span style="color:black;" lang="DE"> oder </span>Fluconazol CT/Stada<span style="color:black;"> 1 x 1 Kps à 100 mg bei oraler Candidose</span></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;" lang="DE">Diflucan</span><sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup><span style="color:black;" lang="DE"> oder </span>Fluconazol CT/Stada<span style="color:black;"> 1 x 1 Kps à 200 mg bei Soor-Ösophagitis</span></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;" lang="DE">(jeweils am ersten Tag doppelte Dosis) </span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternative</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Itraconazol</p>
</td>
<td style="width:3in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;" lang="PT-BR">Sempera</span><sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup><span style="color:black;" lang="PT-BR"> 2 x 1-2 Kps. à 100 mg oder</span></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;">Sempera liquid</span><sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup><span style="color:black;"> 2 x 10-20 ml (1 ml = 10 mg) </span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Prophylaxe</strong></p>
</td>
<td style="width:1in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96"></td>
<td style="width:3in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Nicht empfohlen</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur<br />
</strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Ally R, Schurmann D, Kreisel W, et al. A randomized, double-blind, double-dummy, multicenter trial of voriconazole and fluconazole in the treatment of esophageal candidiasis in immunocompromised patients. Clin Infect Dis 2001, 33:1447-54.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Arathoon EG, Gotuzzo E, Noriega LM, et al. Randomized, double-blind, multicenter study of caspofungin versus amphotericin B for treatment of oropharyngeal and esophageal candidiases. Antimicrob Agents Chemother 2002, 46:451-7.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">de Wet N, Llanos-Cuentas A, Suleiman J, et al. A randomized, double-blind, parallel-group, dose-response study of micafungin compared with fluconazole for the treatment of esophageal candidiasis in HIV-positive patients. Clin Infect Dis 2004, 39:842-9.</p>
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<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Keating GM, Jarvis B. Caspofungin. Drugs 2001, 61:1121-9; discussion 1130-1.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Lalla RV, Bensadoun RJ. Miconazole mucoadhesive tablet for oropharyngeal candidiasis. Expert Rev Anti Infect Ther 2011, 9:13-7.</p>
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<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Vazquez JA, Patton LL, Epstein JB, et al. Randomized, comparative, double-blind, double-dummy, multicenter trial of miconazole buccal tablet and clotrimazole troches for the treatment of oropharyngeal candidiasis: study of miconazole Lauriad® efficacy and safety (SMiLES). HIV Clin Trials 2010, 11:186-96.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Villanueva A, Arathoon EG, Gotuzzo E, et al. A randomized double-blind study of caspofungin versus amphotericin for the treatment of candidal esophagitis. Clin Infect Dis 2001, 33:1529-35.</p>
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<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/candidosen/'>Candidosen</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/960/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/960/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/960/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/960/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/960/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/960/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/960/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/960/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/960/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/960/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/960/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/960/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/960/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/960/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=960&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Tuberkulose</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:50:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Tuberkulose]]></category>
		<category><![CDATA[Antituberkulöse Medikamente]]></category>
		<category><![CDATA[ART und Therapie der Tuberkulose]]></category>
		<category><![CDATA[Diagnose der Tuberkulose bei HIV-Infizierten]]></category>
		<category><![CDATA[HIV und Tuberkulose]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der Tuberkulose]]></category>
		<category><![CDATA[Tuberkuloseerkrankungen bei HIV-Infektion]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Herzmann, Christoph Lange - Gut 12 % Prozent aller Tuberkuloseerkrankungen weltweit treten bei Menschen mit einer HIV-Infektion auf, in manchen afrikanischen Ländern sind es sogar bis zu 80 % (UNAIDS 2010, WHO 2010a). Die Tuberkulose ist damit global &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/tuberkulose/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=964&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">- Christian Herzmann, Christoph Lange -</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Gut 12 % Prozent aller Tuberkuloseerkrankungen weltweit treten bei Menschen mit einer HIV-Infektion auf, in manchen afrikanischen Ländern sind es sogar bis zu 80 % (UNAIDS 2010, WHO 2010a). Die Tuberkulose ist damit global die bedeutendste opportunistische Erkrankung bei HIV-Infizierten.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Während die Tuberkulosefälle in Deutschland seit Jahren zurückgehen (5,5 pro 100.000 Einwohner in 2008), finden sich deutlich höhere und teilweise steigende Fallzahlen in Osteuropa. Russland und die Ukraine wiesen im Vergleich zu Deutschland 2008 die 21-fache Inzidenz auf (WHO 2009). Die Zunahme ist dabei eng mit der HIV-Epidemie verbunden (Corbett 2003, Abbildung 1).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><a href="http://hivbuch.files.wordpress.com/2012/02/11_tuberkulose-abb-11.jpg"><img class="alignnone  wp-image-966" title="11_Tuberkulose Abb.1" src="http://hivbuch.files.wordpress.com/2012/02/11_tuberkulose-abb-11.jpg?w=495&h=300" alt="" width="495" height="300" /></a></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;" align="left"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Abbildung 1: HIV-Prävalenz (%) bei neu diagnostizierten Tuberkulosefällen (WHO 2009)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Beunruhigend ist, dass die Immunschwäche auch die Verbreitung multiresistenter Stämme fördert (Dubrovina 2008). Die weitaus meisten multiresistenten Tuberkulosefälle treten in Russland, China und Indien auf. Von multiresistenter oder MDR-Tuberkulose (engl. multi-drug resistant) spricht man beim Nachweis einer Resistenz gegen Isoniazid und Rifampicin. Obwohl die offiziell gemeldeten MDR-Fälle zuletzt geringfügig rückläufig waren (2007: 30.000; 2008: 29.000), lässt sich derzeit nicht abschätzen, welchen Verlauf die MDR-Tuberkuloseepidemie nehmen wird  (WHO 2009+2010b).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In Ländern mit funktionierenden ART-Programmen kam es trotz steigender HIV-Prävalenz zu einer kontinuierlichen Abnahme der Tuberkuloseinzidenz. Gerade in Hochprävalenzländern kann also durch eine frühe ART die Inzidenz der HIV-assoziierten Tuberkulose deutlich reduziert werden (Nahid 2006, Severe 2010, Williams 2010).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Interaktionen von HIV und Tuberkulose</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">HIV und Tuberkulose fördern sich gegenseitig. In Ländern mit niedriger HIV-Prävalenz ist das relative TB-Risiko für HIV-Infizierte 36,7 mal höher als für HIV-negative; bei hoher HIV-Prävalenz ist es immer noch 20,6 mal erhöht (Getahun 2010). Nach HIV-Serokonversion TB-Hochinzidenzländern kann sich das TB-Risiko in bereits im ersten Jahr verdoppeln (Sonnenberg 2005). Tuberkulose war in einer ugandischen Studie für mehr als die Hälfte der Todesfälle hospitalisierter HIV-Patienten ursächlich (Kyeyune 2010). Auch bei verfügbarer Therapie bleibt die Mortalität erhöht. In den USA lag die Gesamtmortalität unter Tuberkulosetherapie 2006 bei 9 %, bei gleichzeitiger HIV-Infektion jedoch bei 20 % (CDC 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Andererseits fördert die Tuberkulose den Progress der Immundefizienz (Toossi 2003), und auch nach erfolgreicher Therapie im frühen Stadium der HIV-Infektion bleiben Morbidität und Mortalität im Vergleich zu HIV-Patienten ohne Tuberkulose deutlich erhöht (Whalen 2000, Manas 2004, Glynn 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Während andere opportunistischen Infektionen einschließlich aller übrigen Mykobakteriosen meist in fortgeschrittenen Stadien der HIV-Infektion auftreten, kann eine Tuberkulose unabhängig von der CD4-Zellzahl auftreten (Ackah 1995). Mehr als 50 % der pulmonalen Tuberkulosen treten bei Patienten mit mehr als 200 CD4-Zellen/µl auf. Die Inzidenz steigt aber mit fortgeschrittenem Immundefekt (Wood 2000, Van Rie 2010). Welche Faktoren zum Ausbruch einer latenten Tuberkulose führen, ist bislang nicht geklärt.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei den Reaktivierungen latenter MTB-Infektionen in frühen Stadien der HIV-Infektion handelt es sich meist um klassische pulmonale Verlaufsformen mit den Symptomen Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß. Insgesamt finden sich jedoch extrapulmonale Verlaufsformen häufiger (40-80 %) als bei HIV-negativen Personen (ca. 10-20 %) (Chaisson 1987).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><strong>Pulmonale TB: </strong>Typisch bei Patienten mit mehr als 200 CD4-Zellen/µl sind infiltrative, oberlappen-betonte Herde mit Hohlraumbildungen analog zum Krankheitsbild bei HIV-seronegativen Patienten. Im Sputum sind häufig säurefeste Stäbchen nachweisbar. Mit fortschreitender Immundefizienz treten vermehrt atypische pulmonale Verlaufsformen ohne Kavernenbildung oder tuberkuloide Pleuritiden auf (siehe Tafeln am Ende des Buches). Bronchopulmonale Symptome wie Husten und Hämoptysen sind dann seltener. Bei fortgeschrittener Immundefizienz sind die typischen Granulome in histopathologischen Untersuchungen des Gewebes nicht zu finden, da zur Granulombildung CD4-Zellen notwendig sind (Nambuya 1988). Mit zunehmender Immundefizienz treten durch hämatogene und lymphatische Verbreitung der Bakterien auch miliare (Elliott 1993) sowie rein extrapulmonale Verlaufsformen auf (Kingkaew 2009).</p>
<p class="MsoBodyText" style="text-align:justify;"><strong><span style="font-size:10pt;" lang="DE">Extrapulmonale TB:</span></strong><span style="font-size:10pt;" lang="DE"> Die extrapulmonale Tuberkulose tritt vor allem bei CD4-Zellzahlen unter 200/µl auf. Die häufigste Form ist die (meist zervikal auftretende) Lymphknotentuberkulose (siehe Tafeln). Die betroffenen Lymphknoten sind oft derb und kaum druckdolent. Abszesse und Fisteln sind häufig. Oft werden die Lymphknotenschwellungen von Allgemeinsymptomen begleitet. Die Diagnose einer tuberkulösen Meningitis ist wegen der oft unspezifischen Prodromalsymptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen häufig schwierig zu stellen. Mit meningealen Symptomen treten gleichzeitig subfebrile Temperaturen auf. Da in der Regel die basalen Hirnhäute betroffen sind, kann es zu Ausfällen der Hirnnerven kommen, vor allem des N. oculomotorius und des N. abducens. Es können Mono-, Hemi- oder Paraparesen und epileptische Anfälle vorkommen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei fiebernden Patienten mit abdominalen Schmerzen und Aszites muss eine Peritonealtuberkulose differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei einer Miliartuberkulose sieht man im Röntgen-Thorax eine an Hirsekörner (Milium effusum = Hirse) erinnernde noduläre Zeichnungsvermehrung (siehe Tafeln). Die miliare TB ist radiologisch nicht von einer pulmonalen Kryptokokkose (selten in Deutschland) zu unterscheiden. Oft sind radiologische Veränderungen auch an den Meningen, der Leber und der Milz darstellbar. Auch die Nebennieren (Morbus Addison! &#8211; Nachweis durch Synacthen<sup>®</sup>-Test) können beteiligt sein.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Weitere Formen der extrapulmonalen Tuberkulose sind: Perikarditis, osteoartikuläre TB, urogenitale TB oder Haut TB. Praktisch jedes Organ kann von einer Tuberkulose betroffen sein.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnose</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die WHO empfiehlt bei HIV-Infizierten in TB-Hochinzidenzländern das „3I’s“-Schema, um die Epidemie einzudämmen: die intensivierte aktive Suche nach TB-Patienten bei vorliegender HIV-Infektion, Infektionsschutz bei offener Tuberkulose und Isoniazid-Prophylaxe (Granich 2010, Kranzer 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In Deutschland besteht nach dem Infektionsschutzgesetz eine Meldepflicht innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Behandlung.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Stufendiagnostik unterscheidet sich bei HIV-infizierten Patienten nicht vom üblichen Vorgehen (Lange 2004). Die Diagnose wird klinisch, mikrobiologisch, immunologisch und radiologisch gestellt. Differentialdiagnostisch ist die TB, also die Infektion mit <em>Mycobacterium tuberculosis</em>-Komplex (<em>M. tuberculosis, M. africanum, M. bovis, M. canetti, M. microti</em> oder <em>M. pinnipedii </em>– MTB), insbesondere von nicht tuberkulösen Mykobakteriosen, Lymphomen, malignen Erkrankungen, einer Kryptokokkose und der Sarkoidose abzugrenzen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die radiologischen Veränderungen sind oft unspezifisch und können sehr variieren, andere pneumologische Krankheitsbilder imitieren oder ganz fehlen. Je schwerer der Immundefekt, desto weniger pathologische Veränderungen lassen sich im konventionellen Röntgenthorax darstellen (Chamie 2010). In einer ugandischen Studie hatten TB-Patienten mit weniger als 50 CD4-Zellen/µl in über 50 % ein unauffälliges Röntgenbild, bei über 500 CD4-Zellen/µl jedoch nur in 2 %. Klassische Befunde sind unscharf abgegrenzte Lungeninfiltrationen mit kavernösen Einschmelzungen vor allem in den Oberlappen, bilaterale Infiltrate, Kalzifikationen durch alte abgeheilte Läsionen, alte narbig-fibrotische Lungenveränderungen mit streifigen Indurationen und zirrhotische Kranialraffung der Hili; bei Miliartuberkulose ferner feinfleckige, disseminierte (miliare) Lungeninfiltrationen. Bei fortgeschrittenem Immundefekt kann frühzeitig ein Pleuraerguss auch ohne pulmonale Infiltrate auftreten, aus dem sich häufiger MTB isolieren lässt als beim HIV-Negativen. Wir empfehlen bei allen unsicheren Befunden ein CT-Thorax vor Beginn einer Therapie. Ein Röntgen-Thorax sollte auch bei Verdacht auf eine extrapulmonale TB angefertigt werden, da häufig gleichzeitig eine Lungen-TB besteht. Ergänzend sollte sonographisch nach intraabdominalen Abszessen, Darmwandverdickungen und Aszites gesucht werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei klinischem Verdacht auf eine Lungentuberkulose werden wenigstens drei morgendliche Sputumproben von verschiedenen Tagen untersucht. Ist es dem Patienten nicht möglich, Sputum zu produzieren, kann man mittels Inhalation hypertoner Kochsalzlösung die Sputumproduktion provozieren. Die Untersuchung von Magensaft ist bei verfügbarer Bronchoskopie nicht mehr indiziert. Die Proben werden nach Ziehl-Neelsen (ZN)-Färbung mikroskopisch auf säurefeste Stäbchen untersucht und auf Mykobakterienkultur angelegt. Eine Abgrenzung zu nicht-tuberkulösen Mykobakterien ist mikroskopisch nicht möglich. Die Differenzialdiagnose umfasst zudem Nocardien und Rhodokokken (selten). Die Sensitivität der Fluoreszenzmikroskopie (49 %) ist der konventionellen Lichtmikroskopie (38 %) überlegen (Cattamanchi 2009). Auch die Spezifität der Sputummikroskopie ist gering. Bei etwa 50 % der Patienten mit kulturellem Nachweis von MTB im Sputum oder Bronchialsekret sind auch in drei an verschiedenen Tagen gewonnenen Sputumproben keine säurefesten Stäbchen nachweisbar – für den Nachweis müssen mindestens 5.000-10.000 Mykobakterien/ml vorhanden sein. Bei HIV-Patienten mit schwerem Immundefekt ist die Wahrscheinlichkeit einer positiven Sputumprobe vermindert (Chamie 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei fehlendem mikroskopischen Erregernachweis ist in der Regel eine Lungenspiegelung indiziert. Bronchoskopisch gewonnenes Sekret ist zwar induziertem Sputum zur Diagnose einer Tuberkulose bei HIV-infizierten Personen nicht überlegen (Conde 2000), bei mikroskopisch-negativen Befunden ist die Bronchoskopie aber zur Differentialdiagnose unerlässlich (Narayanswami 2003). Außerdem kann die histologische Bewertung von transbronchialen Biopsien dazu beitragen, die Diagnose einer TB durch den Nachweis von verkäsenden Granulomen/Riesenzellen oder säurefester Stäbchen zu erhärten. Nach der Bronchoskopie sollte am Folgetag erneut Sputum untersucht werden, da diese Proben häufig den Nachweis säurefester Stäbchen erbringen, selbst wenn die Bronchiallavage negativ ist.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Für die Diagnose einer extrapulmonalen TB sollten je nach Lokalisation biologische Proben gewonnen werden, z. B. Heparinblut, Urin (drei morgendliche Proben), Liquor, Pleura-, Peritoneal- und Perikardflüssigkeiten. Auch Biopsien von Lymphknoten, Pleura, Peritoneum, Synovia, Perikard etc. kommen in Frage. Der Goldstandard ist der kulturelle Nachweis von Tuberkulosebakterien in Flüssigmedien (ca. 2-4 Wochen) oder Festmedien (ca. 3-5 Wochen). Bei fehlendem mikroskopischem Nachweis von säurefesten Stäbchen wird eine Probe erst nach 6-8 Wochen als kulturell negativ gewertet. Nicht-tuberkulöse Mykobakterien wachsen oft sehr viel schneller und werden in spezialisierten Laboratorien in der Regel innerhalb von 2 Wochen diagnostiziert. Ein Resistenztest ist bei kulturellem Nachweis von MTB immer erforderlich.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Daneben gibt es Testsysteme, mit deren Hilfe Mykobakterien-Nukleinsäure innerhalb kurzer Zeit identifiziert werden können (z. B. PCR). Mit der MTB-PCR können in Sputumproben, in denen mikroskopisch säurefeste Stäbchen beobachtet wurden, Tuberkulosebakterien mit einer Sensitivität von über 95 % nachgewiesen werden. In mikroskopisch negativen Proben sinkt die Sensitivität der PCR aber auf 40–77 % (Barnes 1997). Die PCR eignet sich vor allem zur raschen Differenzierung gegenüber nicht-tuberkulösen Mykobakterien. Mit modernen Verfahren (z.B. Xpert MTB/RIF) lassen sich Resistenzmutationen innerhalb weniger Stunden nachweisen (Boehme 2010). Bei der extrapulmonalen TB wie z. B. bei der TB-Meningitis, bei der eine schnelle Diagnose notwendig ist, aber auch bei der pleuralen, abdominalen oder urogenitalen TB ist die PCR eine sinnvolle Ergänzung. Sie sollte insbesondere bei der TB-Meningitis Teil der Erstdiagnostik sein und kann evtl. durch den unten beschriebenen Elispot (T-Spot.TB) ergänzt werden (Patel 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Biopsien sollten für die PCR nicht in Formalin, sondern in „HOPE“ (Hepes-glutamic acid buffer mediated organic solvent protection effect) fixiert werden (Olert 2001). Da mit der Nukleinsäureamplifikation eine Reihe falsch-negativer und selten auch falsch-positive Befunde erhoben werden, ist das PCR-Ergebnis immer kritisch zu interpretieren.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Ein positiver Tuberkulin-Hauttest (THT) kann einen früheren Kontakt mit MTB anzeigen. Die Reaktion wird durch regulatorische T-Zellen im Blut unterdrückt und fällt bei HIV-Patienten mit niedrigen zirkulierenden CD4-Zellen und vermehrter Immunaktivierung häufig negativ aus (Sarrazin 2009). So genannte IGRAs (interferon-γ release assays), die <em>M. tuberculosis</em>-spezifische T-Lymphozyten nachweisen, sind dem Tuberkulin-Haut-Test auch bei HIV-seropositiven Personen in der Diagnose latenter TB-Infektionen überlegen (Chapman 2002, Pai 2004, Ferrara 2006, Rangaka 2007b, Jones 2007, Luetkemeyer 2007).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Dazu zählen der QuantiFERON-TB-Gold (in tube) Test (ELISA) und der T-SPOT™ TB-Test (ELISPOT). Letzterer ist bei pulmonaler und extrapulmonaler Tuberkulose vom CD4-Status des Patienten unabhängig (Rangaka 2007a, Hammond 2008, Stephan 2008, Kim 2009, Chen 2010, Leidl 2010). Drei Studien zeigten eine etwas größere Sensitivität des ELISPOTs (Lawn 2007, Mandalakas 2008, Komiya 2010). Spezifität und Sensitivität können möglicherweise noch verbessert werden, wenn das Ergebnis in Relation zur CD4-Zellzahl des Patienten gesetzt wird (Oni 2010). Diese vorläufigen Ergebnisse sind allerdings insbesondere in Ländern mit niedriger TB-Inzidenz mit Vorsicht zu interpretieren (Talati 2009). Als Screeningmethode zur Diagnose einer aktiven Erkrankung sind IGRAs nicht geeignet (Cattamanchi 2010, Chen 2010).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Trotz Immundefizienz kann die unkomplizierte Tuberkulose bei den meisten HIV-Patienten mit einer Standardtherapie über 6 Monate erfolgreich behandelt werden. Die Medikamente der ersten Wahl sind Rifampicin, Isoniazid, Ethambutol, Pyrazinamid und Streptomycin. Isoniazid und Rifampicin sind am potentesten. Streptomycin kann nur intramuskulär oder intravenös verabreicht werden und wird daher nur noch bei Kontraindikationen gegen die vier anderen Medikamente, bei Resistenzen oder bei Unverträglichkeiten verwendet.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Um Resistenzen zu vermeiden, sollte eine aktive TB anfänglich immer mit einer Vierfachkombination behandelt werden. Standard ist die zunächst zweimonatige Gabe von Rifampicin, Isoniazid, Ethambutol und Pyrazinamid, gefolgt von mindestens vier Monaten Rifampicin und Isoniazid. Um einer peripheren Polyneuropathie vorzubeugen, muss Isoniazid mit Vitamin B6 (Pyridoxin) kombiniert werden, beide Substanzen sind in fixer Kombination erhältlich. Mit Kombinationspräparaten wie Rifampicin/Isoniazid (Rifinah<sup>®</sup>) bzw. Rifampicin/Isoniazid/Pyrazinamid (Rifater<sup>®</sup>) lassen sich Tabletten sparen. Die tägliche Gabe ist wichtig; eine intermittierende Therapie erhöht die Rate an Therapieversagen (Weiner 2005, Li 2005). Die Dauer der Infektiosität nach begonnener antituberkulösen Therapie hängt vom Ausmaß der pulmonalen Herde ab. Auch unter Therapie muss das Sputum regelmäßig (anfangs wöchentlich) untersucht werden. Wenn mikroskopisch wiederholt keine säurefesten Stäbchen mehr nachweisbar sind, ist die Ansteckungsgefahr gering. Meist lassen sich aber noch über einige Wochen nach der mikroskopischen Sputumnegativierung Tuberkulosebakterien aus dem Sputum anzüchten. Die Dauer bis zur Sputumnegativierung bzw. Kulturnegativierung unterscheidet sich bei HIV-Patienten nicht von der bei HIV-negativen Patienten (Bliven 2010, Senkoro 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei Nachweis säurefester Stäbchen im Sputum sollte der Patient in jedem Fall stationär behandelt und isoliert werden. Die Isolation sollte so lange aufrecht erhalten werden, bis wiederholt (an drei verschiedenen Tagen) ZN-negativer Sputen vorhanden sind (oder bis zum Nachweis anderer säurefester Erreger). Patienten mit multiresistenter Tuberkulose werden in unserer Klinik bis zur kulturellen Sputumnegativierung stationär behandelt. Verbindliche Richtlinien für die Dauer der Isolation existieren aber nicht. Für die stationäre Versorgung eignen sich besonders spezielle Infektionsstationen mit Unterdruckräumen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Auch nach Negativierung der Kulturen sind monatliche Sputumuntersuchungen bis zum Ende der Therapie ratsam. Rezidive treten vor allem bei fehlender Compliance, zu kurzer Therapiedauer oder Resistenzen auf (Korenromp 2003). Individuell kann daher eine Verlängerung der Therapie auf neun oder mehr Monate notwendig werden. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Sputumkulturen nach zwei Monaten Therapie noch positiv sind. Rezidive nach erfolgreicher Therapie treten bei HIV-Patienten häufiger auf (Sonnenberg 2001). Eine kanadische Metaanalyse beschrieb eine höhere Rückfallquote, wenn Rifampicin bzw. Rifabutin nicht mindestens 8 Monate gegeben wurden (Khan 2010). Dies sollte in weiteren Studien validiert werden. Wenn anfangs keine Standardtherapie verwendet wurde, sollte immer mindestens neun Monate behandelt werden.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Unerwünschte Wirkungen</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Unerwünschte Wirkungen sind ein häufiges Problem der antituberkulösen Therapie (siehe Tabelle 1). Überdies treten schwere (Grad III/IV) Nebenwirkungen bei HIV-Patienten deutlich häufiger auf als bei HIV-negativen Patienten (in einer Studie 40 % versus 26 %), allerdings wird die Therapie nicht häufiger abgebrochen (Breen 2006). Vor und während der Behandlung sind bei Ethambutol die Kontrolle des Farbsehens mit standardisierten Farbtafeln und bei Streptomycin audiometrische Kontrollen notwendig. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz müssen die Dosen von Ethambutol und Pyrazinamid angepasst werden. Bei Lebererkrankungen oder einer medikamentös induzierten Hepatitis ist zu beachten, dass Isoniazid, Rifampicin und Pyrazinamid Leberschäden hervorrufen können. Alternativ ist eine Therapie mit Ethambutol, Streptomycin und Reservemedikamenten wie Ofloxacin oder Moxifloxazin, Cycloserin und ggf. Linezolid möglich. Eine solche Behandlung, die sich nicht von der Behandlung der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) unterscheidet, sollte in einem erfahrenen Zentrum eingeleitet werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Unter antituberkulotischer Therapie sollten Blutbild, Leberwerte und Kreatinin anfangs wöchentlich, später in zwei- bis vierwöchentlichen Abständen kontrolliert werden. Unter Pyrazinamid kommt es regelmäßig zu einer Erhöhung der Harnsäure im Serum. Bei Arthralgien ist dann eine zusätzliche Therapie mit Allopurinol und je nach Symptomatik mit nichtsteroidalen Antiphlogistika indiziert. Allerdings können Arthralgien auch durch Rifampicin oder Rifabutin hervorgerufen werden.</p>
<h5>Tabelle 1: Antituberkulöse Medikamente</h5>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.75pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<thead>
<tr>
<td style="width:78pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Medikament</strong></p>
<p>&nbsp;</td>
<td style="width:76.95pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Dosierung<br />
Tagesdosis</strong></p>
</td>
<td style="width:91.2pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Unerwünschte<br />
Wirkungen</strong></p>
</td>
<td style="width:91.2pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Interaktionen /<br />
Bemerkungen</strong></p>
</td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rifampicin (RMP)</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Eremfat<sup>®</sup>, Rifa<sup>®</sup><br />
Rifater<sup>®</sup></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">10 mg / kg</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">also:</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">&gt; 50 kg: 600 mg</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">&lt; 50 kg: 450 mg</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">(max. 600 mg/d)</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Leberwerterhöhung, cholestatischer Ikterus, toxische Hepatitis, Allergien, Fieber, gastrointestinale Sympto-me, Rotfärbung von Körperflüssigkeiten, Thrombopenie</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Zahlreiche Interaktionen, reduziert die Wirksamkeit oraler Kontrazeption.</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Cave Kombination mit PI, NNRTI, Maraviroc, Integrasehemmern</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Leberwertkontrollen</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Rifabutin (RB)</p>
<p class="Tabelle">Mycobutin<sup>® </sup></p>
<p class="Tabelle">
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">300 &#8211; 450 mg/d</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Rotfärbung von Körperflüssigkeiten, Uveitis, Myelotoxizität, Leberwerterhöhung, Arthralgien, gastrointestinale Symptome</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Bei Kombination mit geboosterten PIs Dosis auf 3 x 150 mg/Woche reduzieren (halbieren bei NFV, erhöhen bei EFV). Leberwerte!</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Isoniazid (INH)</p>
<p class="Tabelle">Isozid<sup>® </sup>, Isozid comp<sup>®</sup></p>
<p class="Tabelle">
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">5 mg/kg (maximal 300 mg/d)</p>
<p class="Tabelle">Immer Gabe von Vitamin B6!</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">PNP, Hepatitis, Leber-werterhöhung, Psycho-sen, ZNS-Symptome, Krampfanfälle</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Cave D4T, DDI, Alkohol, Leberschäden</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Ethambutol (EMB)</p>
<p class="Tabelle">Myambutol<sup>®</sup></p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">40-55 kg: 800 mg/d</p>
<p class="Tabelle">56-75 kg:1,2 g/d</p>
<p class="Tabelle">76-90 kg:1,6 g/d</p>
<p class="Tabelle">
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Neuritis nervi optici, Hyperurikämie,</p>
<p class="Tabelle">periphere Neuropathie (selten)</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Augenarzt-Kontrollen! Kontraindiziert bei Opti-kusläsionen, Antazida vermindern Resorption</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Pyrazinamid (PZA)</p>
<p class="Tabelle">Pyrafat<sup>®</sup></p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">ca. 30 mg/kg</p>
<p class="Tabelle">
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Hyperurikämie, Arthral-gien, Hepatitis, Leber-werterhöhung, gastro-intestinale Symptome</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">evtl. wegen Erhöhung der Harnsäure Gabe von Allopurinol,</p>
<p class="Tabelle">Leberwertkontrolle</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Streptomycin (SM)</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Streptomycin<sup>®</sup></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">i.v./i.m.</p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">0,75 &#8211; 1 g</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Kumulative Maxi-maldosis 50 g</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">&gt; 50 kg: 1 g</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">&lt; 50 kg: 0,75 g</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ototoxizität, Störung des N. vestibularis, Nephrotoxizität, Allergien, Schwindel,<br />
Hautreaktion, Blutbildveränderungen</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Audiometrie, Kumulativdosis beachten! Kontrolle der Nierenwerte. Nicht in der Schwangerschaft</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Amikacin</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">i.v./i.m.</p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">1 g</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Kumulative Maximaldosis 50 g!</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Hör- und Vestibularis-schäden</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Audiometrie, Kontrolle der Nierenwerte. Nicht in der Schwangerschaft</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Capreomycin</p>
<p class="Tabelle">Capastat<sup>®</sup></p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">15 – 30 mg/kg (maximal 1 g)</p>
<p class="Tabelle">Kumulative  Maximaldosis 50 g</p>
<p class="Tabelle">&gt; 50 kg: 1 g</p>
<p class="Tabelle">&lt; 50 kg: 0,75 g</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Nephrotoxizität, Pseudo-Schwartz-Bartter-Syndrom, Ototoxizität</p>
<p class="Tabelle">
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Audiometrie, Kumula-tivdosis beachten, Kontrolle der Nierenwerte. Nicht in der Schwangerschaft</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Prothionamid (PTH)</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Peteha<sup>®</sup></p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">0,75 g &#8211; 1 g</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:4pt;page-break-after:avoid;">ZNS-Symptome, Leberschäden, gastrointestinale Beschwerden</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Dosis einschleichen; Kontrolle der Leberwerte</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Moxifloxacin (MOX)</p>
<p class="Tabelle">Actimax<sup>®</sup>, Avalox<sup>® </sup></p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">1 x 400 mg</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">GI-Beschwerden, Hal-luzinationen, Schwindel, Kopfschmerzen</span></p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">bislang kaum Resistenzen</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Levofloxacin</p>
<p class="Tabelle">Tavanic<sup>®</sup></p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">500 -1000 mg</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Gastrointestinale Beschwerden, ZNS-Stö-rungen, Achillessehnenruptur (selten)</span></p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Für Kinder nicht zugelassen, bei Erwachsenen Moxifloxacin bevorzugen</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Ciprofloxacin (CFL)</p>
<p class="Tabelle">Ciprobay<sup>® </sup></p>
<p class="Tabelle">
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">2 x 500 mg oder</p>
<p class="Tabelle">1 x 750 mg</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Gastrointestinale Beschwerden, ZNS-Stö-rungen, Achillessehnenruptur (selten)</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Für Kinder nicht zugelassen, bei Erwachsenen Moxifloxacin bevorzugen</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Cycloserin</p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">10 – 15 mg/kg (maximal 1000 mg)</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">ZNS-Störungen, Angst-störungen, Verwirrtheit, Kopfschmerzen</p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Verstärkt ZNS-NW von INH und PTH, meist in den ersten 2 Wochen. Kontraindiziert bei Epilepsie.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:78pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle">Linezolid</p>
<p class="Tabelle">Zyvoxid<sup>®</sup></p>
</td>
<td style="width:76.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="103">
<p class="Tabelle">1 x 600 mg</p>
<p class="Tabelle">
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Anämie, Thrombozyto-penie, ZNS-Störungen, Polyneuropathie (PNP)</span></p>
</td>
<td style="width:91.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="122">
<p class="Tabelle">Keine randomisierten Studien, häufige unerwünschte Arzneimittelreaktionen (v.a. Anämie, PNP), sehr teuer</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Schwere Nebenwirkungen sollten stationär behandelt werden. Treten bei Streptomycin ein Hörverlust, bei Ethambutol Sehveränderungen und bei Rifampicin Nierenversagen, Schock oder Thrombozytopenie auf, ist eine Reexposition kontraindiziert. Die Therapie muss dann mit anderen Medikamenten fortgeführt werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei einer toxischen Hepatitis sollte die Therapie bis zum Rückgang des Ikterus und der Leberwerte ausgesetzt werden. Oft ist es möglich, die Behandlung mit dem auslösenden Medikament – meist Isoniazid, Rifampicin oder Pyrazinamid – einschleichend wieder zu beginnen, ohne dass es erneut zu einer Hepatitis kommt.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Wenn alle Medikamente abgesetzt wurden und die Symptome rückläufig sind, sollten die Substanzen einzeln wieder eingeführt werden. Man beginnt mit den Substanzen, die am wenigsten als Auslöser in Frage kommen. Weiterhin ist es sinnvoll, mit einer kleinen Dosis zu starten (Tabelle 2), diese dann zu erhöhen und nach drei Tagen eine weitere Substanz hinzuzufügen. Als letztes sollte die am wahrscheinlichsten für die Reaktion in Betracht kommende Substanz angesetzt werden. Ist Pyrazinamid, Ethambutol oder Streptomycin für die Reaktion am ehesten verantwortlich, sollte die Therapie ohne diese Substanzen fortgeführt werden. In solchen Fällen ist es in der Regel notwendig, die Therapiedauer zu verlängern.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.75pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:337.35pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;padding:0 3.75pt;" colspan="4" valign="top" width="450">
<h5 class="Tabelle" style="margin-bottom:4pt;page-break-after:avoid;">Tabelle 2: Wiederbeginn einer antituberkulösen Therapie nach unerwünschten Wirkungen</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:84.3pt;border-right:medium none;border-color:black 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Medikament</strong></p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-right:medium none;border-color:black 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Tag 1</strong></p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-right:medium none;border-color:black 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Tag 2</strong></p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-right:medium none;border-color:black 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Tag 3</strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:84.3pt;border-right:medium none;border-color:black 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">INH</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-right:medium none;border-color:black 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">50 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-right:medium none;border-color:black 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">300 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-right:medium none;border-color:black 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">300 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:84.3pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rifampicin</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">75 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">300 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Standarddosis</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:84.3pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Pyrazinamid</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">250 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">1 g</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Standarddosis</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:84.3pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ethambutol</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">100 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">500 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Standarddosis</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:84.3pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Streptomycin</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">125 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">500 mg</p>
</td>
<td style="width:84.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.75pt;" valign="top" width="112">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Standarddosis</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3 style="text-align:justify;">ART und Therapie der Tuberkulose</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Durch ART werden Morbidität und Mortalität bei HIV-infizierten Patienten mit Tuberkulose deutlich gesenkt (Dheda 2004). Bei HIV/MTB-koinfizierten Patienten konnten mit einer sechsmonatigen TBC-Standardtherapie vergleichbare Erfolge erzielt werden wie bei HIV-negativen Patienten (Burman 2001, Hung 2003).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Obwohl eine große retrospektive und eine große offen-randomisierte Studie einen Überlebensvorteil unter synchroner antiretroviraler und antituberkulöser Therapie zeigten, ist dies in der Praxis aufgrund von Wechselwirkungen und Nebenwirkungen oft problematisch (Velasco 2009, Abdool Karim 2010). Bei tuberkulöser Meningitis sind Nebenwirkungen in den ersten zwei Monaten häufiger, wenn die antiretrovirale und die antituberkulöse Therapie zeitgleich begonnen werden. Hier kann die ART zwei Monate verzögert initiiert werden, ohne dass eine erhöhte Mortalität zu beobachten ist (Torok 2009). Bei anderen Tuberkuloseformen entwickeln 25-60 % der Patienten innerhalb von drei Monaten nach Beginn der ART ein Immunrekonstitutionssyndrom bzw. IRIS (Michailidis 2005). Die Kriterien zur Diagnose des TB-IRIS wurden 2008 vereinheitlicht (Meintjes 2008). Zusammenfassend sind klassische Symptome einer Tuberkulose (Fieber, Lymphadenopathie, pulmonale Infiltrate, neurologische Auffälligkeiten, Serositis) erforderlich. Ist zudem eine vorbehandelte Tuberkulose bekannt, spricht man von einem „paradoxen“ TB-assoziierten IRIS. Patienten mit CD4-Zellen unter 100/μl, raschem CD4-Anstieg in den ersten Monaten und Patienten mit disseminierter TB sind häufiger von einem IRIS betroffen. Ursächlich ist eine überschießende Immunantwort von T-Helferzell-1 (TH-1) gegen mykobakterielle Antigene (Bourgarit 2006). Die Rolle der involvierten Cytokine und Chemokine ist noch nicht eindeutig geklärt (Oliver 2010).  Eine südafrikanische Studie zu TB-IRIS konnte eine schnellere klinische und radiologische Besserung durch Gabe von Prednisolon (1,5 mg/kg über 2 Wochen, dann 0,5 mg/kg über 2 Wochen) zeigen (Meinjes 2010). Die Datenlage ist jedoch zu spärlich, um allgemeingültige Empfehlungen auszusprechen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Daneben erschweren Adhärenzprobleme durch die hohe Zahl unterschiedlicher Präparate sowie Arzneimittelinteraktionen die gleichzeitige Therapie von HIV und MTB. Sowohl Rifampicin als auch PIs werden über das Cytochrom P450-3A metabolisiert. Eine gleichzeitige Behandlung wird daher weder bei Erwachsenen noch bei Kindern empfohlen (EACS 2009, OARAC 2009, Zanoni 2011) (Tabelle 3). Unter Rifampicin sollte zudem die übliche einschleichende Dosierung von Nevirapin vermieden werden, da hier oft zu niedrige Wirkspiegel erreicht werden (Lamorde 2010). Nevirapin sollte aufgrund der Interaktionen ohnehin nur bei fehlenden Alternativen eingesetzt werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Empfohlen werden als Erstlinientherapie Tenofovir, FTC plus Efavirenz (Dosis ab einem Körpergewicht 60 kg auf 800 mg täglich erhöhen) in Kombination mit Rifampicin-basierten TB-Regimen. Für Rifampicin ist dann keine Dosisanpassung erforderlich. Alternativ kann Efavirenz (ohne Dosisanpassung) mit Rifabutin (Dosis auf 450 mg täglich erhöhen) gegeben werden (EACS 2009). Ausschließliche NRTI-Kombinationen wie AZT, Abacavir, 3TC ± Tenofovir sind suboptimal und stellen nur bei niedrig virämischen Patienten eine Option zur Überbrückung dar, bis die tuberkulostatische Therapie abgeschlossen ist. Rifabutin kann als schwächerer Enzym-Induktor mit PIs kombiniert werden, allerdings müssen dabei Dosisanpassungen vorgenommen werden (Tabelle 4).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Über die Kombination von Rifamycinen mit neuen Medikamenten wie Darunavir, Etravirin oder Maraviroc liegen bisher nur wenige klinische Daten vor. Aufgrund der starken Induktion von Cytochrom P450-3A sollten Pis und Etravirin vermieden und Maraviroc nur unter engmaschiger Überwachung gegeben werden. Rifampicin, nicht aber Rifabutin induziert zudem das Enzym UGT1A1, das über eine vermehrte Glukoronidierung die Plasmaspiegel von Raltegravir senkt (Wenning 2009, Brainard 2010).</p>
<h5 class="MsoNormal" style="page-break-after:avoid;text-align:justify;"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Tabelle 3: Dosisanpassungen bei Kombination ART/Rifampicin (CDC 2007a, OARAC 2009).</span></h5>
<table class="MsoNormalTable" style="border-collapse:collapse;" width="495" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:60.2pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="80">
<p class="MsoNormal" style="margin-top:1pt;page-break-after:avoid;"><strong><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Medikament</span></strong></p>
</td>
<td style="width:106.35pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="142">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Dosisanpassung der anti-retroviralen Medikamente</strong></p>
</td>
<td style="width:76.05pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="101">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Rifampicin-Dosis</strong></p>
</td>
<td style="width:86.95pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="116">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Kommentar</strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="80">
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Efavirenz</span></p>
</td>
<td style="width:106.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="142">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">600 mg  (800 mg bei Patienten &gt; 60 kg)</p>
</td>
<td style="width:76.05pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="101">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">keine Dosisanpassung</p>
</td>
<td style="width:86.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="116"></td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="80">
<p class="MsoNormal" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Nevirapin</span></p>
</td>
<td style="width:269.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="4" valign="top" width="359">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Nicht gemeinsam geben</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="80">
<p class="MsoNormal" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Etravirin</span></p>
</td>
<td style="width:269.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="4" valign="top" width="359">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Nicht gemeinsam geben</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="80">
<p class="MsoNormal" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Enfuvirtide</span></p>
</td>
<td style="width:106.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="142">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Keine Dosisanpassung</p>
</td>
<td style="width:77.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Keine Dosisanpassung</p>
</td>
<td style="width:85.05pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="113"></td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="80">
<p class="MsoNormal" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Maraviroc </span></p>
</td>
<td style="width:106.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="142">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">600 mg alle 12 h</p>
</td>
<td style="width:77.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">keine Dosisanpassung</p>
</td>
<td style="width:85.05pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="113"></td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="80">
<p class="MsoNormal" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="IT">Raltegravir </span></p>
</td>
<td style="width:106.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="142">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">800 mg alle 12 h</p>
</td>
<td style="width:77.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="104">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">keine Dosisanpassung</p>
</td>
<td style="width:85.05pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="113">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">RAL-Talspiegel sinkt um 61%. Spiegelkontrollen wenn möglich</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.2pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="80">
<p class="MsoNormal" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="IT">NRTIs</span></p>
</td>
<td style="width:106.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="142">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">keine Dosisanpassung</p>
</td>
<td style="width:76.05pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="101">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">keine Dosisanpassung</p>
</td>
<td style="width:86.95pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="116">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Reine NRTI-Kombina-tion nicht empfohlen</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="80"></td>
<td width="142"></td>
<td width="101"></td>
<td width="3"></td>
<td width="113"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Behandlung der Tuberkulose hat in jedem Fall Vorrang. Bei CD4-Zellen unter 100/µl sollte die ART so schnell wie möglich begonnen werden (EACS 2009, Dean 2002). Aufgrund der sich potenzierenden, klinisch kaum auseinander zu haltenden Nebenwirkungen sollte aber auch bei diesen Patienten zumindest in den ersten 14 Tagen der Tuberkulosetherapie noch mit ART gewartet werden. Der ART-Beginn ist nur bei guter Verträglichkeit der TB-Medikation zu empfehlen. Bei 100-350 CD4-Zellen/µl kann meist zwei Monate bis zur Vereinfachung der TB-Therapie gewartet werden. Bei höheren Helferzellzahlen ist der optimale Beginn einer ART nicht gesichert, die aktuellen WHO-Richtlinien empfehlen jedoch eine ART unabhängig von der CD4-Zellzahl (EACS 2009, UNAIDS 2010). Es gibt zudem Hinweise aus einer großen randomisierten Studie, dass die Mortalität bei Patienten mit 200-500 CD4-Zellen/µl möglicherweise geringer ist, wenn die ART noch während der Tuberkulosetherapie eingeleitet wird (Abdool Karim 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">HIV-infizierte Patienten, die bereits mit einer erfolgreichen ART behandelt werden und an einer Tuberkulose erkranken, sollten diese fortsetzen und eventuell modifizieren (Dean 2002).</p>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:337.35pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="4" valign="top" width="450">
<h5 class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Tabelle 4: Dosisanpassungen bei Kombination von ART/Rifabutin (modif. nach CDC 2007a)</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:109.4pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="146">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong> </strong></p>
</td>
<td style="width:103.25pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="138">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Dosisanpassung ART</strong></p>
</td>
<td style="width:124.7pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="166">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Rifabutin-Dosis</strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:99.25pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="132">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;color:black;" lang="DE">Geboosterte PIs (LPV/r, FPV/r, DRV/r, SQV/r, ATV/r)</span></p>
</td>
<td style="width:113.4pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="151">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;color:black;" lang="DE">Keine </span></p>
</td>
<td style="width:124.7pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="166">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">150 mg alle 2 Tage oder                150 mg 3 x/ Woche</span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:99.25pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="132">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Efavirenz</span></p>
</td>
<td style="width:113.4pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="151">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Keine</span></p>
</td>
<td style="width:124.7pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="166">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">450 mg/d </span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:99.25pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="132">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Nevirapin</span></p>
</td>
<td style="width:113.4pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="151">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Keine </span></p>
</td>
<td style="width:124.7pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="166">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Keine, aber Cave Hepatotoxizität</span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:99.25pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="132">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Etravirin</span></p>
</td>
<td style="width:238.1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="3" valign="top" width="317">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Nicht gemeinsam geben</span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:99.25pt;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="132">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Maraviroc</span></p>
</td>
<td style="width:113.4pt;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="151">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Abhängig von begleitender ART!</span></p>
</td>
<td style="width:124.7pt;border-color:black 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="166">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Standarddosis</span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:99.25pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="132">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Raltegravir</span></p>
</td>
<td style="width:113.4pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="151">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">keine</span></p>
</td>
<td style="width:124.7pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="166">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Standarddosis</span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:99.25pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="132">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">NRTIs</span></p>
</td>
<td style="width:113.4pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="151">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Keine</span></p>
</td>
<td style="width:124.7pt;border-color:0 0 black;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="166">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="font-size:7pt;" lang="DE">Standarddosis</span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="132"></td>
<td width="14"></td>
<td width="138"></td>
<td width="166"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h5 class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:8pt;font-family:Arial, sans-serif;" lang="DE">Ungeboosterte PIs sind wegen unsicherer Spiegel und mangels Daten nicht zu empfehlen</span></h5>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Patienten mit fortgeschrittenem Immundefekt haben insbesondere in Ländern mit hoher TB-Prävalenz trotz ART ein hohes TBC-Risiko (Lawn 2005, Bonnet 2006). Trotz numerischer Rekonstitution der CD4-Zellen ist die funktionelle Rekonstitution des T-Helferzellpools unvollständig, wenn eine erst in fortgeschrittenen Stadien mit ART begonnen wird (Lange 2003, Sutherland 2006).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Der wichtigste Faktor für den Erfolg der TB-Therapie ist die Adhärenz. Bei Non-Adhärenz drohen Resistenzen und Rezidive sowie die Weiterverbreitung der TB. Die WHO empfiehlt für alle Patienten eine kontrollierte Einnahme der Therapie unter direkter Aufsicht des betreuenden Personals (DOT – directly observed therapy). Die DOT ist auch in Deutschland bei bestimmten Risikogruppen sinnvoll – zum Beispiel bei Drogenabhängigkeit. Bei Substitution mit Methadon kann durch die Enzyminduktion eine Dosiserhöhung von Methadon notwendig werden.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie der latenten Tuberkuloseinfektion</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Patienten mit latenter Tuberkuloseinfektion (LTBI) werden durch einen positiven Tuberkulin-Hauttest oder durch eine positive Reaktion im IGRA definiert. Eine aktive Tuberkulose-Erkrankung muss ausgeschlossen sein. Es wird davon ausgegangen, dass diese Personen mit Mykobakterien infiziert sind, die jedoch durch die Aktivität des Immunsystems höchstens minimale metabolische Aktivität zeigen und somit unter Kontrolle gehalten werden. Ob diese Annahme korrekt ist, ist allerdings unklar (Lawn 2011). Diese Patienten sind nicht infektiös.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">HIV-Infizierte mit einer LTBI haben ein erhöhtes Risiko, an einer aktiven TB zu erkranken (Aichelburg 2009). In einer kenianischen Studie war bei zudem vorliegender Schwangerschaft das Erkrankungsrisiko um das 4,5-fache erhöht. Schwangere mit weniger als 250 CD4-Zellen hatten selbst ein 3,5-fach erhöhtes Sterberisiko, ihre Neugeborene ein 3-faches Risiko für eine aktive Tuberkulose (Jonnalagadda 2010). Nach den Leitlinien der CDC (CDC 2007b) sollten HIV-Infizierte mit einem Tuberkulin-Hauttest größer als 5 mm (dies gilt wahrscheinlich auch für Patienten mit einem positiven IGRA, allerdings fehlen dazu bislang Studien) eine Behandlung mit Isoniazid über neun Monate erhalten. Alternativ kann Rifampicin über vier Monate gegeben werden. Vor Beginn einer präventiven Chemotherapie muss eine aktive Tuberkulose sicher ausgeschlossen sein (WHO 2010c). Die zweimonatige Therapie mit Rifampicin und Pyrazinamid wird aufgrund der wesentlich höheren Toxizität (teilweise tödliche Leberschäden) nicht mehr empfohlen (CDC 2007a, Woldehanna 2004). ART-naive Patienten mit negativem<strong> </strong>Tuberkulin-Hauttest profitieren hingegen weder von einer Therapie der latenten Tuberkulose (Bucher 1999) noch von einer Sekundärprophylaxe nach bereits durchgemachter Tuberkulose (Churchyard 2003). In diesen Fällen hat die Chemoprophylaxe auch keinen Einfluss auf die Gesamtmortalität (Woldehanna 2004).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die WHO empfiehlt jedoch in Entwicklungsländern in jedem Fall eine präventive Isoniazid-Gabe, wenn kein Hauttest verfügbar ist, sowie eine Fortführung der INH-Prophylaxe für 6-36 Monate nach Abschluss der Tuberkulosetherapie (WHO 2010c).  In Ländern mit hoher TBC-Inzidenz senkt eine sechsmonatige, primärpräventive Isoniazid-Gabe an alle HIV-infizierten Personen die TBC-Inzidenz (Granich 2010). Eine ältere Studie zeigte eine Abnahme von 11,9 auf 9,0/100 Personenjahre (Grant 2005), in einer neueren sank die Inzidenz von 11,1 auf 3,7/100 Personenjahre (Charalambous 2010). Es ist jedoch fraglich, wie lange die protektive Wirkung nach Absetzen der Prophylaxe fortbesteht (Samandari 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In Ländern mit niedriger TB-Inzidenz kann durch eine präventive Chemotherapie bei latent infizierten HIV-Patienten die Inzidenz der Tuberkulose deutlich reduziert werden (Elzi 2007), allerdings sind die Fallzahlen hier klein und die Akzeptanz der präventiven Chemotherapie ist häufig nicht vorhanden. Für eine effektive Kontrolle der Tuberkulose in dieser Population sind aber bessere diagnostische Verfahren als der Tuberkulin-Hauttest oder IGRAs notwendig.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In Deutschland sollten immunsupprimierte Patienten mit positivem Tuberkulin-Hauttest oder positivem IGRA über neun Monate (besser sogar 12 Monate) mit INH (+ Pyridoxin) behandelt werden.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Antibiotikaresistente TB</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Trotz fallender Inzidenz in Deutschland insgesamt ist der Anteil mehrfach- und multiresistenter Mykobakterien (MDR-Tuberkulose Multiresistenz = INH und Rifampicin resistent) angestiegen. Unter den 2006 gemeldeten Tuberkulosepatienten zeigten 2,2 % eine Multiresistenz (2004: 2,5 %), davon waren knapp 5 % HIV-infiziert (Eker 2008). 90 % der hiesigen MDR-Tuberkulosen traten bei Migranten aus der Russischen Föderation auf. Dort liegt die Rate der INH-resistenten Stämme bei fast 50 %, die der multiresistenten Stämme bei 21 % (WHO 2009). Neben den multiresistenten Tuberkulose-Stämmen (MDR) traten 2010 in mindestens 58 Ländern extensiv resistente Stämme (XDR) auf (WHO 2010b). Dies sind MDR-Tuberkelbakterien mit zusätzlichen Resistenzen gegenüber Fluorochinolonen und einer der injizierbaren Substanzen Amikacin, Capreomycin oder Kanamycin. Die Inzidenz der XDR-Tuberkulosen in Deutschland liegt unter 1 %, eine Assoziation mit HIV wurde bisher nicht beobachtet (Eker 2008, Lange 2008).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Frühe Berichte über fast hundertprozentige Mortalitätsraten konnten in einer Metaanalyse nicht bestätigt werden (Gandhi 2006), allerdings liegen XDR-assoziierte Mortalitätsraten in Südafrika bei 36-83 % (Gandhi 2010, Dheda 2010). In Südafrika wird trotz guter Therapieadhärenz eine zunehmende Verbreitung resistenter Tuberkulose registriert (Calver 2010, Cox 2010). Unter individuell optimierter Therapie, die gegebenenfalls auch thoraxchirurgische Interventionen einschließt, können bis zu zwei Drittel der Erkrankten erfolgreich behandelt werden (Sotgiu 2009). Allerdings gibt es nur wenig Daten zur prognostisch schlechteren Koinfektion mit HIV und XDR-TB.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Evidenz-basierte Empfehlungen zur Wahl einer präventiven Chemotherapie der Tuberkulose für Kontaktpersonen von Patienten mit einer M/XDR-TB existieren aktuell nicht.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Angesichts der zunehmenden Resistenzen wird auch die Auswahl der richtigen Medikamente problematischer. Aufgrund der schwierigen Therapie und der schlechten Prognose sollten Patienten mit einer multiresistenten TB in spezialisierten Zentren behandelt werden. Sie sollten nicht entlassen werden, bevor mehrfach negative Sputumkulturen gewonnen wurden. Auch sind die gesundheitsamtliche Meldung und die Betreuung von Kontaktpersonen von besonderer Bedeutung.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">(Telefonische Beratung: Tuberkulosezentrum Borstel 04537 1880)</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Abdool Karim SS, Naidoo K, Grobler A, et al. Timing of initiation of antiretroviral drugs during tuberculosis therapy. N Engl J Med 2010, 362:697-706.</p>
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<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/tuberkulose/'>Tuberkulose</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/964/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/964/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/964/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/964/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/964/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/964/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/964/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/964/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/964/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/964/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/964/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/964/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/964/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/964/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=964&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Herpes zoster</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:40:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Herpes Zoster]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Herpes zoster]]></category>
		<category><![CDATA[Herpes zoster bei HIV-Patienten]]></category>
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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Ein Zoster ist die Reaktivierung einer früheren Infektion mit Varizellen (Windpocken), die lebenslang in den Spinalganglien persistieren. Herpes zoster-Episoden werden bei HIV-Patienten schon bei relativ gutem Immunstatus beobachtet. Typisch ist der Zoster im Rahmen eines IRIS, nach begonnener &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/herpes-zoster/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=985&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Ein Zoster ist die Reaktivierung einer früheren Infektion mit Varizellen (Windpocken), die lebenslang in den Spinalganglien persistieren. Herpes zoster-Episoden werden bei HIV-Patienten schon bei relativ gutem Immunstatus beobachtet. Typisch ist der Zoster im Rahmen eines IRIS, nach begonnener ART (Martinez 1998). Die Patienten sind dann oft kaum davon zu überzeugen, dass der Zoster nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen ist. Mit zunehmender Immunschwäche neigt der Zoster zur Generalisation. Neben dem bloßen Befall von einem oder mehreren Dermatomen kommen auch gefährliche Beteiligungen von Auge (bei Befall des Trigeminusastes N. ophthalmicus &#8220;Zoster ophthalmicus&#8221; mit Beteiligung der Cornea) und Ohr (&#8220;Zoster oticus&#8221;) vor. Gefürchtet ist der Befall der Retina mit einer nekrotisierenden Zoster-Retinitis. Zu den neurologischen Komplikationen zählen außerdem eine Meningo-Enzephalitis, Myelitiden, aber auch der Befall anderer Hirnnerven als des Trigeminus (Brown 2001).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p style="text-align:justify;">Oft bestehen Prodromi mit Kopfschmerzen, Krankheitsgefühl und Photophobie, die nur selten von Fieber begleitet sind. An den erkrankten Stellen besteht oft zunächst nur eine Überempfindlichkeit, die innerhalb weniger Stunden bzw. Tage in Juckreiz und/oder Schmerzen übergeht. Die Schmerzen können den Effloreszenzen einige Tage vorausgehen. Diese zeigen sich häufig als segmentale (immer einseitige!) Rötung mit herpetiformen Bläschen im Bereich eines oder mehrerer Dermatome. Die Läsionen sind ulzerierend, oft auch hämorrhagisch, und trocknen allmählich ein. Sie sollten trocken und sauber gehalten werden, um bakterielle Superinfektionen zu verhindern. Insbesondere bei Befall mehrerer Dermatome bleiben in etwa 20 % unangenehme Schmerzsyndrome zurück. Von einer solchen Zosterneuralgie ist auszugehen, wenn die Schmerzen über einen Monat persistieren (Gnann 2002).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p style="text-align:justify;">Bei kutanem Befall reicht meist die Blickdiagnose. Bei untypischer Lokalisation (Extremitäten!) und komplizierten Fällen kann die Diagnose jedoch verkannt werden. Wer dann nicht ganz sicher ist, kann einen Abstrich aus einem Bläschen in einer Viruskultur ins Labor schicken. Ein Immunfluoreszenz-Assay ist vermutlich zuverlässiger. Eine VZV-Enzephalitis ist nur über Liquor-Diagnostik bzw. PCR nachzuweisen. Bei einseitigen, perakut auftretenden Hörstörungen sollte an einen Zoster oticus gedacht werden, der von außen nicht unbedingt erkennbar ist – entweder selber ins Ohr gucken oder einen HNO-Arzt konsultieren! Für Visusstörungen gilt das gleiche wie bei der CMV-Retinitis – zügig zum Augenarzt!</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;">Ein monosegmentaler Zoster kann ambulant mit oralem Aciclovir therapiert werden. Wichtig ist ein schneller Beginn. Eine systemische Therapie ist immer erforderlich, und die Dosierungen sind höher als bei HSV. Ein &#8220;Besprechen der Gürtelrose&#8221; ist erlaubt, aber nur mit gleichzeitigen Virustatika. Das Eintrocknen der Läsionen beschleunigt eine Zinkschüttelmixtur, die zugleich den Schmerz lindert. Dabei Handschuhe anziehen! Anfänglich sind die Läsionen hochinfektiös, und ungeimpfte Personen ohne Windpocken-Anamnese, insbesondere Schwangere, haben an einem Herpes zoster nichts zu suchen.</p>
<p style="text-align:justify;">Mit Analgetika (Novalminsulfon, Tramadol) sollte nicht gespart werden. Jeder komplizierte, multisegmentale oder faziale Zoster ist ein Fall für die intravenöse Therapie, die mit einem Pflegedienst auch gut ambulant geleistet werden kann.</p>
<p style="text-align:justify;">Wie bei HSV gibt es mit Valaciclovir, Famciclovir und Brivudin Alternativen zu Aciclovir. Bei HIV-negativen Patienten sollen Zoster-Neuralgien durch diese Substanzen seltener auftreten als unter Aciclovir (Gnann 2002), allerdings ist dies einer kürzlichen Cochrane-Analyse zufolge nicht eindeutig (Li 2009). Valaciclovir, Famciclovir und Brivudin sind jedoch bislang an HIV-Patienten kaum getestet worden, bei Immunsupprimierten nicht zugelassen und um bis zu 120 €/Woche erheblich teurer. Aciclovir-Resistenzen kommen vor, sind aber selten (Gershon 2001, Saint-Leger 2001). In diesen Fällen kann mit Foscarnet behandelt werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Therapie von Zosterneuralgien ist schwierig. Carbamazepin oder Gabapentin helfen nur partiell, Steroide sind nicht sinnvoll (Gnann 2002). Seit 2007 sind in Europa Lidocainpflaster (Versatis<sup>®</sup>) zugelassen, die auf die schmerzende Stelle geklebt werden. Aufgrund möglicher lokaler Hautreizungen sollten die Läsionen abgeheilt sein. Die Wirkung tritt oft erst nach Tagen ein (Garnock-Jones 2009).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Varizellen-Impfung, früher kontraindiziert, scheint bei mehr als 400 CD4-Zellen/μl sicher und effektiv zu sein (Gershon 2001, Weinberg 2010). Sie sollte bei negativer VZV-Serologie erwogen werden. Bei negativer Serologie und Varizellen-Exposition (hochinfektiös!) kann in Einzelfällen Hyperimmunglobulin (2 mg/kg i.v.) gegeben werden. Eine Dauer-Primärprophylaxe ist meist nicht sinnvoll, eine niedrig dosierte Dauertherapie kann bei hartnäckigen Rezidiven erwogen werden.</p>
<h5 style="text-align:justify;">Therapie/Prophylaxe der VZV-Infektion (Tagesdosierungen)</h5>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:60.7pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="81">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Akuttherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:56.3pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="75"></td>
<td style="width:220.35pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="294">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;">Dauer: Mindestens 7 Tage</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.7pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="81">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">1. Wahl</p>
</td>
<td style="width:56.3pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="75">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Aciclovir</p>
</td>
<td style="width:220.35pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="294">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Aciclostad<span style="font-family:Arial, sans-serif !msorm;"><sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup></span> 5 x 1 Tbl. à 800 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.7pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="81">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Schwere Fälle</p>
</td>
<td style="width:56.3pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="75"></td>
<td style="width:220.35pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="294">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Aciclovir ratiopharm p.i.<span style="font-family:Arial, sans-serif !msorm;"><sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">® </span></sup></span>3 x 1-2 Amp. à       500 mg (3 x 10 mg/kg) i.v.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.7pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="81">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternativen</p>
</td>
<td style="width:56.3pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="75">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Valaciclovir</p>
</td>
<td style="width:220.35pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="294">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Valtrex<span style="font-family:Arial, sans-serif !msorm;"><sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">® </span></sup></span>3 x 2 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.7pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="81">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternativen</p>
</td>
<td style="width:56.3pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="75">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Famciclovir</p>
</td>
<td style="width:220.35pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="294">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Famvir<span style="font-family:Arial, sans-serif !msorm;"><sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">® </span></sup></span>3 x 2 Tbl. à 250 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.7pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="81">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternativen</p>
</td>
<td style="width:56.3pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="75">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Brivudin</p>
</td>
<td style="width:220.35pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="294">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Zostex<span style="font-family:Arial, sans-serif !msorm;"><sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup></span> 1 x 1 Tbl. à 125 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:60.7pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="81">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Prophylaxe</strong></p>
</td>
<td style="width:56.3pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="75"></td>
<td style="width:220.35pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="294">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Nicht empfohlen</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Brown M, Scarborough M, Brink N, Manji H, Miller R. Varicella zoster virus-associated neurological disease in HIV-infected patients. Int J STD AIDS 2001, 12:79-83.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Garnock-Jones KP, Keating GM. Lidocaine 5% medicated plaster: a review of its use in postherpetic neuralgia. Drugs 2009, 69:2149-65.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Gershon AA. Prevention and treatment of VZV infections in patients with HIV. Herpes 2001, 8:32-6.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Gnann JW Jr, Whitley RJ. Clinical practice. Herpes zoster. N Engl J Med 2002, 347:340-6.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Li Q, Chen N, Yang J, et al. Antiviral treatment for preventing postherpetic neuralgia. Cochrane Database Syst Rev 2009, 2: CD006866.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Martinez E, Gatell J, Moran Y, et al. High incidence of herpes zoster in patients with AIDS soon after therapy with protease inhibitors. Clin Infect Dis 1998, 27:1510-3.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Saint-Leger E, Caumes E, Breton G, et al. Clinical and virologic characterization of acyclovir-resistant varicella-zoster viruses isolated from 11 patients with AIDS. Clin Infect Dis 2001, 33:2061-7.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Weinberg A, Levin MJ, Macgregor RR. Safety and immunogenicity of a live attenuated varicella vaccine in VZV-seropositive HIV-infected adults. Hum Vaccin 2010, 6:318-21.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/herpes-zoster-11-opportunistische-infektionen-oi/'>Herpes Zoster</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/985/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/985/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/985/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/985/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/985/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/985/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/985/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/985/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/985/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/985/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/985/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/985/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/985/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/985/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=985&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Herpes simplex</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/herpes-simplex/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:38:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Herpes simplex]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Herpes simplex-Infektionen bei HIV-Patienten]]></category>
		<category><![CDATA[HIV und Herpes simplex]]></category>
		<category><![CDATA[HSV-1]]></category>
		<category><![CDATA[HSV-2]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der HSV-Infektion]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der HSV-Infektion]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Herpes simplex-Infektionen sind ein häufiges Problem bei HIV-Patienten, und vor allem bei deutlichem Immundefekt (unter 100 CD4-Zellen/µl) sind chronische Verläufe möglich.  Zu unterscheiden sind zwei Viren: HSV-1 wird durch Schleimhautkontakt (Küssen) übertragen und verursacht juckende periorale &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/herpes-simplex/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=979&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><em>Herpes simplex</em>-Infektionen sind ein häufiges Problem bei HIV-Patienten, und vor allem bei deutlichem Immundefekt (unter 100 CD4-Zellen/µl) sind chronische Verläufe möglich.  Zu unterscheiden sind zwei Viren:</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">HSV-1 wird durch Schleimhautkontakt (Küssen) übertragen und verursacht juckende periorale Bläschen an Lippen, Zunge, Gaumen oder Mundschleimhaut.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">HSV-2 wird sexuell übertragen und verursacht herpetiforme Läsionen an Penis, Vagina, Vulva und Anus. Die Läsionen erhöhen das Transmissionsrisiko für HIV deutlich (Freeman 2006, Ouedraogo 2006, siehe auch das Kapitel Prävention).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In schweren Fällen können andere Organe mitbetroffen sein. Hierzu zählen Ösophagus (Ulzera), ZNS (Enzephalitis), Auge (Keratokonjunktivitis, Uveitis) und Atemwege (Pneumonitis, Bronchitis). In diesen Fällen und bei Persistenz über mehr als vier Wochen gilt die Herpes-simplex-Infektion als AIDS-definierend.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Bläschen jucken und brennen. Bei oralem Befall ist die Nahrungsaufnahme erschwert. Bei genitalem oder analem Befall (Proktitis!) können Miktion und Defäkation sehr schmerzhaft sein. Bei schwerem Immundefekt sind ausgedehnte Läsionen möglich. Oft sind regionäre Lymphknoten geschwollen. Die Klinik disseminierter Herpes-Infektionen richtet sich nach den betroffenen Organen.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei oralem, genitalem oder perianalem Befall reicht oft die Blickdiagnose. Im Zweifel kann ein Abstrich entnommen werden, der in einem Virus-Kulturmedium rasch ins Labor gebracht werden muss. Auch Resistenztests bei therapierefraktären Läsionen sind möglich. Organmanifestationen werden meist histologisch diagnostiziert. Bei der HSV-Enzephalitis ist die Diagnose schwierig, da der Liquor oft nicht weiterhilft. Serologien haben nur Assagekraft, wenn sie negativ sind (selten) und somit eine HSV-Infektion unwahrscheinlich machen.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Jede Therapie ist umso wirksamer, je schneller sie begonnen wird. Bei gutem Immunstatus und nur diskreten Läsionen kann die topische Gabe von Aciclovir reichen. Penciclovir-Creme (Vectavir<sup>®</sup>) ist wahrscheinlich genauso effektiv (Chen 2000) und angeblich etwas weniger reizend, allerdings deutlich teurer.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Systemisch bleibt Nukleosidanalogon Aciclovir Mittel der Wahl. Es hemmt die DNS-Polymerase der Herpesviren. Resistenzen sind auch 40 Jahre nach Markteinführung selten (Levin 2004). Aciclovir wird gut vertragen und wirkt gegen HSV-1 und HSV-2. In schweren Fällen und bei Organmanifestationen sollte intravenös behandelt werden. Da die ZNS-Spiegel niedriger sind als im Plasma, ist die Dosis bei einer Enzephalitis zu erhöhen. Bei der intravenösen Gabe von Aciclovir sollten die Nierenwerte kontrolliert werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Gleichwertige Alternativen sind Valaciclovir und Famciclovir (Ormrod 2000, Conant 2002), die bei besserer oraler Verfügbarkeit weniger oft eingenommen werden müssen, dafür teurer und bei Immunsuppression nicht zugelassen sind. Sie sollten nur eingesetzt werden, wenn Aciclovir nicht wirkt. Wir haben mit Famciclovir, einer Prodrug von Penciclovir (Vinh 2006), gute Erfahrungen gemacht. Bei unkomplizierten, genitalen Läsionen reichen möglicherweise nur zwei Tage 500 mg Famciclovir aus, sofern kein Immundefekt besteht (Bodsworth 2008). Bei HSV-1 und VZV ist Brivudin eine Alternative, das allerdings die mitochondriale Toxizität verstärken und die Wirkung von ART gefährden kann (Ulrich Walker, pers. Mitteilung).</p>
<h5 class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Therapie/Prophylaxe der HSV-Infektion (Tagesdosierung)</h5>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr style="height:14.15pt;">
<td style="width:61.7pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;height:14.15pt;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="82">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Akuttherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:57.25pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;height:14.15pt;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="76"></td>
<td style="width:224.05pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;height:14.15pt;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="299">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;">Dauer: 7-14 Tage</p>
</td>
</tr>
<tr style="height:12.15pt;">
<td style="width:61.7pt;height:12.15pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="82">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">1. Wahl</p>
</td>
<td style="width:57.25pt;height:12.15pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="76">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Aciclovir</p>
</td>
<td style="width:224.05pt;height:12.15pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="299">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Aciclovir ratiopharm<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">Ò</span></sup> 5 x 1 Tbl. à 400 mg</p>
</td>
</tr>
<tr style="height:12.85pt;">
<td style="width:61.7pt;height:12.85pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="82">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Schwere Fälle</p>
</td>
<td style="width:57.25pt;height:12.85pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="76"></td>
<td style="width:224.05pt;height:12.85pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="299">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Aciclovir p.i.<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">Ò</span></sup> 3 x ½-1 Amp. à 500 mg (3 x 5-10 mg/kg) i.v.</p>
</td>
</tr>
<tr style="height:12.15pt;">
<td style="width:61.7pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="82">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternativen</p>
</td>
<td style="width:57.25pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="76">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Valaciclovir</p>
</td>
<td style="width:224.05pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="299">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Valtrex<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">Ò</span></sup> 3 x 2 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
<tr style="height:12.15pt;">
<td style="width:61.7pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="82">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternativen</p>
</td>
<td style="width:57.25pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="76">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Famciclovir</p>
</td>
<td style="width:224.05pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="299">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Famvir<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">Ò</span></sup> 3 x 1 Tbl. à 250 mg</p>
</td>
</tr>
<tr style="height:12.15pt;">
<td style="width:61.7pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="82">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternativen</p>
</td>
<td style="width:57.25pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="76">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Brivudin</p>
</td>
<td style="width:224.05pt;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="299">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Zostex<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">Ò</span></sup> 1 x 1 Tbl. à 125 mg</p>
</td>
</tr>
<tr style="height:12.15pt;">
<td style="width:61.7pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="82">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Prophylaxe</strong></p>
</td>
<td style="width:57.25pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="76"></td>
<td style="width:224.05pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;height:12.15pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="299">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Nicht empfohlen</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In Ausnahmen, vor allem wenn Läsionen therapierefraktär bleiben, kann eine mehrwöchige Therapie mit Foscarnet sinnvoll sein. Neue Medikamente, die mit der Helicase ein weiteres Enzym der Herpesviren hemmen, waren im Tierversuch effektiver als Aciclovir – ihr klinischer Wert muss sich zeigen (Kleymann 2003). Bei schmerzhaften mukokutanen Läsionen ist zusätzlich ein Lokalanästhetikum sinnvoll. Leider wurde die bewährte Tetracain-Lösung (Herviros<sup><span style="font-family:'(Asiatische Schriftart verwende', serif;" lang="DE">®</span></sup>) vom Markt genommen, manche Apotheke kann aber etwas Vergleichbares anrühren.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Eine Primärprophylaxe mit HSV-Medikamenten wird normalerweise nicht empfohlen. Eine frühe Metaanalyse, nach denen unter Aciclovir das Risiko sowohl von HSV- als auch HZV-Erkrankungen um mehr als 70 % und sogar die Mortalität sinken (Ioannidis 1998), ist heutzutage vermutlich zu relativieren. Allerdings: Bei hartnäckigen Rezidiven können niedrige Dauer-Dosen Aci­clo­vir oder Valaciclovir (DeJesus 2003, Warren 2004) sinnvoll sein.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Interaktionen zwischen HIV und Herpes simplex</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Genitale HSV-Infektionen erhöhen das Risiko fast um das Dreifache, sich mit HIV zu infizieren (Freeman 2006) &#8211; siehe auch den Abschnitt zur Prävention im ART-Kapitel. Große randomisierte Studien konnten in den letzten Jahren zeigen, dass unter einer HSV-Therapie interessanterweise auch die HI-Viruslast sinkt, und zwar um 0,26-0,53 Logstufen unter Valaciclovir (Nagot 2007, Baeten 2008) und 0,25-0,34 Logstufen unter Aciclovir (Delany 2008, Celum 2010). Diese Reduktion war zwar auf den ersten Blick nicht sehr eindrucksvoll, aber eben doch signifikant. Wenn auch eine Aciclovir-Therapie die HIV-Transmission ganz offensichtlich nicht verhindern konnte (Celum 2008+2010, Watson-Jones 2008), haben diese Beobachtungen der HSV- und insbesondere der Aciclovir-Therapie in den letzten Monaten neues Leben eingehaucht (Vanpouille 2009). Mit einem Mal ist ein „Uralt-Medikament“ wie Aciclovir wieder interessant geworden: möglicherweise werden darauf aufbauend neue Derivate entwickelt werden können, deren antivirale Potenz bei guter Verträglichkeit hinsichtlich HIV besser ist.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur </strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Baeten JM, Strick LB, Lucchetti A, et al. Herpes simplex virus (HSV)-suppressive therapy decreases plasma and genital HIV-1 levels in HSV-2/HIV-1 coinfected women: a randomized, placebo-controlled, cross-over trial. J Infect Dis 2008, 198:1804-8.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Bodsworth N, Bloch M, McNulty A, et al. 2-day versus 5-day famciclovir as treatment of recurrences of genital herpes: results of the FaST study. Short-Course Herpes Therapy Study Group. Sex Health 2008, 5:219-25.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Celum C, Wald A, Hughes J, et al. Effect of aciclovir on HIV-1 acquisition in herpes simplex virus 2 seropositive women and men who have sex with men: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2008, 371:2109-19.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Celum C, Wald A, Lingappa JR, et al. Acyclovir and transmission of HIV-1 from persons infected with HIV-1 and HSV-2. NEJM 2010, 362:427-39.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Chen XS, Han GZ, Guo ZP, et al. A comparison of topical application of penciclovir 1% cream with acyclovir 3% cream for treatment of genital herpes: a randomized, double-blind, multicentre trial. Int J STD AIDS 2000, 11:568-73.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Conant MA, Schacker TW, Murphy RL, et al. Valaciclovir versus aciclovir for herpes simplex virus infection in HIV-infected individuals: two randomized trials. Int J STD AIDS 2002, 13:12-21.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">DeJesus E, Wald A, Warren T, et al. Valacyclovir for the suppression of recurrent genital herpes in HIV-infected subjects. J Infect Dis 2003; 188: 1009-16.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Delany S, Mlaba N, Clayton T, et al.  Impact of aciclovir on genital and plasma HIV-1 RNA in HSV-2/HIV-1 co-infected women: a randomized placebo-controlled trial in South Africa. AIDS 2009, 23:461-9.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Freeman EE, Weiss HA, Glynn JR, Cross PL, Whitworth JA, Hayes RJ. Herpes simplex virus 2 infection increases HIV acquisition in men and women: systematic review and meta-analysis of longitudinal studies. AIDS 2006, 20:73-83.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Ioannidis JP, Collier AC, Cooper DA, et al. Clinical efficacy of high-dose acyclovir in patients with HIV infection: a meta-analysis of randomized individual patient data. J Infect Dis 1998, 178:349-59.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Kleymann G. New antiviral drugs that target herpesvirus helicase primase enzymes. Herpes 2003, 10:46-52.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Levin MJ, Bacon TH, Leary JJ. Resistance of herpes simplex virus infections to nucleoside analogues in HIV-infected patients. Clin Infect Dis 2004, 39 Suppl 5:S248-57.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Nagot N, Ouedraogo A, Foulongne V, et al. Reduction of HIV-1 RNA levels with therapy to suppress herpes simplex virus. N Engl J Med 2007;356:790-9.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Ormrod D, Scott LJ, Perry CM. Valaciclovir: a review of its long term utility in the management of genital herpes simplex virus and cytomegalovirus infections. Drugs 2000, 59:839-63.</p>
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<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Vinh DC, Aoki FY. Famciclovir for the treatment of recurrent genital herpes: a clinical and pharmacological perspective. Expert Opin Pharmacother 2006, 7:2271-86.</p>
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<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/herpes-simplex-11-opportunistische-infektionen-oi/'>Herpes simplex</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/979/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=979&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Atypische Mykobakteriose (MAC)</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/atypische-mykobakteriose-mac/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:30:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Atypische Mykobakteriose (MAC)]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Atypische Mykobakteriosen]]></category>
		<category><![CDATA[Diagnose der disseminierten MAC-Infektion]]></category>
		<category><![CDATA[MAC]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe von MAC-Infektionen]]></category>
		<category><![CDATA[Symptome der MAC-Infektion]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der MAC-Infektion]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Atypische Mykobakteriosen werden meistens als Synonym für Infektionen mit Mycobacterium avium complex (MAC) verstanden. Zwar ist MAC der bei weitem häufigste Erreger, doch gibt es eine Vielzahl anderer atypischer Mykobakterien, die ähnliche Krankheitsbilder verursachen, wie zum Beispiel M. &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/atypische-mykobakteriose-mac/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=976&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Atypische Mykobakteriosen werden meistens als Synonym für Infektionen mit <em>Mycobacterium</em> <em>avium complex</em> (MAC) verstanden. Zwar ist MAC der bei weitem häufigste Erreger, doch gibt es eine Vielzahl anderer atypischer Mykobakterien, die ähnliche Krankheitsbilder verursachen, wie zum Beispiel <em>M. celatum, M. kansasii</em><em>, M. xenopi</em> oder <em>M. genavense</em>. MAC-Bakterien sind ubiquitär und können in diversen Tierarten, im Erdreich, im Wasser und in der Nahrung nachgewiesen werden. Eine Expositionsprophylaxe ist nicht möglich, eine Isolation der Patienten ist nicht sinnvoll. Während MAC im Sputum oder Stuhl asymptomatischer Personen nachweisbar sein kann (Kolonisation), erkranken fast nur Patienten mit weniger als 50 CD4-Zellen/µl (Horsburgh 1999) &#8211; früher waren dies bis zu 40 % der AIDS-Patienten (Nightingale 1992).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Mittlerweile ist die Infektion in Industrieländern selten (Karakousis 2004). Dennoch bleibt sie wichtig, zumal sich ihr klinisches Bild durch ART wie bei keiner anderen OI verändert hat. Aus der früher fast immer chronisch-disseminiert verlaufenden Erkrankung, die bei vielen „Wasting“-Patienten zu finden war, ist eine meist lokalisierte Infektion geworden, die unter ART fast nur im Zuge eines Immunrekonstitutionssyndroms auftritt. Die Erkrankung kann dabei allerdings bedrohlich bleiben und Manifestationen zeigen, wie sie früher nie zu sehen waren (siehe unten). <a name="_Toc31174937"></a></p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Symptome einer <em>disseminierten</em> MAC-Infektion sind unspezifisch. Fieber, Gewichtsabnahme und Diarrhoen bei weniger als 100 CD4-Zellen/µl sollten immer an eine atypische Mykobakteriose denken lassen. Auch Bauchschmerzen kommen vor. Wie bereits erwähnt, ist die disseminierte MAC-Infektion heute selten geworden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Weitaus häufiger sind heute <em>lokalisierte</em> Formen. Hierzu zählen vor allem Lymphknoten-Abszesse, die praktisch überall lokalisiert sein können. Wir haben Abszesse in zervikalen, inguinalen, aber auch in abdominalen Lymphknoten gesehen, die teilweise Fisteln bildeten und auch nach operativer Eröffnung nur sehr langsam abheilten. Jeder Abszess unter ART (bei schwerer Immunschwäche) ist verdächtig auf MAC! Als lokalisierte Formen kommen neben Hautläsionen auch Osteomyelitiden vor, insbesondere an den Wirbelkörpern. Auch Gelenkentzündungen sind möglich (gesehen: Knie, Hand, Finger)</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Diagnose ist bei der disseminierten Form schwierig. Es sollten immer Blutkulturen (Heparin-Blut) an ein Referenzlabor geschickt werden (zum Beispiel Nationales Referenzzentrum für Mykobakterien, Borstel, http://www.fz-borstel.de). Obwohl atypische Mykobakterien meist schneller wachsen als TB-Bakterien, kann es Wochen dauern, bis die Kultivierung und die Differenzierung gegenüber Tuberkelbakterien gelingt. Bei Anämie ist oft eine Knochenmarksaspiration erfolgreich. Bei Nachweis im Stuhl oder Sputum, aber auch in der BAL besteht oft Unsicherheit, ob es sich um behandlungsbedürftige Infektionen oder nur um eine Kolonisation handelt. Bei fehlender Allgemeinsymptomatik sollte in diesen Fällen auf eine Therapie verzichtet werden. Dies gilt auch für <em>Mycobacterium kansasii</em> (Kerbiriou 2003).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Im Labor ist typischerweise die alkalische Phosphatase (AP) erhöht – eine hohe AP bei schlechtem Immunstatus ist immer verdächtig auf MAC. Auch bei Anämien und konstitutionellen Symptomen ist eine MAC-Infektion in Betracht zu ziehen. Eine Zytopenie, insbesondere eine Anämie, zeigt häufig einen Knochenmarkbefall an. Sonographisch sind Leber und Milz vergrößert. Lymphknoten sind ebenfalls oft vergrößert, fallen aber weniger wegen ihrer Größe als durch ihre Zahl auf (Gordin 1997). Differentialdiagnostisch muss an eine TBC oder ein malignes Lymphom gedacht werden. Bei den lokalisierten Formen sollte Material immer direkt gewonnen werden, meist klappt der Erregernachweis aus Abszesspunktat.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Therapie einer kulturell nachgewiesenen MAC-Infektion ist komplex. Analog zur TB reicht ein Medikament allein nicht aus. Seit 1996 favorisieren viele Behandler eine Kombination aus Makrolid (Clarithromycin oder Azithromycin), Rifabutin und Ethambutol (Shafran 1996). Diese wurde früher lebenslang gegeben; heute sollte sie nach gängiger Meinung noch mindestens sechs Monate und bis zu einem CD4-Zellanstieg von über 100/µl unter ART fortgeführt werden. Nachdem einige Daten nahegelegt hatten, dass auf Rifabutin verzichtet werden könnte (Dunne 2000), zeigte die randomisierte ACTG 223-Studie einen Überlebensvorteil durch die Dreifachkombination Clarithromycin, Rifabutin und Ethambutol gegenüber Clarithromycin und Ethambutol bzw. Rifabutin – die Mortalitätsraten waren im Dreifacharm halbiert (Benson 2003).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Wegen seines großen Interaktionspotentials sollte Rifabutin jedoch nach einigen Wochen und klinischer Besserung abgesetzt werden. Bei Clarithromycin ist darauf zu achten, dass die Dosis 2 x 500 mg nicht übersteigt. In zwei randomisierten Studien war die Zahl der Todesfälle unter höheren Dosen aus ungeklärten Gründen signifikant erhöht (Chaisson 1994, Cohn 1999). Billiger als Clarithromycin ist Azithromycin, und das obendrein weniger mit Cytochrom-p450-Enzymen interagiert. Azithromycin und Clarithromycin sind in Kombination mit Etham­butol vergleichbar effektiv (Ward 1998).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Therapie sollte bei disseminierter Erkrankung durch regelmäßige Blutkulturen überwacht werden. Spätestens nach 8 Wochen muss die Kultur negativ sein. Bei den lokalisierten Formen ist das Ansprechen besser klinisch zu beurteilen. Jede MAC-Therapie birgt zudem ein hohes Potential an Nebenwirkungen und Interaktionen. Die Begleitmedikation inklusive ART muss genau überprüft werden – nicht selten sind Dosisanpassungen erforderlich, und eventuell bestehen auch Kontraindikationen (siehe auch <em>Medikamententeil</em>).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Reservesubstanzen wie Amikacin, Chinolone oder Clofazimin werden nur in Ausnahmen benötigt. Bei allen atypischen Mykobakteriosen mit anderen Stämmen als <em>M.</em> <em>avium complex</em> sollte unbedingt die Resistenzlage untersucht werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei den lokalisierten MAC-Erkrankungen haben wir die Therapie meist beendet, wenn der Abszess abgeheilt war – meist dauert dies einige Monate. In Einzelfällen können vorübergehend Steroide hilfreich sein. Gesonderte Empfehlungen zur Therapie bei lokalen MAC-Infektionen gibt es allerdings nicht.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">In den USA wurde sowohl für die Makrolide Clarithromycin und Azithromycin als auch für Rifabutin in großen, plazebokontrollierten Studien gezeigt, dass eine Primärprophylaxe bei stark immunkompromittierten Patienten die MAC-Morbidität und -Mortalität signifikant reduziert (Havlir 1996, Nightingale 1992, Pierce 1996, Oldfield 1998). Die Prophylaxe spart außerdem Kosten (Sendi 1999). In Europa sind MAC-Infektionen jedoch seltener. Deswegen, aber auch aus Sorge um Compliance und Resistenzentwicklungen erhalten in Europa nur wenige Patienten eine primäre MAC-Prophylaxe (Lundgren 1997).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei Patienten, bei denen neue ART-Optionen fehlen, sollte bei niedrigen CD4-Zahlen (unter 50 Zellen/µl) die Prophylaxe mit einem Makrolid erwogen werden. Die wöchentliche Gabe von Azithromycin ist patientenfreundlich und in der Wirkung mit Rifabutin täglich vergleichbar (Havlir 1996).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Primärprophylaxen und Erhaltungstherapien (siehe Therapie) können bei CD4-Zellen oberhalb von 100/µl abgesetzt werden (Currier 2000, El Sadr 2000, Shafran 2002, Aberg 2003). Möglicherweise reicht für die MAC-spezifische Immunrekonstitution schon eine partielle Virussuppression aus (Havlir 2000). Heilungen unter Immunrekonstitution sind möglich (Aberg 1998).</p>
<h6 style="text-align:justify;"></h6>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:351pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="468">
<h5 class="Tabellenkopf">Therapie/Prophylaxe von MAC-Infektionen (soweit nicht anders angegeben,<br />
Tagesdosierungen)</h5>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="492" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:63pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong>Akuttherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:1in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong> </strong></p>
</td>
<td style="width:3in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:3pt;page-break-after:avoid;"><strong> </strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Therapie der Wahl</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Clarithromycin +</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ethambutol +</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">evtl. Rifabutin</p>
</td>
<td style="width:3in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Mavid<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 2 x 1 Tbl. à 500 mg plus</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Myambutol<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">® </span></sup>1 x 3 Tbl. à 400 mg plus</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Mycobutin<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">® </span></sup>1 x 2 Tbl. à 150 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternative</p>
</td>
<td style="width:1in;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Azithromycin +</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ethambutol +</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">evtl. Rifabutin</p>
</td>
<td style="width:3in;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ultreon<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 1 Tbl. à 600 mg plus</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Myambutol<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 3 Tbl. à 400 mg plus</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Mycobutin<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 2 Kps. à 150 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:135pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="180">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Erhaltungstherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:3in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Wie Akuttherapie, aber <strong>ohne</strong> Rifabutin</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Absetzen ab &gt; 100 CD4-Zellen/µl &gt; 6 Monate</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:135pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="180">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Primär-Prophylaxe</strong></p>
</td>
<td style="width:3in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Bei dauerhaft CD4-Zellen unter 50/µl erwägen</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Absetzen ab &gt; 100 CD4-Zellen/µl &gt; 3 Monate</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Therapie der Wahl</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Azithromycin</p>
</td>
<td style="width:3in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ultreon<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 2 Tbl. à 600 mg / Woche</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternative</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Clarithromycin</p>
</td>
<td style="width:3in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="288">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Mavid<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">® </span></sup>2 x 1 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Aberg JA, Williams PL, Liu T, et al. A study of discontinuing maintenance therapy in human immunodeficiency virus-infected subjects with disseminated Mycobacterium avium complex: AIDS Clinical Trial Group 393 Study Team. J Infect Dis 2003; 187: 1046-52.</p>
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<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Shafran SD, Singer J, Zarowny DP, et al. A comparison of two regimens for the treatment of Mycobacterium avium complex bacteremia in AIDS: rifabutin, ethambutol, and clarithromycin versus rifampin, ethambutol, clofazimine, and ciprofloxacin. N Engl J Med 1996, 335:377-83.</p>
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<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Ward TT, Rimland D, Kauffman C, Huycke M, Evans TG, Heifets L. Randomized, open-label trial of azithromycin plus ethambutol vs. clarithromycin plus ethambutol as therapy for Mycobacterium avium complex bacteremia in patients with HIV infection. Clin Infect Dis 1998, 27:1278-85.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/atypische-mykobakteriose-mac/'>Atypische Mykobakteriose (MAC)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/976/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/976/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/976/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/976/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/976/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/976/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/976/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/976/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/976/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/976/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/976/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/976/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/976/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/976/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=976&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Progressive multifokale Leukoenzephalopathie</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:28:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Progressive multifokale Leukoenzephalopathie]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[JC-Virus]]></category>
		<category><![CDATA[JCV]]></category>
		<category><![CDATA[PML-Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der PML]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der PML]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Die PML ist eine schwere Entmarkungskrankheit des zentralen Nervensystems. Sie wird durch das JC-Virus (JCV) verursacht, einem einfach gebauten, weltweit verbreiteten Polyomavirus. JCV wurde nach den Initialen des Patienten John Cunningham benannt, aus dem 1971 dieses DNS-Virus erstmalig &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/progressive-multifokale-leukoenzephalopathie/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=994&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Die PML ist eine schwere Entmarkungskrankheit des zentralen Nervensystems. Sie wird durch das JC-Virus (JCV) verursacht, einem einfach gebauten, weltweit verbreiteten Polyomavirus. JCV wurde nach den Initialen des Patienten John Cunningham benannt, aus dem 1971 dieses DNS-Virus erstmalig isoliert wurde (Major 1992). JC hat also nichts – wie häufig irrtümlich angenommen – mit dem Jakob-Creutzfeldt-Syndrom zu tun. Angesichts hoher Seroprävalenzen von bis zu 80 % wird von einer latent persistierenden Infektion ausgegangen. Niere und Knochen scheinen wichtige Reservoire zu sein. Erst bei gestörter zellulärer Immunantwort kommt es zu einer Reaktivierung von JCV und damit zur manifesten Erkrankung. Sicher scheint, dass JCV über Leukozyten ins ZNS gelangt und hier vor allem die Oligodendrozyten und damit die Markscheiden bildenden Zellen befällt. Deren Untergang zeigt sich makroskopisch als multifokale Demyelinisierung. Betroffen ist überwiegend die weiße Hirnsubstanz der zerebralen Hemisphären, aber auch das Kleinhirn und teilweise auch die graue Hirnsubstanz.</p>
<p style="text-align:justify;">Die PML ist eine klassische opportunistische Infektion. Sie kann bei hämatologischen Erkrankungen auftreten, aber auch unter Therapie mit monoklonalen Antikörpern wie Rituximab, Natalizumab oder Efalizumab (Yousry 2006, Carson 2009, Major 2010). HIV-Patienten bilden jedoch die bei weitem größte Patientengruppe.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein schwerer Immundefekt ist häufig, aber keineswegs obligate Voraussetzung für die Entwicklung einer PML. So liegen die CD4-Zellen bei Manifestation zwar in etwa 75 % unter 100/µl, doch kommen etwa 5-10 % der Fälle bei mehr als 200 CD4-Zellen/µl vor (Gasnault 2008). Der Rückgang ist nicht so stark wie bei anderen OI; die Inzidenz entspricht heute etwas mehr als einem Drittel aus der Ära vor ART (Engsing 2009). Nach der zerebralen Toxoplasmose ist die PML heute die zweithäufigste neurologische OI bei HIV-Patienten (Antinori 2001).</p>
<p style="text-align:justify;">Die Prognose war früher, ohne ART, sehr schlecht – die Zeitspanne vom Auftreten erster Symptome bis zum Tod lag zwischen 3 und 6 Monaten. Meist starben die Patienten nach wochenlanger Bettlägerigkeit an sekundären Komplikationen. Unter wirksamer ART sind deutlich langsamer progrediente Verläufe, mitunter sogar Vollremissionen möglich (Albrecht 1998). Bei insgesamt 1.427 PML-Patienten in Frankreich stieg das Ein-Jahresüberleben von 19.8 % vor 1996 auf 54.1 % in 1996-2004 (Gasnault 2008). In den letzten Jahren war allerdings keine weitere Verbesserung der Prognose zu beobachten; aus Spanien oder Dänemark werden niedrigere Raten berichtet (Falco 2008, Engsing 2009). Vollremissionen sind trotz suffizienter ART nicht die Regel. Sie werden vor allem bei der inflammatorischen PML im Rahmen eines IRIS beobachtet (Du Pasquier 2003, Hoffmann 2003, Tan 2009). Prognostisch relevant scheinen zudem die Höhe der CD4-Zellen sowie die Stärke der JCV-spezifischen Immunantwort zu sein; die Höhe der JCV-Viruslast scheint dagegen keine Rolle zu spielen (Khanna 2009, Marzocchetti 2009). Insgesamt ist die PML auch heute noch die OI mit der höchsten Mortalität (ART-CC 2009).</p>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p style="text-align:justify;">Obgleich die Symptomatik der PML durch die unterschiedlich lokalisierten Entmarkungsherde ein breites Spektrum bietet, zeigen Klinik und Verlauf doch einige Charakteristika. So sind neben kognitiven Störungen, deren Spannbreite von leichten Konzentrationsstörungen bis hin zur Demenz reicht, vor allem fokale neurologische Ausfälle typisch für die PML. Am häufigsten sind Mono- oder Hemiparesen, Sprachdefizite, aber auch Visusdefizite. Wir haben mehrere blinde Patienten mit PML gesehen. Die Ausfälle können isoliert als diskrete Koordinationsstörungen beginnen und rasch zu erheblichen Behinderungen führen. Epileptische Anfälle sind möglich. Sensibilitätsstörungen, Fieber, Kopfschmerzen sind dagegen selten und sprechen eher für eine zerebrale Toxoplasmose.</p>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p style="text-align:justify;">Besteht der klinische Verdacht auf eine PML, sollte dieser rasch objektiviert werden. Im CCT werden die (hypodensen) Läsionen nur unzureichend dargestellt. Das MRT ist sowohl hinsichtlich Zahl als auch Größe der Läsionen viel sensitiver. Es offenbart meist in T2-Wichtung und in der FLAIR-Sequenz signalintense Herde, die in T1-Wichtung hypointens sind und meist ohne Gadolinium-Enhancement oder Masseneffekt bleiben. Unter ART sind jedoch inflammatorische Verläufe mit teilweise deutlichem Enhancement möglich (siehe <em>Immunrekonstitutionssyndrom</em>). Typischerweise bleibt die graue Substanz ausgespart – es handelt sich ja um eine „Leuko“-Enzephalopathie. Die Läsionen sind fast immer asymmetrisch.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Abgrenzung von einer zerebralen Toxoplasmose oder einem Lymphom ist mit dem MRT meist gut möglich. Die riesigen, flächigen Läsionen über eine ganze Hemisphäre, wie sie oft in Lehrbüchern zu sehen sind, sind allerdings keineswegs obligat. Jede PML fängt klein an – sehr diskrete, lokalisierte, solitäre Läsionen kommen durchaus vor und schließen die Diagnose nicht aus. Die PML kann überall im Gehirn lokalisiert sein, Prädilektionsstellen gibt es nicht. Oft sind die Herde parieto-okzipital oder periventrikulär gelegen, aber auch das Kleinhirn kann betroffen sein. Wichtig ist, dass ein mit der PML vertrauter Radiologe oder Kliniker die Bilder beurteilt. Schwierig wird selbst für diese die Abgrenzung der PML gegenüber einer HHV-6-Infektion (Caserta 2004) oder auch einer HIV-bedingten Leukoenzephalopathie (Langford 2002).</p>
<p style="text-align:justify;">Die klinisch-radiologische Diagnose ist deshalb nicht beweisend. Wichtig ist eine Liquoruntersuchung. Hier fehlen meist, sofern keine Koinfektionen bestehen, die unspezifischen Entzündungszeichen. Allerdings ist das Gesamteiweiß meist geringgradig erhöht. Eine Pleozytose liegt dagegen nur selten vor, und mehr als 100/3 Zellen sprechen eher gegen eine PML. Der Liquor sollte auf JCV untersucht bzw. in ein JCV-erfahrenes Labor geschickt werden. Neuere PCR-Techniken besitzen eine Sensitivität von rund 80 % bei einer Spezifität von weit über 90 %.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei klinisch-radiologischem Verdacht und positiver JCV-PCR ist die Diagnose sehr wahrscheinlich. Eine Hirnbiopsie ist dann überflüssig. Eine negative PCR schließt die PML allerdings nicht sicher aus. Die Höhe der JCV-Viruslast variiert stark und korreliert nicht mit dem Ausmaß der Läsionen (Eggers 1999, Garcia 2002, Bossolasco 2005). Viele Patienten mit PML haben unter ART eine niedrige oder nicht detektierbare JCV-Viruslast im Liquor (Bossollasco 2005). Hier kann in Einzelfällen doch eine stereotaktische Hirnbiopsie notwendig werden.</p>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;">Eine spezifische PML-Therapie gibt es bis heute nicht. Foscarnet, Interferon, Immunstimulatoren, Steroide oder Cytosin-Arabinosid (Hall 1998) sind wirkungslos. Dies gilt wahrscheinlich auch für Cidofovir und Camptothecin, die beide noch immer gelegentlich diskutiert werden. Camptothecin hemmt als Alkaloid-Zytostatikum die Topoisomerase I, ein nukleäres Enzym, das für die JCV-Replikation benötigt wird (O’Reilly 1997). Es existieren Fallbeispiele und eine kleine Fallserie, in der sich 3 von 12 Patienten unter dem Camptothecin-Derivat Topotecan klinisch besserten (Vollmer-Haase 1997, Royal 2003). Ein Patient starb unter Topotecan, das überdies eine beachtliche Hämatotoxizität hat. Ergebnisse randomisierter Studien fehlen, außerhalb von Studien ist dieser Ansatz sicher nicht zu empfehlen. Dem Nukleotidanalogon Cidofovir, das für die CMV-Retinitis zugelassen ist, waren zum Teil positive Effekte zugeschrieben worden. Eine Analyse von 370 Patienten aus mehreren Studien (De Luca 2008) zeigte kürzlich allerdings ebenso wenig einen Benefit wie eine eigene retrospektive Studie an 35 Patienten. In dieser war der Einsatz Cidofovirs sogar mit einer schlechteren Prognose assoziiert, was allerdings eher reflektiert, dass Cidofovir vor allem bei progredienten Verläufen eingesetzt wurde (Wyen 2004). Zusammenfassend gibt es derzeit keine Argumente mehr für Cidofovir.</p>
<p style="text-align:justify;">In den letzten Jahren sind auch 5-HT2a-Inhibitoren bzw. Serotonin-Rezeptor-Antagonisten diskutiert worden. Der serotonerge Rezeptor 5HT2AR ist ein Rezeptor für JC-Viren, um menschliche Gliazellen infizieren zu können (Elphick 2004); die Blockade könnte somit ein therapeutisches Ziel darstellen. Fallbeispiele u. a. für einige Neuroleptika wie Risperidon und Mirtazapin, die serotonerge Rezeptoren blockieren, existieren bereits (Verma 2007, Focosi 2007+2008, Cettomai 2009). Kontrollierte Studien fehlen allerdings. Dies gilt auch für Mefloquin (Brickelmeier 2009).</p>
<p style="text-align:justify;">Es bleibt daher absolut vorrangig, bei jeder PML die ART zu optimieren. Die Wiederherstellung der JCV-spezifischen Immunantwort, die im Rahmen der Immunrekonstitution oft zu beobachten ist, bestimmt den weiteren Verlauf entscheidend mit (Khanna 2009, Marzocchetti 2007+2009). Unsere frühe Beobachtung, dass sich die Prognose unter ART signifikant verbessert (Albrecht 1998), wurde von zahlreichen Arbeitsgruppen bestätigt (Clifford 1999, Dworkin 1999, Gasnault 1999+2008, Tantisiriwat 1999, Berenguer 2003, Khanna 2009). Schon angesichts eines in vitro demonstrierten Synergismus von HIV und JCV sollte zumindest HIV maximal supprimiert werden. Zwar sind auch progrediente Verläufe unter ART möglich, doch bleibt sie bis heute die einzige wirkliche Hoffnung für die Patienten. Eine neuere Studie zeigt, dass vor allem liquorgängige Substanzen verwendet werden sollten, wie AZT, FTC, Abacavir, Nevirapin und Lopinavir (Gasnault 2008)</p>
<h5 style="text-align:justify;">Therapie/Prophylaxe der PML</h5>
<table width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="84"><strong>Akuttherapie</strong></td>
<td valign="top" width="48"></td>
<td valign="top" width="336"></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Therapie der Wahl</td>
<td valign="top" width="48">ART</td>
<td valign="top" width="336">Wichtigstes Ziel ist die maximale HIV-Suppression und Immunrekonstitution!!! Möglichst liquorgängige Substanzen integrieren</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84">Experimentell</td>
<td valign="top" width="48"></td>
<td valign="top" width="336">Ausserhalb von Studien nichts zu empfehlen, evtl. Risperidon, Mirtazapin</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="84"><strong>Prophylaxe</strong></td>
<td valign="top" width="48"></td>
<td valign="top" width="336">Nicht vorhanden</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p style="text-align:justify;">Gibt es nicht. Auch eine Expositionsprophylaxe ist nicht möglich.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Albrecht H, Hoffmann C, Degen O, et al. HAART significantly improves the prognosis of patients with HIV-associated progressive multifocal leukoencephalopathy. AIDS 1998, 12:1149-1154.</p>
<p style="text-align:justify;">Antinori A, Ammassari A, Giancola ML, et al. Epidemiology and prognosis of AIDS-associated progressive multifocal leukoencephalopathy in the HAART era. J Neurovirol 2001, 7:323-8.</p>
<p style="text-align:justify;">Antiretroviral Therapy Cohort Collaboration (ART-CC). Variable impact on mortality of AIDS-defining events diagnosed during combination antiretroviral therapy: not all AIDS-defining conditions are created equal. Clin Infect Dis 2009, 48:1138-51</p>
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<p style="text-align:justify;">Berger JR, Levy RM, Flomenhoft D, et al. Predictive factors for prolonged survival in AIDS-associated progressive multifocal leukoencephalopathy. Ann Neurol 1998, 44:341-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Bossolasco S, Calori G, Moretti F, et al. Prognostic significance of JC virus DNA levels in cerebrospinal fluid of patients with HIV-associated progressive multifocal leukoencephalopathy. Clin Infect Dis 2005, 40:738-44.</p>
<p style="text-align:justify;">Brickelmaier M, Lugovskoy A, Kartikeyan R, et al. Identification and characterization of mefloquine efficacy against JC virus in vitro. Antimicrob Agents Chemother 2009, 53:1840-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Carson KR, Evens AM, Richey EA, et al. Progressive multifocal leukoencephalopathy following rituximab therapy in HIV negative patients: a report of 57 cases from the Research on Adverse Drug Event and Reports (RADAR) project. Blood 2009 Mar 5. [Epub ahead of print]</p>
<p style="text-align:justify;">Caserta MT. Human Herpesvirus 6 Infection of the Central Nervous System. Curr Infect Dis Rep 2004, 6: 316-321.</p>
<p style="text-align:justify;">Cettomai D, McArthur JC. Mirtazapine use in human immunodeficiency virus-infected patients with progressive multifocal leukoencephalopathy. Arch Neurol 2009, 66:255-8.</p>
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<p style="text-align:justify;">Wyen C, Hoffmann C, Schmeier N, et al. Progressive multifocal leukencephalopathy in patients on highly active antiretroviral therapy: survival and risk factors of death. J AIDS 2004, 37:1263-1268.</p>
<p style="text-align:justify;">Yousry TA, Major EO, Ryschkewitsch C, et al. Evaluation of patients treated with natalizumab for progressive multifocal leukoencephalopathy. N Engl J Med 2006, 354:924-33.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/progressive-multifokale-leukoenzephalopathie/'>Progressive multifokale Leukoenzephalopathie</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/994/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/994/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/994/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/994/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/994/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/994/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/994/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/994/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/994/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/994/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/994/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/994/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/994/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/994/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=994&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Bakterielle Pneumonien</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/bakterielle-pneumonien/</link>
		<comments>http://hivbuch.de/2012/01/11/bakterielle-pneumonien/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:25:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Bakterielle Pneumonien]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[ambulant erworbene bakterielle Pneumonie]]></category>
		<category><![CDATA[Hämophilus influenza]]></category>
		<category><![CDATA[Pneumokokken]]></category>
		<category><![CDATA[Pneumonien bei HIV-Patienten]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der bakteriellen Pneumonie]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der bakteriellen Pneumonie]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann- Bakterielle Pneumonien treten auch bei relativ gutem Immunstatus (über 200 CD4-Zellen/µl) auf; die Assoziation mit einer Immunschwäche ist nicht zwingend, und der Rückgang der Inzidenz ist durch ART moderater als bei anderen OI. AIDS-definierend sind ausschließlich wiederholte, &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/bakterielle-pneumonien/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=997&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann-</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bakterielle Pneumonien treten auch bei relativ gutem Immunstatus (über 200 CD4-Zellen/µl) auf; die Assoziation mit einer Immunschwäche ist nicht zwingend, und der Rückgang der Inzidenz ist durch ART moderater als bei anderen OI. AIDS-definierend sind ausschließlich wiederholte, radiologisch (und!) kulturell nachgewiesene akute Pneumonien (mehr als eine in den letzten 12 Monaten). Zu unterscheiden ist wie auch bei HIV-negativen Patienten zwischen ambulant und nosokomial erworbenen Pneumonien. Vor allem bei ambulant erworbenen Pneumonien sollte eine Reiseanamnese erhoben werden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die häufigsten Erreger ambulant erworbener Pneumonien sind bei HIV-Patienten Pneumokokken und <em>Hämophilus influenza</em>. Vor allem bei jüngeren Patienten spielen Mykoplasmen eine wichtige Rolle. Klebsiellen, <em>Staphylococcus aureus</em> und <em>Pseudomonas aeroginosa</em> sind weitere häufige Keime. Legionellen sind eher selten. Intravenös Drogenabhängige haben deutlich häufiger ambulant erworbene Pneumonien als andere Patienten-Gruppen. Alkoholabusus und vorbestehende Lungenerkrankungen sind weitere Risikofaktoren (Grau 2006), in der SMART-Studie waren es vor allem Therapiepausen und Nikotinabusus (Gordin 2008). Nikotinkarenz reduziert das Risiko bakterieller Pneumonien deutlich (Bénard 2010). Frühe Berichte zu einer erhöhten Inzidenz bakterieller Pneumonien unter einer T-20 haltigen ART haben sich nicht bestätigt (Trottier 2005, Kousignian 2010). Niedrige CD4-Zellen und eine bestehende Leberzirrhose sind wichtige Risikofaktoren für schwere Verläufe (Manno 2009, Madeddu 2010).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Nosokomiale Pneumonien werden häufig durch typische Hospitalkeime (Klebsiellen, Staphylokokken oder Pseudomonas) verursacht (Franzetti 2006). Hier sollte die Therapie an die lokale Resistenzlage und Erfahrungen angepasst werden (Gant 2000, Vogel 2000).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik/Diagnostik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Akut auftretendes, meist hohes Fieber sowie Husten mit Auswurf sind typisch. Die Atmung schmerzt durch die Begleitpleuritis, eine richtige Dyspnoe besteht jedoch selten. Mit der Auskultation der Infiltrate gelingt die Abgrenzung zur PCP fast immer. Wenn man etwas hört, ist es keine PCP! Der Rö-Thorax sichert die Diagnose. Das CRP ist deutlich erhöht, die LDH meist normal. Blutkulturen sollten vor Therapiebeginn und bei Temperaturen über 38,5 Grad mehrfach abgenommen werden. Hauptprobleme der Blutkultgur sind die Dauer der Diagnostik (24-48 Stunden) und eine relativ geringe Sensitivität. Die Kultur ist allerdings das einzige Verfahren, das eine Resistenztestung erlaubt. Eine Sputumprobe ist eine einfache Methode, mit der die Ätiologie in rund der Hälfte der Fälle festgestellt werden kann – ihr Nutzen insgesamt ist jedoch umstritten, das Ergebnis hängt stark von der Erfahrung des Untersuchers ab (Cordero 2002). Dies gilt auch für den Pneumokokken-Antigen-Nachweis im Urin und die Diagnostik auf andere spezifische Erreger, welche in den aktuellen S3-Leitlinien nicht empfohlen werden (Tessmer 2010).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;"><strong>Allgemein<br />
</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Behandlung bakterieller Pneumonien bei HIV-Patienten gleicht der von HIV-negativen Patienten. Die Therapie sollte empirisch beginnen, eine Sputum- bzw. Blutkultur nicht abgewartet werden. Meist kann man ambulant behandeln. Patienten mit schlechtem Immunstatus unter 200 CD4-Zellen/μl sollten stationär aufgenommen werden (Madeddu 2010). Dies gilt auch für Patienten mit sehr hohem Fieber (über 39,5 Grad), schlechter Compliance, Zeichen der Organinsuffizienz, ZNS-Störungen (Verwirrung) oder Störungen der Vitalzeichen (Tachy­pnoe, Tachykardie, Hypotonie) sowie ältere Patienten (über 65 Jahre).</p>
<p style="text-align:justify;">Bei allen Patienten sollte auf eine ausreichende Hydratation Wert gelegt werden. Ambulant heißt das: Viel trinken (über 2 l täglich). Eine supportive Therapie mit Expektorantien bzw. Mukolytika wie N-Acetylcystein oder Antitussiva ist umstritten. Unter einer suffizienten Therapie ist eine Besserung innerhalb von 48-72 Stunden zu erwarten. Bei Patienten mit persistierendem Fieber, insbesondere bei deutlich immunkompromittierten, muss spätestens nach 72 Stunden die bisherige Therapie überdacht werden. Zu beachten ist, dass die gängigen Firstline-Therapien nicht gegen <em>Pseudomonas aeroginosa</em> wirken.<strong></strong></p>
<p><strong>Medikation</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Diverse Substanzen sind ambulant möglich. Selbst Penicillin ist gerechtfertigt – die Resistenzrate der Pneumokokken liegt in Deutschland bei 2 %. Bei <em>Hämophilus influenza</em> liegen die Raten allerdings bei bis zu 10 %, auch ist dieser Keim nur schwach empfindlich. Zudem bestehen bei HIV-Patienten häufig Allergien.</p>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:333pt;padding:0 3.5pt;" colspan="3" valign="top" width="444">
<h5 class="Tabellenkopf" style="page-break-after:avoid;">Ungezielte Therapie/Prophylaxe der AMBULANT erworbenen bakteriellen Pneumonie (Tagesdosierungen) – es bestehen erhebliche Preisunterschiede!</h5>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Ambulant </strong></p>
</td>
<td style="width:1in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96"></td>
<td style="width:2.75in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Dauer: 7-10 Tage</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Leicht</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">
</td>
<td style="width:1in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Amoxicillin +</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Clavulansäure</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Augmentan<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 3 x 1 Tbl. à 875/125 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Leicht</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Clarithromycin</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Klacid PRO<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 2 x 1 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Leicht</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Roxithromycin</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rulid<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 1 Tbl. à 300 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Leicht</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Cefuroxim</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Zinnat<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 2 x 1 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Leicht</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Cefpodoxim</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Orelox<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">® </span></sup>2 x 1 Tbl. à 200 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Stationär</strong></p>
</td>
<td style="width:1in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96"></td>
<td style="width:2.75in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264"></td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Schwer</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Piperacillin (+ Tazobactam)</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">+ Makrolid</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Tazobac<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 3 x 1 Inf-Fl. à 4,5 g i.v. <strong>plus            </strong></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rulid<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 1 Tbl. à 300 mg <strong>oder</strong>  Klacid PRO<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 2 x 1 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Schwer</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ceftriaxon</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">+ Makrolid</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rocephin<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 1 Inf-Fl. à 2 g i.v. <strong>plus              </strong></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rulid<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 1 Tbl. à 300 mg <strong>oder</strong>  Klacid PRO<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">Ò</span></sup> 2 x 1 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Schwer</p>
</td>
<td style="width:1in;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Cefuroxim</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">+ Makrolid</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">
</td>
<td style="width:2.75in;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Zinacef<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 3 x 1 Inf-Fl. à 1,5 g i.v. <strong>plus              </strong></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rulid<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 1 Tbl. à 300 mg <strong>oder</strong>  Klacid PRO<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 2 x 1 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Prophylaxe</strong></p>
</td>
<td style="width:1in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Impfung</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">(Pneumokokken-Polysaccharid)</p>
</td>
<td style="width:2.75in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Pneumovax 23 Fertigspritze<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span>  </sup>i.m.</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Aminopenicilline sind auch gegen Hämophilus influenza und viele gramnegative Keime wirksam. Sofern mit Clavulansäure kombiniert, verursachen sie allerdings vermehrt gastrointestinale Beschwerden.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Neuere orale Cephalosporine haben ein erweitertes Spektrum gegen gramnegative Keime bei guter Wirksamkeit gegen Pneumokokken und Hämophilus. Sie sind allerdings vergleichsweise teuer.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Makrolide haben Vorteile bei atypischen Erregern wie Mykoplasmen, Chlamydien und Legionellen. Allerdings nimmt der Anteil makrolidresistenter Pneumokokken in Deutschland zu (ca. 14 %). Es bestehen Schwächen bei Hämophilus-Stämmen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei Chinolonen ist zu beachten, dass Ciprofloxacin gegen zahlreiche wichtige Keime keine oder nur eine schwache Wirkung hat. Verwendet werden sollten nur neuere Chinolone. Die Indikation von Moxifloxazin wurde allerdings Anfang 2009 aufgrund seltener Haut- und Leberreaktionen deutlich eingeschränkt (Rote Hand Brief unter http://www.akdae.de/20/40/20090119.pdf).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei stationärer Aufnahme bietet sich anfangs die intravenöse Gabe an. Es sollten zwei Antibiotika kombiniert werden. Die gezielte Therapie bei Erregernachweis, insbesondere aber die Therapie nosokomialer Pneumonien sollte sich an der örtlichen Resistenzlage und den Empfehlungen des örtlichen Mikrobiologen orientieren.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Pneumovax<sup>®</sup>-Impfung ist ein wirksamer Schutz. Sie sollte bei allen HIV-Patienten mit ausreichendem Immunstatus (oberhalb von 200 CD4-Zellen/µl) eingesetzt werden. Wahrscheinlich hat sie aber auch schon bei niedrigeren CD4-Zellen einen protektiven Effekt (Penaranda 2007). Auch wenn sie nicht alle Pneumonien verhindert, scheint sich sich insgesamt günstig auf den Verlauf auszuwirken (Imaz 2009).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur<br />
</strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Bénard A, Mercié P, Alioum A, et al. Bacterial Pneumonia among HIV-infected patients: decreased risk after tobacco smoking cessation. ANRS CO3 Aquitaine Cohort, 2000-2007. PLoS One 2010, 5:e8896.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Cordero E, Pachon J, Rivero A, et al. Usefulness of sputum culture for diagnosis of bacterial pneumonia in HIV-infected patients. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2002, 21:362-7.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Franzetti F, Grassini A, Piazza M, et al. Nosocomial bacterial pneumonia in HIV-infected patients: risk factors for adverse outcome and implications for rational empiric antibiotic therapy. Infection 2006;34:9-16.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Gant V, Parton S. Community-acquired pneumonia. Curr Opin Pulm Med 2000, 6:226-33.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Gordin FM, Roediger MP, Girard PM, et al. Pneumonia in HIV-infected persons: increased risk with cigarette smoking and treatment interruption. Am J Respir Crit Care Med 2008, 178:630-6.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Grau I, Pallares R, Tubau F, et al. Epidemiologic changes in bacteremic pneumococcal disease in patients with human immunodeficiency virus in the era of highly active antiretroviral therapy. Arch Intern Med 2005;165:1533-40.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Imaz A, Falcó V, Peñaranda M, et al. Impact of prior pneumococcal vaccination on clinical outcomes in HIV-infected adult patients hospitalized with invasive pneumococcal disease. HIV Med 2009, 10:356-63.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Kousignian I, Launay O, Mayaud C, et al. Does enfuvirtide increase the risk of bacterial pneumonia in patients receiving combination antiretroviral therapy? J Antimicrob Chemother 2010, 65:138-44.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Madeddu G, Fiori ML, Mura MS. Bacterial community-acquired pneumonia in HIV-infected patients. Curr Opin Pulm Med 2010 Feb 11. [Epub ahead of print]</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Manno D, Puoti M, Signorini L, et al. Risk factors and clinical characteristics associated with hospitalization for community-acquired bacterial pneumonia in HIV-positive patients according to the  presence of liver cirrhosis. Infection 2009, 37:334-9.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Penaranda M, Falco V, Payeras A, et al. Effectiveness of polysaccharide pneumococcal vaccine in HIV-infected patients: a case-control study. Clin Infect Dis 2007;45.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Rimland D, Navin TR, Lennox JL, et al. Prospective study of etiologic agents of community-acquired pneumonia in patients with HIV infection. AIDS 2002, 16:85-95.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Tessmer M. Ambulant erworbene untere Atemwegsinfektionen/ambulant erworbene Pneumonien bei erwachsenen Patienten. Arzneimitteltherapie 2010,28:60-7.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Trottier B, Walmsley S, Reynes J, et al. Safety of enfuvirtide in combination with an optimized background of antiretrovirals in treatment-experienced HIV-1-infected adults over 48 weeks. JAIDS 2005, 40:413-21.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Vogel F, Worth H, Adam D, et al. Rationale Therapie bakterieller Atemwegsinfektionen. Empfehlungen einer Expertengruppe der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.v. und der Deutschen Atemwegsliga. Chemotherapie Journal 2000, 1:3-23</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/bakterielle-pneumonien-11-opportunistische-infektionen-oi/'>Bakterielle Pneumonien</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/997/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/997/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/997/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/997/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/997/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/997/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/997/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/997/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/997/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/997/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/997/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/997/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/997/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/997/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=997&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Kryptosporidien</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:22:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptosporidien]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[C. hominis]]></category>
		<category><![CDATA[chronische Kryptosporidiose]]></category>
		<category><![CDATA[Cryptosporidium parvum]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptosporidiose]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der Kryptosporidien]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der Kryptosporidien]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Die Kryptosporidiose ist eine parasitäre, fäkal-oral übertragene Darmerkrankung, die vor allem durch das Protozoen Cryptosporidium parvum (2 Genotypen existieren, Genotyp 1 wird auch als C. hominis bezeichnet) hervorgerufen wird. Es können sowohl immunkompetente als auch immungeschwächte &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/kryptosporidien-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1003&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die Kryptosporidiose ist eine parasitäre, fäkal-oral übertragene Darmerkrankung, die vor allem durch das Protozoen <em>Cryptosporidium parvum</em> (2 Genotypen existieren, Genotyp 1 wird auch als <em>C. hominis</em> bezeichnet) hervorgerufen wird. Es können sowohl immunkompetente als auch immungeschwächte Menschen betroffen sein (Review: Chen 2002). Seit der Erstbeschreibung 1976 zählen Kryptosporidien zu den wichtigsten Durchfallkeimen weltweit. Haupt-Infektionsquellen dieses intrazellulären Parasiten sind Tiere, kontaminiertes Wasser und Nahrungsmittel. Die Inkubationszeit beträgt etwa 10 Tage. Während die Diarrhoen bei HIV-Patienten mit mehr als 200 CD4-Zellen/µl meist nach wenigen Tagen verschwinden, kann die Kryptosporidiose bei massivem Immundefekt (unter 50 CD4-Zellen/µl) durch Wasser- und Elektrolytverluste chronisch werden (Colford 1996). Die chronische – nicht die akute! – Kryptosporidiose ist AIDS-definierend.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Die wässrigen Diarrhoen können so stark sein, dass sie über Elektrolytverlust und Exsikkose zum Tode führen. 20 Stuhlentleerungen pro Tag sind nicht selten. Meist bestehen Tenesmen, oft Übelkeit und Erbrechen. Allerdings ist die Variabilität der Symptome groß. Fieber fehlt meistens. Gelegentlich kommt es zu einem Befall der Gallengänge mit erhöhten Gallenenzymen. Auch Pankreatitiden sind möglich.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Wichtig ist, dass das Labor bei der Versendung der Stuhlproben explizit auf den Verdacht hingewiesen wird. Andernfalls werden Kryptosporidien meist übersehen. Wenn das Labor Erfahrung hat und den richtigen Tip erhält, reicht meist schon eine Stuhlprobe für den Nachweis. Antikörper oder sonstige Diagnostik helfen dagegen nicht weiter. Differentialdiagnostisch kommen alle Durchfallkeime in Frage.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Bei gutem Immunstatus sind die Diarrhoen selbstlimitierend; wird ein schlechter Immunstatus durch ART verbessert, führt dies oft zu einer Heilung (Carr 1998, Miao 2000). Zusätzlich sollten Loperamid und/oder Tinctura opii simplex (BTM-Rezept, Maximaldosen „ausreizen“!) gegeben werden. Ist dies nicht erfolgreich, sollten andere Durchfallmittel, eventuell auch Sandostatin<sup>®</sup>, probiert werden. Auf eine gute Hydratation ist zu achten – gelegentlich sind Infusionen notwendig.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Eine anerkannte, spezifische Therapie existiert nicht (Reviews: Abubakar 2007, Pantenburg 2009). Wir haben gute Erfahrungen mit Nitazoxanid (Cryptaz<sup>™</sup>) gemacht. Dieses Antihelminthikum war in einer kleinen, randomisierten Studie wirksam (Rossignol 2001). Nitazoxanid wurde 2005 in den USA für Kryptosporidien-assoziierte Durchfälle bei Immunkompetenten zugelassen. Für AIDS-Patienten gibt es keine Zulassung, bei HIV-infizierten Kindern mit Kryptosporidien war es in einer doppelblind-randomisierten Studie ohne jede Wirkung (Amadi 2009).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Rifaximin (Xifaxan™, 200 mg) ist ein nicht-resorbierbares Rifampicin-Derivat, das in den USA als Durchfallmittel bereits zugelassen ist. Erste Daten bei AIDS-Patienten sind vielversprechend (Gathe 2008).</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Paromomycin (Humatin<sup>®</sup>), ein nicht-resorbierbares Aminoglykosid-Antibiotikum, hatte in kleinen, unkontrollierten Studien einen günstigen Effekt auf die Diarrhoen (White 2001). In einer doppelblind-randomisierten Studie zeigte sich jedoch kein Vorteil gegenüber Plazebo (Hewitt 2000). Möglicherweise gibt es aber einen gewissen Effekt in Kombination mit Azithromycin (Smith 1998).</p>
<h5>Therapie/Prophylaxe der Kryptosporidien /Tagesdosierungen)</h5>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:63pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Akuttherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:1in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96"></td>
<td style="width:2.75in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264"></td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Symptomatisch</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:.0001pt;page-break-after:avoid;">Loperamid +</p>
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:.0001pt;page-break-after:avoid;">Opiumtinktur</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:.0001pt;page-break-after:avoid;">Imodium<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span> </sup>2 – 6 x 1 Kps. à 2 mg  <strong>oder</strong></p>
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:.0001pt;page-break-after:avoid;">Imodium Lösung<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span></sup> 2 &#8211; 6 x 10 ml <strong>und/oder</strong></p>
<p class="Tabelle" style="margin-bottom:.0001pt;page-break-after:avoid;">Tinctura opii simplex 1% = 4 x 5-15 Tropfen</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Symptomatisch</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Octreotid</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Sandostatin Injektionslsg.<sup><span style="font-family:Symbol;" lang="DE">®</span> </sup>2-3 x 1 Amp à 50 µg s.c. (Dosis nur langsam steigern)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Heilversuch</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Nitazoxanid</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Cryptaz™ 2 x 1 Tbl. à 500 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Heilversuch</p>
</td>
<td style="width:1in;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rifaximin</p>
</td>
<td style="width:2.75in;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Xifaxan™ 2 x 2 Tbl. à 200 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Heilversuch</p>
</td>
<td style="width:1in;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Paromomycin + Azithromycin</p>
</td>
<td style="width:2.75in;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">HumatinPulvis<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup>3 x 1 Btl. à 1 g <strong>plus</strong> Ultreon<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 1 Tbl. à 600 mg</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Prophylaxe</strong></p>
</td>
<td style="width:1in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96"></td>
<td style="width:2.75in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Expositionsprophylaxe: Kein Leitungswasser trinken</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3>Prophylaxe</h3>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">Eine anerkannte Prophylaxe existiert nicht, obwohl in retrospektiven Studien Rifabutin und Clarithromycin protektiv waren (Holmberg 1998). Wichtiger ist, dass Patienten in Ländern mit Hygiene-Problemen kein Leitungswasser trinken. Der Kontakt zu menschlichen und tierischen Fäkalien sollte vermieden werden. Wir haben außerdem die Erfahrung gemacht, dass Patienten vorwiegend im Sommer erkranken, und zwar oft nach einem Bad in Flüssen wie Isar oder Elbe. Kryptosporidien sind gegen die meisten Desinfektionsmittel resistent. Im Krankenhaus reichen jedoch die üblichen Hygienemaßnahmen (Handschuhe) aus. Die Patienten brauchen nicht isoliert zu werden, sollten aber besser nicht mit anderen immunsupprimierten Patienten zusammengelegt werden</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur<br />
</strong></p>
<p class="Literatur">Abubakar I, Aliyu SH, Arumugam C, Usman NK, Hunter PR. Treatment of cryptosporidiosis in immunocompromised individuals: systematic review and meta-analysis. Br J Clin Pharmacol 2007;63:387-93.</p>
<p class="Literatur">Amadi B, Mwiya M, Musuku J, et al. Effect of nitazoxanide on morbidity and mortality in Zambian children with cryptosporidiosis: a randomised controlled trial. Lancet 2002, 360:1375-1380.</p>
<p class="Literatur">Amadi B, Mwiya M, Sianongo S, et al. High dose prolonged treatment with nitazoxanide is not effective for cryptosporidiosis in HIV positive Zambian children: a randomised controlled trial. BMC Infect Dis 2009, 9:195.</p>
<p class="Literatur">Carr A, Marriott D, Field A, Vasak E, Cooper DA. Treatment of HIV-1 associated microsporidiosis and cryptosporidiosis with combination antiretroviral therapy. Lancet 1998, 351:256-61.</p>
<p class="Literatur">Chen XM, Keithly JS, Paya CV, LaRusso NF. Cryptosporidiosis. N Engl J Med 2002, 346: 1723-31.</p>
<p class="Literatur">Colford JM Jr, Tager IB, Hirozawa AM, et al. Cryptosporidiosis among patients infected with HIV. Factors related to symptomatic infection and survival. Am J Epidemiol 1996, 144:807-16.</p>
<p class="Literatur">Gathe JC Jr, Mayberry C, Clemmons J, Nemecek J. Resolution of severe cryptosporidial diarrhea with rifaximin in patients with AIDS. J AIDS 2008, 48:363-4.</p>
<p class="Literatur">Griffiths JK. Treatment for AIDS-associated cryptosporidiosis. J Infect Dis 1998, 178:915-6.</p>
<p class="Literatur">Hewitt RG, Yiannoutsos CT, Higgs ES, et al. Paromomycin: No more effective than placebo for treatment of cryptosporidiosis in patients with advanced HIV infection. Clin Inf Dis 2000, 31:1084-92.</p>
<p class="Literatur">Holmberg SD, Moorman AC, Von Bargen JC, et al. Possible effectiveness of clarithromycin and rifabutin for cryptosporidiosis chemoprophylaxis in HIV disease. JAMA 1998, 279:384-6.</p>
<p class="Literatur">Miao YM, Awad-El-Kariem FM, Franzen C, et al. Eradication of cryptosporidia and microsporidia following successful antiretroviral therapy. J Acquir Immune Defic Syndr 2000, 25: 124-9.</p>
<p class="Literatur">Pantenburg B, Cabada MM, White AC Jr. Treatment of cryptosporidiosis. Expert Rev Anti Infect Ther 2009, 7:385-91.</p>
<p class="Literatur">Rossignol JF, Ayoub A, Ayers MS. Treatment of diarrhea caused by Cryptosporidium parvum: a prospective randomized, double-blind, placebo-controlled study of Nitazoxanide. J Infect Dis 2001, 184:103-6.</p>
<p class="Literatur">Smith NH, Cron S, Valdez LM, Chappell CL, White AC Jr. Combination drug therapy for cryptosporidiosis in AIDS. J Infect Dis 1998, 178:900-3.</p>
<p class="Literatur">White AC, Cron SG, Chappell CL. Paromomycin in cryptosporidiosis. Clin Inf Dis 2001, 32:1516-7.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/kryptosporidien/'>Kryptosporidien</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/1003/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/1003/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/1003/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/1003/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/1003/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/1003/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/1003/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/1003/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/1003/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/1003/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/1003/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/1003/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/1003/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/1003/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1003&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Kryptokokken</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/kryptokokken/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:20:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptokokken]]></category>
		<category><![CDATA[Progressive multifokale Leukoenzephalopathie]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der Kryptokokkose]]></category>
		<category><![CDATA[pulmonaler Befall]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der Kryptokokkose]]></category>
		<category><![CDATA[ZNS-Manifestation]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Infektionen durch den Hefepilz Cryptococcus neoformans sind gefürchtet, wenn auch in Europa selten. In den USA und in Südostasien sind sie sehr viel häufiger und gehören weltweit zu den wichtigsten AIDS-definierenden Erkrankungen. C. neoformans wird wahrscheinlich per &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/kryptokokken/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1010&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Infektionen durch den Hefepilz <em>Cryptococcus neoformans</em> sind gefürchtet, wenn auch in Europa selten. In den USA und in Südostasien sind sie sehr viel häufiger und gehören weltweit zu den wichtigsten AIDS-definierenden Erkrankungen. <em>C. neoformans</em> wird wahrscheinlich per Inhalation übertragen. Vogelkot ist ein wichtiges Erregerreservoir. Die Lungeninfektion verläuft bei immunkompetenten Personen gelegentlich inapparent, bei HIV-Patienten ist sie fast immer der Beginn einer disseminierten Erkrankung. Der wesentliche Manifestationsort neben den Lungen ist, nach hämatogener Streuung, das ZNS. Eine Liquoruntersuchung ist daher bei jedem Erkrankungsverdacht obligat. Allerdings kommen auch isolierte Hautmanifestationen und Lymphadenitiden vor. Andere Organbeteiligungen mit ossärem, urogenitalem oder gastrointestinalem Befall sind eher selten.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Kryptokokkose tritt fast immer bei massiver Immunschwäche auf. In einer Fallsammlung von 114 Patienten in Deutschland hatten 87 % weniger als 100 CD4-Zellen/µl, der Median lag bei 30/µl (Weitzel 1999). Die Kryptokokkose wird außerdem relativ häufig im Rahmen eines IRIS gesehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Unbehandelt verläuft die Kryptokokkose tödlich. Die Therapie ist kompliziert, langwierig und nur stationär zu empfehlen. Rezidive waren früher häufig (mindestens 15 %), sind durch ART heute aber seltener. Die Prognose hat sich deutlich verbessert, die Mortalität ist von 64 auf 15/100 Personenjahre gesunken – bei allerdings gleich bleibender Frühmortalität (Lortholary 2006).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik</h3>
<p style="text-align:justify;">Die <em>ZNS-Manifestation</em> mit einem enzephalitischen Bild ist am häufigsten (ca. 80 %). Kopfschmerzen, Fieber und innerhalb weniger Tage zunehmende Bewusst-seinsstörungen (Verwirrung) sind typisch. Mitunter bestehen auch Gang-, Hör- oder Visusstörungen sowie Paresen, vor allem der Hirnnerven. Fast immer ist der Hirndruck erhöht. Eine meningeale Reizsymptomatik fehlt dagegen meist. Im Rahmen eines IRIS ist die Klinik oft untypisch und durch Abszedierungen gekennzeichnet (Manfredi 1999).</p>
<p style="text-align:justify;">Bei <em>pulmonalem Befall</em> bestehen Symptome einer atypischen Pneumonie mit unproduktivem Husten und Brustschmerzen. <em>Hautläsionen</em> können anfangs wie Mollusken aussehen, die später zu größeren ulzerativen Läsionen konfluieren.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p style="text-align:justify;">Eine Kryptokokkose ist akut lebensbedrohlich, die Mortalität liegt zwischen 6 und 25 % (Saag 2000). Es darf keine Zeit vertan werden. Bei jedem Verdacht, zum Beispiel bei positivem Kryptokokken-Antigen-Test, müssen vor allem Lunge (HR-CT!) und ZNS (MRT Kopf!) zügig untersucht werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Das Spektrum im HR-CT der Lunge ist vielfältig: Verstreute, kleine Herde wie bei TBC sind möglich, ebenso scharf abgrenzbare, an Bronchopneumonien erinnernde Infiltrate. Kavernen-Bildungen, auch Bronchiektasen kommen vor. Es sollte daher versucht werden, den Erreger über eine BAL eindeutig zu identifizieren.</p>
<p style="text-align:justify;">Das MRT ist im Gegensatz zur Toxoplasmose und zum zerebralen Lymphom oft unauffällig, und einzelne oder multiple Massenläsionen (Kryptokokkome) sind sehr selten. Dennoch ist der Hirndruck bei Patienten oft erhöht. Eine Funduskopie (Papillenödem?) sollte rasch gemacht werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Wichtigste Untersuchung ist dann die Liquorpunktion (nach Funduskopie und MRT!). Sie bringt mit einem Tuschepräparat fast immer die Diagnose. Auch bei pulmonaler oder anderer Lokalisation muss der Liquor untersucht werden, um einen ZNS-Befall auszuschließen. Cryptococcus-Antigen im Blut (Titer &gt; 1:8) ist ein guter Parameter und sollte immer bestimmt werden. Blutkulturen sind ebenfalls oft positiv. Bei kutanem Befall wird die Diagnose zumeist nur bioptisch gestellt.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;">Bei ZNS-Befall ist akut eine Kombination mehrerer Antimykotika dringend zu empfehlen. Auf die Akuttherapie folgt eine Erhaltungstherapie mit Fluconazol (Saag 2000). Fluconazol alleine als Akuttherapie reicht nicht, auch nicht in hohen Dosen, wie kürzlich noch einmal zwei randomisierte Studien aus Afrika zeigten. In diesen lag die Mortalität der Kryptokokkenmeningitis bei 54-59 % in den ersten Wochen (Longley 2008, Makadzange 2009).</p>
<p style="text-align:justify;">Kombinationen verhindern Resistenzen und erlauben eine Verkürzung der Akuttherapie auf vier bis sechs Wochen. Welche Kombination verwendet werden soll, ist nicht geklärt. In Deutschland setzen einige Experten bei ZNS-Befall eine Dreifach-Kombination aus Amphotericin B, Flucytosin und Fluconazol ein. Die Raten einer Vollremission liegen bei etwa 80 % (Weitzel 1999) und damit möglicherweise etwas höher als unter der in den USA bevorzugten Duotherapie mit Amphotericin B und Flucytosin (van der Horst 1997). Eine vergleichende Studie, die die Dreifachtherapie begründen würde, existiert freilich nicht.</p>
<p style="text-align:justify;">In einer kleinen, randomisierten Studie aus Thailand an 64 Patienten war allerdings die Kombination aus Amphotericin B und Flucytosin am effektivsten – gemessen an der Kryptokokken-Clearance im Liquor (Brouwer 2004). Sie war sogar signifikant besser als die Dreifachtherapie oder auch Amphotericin B und Fluconazol.</p>
<p style="text-align:justify;">  Amphotericin in der Dosis von 1 mg/kg ist möglicherweise etwas effektiver als 0,75 mg/kg, wahrscheinlich aber auch toxischer (Bicanic 2008). Wenn Amphotericin B nicht verfügbar ist, ist die Kombination aus Flucytosin und Fluconazol besser als Fluconazol allein (Nussbaum 2010).</p>
<p style="text-align:justify;">Dennoch: Angesichts der Toxizität von Flucytosin (das es hierzulande nur noch als Infusion und nicht mehr in Tablettenform gibt) favorisieren wir die Kombination aus Amphotericin B und Fluconazol. In einer Phase II-Studie war dabei eine hohe Dosis von 800 mg Fluconazol/Tag am wirksamsten (Pappas 2009). Eine neuere Studie zeigte, dass Fluconazol in seiner Wirkung mit Flucytosin vergleichbar ist, wenn es ausreichend hoch dosiert wird (Loyse 2011). Liposomales Amphotericin (Ambisome<sup>®</sup>) ist – abgesehen von einer deutlich geringeren Toxizität – wahrscheinlich etwas wirkungsvoller als konventionelles Amphotericin B (Leenders 1997, Hamill 1999). Die Therapie ist jedoch auch bei Ambisome<sup>®</sup>-haltigen Kombinationen sehr toxisch. Tägliche Kontrollen von Nieren- und Leberwerten, Blutbild und Elektrolyten sind zu empfehlen. Fluconazol sollte insbesondere bei verwirrten Patienten als Infusion gegeben werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Wir fangen außerdem noch während der Akuttherapie mit einer ART an. Vorsicht dabei mit Tenofovir – wir haben ein dialysepflichtiges Nierenversagen unter Tenofovir und Amphotericin gesehen. Es besteht auch ein hohes IRIS-Risiko. Ob die frühe ART sinnvoll ist, wird deshalb unterschiedlich bewertet. In ACTG 5164 war sie von Vorteil (Zolopa 2009), in einer afrikanischen Studie (an allerdings schon zu Beginn schwer kranken Patienten) wurde unter sofortiger ART eine erhöhte Mortalität in den ersten Wochen beobachtet (Makadzange 2010).</p>
<p style="text-align:justify;">Bei isoliert pulmonalem Befall (Liquor negativ!) oder anderen extrazerebralen Manifestationen behandeln wir ebenfalls ohne Flucytosin und beenden die Akuttherapie mit Amphotericin B und Fluconazol schon nach zwei statt nach vier Wochen. Einen positiven Kryptokokken-Antigen-Test ohne Nachweis für ZNS-, Lungen- oder andere Infektion würden wir nur mit Fluconazol behandeln.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Therapieerfolg wird klinisch und mit wiederholten Lumbalpunktionen überwacht. Nach zwei Wochen ist der Liquor in 60 % negativ (Saag 2000). Ist dies der Fall, frühestens aber nach vier Wochen, kann auf eine Erhaltungstherapie umgestellt werden. Je schneller der Liquor negativ ist, desto besser ist die Prognose (Bicanic 2009). Bei erhöhtem Hirndruck kann eine Liquordrainage notwendig werden (Graybill 2000), Steroide sind ohne Effekt (Saag 2000).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Exposition kann mal wohl nicht verhindern. Eine Primärprophylaxe wird auch nicht empfohlen, da selbst in Endemiegebieten wie Thailand kein Überlebensvorteil gezeigt wurde (McKinsey 1999, Chariyalertsak 2002).</p>
<p style="text-align:justify;">Die Sekundärprophylaxe bzw. Erhaltungstherapie besteht aus Fluconazol, das deutlich wirksamer als Itraconazol ist. In einer großen, randomisierten Studie betrug die Rezidivrate unter Fluconazol nur 4 % gegenüber 23 % unter Itraconazol (Saag 1999). Fluconazol kann wahrscheinlich, wie einige Studien nahelegen (Aberg 2002, Kirk 2002, Vibhagool 2003, Mussini 2004), bei ausreichender Immunrekonstitution (über 100 CD4-Zellen, Viruslast drei Monate unter der Nachweisgrenze) und nach mindestens sechs Monaten Erhaltungstherapie abgesetzt werden. Zuvor sollte sicherheitshalber das Cryptococcus-Antigen kontrolliert werden (Mussini 2004). Bei positivem Antigen, das insbesondere bei hohen Titern mit einem erhöhten Rezidivrisiko assoziiert ist (Lortholary 2006), wird die Therapie fortgesetzt.</p>
<h5 style="text-align:justify;">Therapie/Prophylaxe der Kryptokokkose (soweit nicht anders angegeben, Tagesdosierungen), zur Applikation siehe unbedingt auch Medikamententeil</h5>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:63pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Akuttherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:1in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96"></td>
<td style="width:2.75in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Dauer: Immer mindestens sechs Wochen</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-right:medium none;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Therapie der Wahl</p>
</td>
<td style="width:1in;border-right:medium none;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Amphotericin B</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">+ Fluconazol</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">+ Flucytosin*</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-right:medium none;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Amphotericin B<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 0.5-0.75 mg/kg <strong>oder</strong></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">AmBisome<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®Ò</span></sup> 1 x 3 mg/kg (Zubereitung via Apotheke)<strong> plus</strong></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Diflucan<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 2 x 1 Inf.-Flasche à 200 mg i.v.<strong> oder</strong></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Diflucan<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> oder Fluconazol CT/Stada 2 x 1 Kps. à 200 mg <strong>plus </strong></p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ancotil<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 4 x 1 Inf.-Flasche à 250 ml (2,5 g) i.v.</p>
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">(= 100-150 mg/kg verteilt auf 4 Einzelgaben)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:135pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="180">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Erhaltungstherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Absetzen ab &gt; 200 CD4-Zellen/µl &gt; 6 Monate mgl.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Therapie der Wahl</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Fluconazol</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;" lang="DE">Diflucan</span><sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup><span style="color:black;" lang="DE"> oder </span>Fluconazol CT/Stada<span style="color:black;"> 1 x 1-2 Kps. à 200 mg </span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:63pt;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="84">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternative</p>
</td>
<td style="width:1in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="96">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Itraconazol</p>
</td>
<td style="width:2.75in;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><span style="color:black;" lang="PT-BR">Sempera</span><sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup><span style="color:black;" lang="PT-BR"> 2 x 2 Kps. à 100 mg</span></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:135pt;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" colspan="2" valign="top" width="180">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Primär-Prophylaxe</strong></p>
</td>
<td style="width:2.75in;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:0 0 windowtext;border-style:none none solid;border-width:medium medium 1pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="264">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Nicht empfohlen</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h5>*Anmerkung: Wir lassen das Flucytosin meist weg. Die tägliche Fluconazoldosis sollte dann 800 mg betragen. Stattdessen fangen wir noch während der Akuttherapie bei den fast immer unbehandelten Patienten mit einer ART an.</h5>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur<br />
</strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Aberg JA, Price RW, Heeren DM, Bredt B. A pilot study of the discontinuation of antifungal therapy for disseminated cryptococcal disease in patients with AIDS, following immunologic response to ART. J Infect Dis 2002, 185:1179-82.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Bicanic T, Muzoora C, Brouwer AE, et al.  Independent association between rate of clearance of infection and clinical outcome of HIV-associated cryptococcal meningitis: analysis of a combined cohort of 262 patients. Clin Infect Dis 2009, 49:702-9.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Bicanic T, Wood R, Meintjes G, et al. High-dose amphotericin B with flucytosine for the treatment of cryptococcal meningitis in HIV-infected patients: a randomized trial. Clin Infect Dis 2008, 47:123-30.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Brouwer AE, Rajanuwong A, Chierakul W, et al. Combination antifungal therapies for HIV-associated cryptococcal meningitis: a randomised trial. Lancet 2004, 363:1764-7.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Chariyalertsak S, Supparatpinyo K, Sirisanthana T, et al. A controlled trial of itraconazole as primary prophylaxis for systemic fungal infections in patients with advanced HIV infection in Thailand. Clin Infect Dis 2002, 34:277-84.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Graybill JR, Sobel J, Saag M, et al. Diagnosis and management of increased intracranial pressure in patients with AIDS and cryptococcal meningitis. Clin Infect Dis 2000;30:47-54.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Hamill RJ, Sobel J, El-Sadr W, et al. Randomized double blind trial of Ambisome and amphotericin B in acute cryptococcal meningitis in AIDS patients. 39th ICAAC 1999, San Francisco; Abstract 1161.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Kirk O, Reiss P, Uberti-Foppa C, et al. Safe interruption of maintenance therapy against previous infection with four common HIV-associated opportunistic pathogens during potent antiretroviral therapy. Ann Intern Med 2002, 137:239-50.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Leenders AC, Reiss P, Portegies P, et al. Liposomal amphotericin B (AmBisome) compared with amphotericin B both followed by oral fluconazole in the treatment of AIDS-associated cryptococcal meningitis. AIDS 1997, 11:1463-71.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Longley N, Muzoora C, Taseera K, et al. Dose response effect of high-dose fluconazole for HIV-associated cryptococcal meningitis in southwestern Uganda. Clin Infect Dis 2008, 47:1556-61.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Lortholary O, Poizat G, Zeller V, et al. Long-term outcome of AIDS-associated cryptococcosis in the era of combination antiretroviral therapy. AIDS 2006, 20:2183-91.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Loyse A, Wilson D, Meintjes G, et al. Comparison of the early fungicidal activity of high-dose 5-FC, voriconazole, and flucytosine, as second drugs given in combination with amphotericin b, to treatment of hiv-associated cryptococcal meningitis. Abstract 893, 18th CROI 2011, Boston.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Makadzange AT, Ndhlovu CE, Takarinda K, et al. Early versus delayed initiation of antiretroviral therapy for concurrent HIV infection and cryptococcal meningitis in sub-saharan Africa. Clin Infect Dis 2010, 50:1532-8.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Manfredi R, Pieri F, Pileri SA, Chiodo F. The changing face of AIDS-related opportunism: cryptococcosis in the HAART era. Case reports and literature review. Mycopathologia 1999, 148:73-8.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">McKinsey DS, Wheat LJ, Cloud GA, Itraconazole prophylaxis for fungal infections in patients with advanced HIV infection: randomized, placebo-controlled, double-blind study. Clin Infect Dis 1999, 28:1049-56.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Mussini C, Pezzotti P, Miro JM, et al. Discontinuation of maintenance therapy for cryptococcal meningitis in patients with AIDS treated with HAART: an international observational study. Clin Infect Dis 2004, 38:565-71.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Nussbaum JC, Jackson A, Namarika D, et al. Combination flucytosine and high-dose fluconazole compared with fluconazole monotherapy for the treatment of cryptococcal meningitis: a randomized trial in Malawi. Clin Infect Dis 2010, 50:338-44.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Pappas PG, Chetchotisakd P, Larsen RA, et al. A phase II randomized trial of amphotericin B alone or combined with fluconazole in the treatment of HIV-associated cryptococcal meningitis. Clin Infect Dis 2009, 48:1775-83.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Saag MS, Cloud GA, Graybill JR, et al. A comparison of itraconazole versus fluconazole as maintenance therapy for AIDS-associated cryptococcal meningitis. Clin Infect Dis 1999, 28:291-6.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Saag MS, Graybill RJ, Larsen RA, et al. Practice guidelines for the management of cryptococcal disease. Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis 2000, 30:710-8.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">van der Horst CM, Saag MS, Cloud GA, et al. Treatment of cryptococcal meningitis associated with the AIDS. N Engl J Med 1997, 337:15-21.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Vibhagool A, Sungkanuparph S, Mootsikapun P, et al. Discontinuation of secondary prophylaxis for cryptococcal meningitis in HIV-infected patients treated with HAART: a prospective, multicenter, randomized study. Clin Infect Dis 2003, 36:1329-31.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Weitzel A, Arasteh K, Mertenskötter T, et al. Kryptokokkosen bei HIV-positiven Patienten in Deutschland – eine Auswertung 24 deutscher Zentren. In: Brockmeyer NH et al. HIV-Infekt, Springer-Verlag; 1999.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Zolopa A, Andersen J, Powderly W, et al. Early antiretroviral therapy reduces AIDS progression/death in individuals with acute opportunistic infections: a multicenter randomized strategy trial. PLoS 2009, 4:e5575.</p>
<p class="Literatur">
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/kryptokokken/'>Kryptokokken</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/progressive-multifokale-leukoenzephalopathie/'>Progressive multifokale Leukoenzephalopathie</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/1010/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/1010/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/1010/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/1010/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/1010/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/1010/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/1010/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/1010/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/1010/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/1010/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/1010/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/1010/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/1010/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/1010/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1010&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Salmonellen-Septikämie</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:18:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Salmonellen Septikämie]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Ciprofloxacin]]></category>
		<category><![CDATA[Prophylaxe der Salmonellen-Sepsis]]></category>
		<category><![CDATA[Salmonellen-Septikämie bei HIV-Patienten]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie der Salmonellen-Sepsis]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Die Infektion mit nicht-typhoi-den Salmonellenarten, die bei Gesunden in der Regel lediglich eine Enteritis verursachen, können bei immunsupprimierten Patienten schwere Septikämien zur Folge haben (Jacobs 1985). Interessanterweise sind es offenbar gerade hohe Salmonella-Antikörper-Titer, die die zelluläre &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/1014/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1014&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Die Infektion mit nicht-typhoi-den Salmonellenarten, die bei Gesunden in der Regel lediglich eine Enteritis verursachen, können bei immunsupprimierten Patienten schwere Septikämien zur Folge haben (Jacobs 1985). Interessanterweise sind es offenbar gerade hohe Salmonella-Antikörper-Titer, die die zelluläre Immunantwort stören (MacLennan 2010). Wichtigstes Erregerreservoir sind Nahrungsmittel, vor allem Geflügel. Rezidivierende, nicht-typhoide Salmonellen-Septikämien gelten als AIDS-definierend. In Mitteleuropa sind Salmonellen-Septikämien bei HIV-Patienten selten und machen weniger als 1 % aller AIDS-Fälle aus. In der Schweizer Kohorte wurden bei über 9.000 HIV-Patienten über einen Zeitraum von neun Jahren nur 22 Fälle rekurrenter Salmonellosen dokumentiert (Burckhardt 1999).</p>
<p style="text-align:justify;">In Südeuropa oder Afrika viel häufiger, sind Salmonellosen in einigen Regionen bei HIV-Patienten sogar die am häufigsten in Blutkulturen nachgewiesenen Erreger (Gordon 2008). In einer Studie aus Thailand an Patienten mit Fieber waren Salmonellen in 7 % der Fälle beteiligt (Kitkungvan 2008). Beschrieben sind außer Septikämien auch atypische Infektionen mit Osteomyelitiden, Empyemen, Lungenabszessen, Pyleonephritiden oder Meningitiden (Albrecht 1992, Nadelman 1985).</p>
<p style="text-align:justify;">Rezidive waren früher häufig, sind durch ART aber sehr viel seltener geworden. In einer Studie sank die Zahl der Rezidive um 96 % (Hung 2007).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Klinik/Diagnostik</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Patienten sind oft schwer krank. Schüttelfrost, hohes Fieber sind meistens vorhanden, Diarrhoen sind dagegen nicht obligat. Sofern nicht rechtzeitig behandelt wird, droht ein septischer Schock. Mittels Blutkulturen werden in erster Linie die Enteritis-Salmonellenstämme <em>S. enteritides</em> und <em>S. typhimurium</em> isoliert. Die Erreger von Typhus und Paratyphus, <em>S. typhi</em> und <em>S. paratyphi</em>, kommen nur selten vor.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;">Ciprofloxacin ist Mittel der Wahl (Jacobson 1989). Obgleich die orale Bioverfügbarkeit gut ist, favorisieren wir die intravenöse Gabe. In den USA ist die Resistenzlage vergleichsweise günstig (Forrest 2009). Dagegen haben in Asien die Raten an Ciprofloxazin-Resistenzen deutlich zugenommen und liegen teilweise bei bis zu 30 % (Hung 2007). In solchen Fällen bieten sich Cephalosporine wie Cefotaxim oder Ceftriaxon an.</p>
<p style="text-align:justify;">Meist reicht die einwöchige intravenöse Gabe von Ciprofloxacin oder Ceftriaxon aus. Eine orale Erhaltungstherapie sollte auf 6-8 Monate ausgedehnt und nicht zu früh abgesetzt werden (Hung 2001). Die früher lebenslang propagierte Rezidivprophylaxe (Nelson 1992) ist mit ART nicht mehr erforderlich.</p>
<h5 style="text-align:justify;">Therapie/Prophylaxe der Salmonellen-Sepsis /Tagesdosierungen)</h5>
<table class="MsoNormalTable" style="margin-left:3.5pt;border-collapse:collapse;" width="495" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width:82.05pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="109">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Akuttherapie</strong></p>
</td>
<td style="width:54.7pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="73"></td>
<td style="width:200.6pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="267">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">7-14 Tage</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:82.05pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="109">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Therapie der Wahl</p>
</td>
<td style="width:54.7pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="73">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ciprofloxacin</p>
</td>
<td style="width:200.6pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="267">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ciprofloxacin 2 x 1 Inf-Fl. à 200 mg i.v.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:82.05pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="109">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Alternative</p>
</td>
<td style="width:54.7pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="73">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ceftriaxon</p>
</td>
<td style="width:200.6pt;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="267">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Rocephin<sup><span style="font-family:Symbol;color:black;" lang="DE">®</span></sup> 1 x 1 Inf-Fl. à 2 g i.v.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:82.05pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="109">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong>Prophylaxe</strong></p>
</td>
<td style="width:54.7pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="73"></td>
<td style="width:200.6pt;border-right:medium none;background:none repeat scroll 0 0 #f2f2f2;border-color:windowtext 0 0;border-style:solid none none;border-width:1pt medium medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="267">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Gegen Rezidive</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width:82.05pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="109">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;"><strong> </strong></p>
</td>
<td style="width:54.7pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="73">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ciprofloxacin</p>
</td>
<td style="width:200.6pt;border-color:windowtext 0;border-style:solid none;border-width:1pt medium;padding:0 3.5pt;" valign="top" width="267">
<p class="Tabelle" style="page-break-after:avoid;">Ciprofloxacin 2 x 1 Tbl. à 500 mg (6-8 Monate)</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h3 style="text-align:justify;"></h3>
<h3 style="text-align:justify;">Prophylaxe</h3>
<p class="MsoBodyText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;" lang="DE">Eine medikamentöse Prophylaxe wird nicht empfohlen. Allerdings sollten HIV-Patienten generell darauf hingewiesen werden, dass sie insbesondere in südlichen Ländern mehr auf Nahrungsmittelhygiene achten.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Albrecht H, Stellbrink HJ, Fenske S, Steiner P, Greten H. Salmonella typhimurium lung abscesses in an HIV-infected patient: successful treatment with oral ciprofloxacin. AIDS 1992, 6:1400-1.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Burckhardt B, Sendi P, Pfluger D, et al. Rare AIDS-defining diseases in the Swiss HIV Cohort Study. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 1999, 18:399-402.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Forrest GN, Wagner LA, Talwani R, Gilliam BL. Lack of fluoroquinolone resistance in non-typhoidal salmonella bacteremia in HIV-infected patients in an urban US setting. J Int Assoc Physicians AIDS Care 2009, 8:338-41.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Gordon MA. Salmonella infections in immunocompromised adults. J Infect 2008, 56:413-22.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Hung CC, Hsieh SM, Hsiao CF, Chen MY, Sheng WH. Risk of recurrent non-typhoid Salmonella bacteraemia after early discontinuation of ciprofloxacin as secondary prophylaxis in AIDS patients in the era of HAART. AIDS 2001, 15:645-7.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Hung CC, Hung MN, Hsueh PR, et al. Risk of recurrent nontyphoid Salmonella bacteremia in HIV-infected patients in the era of highly active antiretroviral therapy and an increasing trend of fluoroquinolone resistance. Clin Infect Dis 2007;45.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Jacobs JL, Gold JW, Murray HW, Roberts RB, Armstrong D. Salmonella infections in patients with the AIDS. Ann Intern Med 1985, 102:186-8.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Jacobson MA, Hahn SM, Gerberding JL, et al. Ciprofloxacin for Salmonella bacteremia in the AIDS. Ann Intern Med 1989, 110:1027–1029.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Kitkungvan D, Apisarnthanarak A, Plengpart P, Mundy LM. Fever of unknown origin in patients with HIV infection in Thailand: an observational study and review of the literature. Int J STD AIDS 2008, 19:232-5.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">MacLennan CA, Gilchrist JJ, Gordon MA, et al. Dysregulated humoral immunity to nontyphoidal Salmonella in HIV-infected African adults. Science 2010, 328:508-12.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Nadelman RB, Mathur-Wagh U, Yancovitz SR, Mildvan D. Salmonella bacteremia associated with the AIDS. Arch Intern Med 1985, 145:1968-71.</p>
<p class="Literatur" style="text-align:justify;">Nelson MR, Shanson DC, Hawkins DA, Gazzard BG. Salmonella, Campylobacter and Shigella in HIV-seropositive patients. AIDS 1992, 6:1495-8.</p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:'Times New Roman', serif;" lang="DE"><br style="page-break-before:always;" /> </span></p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/salmonellen-septikamie/'>Salmonellen Septikämie</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/1014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/1014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/1014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/1014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/1014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/1014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/1014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/1014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/1014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/1014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/1014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/1014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/1014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/1014/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1014&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Immunrekonstitutionssyndrom (IRIS)</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/immunrekonstitutionssyndrom-iris/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:15:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Immunrekonstitutionssyndrom (IRIS)]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[CMV-IRIS]]></category>
		<category><![CDATA[IRIS]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptokokken-IRIS]]></category>
		<category><![CDATA[Mykobakterielle IRIS]]></category>
		<category><![CDATA[PML-IRIS]]></category>

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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Im Jahr 1997 wurde erstmals über HIV-Patienten berichtet, bei denen sich wenige Wochen nach Beginn einer ART ungewöhnliche CMV-Retinitiden (Jacobsen 1997) bzw. abszedierende MAC-Infektionen (Race 1998) manifestiert hatten. So unterschiedlich Erreger und Lokalisation auch waren – &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/immunrekonstitutionssyndrom-iris/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1019&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Im Jahr 1997 wurde erstmals über HIV-Patienten berichtet, bei denen sich wenige Wochen nach Beginn einer ART ungewöhnliche CMV-Retinitiden (Jacobsen 1997) bzw. abszedierende MAC-Infektionen (Race 1998) manifestiert hatten. So unterschiedlich Erreger und Lokalisation auch waren – gemein waren diesen Krankheitsbildern eine ausgeprägte inflammatorische Komponente und eine Immunrekonstitution. Schon früh wurde daher ein Syndrom postuliert, bei dem eine bereits vor Therapiebeginn latent bestehende Infektion oder Erkrankung durch das sich restaurierende Immunsystem suffizienter bekämpft wird (Übersicht: French 2009).</p>
<p style="text-align:justify;">Dieses “Immunrekonstitutionssyndrom“ (die Abkürzung IRIS steht für „Immune Reconstitution Inflammatory Syndrome“) ist einem kürzlich gefundenen Konsens zufolge definiert ist als eine Verschlechterung eines infektiösen oder inflammatorischen Geschehens, dass in zeitlichem Zusammenhang mit einem ART-Beginn steht (http://www.inshi.umn.edu/). Als Response-Kriterium wird ein Viruslastabfall von mindestens einer Logstufe gefordert, und die Symptome dürfen nicht durch einen erwarteten Verlauf einer bestehenden Infektion, durch Nebenwirkungen, Therapieversagen oder Non-Adhärenz erklärbar sein.</p>
<p style="text-align:justify;">Zu unterscheiden sind subklinische Infektionen, die unter ART demaskiert werden („unmasking IRIS“), von bereits zu ART-Beginn klinisch evidenten Infektionen, die sich unter Therapie paradoxerweise verschlechtern („paradoxical IRIS“). Darüber hinaus muss ein IRIS nicht unbedingt durch eine opportunistische Infektion bedingt sein &#8211; das Spektrum umfasst neben unspezifischen Symptomen auch autoimmune Erkrankungen und Malignome.</p>
<p style="text-align:justify;">So ist das IRIS in vielen Publikationen heute oft ein Panoptikum skurriler, bisweilen grotesker Fallberichte, denen eigentlich nur eins gemeinsam ist: dass es zu unerwarteten, klinisch meist beeindruckenden Problemen unter einer neu begonnenen, wirksamen ART kam. Beim IRIS gelten dennoch drei Regeln:</p>
<p style="text-align:justify;">1. Es gibt nichts, was es nicht gibt.</p>
<p style="text-align:justify;">2. Nichts ist mehr so wie früher. Klinik und Radiologie sind „untypisch“.</p>
<p style="text-align:justify;">3. Ein IRIS bedeutet nicht, dass die ART versagt hat. Die Prognose ist meist gut.</p>
<p style="text-align:justify;">Wie häufig treten Immunrekonstitutionssyndrome auf? Mangels Definition schwanken die Angaben erheblich. Wir halten angesichts unserer eigenen Erfahrung bei Patienten mit weniger als 200 CD4-Zellen/µl eine Häufigkeit von 5-10 % für realistisch. Sehr niedrige CD4-Zellen, eine hohe Viruslast vor Therapiestart und ein rascher Abfall unter ART scheinen Prädiktoren für ein IRIS zu sein. Wenn nur die Patienten berücksichtigt werden, die bereits vor ART-Beginn mit Mykobakterien oder Kryptokokken infiziert waren, werden IRIS-Raten von 30 % und mehr beobachtet (Müller 2010).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Mykobakterielle IRIS: </strong>Für MAC übersteigt die Zahl publizierter Fälle mit fistelnden Lymphadenitiden, kutanen oder muskulären Abszessen, Osteomyelitiden, Nephritiden oder Meningitiden den zitierbaren Rahmen. Wir selber sahen bei insgesamt 83 Patienten, die bei weniger als 200 CD4-Zellen/µl mit ART begannen, in den ersten Wochen nach Therapiebeginn 6 Mykobakteriosen, darunter 4 MAC-Infektionen (Hoffmann 1999). Die Lymphknoten-Abszesse treten meist in den ersten Wochen auf. Es muss nicht immer avium sein: Auch IRIS-Fälle mit <em>Mycobacterium xenopi</em> oder <em>kansasii</em> wurden beschrieben (Chen 2004, Phillips 2005).</p>
<p style="text-align:justify;">Zur Tuberkulose existieren ebenfalls zahlreiche Berichte (John 1998, Chien 1998), die an die seit den 50er Jahren bekannten &#8220;paradoxen&#8221; Reaktionen bei der TB-Therapie erinnern. Gemein ist diesen Patienten, dass sie sich klinisch unter suffizienter Tuberkulostase und ART-vermittelter Immunrekonstitution zunächst drastisch verschlechtern. Meningitiden, zum Teil aber auch exorbitante Lymphknotenschwellungen mit oft unspezifischer Histologie komplizieren den Verlauf, um dann erstaunlich rasch und gut auf Steroide anzusprechen. Die Gabe von Prednisolon hat sich in einer plazebokontrollierten Studie als sehr effektiv erwiesen (Meintjes 2010).</p>
<p style="text-align:justify;">Bei ART-naiven Patienten kann ein früher (sofortiger) ART-Beginn ein IRIS provozieren. In mindestens zwei großen randomisierten Studien (STRIDE und SAPIT) war die IRIS-Rate erhöht, wenn bei bestehender TBC sofort mit ART begonnen wurde. Das erhöhte IRIS-Risiko führte allerdings in beiden Studien nicht zu einer erhöhten Mortalität (Abdool 2011, Havlir 2011). Dem steht eine randomisierte Studie entgegen, die bei der tuberkulösen Meningitis eher ungünstige Effekte durch eine sofortige ART ergab (Torok 2009).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>CMV-IRIS:</strong> Neben den Mykobakteriosen wurden ebenfalls zahlreiche ungewöhnliche CMV-Fälle unter ART publiziert. Bei Patienten mit CMV-Retinitis ist in etwa einem Drittel der Fälle mit einem IRIS zu rechnen (Müller 2010). Die inflammatorische CMV-Retinitis mit visusbedrohender Vitritis, Papillitis und Makulaödem gilt heute als eigenständiges Syndrom und unterscheidet sich im Verlauf erheblich von der klassischen CMV-Retinitis (Jacobson 1997, Karavellas 1999). Neovaskularisierungen bedrohen den Visus selbst nach Ausheilung (Wright 2003). Analog zu MAC zeigten auch hier in vitro-Untersuchungen, dass sich die CMV-spezifische Antwort bei jenen Patienten mit Vitritis am stärksten verbessert (Mutimer 2002, Stone 2002). Inflammatorische CMV-Manifestationen beschränken sich nicht auf die Retina, sondern können auch andere Organe betreffen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PML-IRIS:</strong> Die „inflammatorische PML“ im Rahmen eines IRIS unterscheidet sich grundlegend von den infausten Fällen der „prä-HAART-Ära“ (Collazos 1999, Cinque 2001, Miralles 2001). Die Klinik ist oft zunächst fulminanter, und radiologisch sieht man ein PML-untypisches Kontrastmittel-Enhancement, das sich mit der Zeit allmählich zurückbildet. Die Patienten haben eine günstigere Prognose, und die PML scheint sogar auszuheilen (Hoffmann 2003, Du Pasquier 2003). Wir betreuen inzwischen mehrere Patienten mit inflammatorischer PML, die über Jahre beschwerdefrei und teilweise ohne jede Residualsymptomatik leben. Allerdings gibt es auch Berichte von tödlichen inflammatorischen PML-Fällen (Safdar 2002). Steroide bringen nach unserer Erfahrung nichts, es gibt allerdings mehrere Berichte über positive Effekte (Nuttall 2004, Tan 2009).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Kryptokokken-IRIS: </strong>Auch für Kryptokokkosen sind zahlreiche inflammatorische Verläufe beschrieben (Übersicht: Haddow 2010). Neben MAC/TBC und CMV sind Kryptokokken wahrscheinlich die wichtigsten IRIS-Erreger. Insbesondere bei schwer immunkompromittierten Patienten, die im Anschluss an eine Kryptokokken-Therapie mit ART beginnen, ist in den ersten Monaten Wachsamkeit geboten. Bei diesen koinfizierten Patienten ist in etwa 20 % mit einem Kryptokokkoken-IRIS zu rechnen (Sungkanuparph 2009, Müller 2010). Im MRT zeigt sich meist eine Choriomeningitis mit einem deutlichen Enhancement in den Plexus choroidei. Das Kryptokokken-Antigen im Liquor ist positiv, die Kultur bleibt jedoch negativ (Boelaert 2004). Der Liquordruck ist oft besonders hoch (Shelburne 2005). Neben Meningitiden kommen auch Lymphadenitiden vor (Skiest 2005).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Andere Infektionen:</strong> Auch dazu hält das IRIS-Panoptikum diverse Fallbeispiele parat, so für Leishmaniosen (Jiménez-Expósito 1999), Histoplasmosen (De Lavaissière 2008), Penicilliosen (Ho 2010), Pneumocysten (Barry 2002, Koval 2002, Godoy 2008, Jagannathan 2009, Mori 2009) oder Herpes-Infektionen (Fox 1999). Auch Herpes zoster-Episoden und Schübe von Hepatitis B oder C scheinen unter ART aufzutreten, vor allem in den ersten Wochen (Behrens 2000, Chung 2002, Manegold 2001, Martinez 1998, Domingo 2001). Ein HHV-8-assoziiertes Kaposi-Sarkom kann sich unter ART zunächst deutlich verschlechtern (Bower 2005, Leidner 2005, Feller 2008). Ferner wurde über zunehmende Hautprobleme wie Exazerbationen von Mollusken, Warzen, präexistenten Follikulitiden oder Dermatosen berichtet (Handa 2001, Lehloenyia 2006, Pereira 2007, Iarikov 2008). Sogar zu Parvoviren und Lepra gibt es Berichte (Nolan 2003, Couppie 2004, Bussone 2010, Watanabe 2011).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Andere Erkrankungen:</strong> Längst werden dem IRIS nicht mehr nur OI zugeschrieben, sondern auch Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow, Lupus erythematodes, Sweet- und Reiter-Syndrom, Guillain-Barré-Syndrom, aber auch akute Porphyrie, Gicht oder Sarkoidose, um nur einige zu nennen (Bevilacqua 1999, Behrens 1998, Fox 1999, Gilquin 1998, Makela 2002, Mirmirani 1999, Neumann 2003, Piliero 2003, Sebeny 2010). So wurden sogar zwei Fälle der Peyronie-Krankheit, einer Penisfibromatose (!), berichtet (Rogers 2004). Diese Berichte lassen zumeist jedoch die Frage offen, ob das alles wirklich durch die Immunrekonstitution provoziert wird oder manches nicht bisweilen rein zufällig ist. Während die meisten Arbeiten anfangs noch wenig über hypothetische Überlegungen hinaus zur Ätiologie zu bieten hatten, wurde in letzter Zeit klarer, dass es neben der Aktivierung der zellulären Immunantwort auch Veränderungen des Zytokin-Netzwerkes sind, die in die Pathogenese des IRIS involviert sind – offenbar sind die Mechanismen je nach Erkrankung und genetischem Profil aber unterschiedlich (Price 2001, Shelbourne 2005).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Konsequenzen</h3>
<p style="text-align:justify;">Patienten mit weniger als 200 CD4-Zellen/µl (und vor allem jene mit einer gleichzeitig hohen Viruslast) und eine ART beginnen, sollten in den ersten Wochen klinisch aufmerksam beobachtet werden. Wachsamkeit ist gerade bei jenen deutlich immunsupprimierten Patienten geboten, die sehr lange jegliche antiretrovirale Therapie ablehnten, sich jetzt aber körperlich “angeschlagen“ (subfebril?) fühlen und “nach längerer Überlegung“ doch mit ART beginnen möchten. Hier liegt oft bereits eine latente Infektion vor, die sich bei Immunrekonstitution rasch demaskieren wird. Je schlechter der Immunstatus und je länger er schlecht war, desto höher ist die Gefahr eines IRIS. Obwohl neuere Studien belegen, dass Entzündungsparameter wie CRP, D-Dimere oder auch Zytokine wie IL-6 oder IL-7 prädiktiv für ein IRIS bzw. eine OI sind (Rodger 2009, Antonelli 2010, Porter 2010), hat dies noch nicht Eingang in die Routinediagnostik gefunden.</p>
<p style="text-align:justify;">Röntgen-Thorax, Abdomen-Sonographie und Funduskopie sollten dagegen vor ART-Beginn zum Standardprogramm gehören. Die heute gerne vernachlässigte klinische Untersuchung ist ernst zu nehmen. Für problematisch halten wir den Vorschlag einiger Autoren, bei erheblich immunkompromittierten Patienten noch vor ART mit einer MAC-Prophylaxe zu beginnen. Prophylaxen können ein MAC-IRIS nicht verhindern (Phillips 2002+2005). Ob die Gabe von IL-2 oder GM-CSF Sinn macht (Pires 2005), müssen prospektive Studien erst beweisen.</p>
<p style="text-align:justify;">Insbesondere bei Mykobakteriosen sollte dagegen mit Steroiden nicht gespart werden. In einer randomisierten Studie zeigte sich ein deutlicher klinischer Vorteil durch Prednisolon (Meintjes 2010).</p>
<p style="text-align:justify;">In jedem Fall sollte man sich auf untypische Lokalisationen, Befunde und Verläufe der opportunistischen Infektionen einstellen. Die Prognose des IRIS ist generell gut, die Mortalität ist nicht höher als bei Patienten ohne IRIS (Park 2006).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Abdool K, Naidoo N, Padayatchi N, et al. Optimal Timing of ART during TB Therapy: Findings of the SAPiT Trial. Abstract 39LB, 18th CROI 2011, Boston.</p>
<p style="text-align:justify;">Abdool Karim SS, Naidoo K, Grobler A, et al. Timing of initiation of antiretroviral drugs during tuberculosis therapy. N Engl J Med 2010, 362:697-706.</p>
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		<title>Wasting-Syndrom</title>
		<link>http://hivbuch.de/2012/01/11/wasting-syndrom/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:10:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Progressive multifokale Leukoenzephalopathie]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Wasting-Syndrom]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie des Wasting-Syndroms]]></category>
		<category><![CDATA[ungewollte Gewichtsabnahme]]></category>
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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann - Unter dem klassischen Wasting-Syndrom versteht man eine ungewollte Gewichtsabnahme von mindestens 10 % des ursprünglichen Körpergewichts, die gleichzeitig mit persistierenden Diarrhoen (mindestens zwei Stuhlgänge pro Tag für mehr als 30 Tage) oder Abgeschlagenheit und/oder Fieber ohne erkennbare &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/wasting-syndrom/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1021&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann -</p>
<p style="text-align:justify;">Unter dem klassischen Wasting-Syndrom versteht man eine ungewollte Gewichtsabnahme von mindestens 10 % des ursprünglichen Körpergewichts, die gleichzeitig mit persistierenden Diarrhoen (mindestens zwei Stuhlgänge pro Tag für mehr als 30 Tage) oder Abgeschlagenheit und/oder Fieber ohne erkennbare infektiöse Ursache auftritt. Das Wasting-Syndrom ist damit eine Ausschlussdiagnose und eher ein epidemiologisches Instrument als eine spezifische Erkrankung – wenn intensiv und kompetent gesucht wird, findet man meistens einen spezifischen Erreger. Früher in jeder HIV-Ambulanz ein alltägliches Bild, ist das klassische Wasting-Syndrom in Europa und den USA selten geworden. In einer großen Studie aus dem Jahr 2000 gaben allerdings noch immerhin 14 % der Patienten an, mehr als 10 % ihres ursprünglichen Körpergewichts verloren zu haben (Wanke 2000). Bei Konsumenten intravenöser Drogen sind die Raten noch höher (Campa 2005). Gewichtsverlust bleibt auch heute ein unabhängiger Mortalitätsfaktor, und jeder Patient gehört regelmäßig auf die Waage! In einer großen Studie lag das Mortalitätsrisiko bei Patienten, die mehr als 10 % des Körpergewichts verloren hatten, um das 4-6-fache über den von Patienten mit stabilem Gewicht (Tang 2002). Die Patienten mit klassischem Wasting-Syndrom sind oft sehr geschwächt. Ihr Risiko, opportunistische Infektionen zu erleiden, ist deutlich erhöht (Dworkin 2003). Auch die kognitiven Fähigkeiten der Patienten sind vermindert (Dolan 2003).</p>
<h3 style="text-align:justify;">Diagnostik</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Ursachen des Wasting-Syndroms sind komplex. Zunächst sollten opportunistische Infektionen (TBC, MAC, Krypto- und Mikrosporidien) ausgeschlossen bzw. behandelt werden. Ist nichts zu finden, bleiben immer noch so unterschiedliche Gründe wie metabolische Störungen, Hypogonadismus, Mangelernährung und Malabsorptionssyndrome (Übersicht: Grinspoon 2003), die natürlich auch kombiniert zum Wasting-Syndrom beitragen können.</p>
<p style="text-align:justify;">Am Anfang steht deshalb die Anamnese. Ernährt sich der Patient vernünftig? Was wird wann über den Tag gegessen? Besteht eine Depression? Welche Medikamente, welche ART wird eingenommen? Oft bestehen fließende Übergänge zur antiretroviral induzierten Lipoatrophie (D4T? DDI?). Unter Interferon ist ein starker Gewichtsverlust ebenfalls häufig (Garcia-Benayas 2002). Er bildet sich nach Beendigung der Therapie jedoch rasch wieder zurück. Als nächstes sollte ein Hypogonadismus ausgeschlossen werden (Messung von Testosteron). Für die Malabsorptionssyndrome stehen verschiedene einfache Untersuchungen zur Verfügung. Fürs Erste macht es Sinn, Albumin, TSH und Cholesterin zu bestimmen.</p>
<p style="text-align:justify;">Weitere Tests wie D-Xylose-Absorptionstest oder Dünndarmbiopsien sollten nur in Absprache mit Gastroenterologen unternommen werden. Auch die diversen Tests zur Bestimmung der Körperzusammensetzung (DEXA, Densitrometrie, bioelektrische Impedanzanalyse) sollten nur in Zentren angewendet werden, in denen Erfahrungen mit Wasting-Syndrom bei AIDS-Patienten bestehen.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Therapie</h3>
<p style="text-align:justify;">Wasting-Syndrome sind ein Fall für eine kompetente Ernährungsberatung. Bewegung bzw. Sport ist, wenn möglich, ebenfalls sinnvoll. Beides ist allerdings nur in Grenzen erfolgreich. Eine unterstützende parenterale Ernährung hilft nur bei Resorptionsstörungen (Kotler 1990, Melchior 1996). Wichtig ist eine ART, die möglichst auf AZT, D4T und DDI, eventuell sogar ganz auf Nukleosidanaloga verzichtet (siehe Kapitel <em>Nuke-Sparing</em>).</p>
<p style="text-align:justify;">Darüber hinaus sind viele medikamentöse Therapien versucht worden. Sie sind jedoch nur begrenzt erfolgreich und oft problematisch.</p>
<p style="text-align:justify;">Megestrolacetat, ein synthetisches Gestagen, das in Deutschland als Megestat<sup>®</sup> bei fortgeschrittenem Mamma-Karzinom zugelassen ist, hat durch seinen appetitstimulierenden Effekt auch einen Benefit beim Wasting-Syndrom (Von Roenn 1994, Mulligan 2006). Wesentliche Probleme sind Steroid-typische Nebenwirkungen, zu denen unter anderem auch ein Hypogonadismus zählt – etwas, was man beim Wasting-Syndrom eigentlich unbedingt verhindern will und was durch die gleichzeitige Testosterongabe nicht unbedingt besser wird (Mulligan 2006). Wir halten den Einsatz dieser Substanz daher derzeit nicht für sinnvoll.</p>
<p style="text-align:justify;">Was ist mit THC (Dronabinol)? Dronabinol, der Hauptwirkstoff von Marihuana, ist seit 1998 in Deutschland als <em>Betäubungsmittel</em> zugelassen. Allerdings gibt es kein zugelassenes <em>Arzneimittel</em> mit diesem Wirkstoff, so dass Dronabinol entweder als Import (seit 1985 in den USA als Marinol<sup>™</sup> erhältlich) oder als Rezeptursubstanz zur Herstellung von Tropfen oder Hartgelatinekapseln verschrieben werden muss. Die Substanz übt sicherlich einen gewissen Reiz auf manche Patienten aus und wird zuweilen von einigen auch energisch eingefordert. Man tut gut daran, sich die Verschreibung auch angesichts der Kosten (in der üblichen Dosis von 3 x 5 mg/die ca. 600 Euro pro Monat) gut zu überlegen. Ohne ein eindeutiges Wasting-Syndrom wird man nämlich erhebliche Probleme mit der Krankenkasse bekommen (vorher kontaktieren!). Einige Krankenkassen lehnen die Erstattung generell ab. Abgesehen davon ist der Effekt auf Wasting-Syndrome allenfalls mäßig, wenn überhaupt einer nachweisbar ist (Beal 1995). Die Effekte sind wahrscheinlich noch schwächer als durch Megestrolacetat (Timpone 1997). Hergestellt wird THC in Deutschland durch die Firma THC Pharm. Der Grund für den hohen Preis liegt in dem aufwendigen Herstellungsprozess – THC muss aus juristisch korrektem Faserhanf extrahiert werden, weitere Infos dazu unter http://www.thc-pharm.de. Wir haben in den letzten Jahren keine THC-Rezepte mehr ausgestellt.</p>
<p style="text-align:justify;">Hypogonadismus ist ein häufiges Problem bei Patienten mit Wasting-Syndrom. Es macht daher Sinn, die Testosteron-Spiegel (altersabhängig!) zu bestimmen. Wenn diese niedrig sind, ist eine Testosteron-Substitution wirksam, sowohl was Gewichtszunahme als auch Lebensqualität angeht (Grinspoon 1998). Gegeben wird Testosteron in der Dosis von 250 mg i.m. alle 3-4 Wochen, es gibt eine Reihe preiswerter Generika. Der Effekt hält auch bei Langzeitanwendung an (Grinspoon 1999). Bei normalem Testosteron-Spiegel macht eine Substitution bei Wasting-Syndrom keinen Sinn. Bei Frauen sollte man mit Androgenen zurückhaltend sein. Neben Testosteron existieren noch einige andere anabole Steroide, wie zum Beispiel Oxandrolon oder Nandrolon. Sie sind möglicherweise etwas effektiver als Testosteron (Gold 2006, Sardar 2010), aber wahrscheinlich mit mehr Nebenwirkungen belastet, die vor allem die Leber betreffen (Corcoran 1999). Positive Effekte wurden auch für das anabole Steroid Oxymetholon berichtet (Hengge 2003), bei dem allerdings teilweise erhebliche Transaminasen-Erhöhungen beobachtet werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Nebenwirkungen und Kosten begrenzen auch den Einsatz von Wachstumshormonen, über deren Konsequenzen bei Langzeitanwendung zudem noch nichts bekannt ist (Mulligan 1993, Schambelan 1996). Einer Metaanalyse zufolge gibt es allerdings Hinweise, dass Wachstumshormone beim Wasting-Syndrom effektiver sind als anabole Steroide bzw. Testosteron (Moyle 2004). Wesentliche Nebenwirkungen sind Glukose-Erhöhungen, Arthralgien, Myalgien und periphere Ödeme, die jedoch auf Absetzen oder Dosisreduktionen ansprechen (Review: Gelato 2007).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Beal JE, Olson R, Laubenstein L, et al. Dronabinol as a treatment for anorexia associated with weight loss in patients with AIDS. J Pain Symptom Manage 1995;10:89-97.</p>
<p style="text-align:justify;">Corcoran C, Grinspoon S. Treatments for wasting in patients with the acquired immunodeficiency syndrome. NEJM 1999, 340:1740-50.</p>
<p style="text-align:justify;">Dolan S, Montagno A, Wilkie S, et al. Neurocognitive Function in HIV-Infected Patients With Low Weight and Weight Loss. J Acquir Immune Defic Syndr 2003; 34: 155-64.</p>
<p style="text-align:justify;">Dworkin MS, Williamson JM. AIDS wasting syndrome: trends, influence on opportunistic infections, and survival. J AIDS 2003; 33: 267-73.</p>
<p style="text-align:justify;">Garcia-Benayas T, Blanco F, Soriano V. Weight loss in HIV-infected patients. N Engl J Med 2002, 347: 1287-8.</p>
<p style="text-align:justify;">Gelato M, McNurlan M, Freedland E. Role of recombinant human growth hormone in HIV-associated wasting and cachexia: pathophysiology and rationale for treatment. Clin Ther 2007;29:2269-88.</p>
<p style="text-align:justify;">Gold J, Batterham MJ, Rekers H, et al. Effects of nandrolone decanoate compared with placebo or testosterone on HIV-associated wasting. HIV Med 2006, 7:146-55.</p>
<p style="text-align:justify;">Grinspoon S, Corcoran C, Anderson E, Hubbard J, Basgoz N, Klibanski A. Sustained anabolic effects of long-term androgen administration in men with AIDS wasting. Clin Infect Dis 1999, 28:634-636.</p>
<p style="text-align:justify;">Grinspoon S, Corcoran C, Askari H, et al. Effects of androgen administration in men with the AIDS wasting syndrome: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Ann Intern Med 1998;129:18-26.</p>
<p style="text-align:justify;">Grinspoon S, Mulligan K. Weight loss and wasting in patients infected with human immunodeficiency virus. Clin Infect Dis 2003; 36: S69-78.</p>
<p style="text-align:justify;">Hengge UR, Stocks K, Faulkner S, et al. Oxymetholone for the treatment of HIV-wasting: a double-blind, randomized, placebo-controlled phase III trial in eugonadal men and women. HIV Clin Trials 2003; 4:150-63.</p>
<p style="text-align:justify;">Kotler DP, Tierney AR, Culpepper-Morgan JA, Wang J, Pierson RN Jr. Effect of home total parenteral nutrition on body composition in patients with AIDS. J Parenter Enteral Nutr 1990;14:454-458.</p>
<p style="text-align:justify;">Melchior J, Chastang C, Gelas P, et al. Efficacy of 2-month total parenteral nutrition in AIDS patients: a controlled randomized prospective trial. AIDS 1996;10:379-384.</p>
<p style="text-align:justify;">Mulligan K, Grunfeld C, Hellerstein MK, et al. Anabolic effects of recombinant human growth hormone in patients with wasting associated with HIV infection. J Clin Endocrinol Metab 1993, 77:956-962.</p>
<p style="text-align:justify;">Mulligan K, Zackin R, Von Roenn JH, et al. Testosterone supplementation of megestrol therapy does not enhance lean tissue accrual in men with hiv-associated weight loss: A randomized, double-blind, placebo-controlled multicenter trial. J Clin Endocrinol Metab 2006 Nov 7;</p>
<p style="text-align:justify;">Sardar P, Jha A, Roy D, Majumdar U, et al. Therapeutic effects of nandrolone and testosterone in adult male HIV patients with AIDS wasting syndrome (AWS): a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. HIV Clin Trials 2010, 11:220-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Schambelan M, Mulligan K, Grunfeld C, et al. Recombinant human growth hormone in patients with HIV-associated wasting: a randomized, placebo-controlled trial. Ann Intern Med 1996, 125:873-882.</p>
<p style="text-align:justify;">Tang AM, Forrester J, Spiegelman D, et al. Weight loss and survival in HIV-positive patients in the era of highly active antiretroviral therapy. J AIDS 2002, 31: 230-6.</p>
<p style="text-align:justify;">Timpone JG, Wright DJ, Li N, et al. The safety and pharmacokinetics of single-agent and combination therapy with megestrol acetate and dronabinol for the treatment of HIV wasting syndrome. AIDS Res Hum Retroviruses 1997, 13:305-15.</p>
<p style="text-align:justify;">Von Roenn JH, Armstrong D, Kotler DP, et al. Megesterol acetate in patients with AIDS-related cachexia. Ann Intern Med 1994, 121:393-399.</p>
<p style="text-align:justify;">Wanke CA, Silva M, Knox TA, et al. Weight loss and wasting remain common complications in individuals infected with HIV in the era of highly active antiretroviral therapy. Clin Infect Dis 2000, 31:803-5.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/'>11. Opportunistische Infektionen (OI)</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/progressive-multifokale-leukoenzephalopathie/'>Progressive multifokale Leukoenzephalopathie</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/'>Teil 3 AIDS</a>, <a href='http://hivbuch.de/category/teil-3-aids/11-opportunistische-infektionen-oi/wasting-syndrom/'>Wasting-Syndrom</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/hivbuch.wordpress.com/1021/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/hivbuch.wordpress.com/1021/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/hivbuch.wordpress.com/1021/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/hivbuch.wordpress.com/1021/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/hivbuch.wordpress.com/1021/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/hivbuch.wordpress.com/1021/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/hivbuch.wordpress.com/1021/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/hivbuch.wordpress.com/1021/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/hivbuch.wordpress.com/1021/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/hivbuch.wordpress.com/1021/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/hivbuch.wordpress.com/1021/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/hivbuch.wordpress.com/1021/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/hivbuch.wordpress.com/1021/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/hivbuch.wordpress.com/1021/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1021&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Seltene opportunistische Infektionen (OI)</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:05:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[11. Opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Seltene opportunistische Infektionen (OI)]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 3 AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[Aspergillosen]]></category>
		<category><![CDATA[Bazilläre Angiomatose]]></category>
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		<description><![CDATA[- Christian Hoffmann und Gerd Fätkenheuer - Im Folgenden sollen OIs beschrieben werden, die in Mitteleuropa kaum vorkommen oder durch ART sehr selten geworden sind. Diese betreffen HIV-Patienten öfter als Immunkompetente, verlaufen schwerer als bei HIV-negativen Patienten und rezidivieren häufiger. &#8230; <a href="http://hivbuch.de/2012/01/11/seltene-opportunistische-infektionen-oi/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=hivbuch.de&#038;blog=30302943&#038;post=1024&#038;subd=hivbuch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">- Christian Hoffmann und Gerd Fätkenheuer -</p>
<p style="text-align:justify;">Im Folgenden sollen OIs beschrieben werden, die in Mitteleuropa kaum vorkommen oder durch ART sehr selten geworden sind. Diese betreffen HIV-Patienten öfter als Immunkompetente, verlaufen schwerer als bei HIV-negativen Patienten und rezidivieren häufiger. Dennoch sind nur drei, Histoplasmose, Isosporiasis und Kokzidioidomykose, nach der aktuellen WHO-Klassifikation AIDS-definierend.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Aspergillosen</h3>
<p style="text-align:justify;">Obwohl Aspergillosen praktisch nur bei massivem Immundefekt vorkommen, sind sie nicht AIDS-definierend. In der weltweit größten Serie von 342 Fällen invasiver Aspergillosen bei HIV hatten fast alle Patienten unter 50 CD4-Zellen/µl (Mylonakis 1998). Hauptmanifestation ist die Lunge (Pneumonie, Tracheobronchitis), aber auch extrapulmonale Infektionen kommen vor. Sie betreffen am ehesten das ZNS, können jedoch prinzipiell überall lokalisiert sein. Sinusitiden oder Abszesse (Niere, Leber) sind andere Manifestationen (Hunt 2000, Mylonakis 2000).</p>
<p style="text-align:justify;">Aspergillosen können bei HIV-Patienten vor allem auftreten, wenn aufgrund einer anderen OI (zu) lange Steroide gegeben werden. Neben Steroiden ist eine schwere Neutropenie ein weiterer Risikofaktor. <em>Aspergillus fumigatus</em> ist der mit Abstand häufigste Erreger (&gt; 90 %), daneben treten <em>A. niger</em>, <em>A. terreus</em>, <em>A. flavus</em> und <em>A. nidulans</em> auf. Die meist schwer kranken Patienten klagen über Fieber, Husten, Dyspnoe und Brustschmerzen. Oft bestehen Hämoptysen.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Diagnose ist nur bioptisch zuverlässig zu stellen. Ein Serum-Antigentest auf Galactomannan, einem Bestandteil der Zellwand von Aspergillus (allerdings auch anderer Pilze!) kann die Verdachtsdiagnose stützen. Auch der Nachweis von Aspergillus in pulmonalen Sekreten gilt als Indiz für eine Infektion, ist allerdings häufig kolonisationsbedingt. Das Röntgen-Thorax bleibt oft unauffällig. Im HR-CT sind pulmonale Herde mit Halo oder kavitäre Läsionen verdächtig auf Aspergillose.</p>
<p style="text-align:justify;">Eine antimykotische Therapie sollte bereits bei Verdacht begonnen werden. Jede Verzögerung verschlechtert die ohnehin recht ungünstige Prognose erheblich – der mikrobiologische Nachweis in der Biopsie darf nicht abgewartet werden! Als Therapie der Wahl gilt derzeit Voriconazol, das in einer randomisierten Studie höhere Ansprechraten als Amphotericin B erzielte (Herbrecht 2002). Voriconazol wird in der Dosis von 2 x 4 mg i.v./kg/Tag (Loading-Dose: 2 x 6 mg/kg Tag 1, Umstellung auf orale Therapie mit 2 x 200 mg/Tag ab Tag 7) gegeben. Es hat den Vorteil der effektiven Penetration ins Hirnparenchym (Schwartz 2005), allerdings kommt es in etwa 20 % zu Sehstörungen und oft zu (reversiblen) Leberwerterhöhungen.</p>
<p style="text-align:justify;">Alternativen für Voriconazol ist Amphotericin B, dessen Unterlegenheit von einigen Autoren bezweifelt wird (Jorgensen 2006). Der Effekt von Kombinationen mit mehreren antifungalen Substanzen wie z. B. bei Kryptokokken ist nicht bewiesen. Bei Unverträglichkeit, Kontraindikation oder Therapieversagen kommen liposomales Amphotericin B, Caspofungin, Posaconazol oder hochdosiertes Itraconazol in Frage (Dockrell 2008). Eine systemische Steroidtherapie sollte wenn irgend möglich abgesetzt und jeder Patient umgehend antiretroviral therapiert werden. Es gibt Fallberichte, bei denen eine Dauertherapie bei ausreichender Immunrekonstitution abgesetzt werden konnte (Yoganathan 2009).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Umfassende Übersicht: Aspergillose &#8211; Stand des Wissens zu Diagnose, Therapie;</p>
<p style="text-align:justify;">Dockrell DH. Salvage therapy for invasive aspergillosis. J Antimicrob Chemother 2008;61:Suppl 1.</p>
<p style="text-align:justify;">Herbrecht R, Denning DW, Patterson TF, et al. Voriconazole versus amphotericin B for primary therapy of invasive aspergillosis. N Engl J Med 2002, 347:408-15.</p>
<p style="text-align:justify;">Hoang A. Caspofungin acetate: an antifungal agent. Am J Health Syst Pharm 2001, 58:1206-14.</p>
<p style="text-align:justify;">Hunt SM, Miyamoto RC, Cornelius RS, Tami TA. Invasive fungal sinusitis in the AIDS. Otolaryngol Clin North Am 2000, 33:335-47.</p>
<p style="text-align:justify;">Jorgensen KJ, Gotzsche PC, Johansen HK. Voriconazole versus amphotericin B in cancer patients with neutropenia. Cochrane Database Syst Rev 2006; 0.</p>
<p style="text-align:justify;">Mylonakis E, Barlam TF, Flanigan T, Rich JD. Pulmonary aspergillosis and invasive disease in AIDS: review of 342 cases. Chest 1998, 114:251-62.</p>
<p style="text-align:justify;">Mylonakis E, Paliou M, Sax PE, Skolnik PR, Baron MJ, Rich JD. Central nervous system aspergillosis in patients with HIV infection. Report of 6 cases and review. Medicine (Baltimore) 2000, 79:269-80.</p>
<p style="text-align:justify;">Schwartz S, Ruhnke M, Ribaud P, et al. Improved outcome in central nervous system aspergillosis, using voriconazole treatment. Blood 2005, 106:2641-5.</p>
<p style="text-align:justify;">Yoganathan K. Long-term suppressive therapy for pulmonary aspergilloma in an immunocompromised man with AIDS. Is it always necessary? Int J STD AIDS 2009, 20:434-6.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Bazilläre Angiomatose</h3>
<p style="text-align:justify;">Die bazilläre Angiomatose (BA) wurde schon in den 80er Jahren bei HIV-Patienten beschrieben (Übersicht: Maguina 2000). Sie wird verursacht durch die beiden Rickettsien-Spezies <em>Bartonella henselae</em> und <em>Bartonella quintana</em> (bis Anfang der 90er Jahre noch &#8220;Rochalimaea&#8221;). Katzen sind der Hauptwirt für <em>Bartonella henselae</em>, Katzenflöhe der Vektor. Für <em>Bartonella quintana</em> werden verschiedene Erregerreservoire diskutiert, es erkranken häufig Patienten aus sozial schwachen Verhältnissen, insbesondere Obdachlose (Gasquet 1998). In Spanien hatten von 340 HIV-Patienten 22 % Antikörper gegen Bartonellen (Pons 2008). In Nord- und Südamerika kommt die BA wahrscheinlich häufiger vor als in Europa &#8211; in Brasilien lag die Rate der Patienten mit Antikörpern bei 38 % (Lamas 2010). In einer Untersuchung an 382 febrilen HIV-Patienten in San Francisco waren Bartonellen in 18 % die Ursache (Koehler 2003).</p>
<p style="text-align:justify;">Die BA ist daher bei unklaren Hauteffloreszenzen eine wichtige Differentialdiagnose. Die vaskulären Haut-Proliferationen können solitär auftreten, sind jedoch meist multipel und werden als kirschrote oder purpurfarbene Knoten klinisch (und histologisch!) mit Kaposi-Sarkomen oder auch Hämangiomen verwechselt. Auch trockene, hyperkeratotische Veränderungen kommen vor, die an eine Psoriasis erinnern. Neben Haut ist in etwa 25 % auch das Skelett betroffen, und zwar mit osteolytischen, schmerzhaften Herden (AP-Erhöhung!). In einer Fallsammlung von 21 Patienten waren bei 19 die Haut, bei 5 Knochen und bei 4 die Leber involviert (Plettenberg 2000). Auch über Lymphknoten-, Muskel- und ZNS-Beteiligungen sowie Manifestationen an Auge, Gingiva und Gastrointestinaltrakt wurde berichtet.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Diagnose der BA ist nicht einfach. Die gramnegativen Erreger sind aus Biopsiematerial nur mittels Warthin-Starry-Silberfärbung sichtbar zu machen. Wer keine Warthin-Starry-Silberfärbung macht, wird keine bazilläre Angiomatose diagnostizieren! Pathologen sollten auf den Verdacht hingewiesen werden, da diese Färbung nicht Routine ist. Auch eine PCR ist möglich. Zu weiteren Fragen sollte das Konsiliarlaboratorium in Freiburg kontaktiert werden (Adressen sind über die Website des Robert Koch-Instituts erhältlich, <a href="http://www.rki.de/">http://www.rki.de</a>, Sektion Service).</p>
<p style="text-align:justify;">Die Therapie besteht aus Erythromycin (mindestens vier Wochen 4 x 500 mg/die). Rezidive sind häufig, weswegen einige Behandler eine mindestens dreimonatige Therapie favorisieren. Auch Clarithromycin und Doxycyclin sollen wirksam sein, letzteres gilt als Therapie der Wahl bei ZNS-Beteiligung. Weil Katzen die wesentlichen Überträger sind, empfehlen amerikanische Leitlinien, keine Katzen als Haustiere zu halten. Wenn es unbedingt eine Katze als Haustier sein muss: Sie sollte älter als ein Jahr und gesund sein. Kratzverletzungen sollten vermieden werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Cockerell CJ, LeBoit PE. Bacillary angiomatosis: a newly characterized, pseudoneoplastic, infectious, cutaneous vascular disorder. J Am Acad Dermatol 1990, 22:501-12.</p>
<p style="text-align:justify;">Gasquet S, Maurin M, Brouqui P, Lepidi H, Raoult D. Bacillary angiomatosis in immunocompromised patients. AIDS 1998, 12:1793-803.</p>
<p style="text-align:justify;">Koehler JE, Sanchez MA, Garrido CS, et al. Molecular epidemiology of bartonella infections in patients with bacillary angiomatosis-peliosis. N Engl J Med 1997, 337:1876-83.</p>
<p style="text-align:justify;">Koehler JE, Sanchez MA, Tye S, et al. Prevalence of Bartonella infection among hiv-infected patients with fever. Clin Infect Dis 2003, 37:559-66.</p>
<p style="text-align:justify;">Lamas CC, Mares-Guia MA, Rozental T, et al. Bartonella spp. infection in HIV positive individuals, their pets and ectoparasites in Rio de Janeiro, Brazil: serological and molecular study. Acta Trop 2010, 115:137-41.</p>
<p style="text-align:justify;">LeBoit PE, Berger TG, Egbert BM, Beckstead JH, Yen TSB, Stoler MH. Bacillary angiomatosis: the histopathology and differential diagnosis of a pseudoneoplastic infection in patients with HIV disease. Am J Surg Pathol 1989, 13:909-920.</p>
<p style="text-align:justify;">Maguina C, Gotuzzo E. Bartonellosis. New and old. Infect Dis Clin North Am 2000, 14:1-22. Komplett im</p>
<p style="text-align:justify;">Plettenberg A, Lorenzen T, Burtsche BT, et al. Bacillary angiomatosis in HIV-infected patients&#8211;an epidemiological and clinical study. Dermatology 2000, 201:326-31.</p>
<p style="text-align:justify;">Pons I, Sanfeliu I, Nogueras MM, et al. Seroprevalence of Bartonella spp. infection in HIV patients in Catalonia, Spain. BMC Infect Dis 2008, 8:58.</p>
<p style="text-align:justify;">Stoler MH, Bonfiglio TA, Steigbigel RB, et al: An atypical subcutaneous infection associated with AIDS. Am J Clin Pathol 1983, 80:714-718.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Histoplasmose</h3>
<p style="text-align:justify;"><em>Histoplasma capsulatum</em> ist ein dimorpher Schimmelpilz, der vorwiegend in feuchter Erde lebt und dem Namen zum Trotz keine Kapsel besitzt. Endemiegebiete sind der Süden und Mittlere Westen der USA, aber auch Mittelamerika und Afrika. In Deutschland ist die Histoplasmose eine Rarität. Werden die Mikrokonidien, die Sporen von <em>H. capsulatum</em>, eingeatmet, können sie bei Immunkompetenten eine granulomatöse Erkrankung in der Lunge hervorrufen. Bei HIV-Patienten mit eingeschränktem Immunstatus (85-95 % haben weniger als 100 CD4-Zellen/µl) führt die Infektion zu einer akuten, lebensbedrohlichen Erkrankung mit trockenem Husten, Fieber, Dyspnoe und Krankheitsgefühl (Gutierrez 2005, Mora 2008). Miliar-TB oder PCP sind wichtige Differentialdiagnosen. Außerdem kommen disseminierte Verlaufsformen vor, bei denen der Erreger im Knochenmark oder mittels Leberbiopsie nachgewiesen werden kann (Albrecht 1994). Auch die Haut (Ulzera), der Oropharynx oder das ZNS können beteiligt sein (Scheinfeld 2003, Wheat 2005, Antonello 2011). Meist besteht eine Hepatosplenomegalie (Mora 2008).</p>
<p style="text-align:justify;">Die Histoplasmose ist AIDS-definierend. Der Erreger kann analog zu Kryptokokken mit einem Antigen-Test relativ zuverlässig im Blut nachgewiesen werden. Im Labor sind LDH und AP sowie die Transaminasen zum Teil deutlich erhöht.</p>
<p style="text-align:justify;">In leichteren Fällen hilft Itraconazol (2-3 x 200 mg/die), das wohl besser ist als Fluconazol (Wheat 2002). In allen anderen Fällen sollte Amphotericin B gegeben werden. Liposomales Amphotericin (3 mg Ambisome<sup>®</sup>, 3 mg/kg/die für 14 Tage) ist nicht nur weniger toxisch, sondern möglicherweise effektiver als Amphotericin (Johnson 2002). Bei Stabilisierung des Patienten kann nach 7-10 Tagen auf Itraconazol umgestellt werden. Die Akuttherapie dauert insgesamt 12 Wochen, anschließend wird  Itraconazol in halber Dosis (1 x 200 mg)  als Sekundärprophylaxe gegeben. Zu beachten sind Interaktionen, vor allem mit Ritonavir, aber auch mit Efavirenz (Crommentuyn 2004, Andrade 2009, Hills-Nieminen 2009), die nicht selten Dosismodifikationen notwendig machen. Analog zu anderen OI kann die Sekundärprophylaxe bei dauerhafter Immunrekonstitution abgesetzt werden (Goldman 2004). Immunrekonstitionssyndrome unter ART sind möglich (Nacher 2006).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Albrecht H, Stellbrink HJ, Petersen J, et al. Disseminated histoplasmosis in AIDS. Dtsch Med Wschr 1994, 119:657-62.</p>
<p style="text-align:justify;">Andrade RA, Evans RT, Hamill RJ, Zerai T, Giordano TP. Clinical evidence of interaction between itraconazole and nonnucleoside reverse transcriptase inhibitors in HIV-infected patients with disseminated histoplasmosis. Ann Pharmacother 2009, 43:908-13.</p>
<p style="text-align:justify;">Crommentuyn KM, Mulder JW, Sparidans RW, et al. Drug-drug interaction between itraconazole and the antiretroviral drug lopinavir/ritonavir in an HIV-1-infected patient with disseminated histoplasmosis. Clin Infect Dis 2004, 38:e73-5.</p>
<p style="text-align:justify;">Goldman M, Zackin R, Fichtenbaum CJ, et al. Safety of discontinuation of maintenance therapy for disseminated histoplasmosis after immunologic response to antiretroviral therapy. Clin Infect Dis 2004, 38:1485-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Gutierrez ME, Canton A, Sosa N, et al. Disseminated histoplasmosis in patients with AIDS in panama: a review of 104 cases. Clin Infect Dis 2005;40:1199-202.</p>
<p style="text-align:justify;">Hills-Nieminen C, Hughes CA, Houston S, Shafran SD. Drug-drug interaction between itraconazole and the protease inhibitor lopinavir/ritonavir. Ann Pharmacother 2009, 43:2117-20.</p>
<p style="text-align:justify;">Johnson PC, Wheat LJ, Cloud GA, et al. Safety and efficacy of liposomal amphotericin B compared with conventional amphotericin B for induction therapy of histoplasmosis in patients with AIDS. Ann Intern Med 2002, 137: 105-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Mora DJ, dos Santos CT, Silva-Vergara ML. Disseminated histoplasmosis in AIDS patients in Uberaba, MG, Brazil. Mycoses 2008;51:136-40.</p>
<p style="text-align:justify;">Nacher M, Sarazin F, El Guedj M, et al. Increased incidence of disseminated histoplasmosis following HAART initiation. J AIDS 2006, 41:468-70.</p>
<p style="text-align:justify;">Scheinfeld N. Diffuse ulcerations due to disseminated histoplasmosis in a patient with HIV. J Drugs Dermatol 2003, 2:189-91.</p>
<p style="text-align:justify;">Wheat LJ, Connolly P, Haddad N, et al. Antigen clearance during treatment of disseminated histoplasmosis with itraconazole versus fluconazole in patients with AIDS. Antimicrob Agents Chemother 2002, 46:248-50.</p>
<p style="text-align:justify;">Wheat LJ, Musial CE, Jenny-Avital E. Diagnosis and management of central nervous system histoplasmosis. Clin Inf Dis 2005, 40:844-52.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Isosporiasis</h3>
<p style="text-align:justify;"><em>Isospora belli</em> ist ein ubiquitär vorkommender Darmparasit. In Europa selten, ist die Isosporiasis vor allem in den Tropen und Subtropen ein großes Problem &#8211; meist sind afrikanische HIV-Patienten betroffen (Lagrange-Xelot 2008). In Indien war <em>Isospora belli </em>nach Kryptosporidien der zweithäufigste Durchfallkeim bei HIV-Patienten (Kulkarni 2009). Ähnlich den Kryptosporidiosen führt der Keim auch bei Immunkompetenten gelegentlich zu epidemieartigen Ausbrüchen. Die Betroffenen leiden an (zumeist milden) Enteritis-artigen Beschwerden, gelegentlich auch an sehr starken, wässrigen Diarrhoen, Abdominalschmerzen, Krämpfen und Übelkeit.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei immundefizienten Patienten kann es zu chronischen Diarrhoen und zur Malnutrition kommen (Review: Goodgame 1996). Fieber ist eher selten. Die CD4-Zellen bei HIV-Patienten mit Isosporiasis liegen im Median bei 150/µl und damit etwas höher als bei Kryptosporidien oder Mikrosporidien.</p>
<p style="text-align:justify;">Eine chronische Isosporiasis mit Durchfällen von mehr als vier Wochen gilt als AIDS-definierend. Der Nachweis der relativ großen Oozysten gelingt in den normalen Stuhluntersuchungen auf Parasiten, aber auch in säurefesten Färbungen. Im Blut besteht meist eine Eosinophilie (Certad 2003).</p>
<p style="text-align:justify;">Als Therapie eignet sich Cotrimoxazol (960 mg/die, eine Woche). Etwas weniger effektiv ist Ciprofloxacin (Verdier 2000). Rezidive kommen auch trotz ART und Sekundärprophylaxe mit Cotrimoaxazol vor (Lagrange-Xelot 2008).</p>
<p style="text-align:justify;">Literatur</p>
<p style="text-align:justify;">Certad G, Arenas-Pinto A, Pocaterra L, et al. Isosporiasis in Venezuelan adults infected with hiv: clinical characterization. Am J Trop Med Hyg 2003, 69:217-22.</p>
<p style="text-align:justify;">Goodgame RW. Understanding intestinal spore-forming protozoa: cryptosporidia, microsporidia, isospora, cyclospora. Ann Int Med 1996,124:429-41</p>
<p style="text-align:justify;">Kulkarni SV, Kairon R, Sane SS, et al. Opportunistic parasitic infections in HIV/AIDS patients presenting with diarrhoea by the level of immunesuppression. Indian J Med Res 2009, 130:63-6.</p>
<p style="text-align:justify;">Lagrange-Xelot M, Porcher R, Sarfati C, et al. Isosporiasis in patients with HIV infection in the HAART era in France. HIV Med 2008;9:126-30.</p>
<p style="text-align:justify;">Verdier RI, Fitzgerald DW, Johnson WD Jr, Pape JW. Trimethoprim-sulfamethoxazole compared with ciprofloxacin for treatment and prophylaxis of Isospora belli and Cyclospora cayetanensis infection in HIV-infected patients. A randomized, controlled trial. Ann Intern Med 2000, 132:885-8.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Kokzidioidomykose</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Schimmelpilz-Infektion mit <em>Coccidioides immitis </em>tritt endemisch im Südwesten der USA auf (Reviews: Galgiani 2005, Ampel 2007). Bei Patienten, die sich in diesen Regionen (Arizona, New Mexico) aufgehalten haben, sollte man an die Erkrankung denken.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Sporen werden inhaliert, primär befallen ist die Lunge (Pappagianis 1993). Etwa 1-3 Wochen nach Exposition kommt es zu einem Pneumonie-ähnlichen Krankheitsbild mit Fieber, Husten, Brustschmerzen und Krankheitsgefühl. Bei Immunkompetenten heilt die Infektion, die oft auch symptomatisch verläuft, meist folgenlos aus. Gelegentlich bleiben Kavernen zurück, die selten auch einer chirurgischen Intervention bedürfen (Jaroszewski 2009). Disseminierte Kokzidioidomykosen über Lunge und Hiluslymphknoten hinaus (zum Beispiel chronische Menigoenzephalitiden) kommen fast nur bei deutlichem Immundefekt von weniger als 250 CD4-Zellen/µl vor (Ampel 2007, Drake 2009). Sie sind AIDS-definierend. In der „prä-HAART-Ära“ war die Prognose schlecht. Bei 602 Patienten mit disseminierter Kokzidioidomykose betrug die Mortalität nach einem Jahr 63 % (Jones 1995). Der Verlauf heute durch ART meist milder (Masannat 2010).</p>
<p style="text-align:justify;">Die Serologie ist bei immundefizienten Patienten meist wenig hilfreich. Die Diagnose kann meistens aus Kulturen oder histologischen Materialien gestellt werden (Adam 2009). Der Verdacht ist dem Laborpersonal mitzuteilen, da eine hohe Infektionsgefahr besteht.</p>
<p style="text-align:justify;">Sowohl Amphotericin als auch Azole wirken (Hernandez 1997), sie sollten u.U. kombiniert werden (Ampel 2007). Detaillierte Empfehlungen für unterschiedliche Situationen (meningeale oder disseminierte Fälle müssen intensiver behandelt werden) finden sich bei Galgiani 2005. Fluconazol sollte als Erhaltungstherapie hochdosiert gegeben werden (400 mg). In den letzten Jahren ist die Erkrankung durch ART seltener geworden. Die Erhaltungstherapie kann wohl bei CD4-Zellen über 250/µl und initial pulmonalem Befall abgesetzt werden. Bei meningealer Beteiligung wird allerdings weiterhin meist eine lebenslange Therapie empfohlen (Woods 2000, Galgiani 2005, Ampel 2007).</p>
<p style="text-align:justify;">Litera<strong>tur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Adam RD, Elliott SP, Taljanovic MS. The spectrum and presentation of disseminated coccidioidomycosis. Am J Med 2009, 122:770-7.</p>
<p style="text-align:justify;">Ampel NM. Coccidioidomycosis in persons infected with HIV-1. Ann N Y Acad Sci 2007;1111:336-42.</p>
<p style="text-align:justify;">Drake KW, Adam RD. Coccidioidal meningitis and brain abscesses: analysis of 71 cases at a referral center. Neurology 2009, 73:1780-6.</p>
<p style="text-align:justify;">Galgiani JN, Ampel NM, Blair JE, et al. Coccidioidomycosis. Clin Infect Dis 2005, 41:1217-23.</p>
<p style="text-align:justify;">Hernandez JL, Echevarria S, Garcia-Valtuille A, Mazorra F, Salesa R. Atypical coccidioidomycosis in an AIDS patient successfully treated with fluconazole. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 1997, 16:592-4.</p>
<p style="text-align:justify;">Jaroszewski DE, Halabi WJ, Blair JE, et al. Surgery for pulmonary coccidioidomycosis: a 10-year experience. Ann Thorac Surg 2009, 88:1765-72.</p>
<p style="text-align:justify;">Masannat FY, Ampel NM. Coccidioidomycosis in patients with HIV-1 infection in the era of potent antiretroviral therapy. Clin Infect Dis 2010, 50:1-7.</p>
<p style="text-align:justify;">Pappagianis D. Coccidioidomycosis. Semin Dermatol 1993, 12:301-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Woods CW, McRill C, Plikaytis BD, et al. Coccidioidomycosis in HIV-infected persons in Arizona, 1994-1997: incidence, risk factors, and prevention. J Infect Dis 2000, 181:1428-34.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Leishmaniose (viszerale)</h3>
<p style="text-align:justify;">Leishmaniose ist der Sammelbegriff für Infektionen mit Protozoen der Gattung Leishmanien; zu unterscheiden ist die kutane von der viszeralen Leishmaniose (Kalar Azar), die Manifestationsform hängt u. a. von der Spezies ab (<em>L. donovani, L. infantum, L. chagasi</em>). Der WHO zufolge sind 12 Millionen Menschen mit diesen Parasiten infiziert, 350 Millionen leben in Risikogebieten. Die Leishmaniose ist damit eine der wichtigsten Parasitosen überhaupt. In Europa ist vor allem der Mittelmeerraum mit Spanien, Portugal, Frankreich und Italien betroffen (meist <em>L. infantum</em>). Unter <a href="http://www.who.int/leishmaniasis/leishmaniasis_maps/en/index.html">http://www.who.int/leishmaniasis/leishmaniasis_maps/en/index.html</a> ist eine globale Übersicht aufrufbar.</p>
<p style="text-align:justify;">HIV-Patienten erkranken häufiger an viszeraler Leishmaniose. In Spanien ist die Mehrheit der Patienten mit viszeraler Leishmaniose HIV-infiziert (Pintado 2001). Obwohl vieles dafür spräche, gilt die Leishmaniose nicht als AIDS-definierend. Eine Auswertung von 15 Fällen aus Deutschland zeigte bei allen eine deutliche Immunsuppression (meist unter 100 CD4-Zellen/µl). Einige Patienten waren mehrere Jahre nicht mehr in den Endemiegebieten gewesen (Albrecht 1998).</p>
<p style="text-align:justify;">Die fast obligate Panzytopenie, die bei HIV-Patienten besonders ausgeprägt ist (Pintado 2001), reflektiert den Knochenmarkbefall. Fieber, Hepatosplenomegalie und mukokutane Läsionen sind weitere Symptome. Die Diagnose wird meist über ein Knochenmarksaspirat gestellt.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Therapie der viszeralen Leishmaniose ist schwierig (Übersicht: Olliaro 2005). Seit etwa 60 Jahren werden Antimonpräparate wie Stibogluconat (Pentostam<sup>®</sup>) und Megluminantimonat (Glucantime<sup>®</sup>) eingesetzt. Diese Präparate (Dosierung 20 mg/kg/Tag i.m. oder – weniger schmerzhaft – i.v. für 28 Tage) sind zwar billig, doch sehr toxisch. Myalgien, Arthralgien, gastrointestinale Beschwerden, Pankreatitis und Kardiotoxizität zwingen oft zum Abbruch (Laguna 1999). Kombinationstherapien sind wohl gleichwertig effektiv und erlauben eine Verkürzung der Therapie (van Griensven 2010, Sundar 2011).</p>
<p style="text-align:justify;">Nach der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft gilt noch liposomales Amphotericin B (AmBisome<sup>®</sup>) als Mittel der Wahl (täglich 2-5 mg pro kg). Auch klassisches Amphotericin B ist wirksam (Lachaud 2009). Eine Alternative – weil verträglich, wirksam und als einziges Leishmanien-Medikament oral bioverfügbar – ist das Alkylphosphocholin-Analogon Miltefosine (Impavido<sup>®</sup>), das im Dezember 2004 in Deutschland zugelassen wurde. Wie Miltefosine den Leishmanien-Metabolismus hemmt, ist noch unklar, aber in einer großen Phase-III-Studie in Indien hat es sich als effektiv erwiesen (Sundar 2002). Eine randomisierte Studie in Äthiopien zeigte bei HIV-Patienten allerdings eine etwas schwächere Wirkung als unter Stiboglucanat, bei allerdings besserer Verträglichkeit (Ritmeijer 2006). Die Dosierung liegt bei 100 mg/die (monatliche Kosten: fast 2.300 Euro!). Wir haben einige Patienten erfolgreich mit Miltefosine behandelt. Auch das Aminoglykosid Paromomycin scheint intramuskulär wirksam zu sein (Sundar 2007+2011), wie mindestens zwei randomisierte Studien aus Indien zeigten. In Europa ist Paromomycin (Humatin<sup>®</sup>) bislang nur als lokales Darmtherapeutikum zugelassen.</p>
<p style="text-align:justify;">Als Sekundärprophylaxe scheint möglicherweise auch Pentamidin zu funktionieren (Patel 2009), wirkungslos ist dagegen wahrscheinlich Fluconazol (Rybniker 2009). Mit Leishmanien-Rezidiven ist in fast der Hälfte der Fälle zu rechnen. ART scheint dies zu ändern – ein weiteres Argument für eine Aufnahme der viszeralen Leishmaniose in die AIDS-Klassifikation (de La Rosa 2002, Fernandez-Cotarelo 2003).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Albrecht H, Sobottka I, Emminger C, et al. Visceral leishmaniasis emerging as an important opportunistic infection in HIV-infected persons living in areas nonendemic for Leishmania donovani. Arch Pathol Lab Med 1996, 120:189-98.</p>
<p style="text-align:justify;">Albrecht H. Leishmaniosis &#8211; new perspectives on an underappreciated opportunistic infection. AIDS 1998, 12:2225-6.</p>
<p style="text-align:justify;">de La Rosa R, Pineda JA, Delgado J, et al. Incidence of and risk factors for symptomatic visceral leishmaniasis among HIV type 1-infected patients from Spain in the era of HAART. J Clin Microbiol 2002, 40:762-7.</p>
<p style="text-align:justify;">Fernandez-Cotarelo MJ, Abellan Martinez J, Guerra Vales JM, et al. Effect of highly active antiretroviral therapy on the incidence and clinical manifestations of visceral leishmaniasis in human immunodeficiency virus-infected patients. Clin Infect Dis 2003, 37: 973-7.</p>
<p style="text-align:justify;">Lachaud L, Bourgeois N, Plourde M, et al. Parasite susceptibility to amphotericin B in failures of treatment for visceral leishmaniasis in patients coinfected with HIV type 1 and Leishmania infantum. Clin Infect Dis 2009, 48:e16-22.</p>
<p style="text-align:justify;">Laguna F, Lopez-Velez R, Pulido F, et al. Treatment of visceral leishmaniasis in HIV-infected patients: a randomized trial comparing meglumine antimoniate with amphotericin B. AIDS 1999, 13:1063-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Olliaro PL, Guerin PJ, Gerstl S, Haaskjold AA, Rottingen JA, Sundar S. Treatment options for visceral leishmaniasis: a systematic review of clinical studies done in India, 1980-2004. Lancet Infect Dis 2005, 5:763-74.</p>
<p style="text-align:justify;">Patel TA, Lockwood DN. Pentamidine as secondary prophylaxis for visceral leishmaniasis in the immunocompromised host: report of four cases. Trop Med Int Health 2009, 14:1064-70.</p>
<p style="text-align:justify;">Pintado V, Martin-Rabadan P, Rivera ML, Moreno S, Bouza E. Visceral leishmaniasis in HIV-infected and non-HIV-infected patients. A comparative study. Medicine (Baltimore) 2001, 80:54-73.</p>
<p style="text-align:justify;">Ritmeijer K, Dejenie A, Assefa Y, et al. A comparison of miltefosine and sodium stibogluconate for treatment of visceral leishmaniasis in an Ethiopian population with high prevalence of HIV infection. Clin Infect Dis 2006, 43:357-64.</p>
<p style="text-align:justify;">Rybniker J, Goede V, Mertens J, et al.  Treatment of visceral leishmaniasis with intravenous pentamidine and oral fluconazole in an HIV-positive patient with chronic renal failure &#8211; a case report and brief review of the literature. Int J Infect Dis. 2009 Aug 31.</p>
<p style="text-align:justify;">Sundar S, Jha TK, Thakur CP, et al. Oral miltefosine for Indian visceral leishmaniasis. N Engl J Med 2002, 347:1739-46.</p>
<p style="text-align:justify;">Sundar S, Jha TK, Thakur CP, Sinha PK, Bhattacharya SK. Injectable paromomycin for Visceral leishmaniasis in India. N Engl J Med 2007;356:2571-81.</p>
<p style="text-align:justify;">Sundar S, Sinha PK, Rai M, et al. Comparison of short-course multidrug treatment with standard therapy for visceral leishmaniasis in India: an open-label, non-inferiority, randomised controlled trial. Lancet 2011, 377:477-86.</p>
<p style="text-align:justify;">van Griensven J, Balasegaram M, Meheus F, et al. Combination therapy for visceral leishmaniasis. Lancet Infect Dis 2010, 10:184-194.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Mikrosporidien</h3>
<p style="text-align:justify;">Die Mikrosporidiose ist weltweit eine wichtige Ursache von Diarrhoen bei HIV-Patienten. Verursacht wird sie durch obligat intrazelluläre Protozoen, die Mikrosporidien. Mindestens vier humanpathogene Genera sind beschrieben worden, <em>Enterocytozoon bieneusi</em> ist der wichtigste. Auch in Deutschland zählten Mikrosporidien früher zu den häufigen Durchfallerregern (Sobottka 1998). Durch ART ist die Inzidenz stark rückläufig. Die Mikrosporidien sind nicht AIDS-definierend, obwohl die chronische Mikrosporidiose fast ausschließlich massiv immunsupprimierte Patienten mit weniger als 50 CD4-Zellen/µl betrifft.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Diarrhoen können sehr stark sein, sind meist wässrig, ohne Blutbeimengung und werden von abdominalen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen begleitet. Fieber fehlt fast immer. Selten wurden Myositiden, Keratokonjunktivitiden und Sinusitiden beschrieben. Infektionen der Gallenwege kommen häufiger vor.</p>
<p style="text-align:justify;">Mehr noch als bei Kryptosporidien gilt, dass das Labor Erfahrung haben muss. Mikrosporidien sind sehr klein, und wer nicht explizit danach gefragt wird, sieht sie nicht! Kulturen sind nicht allgemein etabliert. Der Nachweis gelingt am besten mit Spezialfärbungen. Spezieller Transport oder Aufbereitung sind nicht notwendig.</p>
<p style="text-align:justify;">Albendazol (Eskazole<sup>®</sup> 2 x 1-2 Tbl. à 400 mg/die für 4 Wochen) wirkt relativ gut, aber keineswegs immer. Vor allem <em>E. bieneusi</em> ist gegen Albendazol weitgehend resistent. Aus Frankreich wurden positive Resultate zu Fumagillin (Cave Thrombozytopenien!) publiziert, die Fallzahlen sind jedoch klein (Molina 2002). Auch zu Niazoxanid (siehe <em>Kryptosporidien</em>) gibt es Fallberichte (Bicart-See 2000). Symptomatisch kommt auch Thalidomid in Frage. Am effektivsten scheint jedoch die ART-vermittelte Immunrekonstitution zu sein (Carr 1998+2002, Maggi 2000).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Bicart-See A, Massip P, Linas MD, Datry A. Successful treatment with nitazoxanide of Enterocytozoon bieneusi microsporidiosis in a patient with AIDS. Antimicrob Agents Chemother 2000, 44:167-8.</p>
<p style="text-align:justify;">Carr A, Cooper DA. Fumagillin for intestinal microsporidiosis. N Engl J Med 2002, 347:1381.</p>
<p style="text-align:justify;">Carr A, Marriott D, Field A, Vasak E, Cooper DA. Treatment of HIV-1 associated microsporidiosis and cryptosporidiosis with combination antiretroviral therapy. Lancet 1998, 351:256-61.</p>
<p style="text-align:justify;">Leder K, Ryan N, Spelman D, Crowe SM. Microsporidial disease in HIV-infected patients: a report of 42 patients and review of the literature. Scand J Infect Dis 1998, 30:331-8.</p>
<p style="text-align:justify;">Maggi P, Larocca AM, Quarto M, et al. Effect of antiretroviral therapy on cryptosporidiosis and microsporidiosis in patients infected with HIV virus type 1. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2000, 19:213-7.</p>
<p style="text-align:justify;">Molina JM, Tourneur M, Sarfati C, et al. Fumagillin treatment of intestinal microsporidiosis. N Engl J Med 2002, 346:1963-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Sobottka I, Schwartz DA, Schottelius J, et al. Prevalence and clinical significance of intestinal microsporidiosis in HIV-infected patients with and without diarrhea in Germany: a prospective coprodiagnostic study. Clin Infect Dis 1998, 26:475-80.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Nokardien</h3>
<p style="text-align:justify;">Nokardien sind aerobe Bakterien bzw. Aktinomyzeten, die weltweit vorkommen. Es existieren verschiedene Spezies, die vor allem Pneumonien, aber auch systemische Erkrankungen verursachen. Bei 30 HIV-Patienten mit Nokardiosen war in 21 Fällen die Lunge betroffen (Uttamchandani 1994). Pulmonale Nokardiosen werden oft mit einer Tuberkulose verwechselt. Extrapulmonale Manifestationsorte sind Haut, Gehirn, aber auch Nieren, Muskeln und Knochen. Die Immunantwort auf Nokardien ist zellulär, das Erkrankungsrisiko ist daher bei Immunschwäche erhöht. Bei HIV-Patienten sind Nokardien-Infektionen allerdings eher selten, meist liegt ein schwerer Immundefekt vor (Javaly 1992, Uttamchandani 1994). Nokardiosen sprechen gut auf Sulfonamide wie Sulfadiazin an (Pintado 2003). Bei Verdacht auf die Erkrankung sollte man sich von einem erfahrenen Labor beraten lassen, in Deutschland liegt das Nationale Konsiliarlaboratorium für Aktinomyzeten in Bonn (alles weitere unter: http://mibi03.meb.uni-bonn.de/~groups/schaal/).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Javaly K, Horowitz HW, Wormser GP. Nocardiosis in patients with hiv infection. Report of 2 cases and review of the literature. Medicine 1992,71:128-38.</p>
<p style="text-align:justify;">Pintado V, Gomez-Mampaso E, Cobo J, et al. Nocardial infection in patients infected with the HIV. Clin Microbiol Infect 2003, 9:716-20.</p>
<p style="text-align:justify;">Uttamchandani RB, Daikos GL, Reyes RR, et al. Nocardiosis in 30 patients with advanced HIV infection: clinical features and outcome. Clin Infect Dis 1994, 18:348-53.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Penicillium marneffei</h3>
<p style="text-align:justify;">Die meisten Pilze der Penicillium-Spezies sind nicht pathogen. Eine Ausnahme ist <em>Penicillium marneffei</em>, der vor allem in Südostasien &#8211; vor allem während der Regenzeit &#8211; ein Problem ist (Le 2011). Dort ist die Erkrankung neben der Kryptokokkose die häufigste Pilzinfektion bei AIDS. Fast immer liegt ein schwerer Immundefekt vor. Nach der CDC-Klassifikation gilt die Infektion dennoch nicht als AIDS-definierend. Die einzigen bekannten Wirte für Penicillium marneffei sind Menschen und Ratten, möglicherweise auch Hunde.</p>
<p style="text-align:justify;">Lunge und Haut sind am häufigsten betroffen, disseminierte Verläufe kommen vor (Ma 2005). Die Symptomatik besteht aus hohem, prolongiertem Fieber, Lymphadenopathie, Gewichtsverlust, Krankheitsgefühl, Husten und Hämoptysen. Die kutanen Läsionen erinnern an Mollusken. Leber und Milz sind oft vergrößert (siehe Bildtafeln!). Diagnostisch entscheidend ist die Kultur aus Blut, Knochenmark, Sputum oder Biopsaten. Neuerdings wird auch ein Bluttest auf Galaktomannan, einem Bestandteil der Zellwand von Pencillium marneffei, empfohlen (Huang 2007).</p>
<p style="text-align:justify;">Randomisierte Therapiestudien gibt es nicht. Amphotericin B, Voriconazol und Itraconazol sind wirksam (Supparatpinyo 2007, Ustianowski 2008). Zur Vermeidung von Rezidiven ist eine Dauer-Prophylaxe mit Itraconazol zu empfehlen (Supparatpinyo 1998). Eine Primärprophylaxe ist dagegen auch bei längerem Aufenthalt in Endemiegebieten nicht sinnvoll (Chariyalertsak 2002). Den einzigen Patienten, den wir gesehen haben, hatte mehrere Monate Thailand bereist (Sobottka 1996).</p>
<h4 style="text-align:justify;">Literatur</h4>
<p style="text-align:justify;">Chariyalertsak S, Supparatpinyo K, Sirisanthana T, et al. A controlled trial of itraconazole as primary prophylaxis for systemic fungal infections in patients with advanced HIV infection in Thailand. Clin Infect Dis 2002, 34:277-84.</p>
<p style="text-align:justify;">Huang YT, Hung CC, Liao CH, et al. Detection of circulating galactomannan in serum samples for diagnosis of Penicillium marneffei infection and cryptococcosis among patients infected with HIV. J Clin Microbiol 2007;45:2858-62.</p>
<p style="text-align:justify;">Le T, Wolbers M, Chi NH, et al. Epidemiology, Seasonality, and Predictors of Outcome of AIDS-Associated Penicillium marneffei Infection in Ho Chi Minh City, Viet Nam. Clin Infect Dis 2011, 52:945-52.</p>
<p style="text-align:justify;">Ma ES, Ho PL. Disseminated Penicillium marneffei infection. Br J Haematol 2005, 130:2.</p>
<p style="text-align:justify;">Sobottka I, Albrecht H, Mack D, et al. Systemic Penicillium marneffei infection in a German AIDS patient. Eur J Clin Mic Inf Dis 1996,15:256-9.</p>
<p style="text-align:justify;">Supparatpinyo K, Perriens J, Nelson KE, Sirisanthana T. A controlled trial of itraconazole to prevent relapse of Penicillium marneffei infection in patients infected with the HIV. N Engl J Med 1998, 339:1739-43.</p>
<p style="text-align:justify;">Supparatpinyo K, Schlamm HT. Voriconazole as therapy for systemic Penicillium marneffei infections in AIDS patients. Am J Trop Med Hyg 2007;77:350-3.</p>
<p style="text-align:justify;">Ustianowski AP, Sieu TP, Day JN. Penicillium marneffei infection in HIV. Curr Opin Infect Dis 2008;21:31-6.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Rhodokokken</h3>
<p style="text-align:justify;"><em>Rhodococcus equi</em> (früher <em>Corynebakterium equi</em>) ist ein sporenloser, gram-positiver, intrazellulärer Erreger, der ubiquitär und vor allem in trockenen, staubigen Erdböden vorkommt. <em>R. equi</em> wurde auf allen Kontinenten gefunden und ist vor allem in der Veterinärmedizin bedeutsam. Bei Fohlen ist R. <em>equi</em> der weitaus wichtigste Erreger von Atemwegserkrankungen. Auch Menschen können sich infizieren. Bereits 1986 wurde der erste Fall eines AIDS-Patienten beschrieben (Samies 1986). In einer Fallsammlung von 78 HIV-Patienten waren überwiegend Patienten mit weniger als 50 CD4-Zellen/µl betroffen (Capdevila 1997).</p>
<p style="text-align:justify;">Klinisch bestehen schwere granulomatöse oder auch abszedierende Pneumonien, gelegentlich auch disseminierte Infektionen. Hauptsymptome sind Fieber, Dyspnoe und unproduktiver Husten (Capdevila 1997). Röntgenologisch zeigen sich häufig Kavernen in den Oberlappen (Marchiori 2005).</p>
<p style="text-align:justify;">Rhodokokken werden am besten in Sputum- und Blutkulturen nachgewiesen (Torres-Tortosa 2003). Im Sputum werden die coryneforme Bakterien allerdings häufig mit diphteroiden Keimen der Mundflora verwechselt.</p>
<p style="text-align:justify;">Erythromycin, Azithromycin, Ciprofloxacin, Rifampicin oder Vancomycin sind wirksam. Die Substanzen werden zum Teil auch kombiniert. Die Therapie führt jedoch trotz ART mitunter nicht zu einer Ausheilung (Plum 1997, Sanz-Moreno 2002), so dass bei den teilweise ausgedehnten Kavernen auch chirurgische Maßnahmen erforderlich werden können. ART verbessert allerdings insgesamt die Prognose, weshalb jeder Patient unbedingt antiretroviral behandelt werden sollte (Torres-Tortosa 2003, Topino 2010).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Capdevila JA, Bujan S, Gavalda J, Ferrer A, Pahissa A. Rhodococcus equi pneumonia in patients infected with the HIV. Report of 2 cases and review of the literature. Scand J Infect Dis 1997, 9:535-41.</p>
<p style="text-align:justify;">Marchiori E, Muller NL, de Mendonca RG, et al. Rhodococcus equi pneumonia in AIDS: high-resolution CT findings in five patients. Br J Radiol 2005, 78:783-6.</p>
<p style="text-align:justify;">Plum G, Fätkenheuer G, Hartmann P, et al. Secondary prophylaxis of Rhodococcus equi pneumonia in HIV infection: breakthrough despite rifampicin/erythromycin suppressive therapy. Clin Microbiol Infect 1997, 3:141-143.</p>
<p style="text-align:justify;">Samies JH, Hathaway BN, Echols RM, et al. Lung abscess due to Corynebacterium equi: report of the first case in a patient with AIDS. Am J Med 1986, 80:685–688.</p>
<p style="text-align:justify;">Sanz-Moreno J, Flores-Segovia J, Olmedilla-Arregui G, et al. Rhodococcus equi pneumonia: HAART helps but does not cure lung infection. AIDS 2002, 16:509-11.</p>
<p style="text-align:justify;">Topino S, Galati V, Grilli E, Petrosillo N. Rhodococcus equi infection in HIV-infected individuals: case reports and review of the literature. AIDS Patient Care STDS 2010, 24:211-22.</p>
<p style="text-align:justify;">Torres-Tortosa M, Arrizabalaga J, Villanueva JL, et al. Prognosis and clinical evaluation of infection caused by Rhodococcus equi in HIV-infected patients: a multicenter study of 67 cases. Chest 2003, 123:1970-6.</p>
<h3 style="text-align:justify;">Trypanosoma cruzi</h3>
<p style="text-align:justify;"><em>Trypanosoma cruzi</em> ist ein durch den infizierten Kot von Raubwanzen übertragbares Protozoon, das sich fast ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent findet. Es verursacht die Chagas-Krankheit, die in Südamerika eine der häufigsten Ursachen für Kardiomyopathien ist.</p>
<p style="text-align:justify;">HIV-Patienten haben häufiger und höhere Parasitämien (Sartori 2002), was vermutlich daran liegt, dass die Trypanosomen-spezifische Immunantwort vorwiegend zellulärer Natur ist. Weitaus häufiger als bei nicht HIV-Infizierten findet sich bei HIV-infizierten Patienten außerdem eine meist schwere Meningoenzephalitis, die radiologisch nicht von einer zerebralen Toxoplasmose oder einem primär zerebralen Lymphom zu unterscheiden ist. Am wahrscheinlichsten ist eine Reaktivierung (Diazgranados 2009). Bei HIV-Patienten aus Südamerika sollte die Trypanosomen-Infektion deshalb differentialdiagnostisch berücksichtigt werden (Silva 1999, Cordova 2008).</p>
<p style="text-align:justify;">Zur Diagnose führt die Serologie (kann auch negativ sein) und der Nachweis aus dem Liquor. Die Therapie mit zum Beispiel Benznidazol ist zwar wirksam, die Mortalität dennoch sehr hoch (Sartori 2007, Cordova 2008). Möglicherweise wirken auch Itraconazol oder Ketoconazol (de Almeida 2009).</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Literatur</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Cordova E, Boschi A, Ambrosioni J, Cudos C, Corti M. Reactivation of Chagas disease with central nervous system involvement in HIV-infected patients in Argentina, 1992-2007. Int J Infect Dis 2008,12:587-92.</p>
<p style="text-align:justify;">de Almeida EA, Silva EL, Guariento ME, et al. Aetiological treatment with itraconazole or ketoconazole in individuals with Trypanosoma cruzi/HIV co-infection. Ann Trop Med Parasitol 2009, 103:471-6.</p>
<p style="text-align:justify;">Diazgranados CA, Saavedra-Trujillo CH, Mantilla M, et al. Chagasic encephalitis in HIV patients: common presentation of an evolving epidemiological and clinical association. Lancet Infect Dis 2009, 9:324-30.</p>
<p style="text-align:justify;">Sartori AM, Ibrahim KY, Nunes Westphalen EV, et al. Manifestations of Chagas disease (American trypanosomiasis) in patients with HIV/AIDS. Ann Trop Med Parasitol 2007;101:31-50.</p>
<p style="text-align:justify;">Sartori AM, Neto JE, Nunes EV, et al. Trypanosoma cruzi parasitemia in chronic Chagas disease: comparison between HIV-positive and HIV-negative patients. J Infect Dis 2002, 186:872-5.</p>
<p style="text-align:justify;">Silva N, O&#8217;Bryan L, Medeiros E, et al. Trypanosoma cruzi meningoencephalitis in HIV-infected patients. J AIDS Hum Retrovirol 1999, 20:342-9.</p>
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